Die Welt des goldenen Mondes - Band 2 - Kapitel 8: Der Schwur der Dienerschaft
Imported from SF2 with no description.
Hallo ihr Lieben!
Und weiter geht’s mit meiner Story-Reihe über Reiga und sein Rudel. Viel Spaß!
Noch schnell das übliche Blabla: Wie immer sind alle Figuren und Inhalte der Geschichte meiner Fantasie entsprungen und daher sind eventuelle Übereinstimmungen reiner Zufall. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen. :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
Kapitel 8: Der Schwur der Dienerschaft
Auch am dritten Morgen im Reich der Wölfe riss der Zauber Reiga und sein Rudel unsanft aus dem Schlaf. Wie auf Knopfdrück gingen die Augen aller Anwesenden in der kleinen Schlafhöhle auf. „Daran werde ich mich nie gewöhnen“, stöhnte Marie genervt und erhob sich währenddessen aus ihrem provisorischen Bett, das Reiga für sie und Thomas mit Hilfe seiner Magie erschaffen hatte. „Ich gebe zu, es dauert eine Weile, aber irgendwann schon“, konterte Kiba amüsiert und streckte sich dabei erstmal durch, um seinen Kreislauf in Schwung zu bringen.
Nachdem alle soweit waren, liefen sie mit Arkady's Rudel zusammen zum Baum der tausend Herzen, wo jeder eine Nova-Frucht aß. Während sich für die Wölfe nichts am unbeschreiblich guten Geschmack änderte, mussten Thomas und Marie erstaunt feststellen, dass die Früchte anders schmeckten, als die, die sie an ihrem ersten Tag in den Mondhöhlen gegessen hatten. Auf die folgende Frage von ihnen wusste aber auch Kiba nun keine wirkliche Antwort. „Bisher hat kein Mensch jemals zwei gegessen. Meisterin Lena hatte dazu nie die Gelegenheit, da die Menschen zu viel Angst vor den Früchten hatten und kein zweites Stück essen wollten“, antwortete er schließlich auf die verwunderten Blicke seiner beiden menschlichen Rudelmitglieder.
„Vielleicht wird der Geschmack nicht durch das Lieblingsessen ersetzt, sondern nur durch das, was derjenige gerade am liebsten zu essen hätte“, vermutete Marie daraufhin. Thomas erwiderte nickend: „Ich hätte tatsächlich gerade gerne ein großes Käse-Omelette gehabt und so schmeckt meine Frucht nun auch. Da scheint also was dran zu sein. Wir können uns für die nächste Frucht ja einfach ein bestimmtes Gericht überlegen und deine Theorie dann mal testen.“ „Ja, das ist eine gute Idee. Ich bin schon gespannt drauf“, gab Marie zurück und bis noch ein Stück von dem lilafarbenen Fruchtfleisch ab. Nach einem kurzen Besuch auf der anderen Seite des Baumes, liefen sie erneut den Spiralweg ein Stück rauf und begaben sich zum Fluss in der nächsten Höhle, wo jeder einige Schluck Wasser trank.
Während Thomas und Marie danach direkt in die Höhle der Tiranen gingen, lief Reiga zur Ratshöhle der Meister. Arkady und die Anderen verteilten sich in den Mondhöhlen und suchten sich andere Beschäftigungen. Gerade als Reiga von der Haupthöhle aus in den Tunnel zu Ratshöhle einbiegen wollte, trat eine junge Wölfin an ihn heran: „Guten Morgen, Meister Reiga. Darf ich euch nach eurer Entscheidung fragen oder benötigt ihr noch etwas Zeit?“ Reiga erkannte die Stimme und antwortete: „Guten Morgen, Fala. Nein, ich benötige keine Zeit mehr, allerdings hätte ich ein paar Fragen an dich, bevor ich mich endgültig entscheide. Bitte folge mir in die Versammlungshöhle.“
„Wie ihr wünscht“, gab die Wölfin darauf nur zurück und ging Reiga hinterher. In der großen Höhle mit dem grasbewachsenen Boden suchten sie sich schnell ein ruhiges Plätzchen und ließen sich dort nieder. Reiga fragte kurz darauf: „Nun als erstes wüsste ich gerne, warum du meine Dienerin werden willst.“ Fala war davon nicht wirklich überrascht. Sie hatte ihn immerhin in nahezu jeder Minute der vergangenen Tage beobachtet und so vieles über ihn gelernt. Sie konnte ihn daher nun recht gut einschätzen und wusste auch, welche Antworten sie ihm geben musste. Ihm zu sagen, dass man es auf die Macht dieser Position abgesehen hatte, wäre zum Beispiel keine gute Idee gewesen.
Die junge Wölfin erklärte: „Jeder Wolf weiß genau, was das Erscheinen des männlichen Lougarous zu bedeuten hat. Jeder Wolf weiß genau, dass es schon bald Krieg geben wird und dass wir gegen einen übermächtigen Feind kämpfen müssen, der darauf aus ist uns zu vernichten. Ich bin keine gute Kämpferin und bin auch nicht magisch begabt. Ich werde in diesem Kampf also keine große Hilfe sein können. Jedoch kann ich sehr gut Informationen beschaffen. Ich kann andere leicht durchschauen und einschätzen. Ich weiß, was ich wann zu sagen oder zu tun habe. Ich weiß, wie man Befehle befolgt. Ich kenne mich sehr gut mit unseren Gesetzen aus und kenne unsere wichtigsten Traditionen. Außerdem war ich die persönliche Dienerin von Meister Almos und weiß daher bereits, was mich als Dienerin eines Meisters erwartet. Ich möchte euch dienen, weil ich darin eine Chance für mich sehe meinem Volk in Zukunft nützlich zu sein.“
Reiga nickte zufrieden und fragte: „Wen würdest du für den Meistertitel vorschlagen?“ „Darüber habe ich mir natürlich keine Gedanken gemacht, da meine Meinung diesbezüglich keine Rolle spielt. Als persönliche Dienerin wäre es meine Aufgabe die Meinung des Meisters zu vertreten, nicht meine eigene. Dies gilt auch bei allen anderen Entscheidungen. Allerdings denke ich, dass jeder der Hauptrudelführer seine Stärken und Schwächen hat, genauso wie jeder andere Wolf auch. Ich würde also genau abwägen, wer am ehesten für den Titel geeignet ist und nicht nach dem perfekten Kandidaten suchen“, antwortete Fala schließlich. Erneut nickte Reiga nur zufrieden und stellte kurz darauf die nächste Frage: „Wie würdest du einen Wolf bestrafen, der dich ungefragt und ohne deinen Titel anspricht?“
Reiga sah die Wölfin gespannt an. Natürlich bezweckte er mit seinen Fragen etwas und war daher nun sehr neugierig auf ihre Antwort. Er ließ sich davon zwar nichts anmerken, aber Fala bemerkte es dennoch und durchschaute die Fangfrage. Sie kannte Reigas Meinung zu diesem Thema noch nicht wirklich, konnte sie sich aber schon denken. Sie wählte ihre Worte sorgsam und antwortete: „Generell finde ich es nicht in Ordnung, dass ein Wolf dafür bestraft wird, dass er jemanden nur angesprochen hat. Der Titel wurde jedoch nicht ohne Grund verliehen. Ein erwachsener Wolf sollte das wissen und somit auch darauf achten. Natürlich kommt es auf die Situation an, aber generell würde ich den Wolf nicht bestrafen, ihn jedoch zurechtweisen und ihn nochmal an die Bedeutung der Titel erinnern.“
Reiga nickte wortlos. Er hatte sich gestern Abend noch von Kiba genau erzählen lassen, wie Fala ihn zusammengeschnauzt hatte. Vor allem hatte er sich aber von ihm eine Meinung zu Fala eingeholt und Kiba war derselben Meinung wie Reiga. Diese Wölfin versteckte etwas. Beide mussten sich eingestehen, dass es nur eine vage Ahnung war, aber dennoch war Reiga davon überzeugt, dass mit ihr etwas nicht stimmte. Er wusste nur nicht was und um der Sache auf den Grund gehen zu können, musste er vorerst mitspielen. Fala machte sich derweil schon ihre eigenen Gedanken. Natürlich ging sie davon aus, dass ihre Schauspielerei perfekt war. Sie galt nicht ohne Grund als die Beste, aber dennoch ließ es ihr keine Ruhe, dass Reiga so gelassen und fast unbeeindruckt wirkte.
Sie hatte eher damit gerechnet, dass er über ihre Antworten erfreut sein würde. Sie hatte ihm genau das gesagt, was er hören wollte und dabei darauf geachtet, dass ihre Antworten nicht zu geplant wirkten. Er sollte keinen Verdacht hegen, dass sie ihn manipulierte. Fala warf ihre Zweifel schließlich doch über Bord, da sie zu sehr von sich selbst überzeugt war: „Ach Quatsch! Der hat mich niemals durchschaut. Ich bin die Beste! Ich kann gar nicht versagen.“ Nur wenige Sekunden nach Fala’s Antwort und Reigas Kopfnicken, sagte er: „Das freut mich zuhören. Es scheint alles in Ordnung zu sein. Okay, ich wähle dich als meine persönliche Dienerin. Wie geht das jetzt von statten? Du musst doch einen Schwur ablegen oder?“
Fala wirkte nicht überrascht. Sie war so sehr von sich überzeugt, dass sie mit seiner Zustimmung gerechnet hatte, aber dennoch konnte sie einen kleinen Anflug von Erleichterung nicht unterdrücken. Sie atmete kurz durch und erklärte: „Ich danke euch vielmals für euer Vertrauen. Das ist eine große Ehre für mich und ich werde euch nicht enttäuschen. Ja, es gibt einen Schwur. Den genauen Wortlaut könnt ihr selbst bestimmen. Allerdings muss dieser Schwur mir mindestens absolute Verschwiegenheit, Gehorsamkeit und Offenheit abverlangen. Weitere Ergänzungen stehen euch natürlich frei.“
„Was für Ergänzungen zum Beispiel?“, hakte Reiga nach, worauf die Wölfin überlegte und dabei sagte: „Gute Frage. Verzeiht Meister Reiga, aber darf ich offen über die anderen Meister sprechen?“ Nach einem wortlosen Nicken von ihm, fügte Fala hinzu: „Nun ja, ihr könnt tatsächlich alles Mögliche in den Schwur einbauen. Den Schwur, den Meister Almos mich aufsagen ließ, beinhaltete zum Beispiel noch Loyalität, Anstand und gepflegtes Äußeres. Auch Meisterin Cira und Meister Jolon verlangen unter Anderem diese Dinge von ihren Dienern. Körperliche Dienste sind dagegen eher selten Bestandteil des Schwurs. Dies wird meist inoffiziell geregelt.“ „Körperliche Dienste? Sind damit die Botengänge gemeint?“, erkundigte sich Reiga verwundert, doch die Wölfin antwortete: „Nein, damit ist das Zeugen von Welpen gemeint.“
Natürlich sah er sie nun ziemlich geschockt an. Als Fala seinen Gesichtsausdruck bemerkte und dann kurz darüber nachdachte, erklärte sie: „Verzeiht. Ich hatte vergessen, dass ihr noch sehr menschlich denkt und unsere Lebensweise gerade erst kennenlernt. Viele, die den Meistertitel erhalten haben, hatten danach kaum noch die Möglichkeit einen Lebensgefährten zu finden. Ihre Stellung an der Spitze der Rangordnung macht es ihnen schwer, da sich niedere Wölfe in ihrem Beisein oft unwohl fühlen.“ Nach allem, was Reiga bisher in den Mondhöhlen erfahren und miterlebt hatte, konnte er sich das gut vorstellen. Wer kann schon frei atmen, wenn der oberste Chef neben einem steht, aber dennoch machte es ihn traurig, denn so sollte es einfach nicht sein.
Fala fügte hinzu: „Wenn aber Körper und Geist doch mal nach dieser bestimmten Art der Entspannung verlangen, dann müssen viele Meister auf ihren persönlichen Diener zurückgreifen. Es wird zwar sehr selten im Schwur verlangt, aber oft wurde das Thema vor dem Ablegen des Schwurs bereits besprochen. Außerdem sollte ich vielleicht noch erwähnen, dass es überwiegend weibliche Meister sind, die davon Gebrauch machen. Die männlichen Meister werden täglich von unzähligen Weibchen darum gebeten ihnen Welpen zu schenken, während es nur wenige Männchen gibt, die es sich trauen eine Meisterin überhaupt anzusprechen.“
Reiga hörte ihr wortlos zu. Er verstand es zwar, aber dennoch war es irgendwie deprimierend. Respekt war eine Sache, aber das ging ihm dann schon wieder zu weit. Seiner Meinung nach sollte es keine Entfernung zwischen zwei Lebewesen geben, abgesehen von der, die man durch Laufen ändern konnte. „Nun ja. Ich schweife wohl etwas ab. Es steht euch, wie gesagt, vollkommen frei, was ihr in den Schwur miteinbezieht oder nicht“, sagte die Wölfin abschließend. Nach einigen schweigsamen Sekunden erkundigte sich Reiga plötzlich: „Was geschieht eigentlich, wenn der Schwur gebrochen wird? Das der Diener bestraft wird, ist mir schon klar, aber gibt es dafür eine bestimmte Regelung?“
Fala antwortete: „Sollte ein Diener seinen Schwur tatsächlich einmal brechen oder sich einen anderen Fehltritt erlauben, so gehört es natürlich zur Pflicht des Meisters ihn dafür zu bestrafen. Hierbei kann der Rat der Meister keine Einwände erklären. Das Strafmaß und die Art der Strafe obliegt allein dem Meister, der von seinem Diener betrogen wurde. Im schlimmsten Fall kann er sogar die Todesstrafe verhängen, jedoch ist mir nicht bekannt, dass ein solcher Fall jemals eingetreten ist.“ „Okay. Das war soweit alles, was ich wissen wollte. Obwohl – gibt es denn einen bestimmten Ablauf für das Ablegen des Schwurs?“, fragte Reiga nach kurzem Überlegen dann doch nochmal nach.
„Der genaue Ablauf steht euch ebenfalls frei. Ihr könnt den Text zum Beispiel aufsagen und es mich nachsprechen lassen oder ihr formuliert es als Frage, auf die ich mit „Ich schwöre“ antworten soll“, erklärte die Wölfin. „Ach so. Okay, danke. Das war dann nun wirklich alles. Möchtest du mich etwas fragen?“, gab Reiga darauf zurück. „Nein, Fragen habe ich keine, allerdings möchte ich euch noch gerne etwas sagen. Bitte seid versichert, dass ich euch auf JEDE erdenkliche Weise dienen werde. Auch körperlich, wenn ihr es wünscht“, sprach die Wölfin, doch natürlich konterte Reiga: „Ich danke dir für das Angebot, aber an dieser Art von Diensten habe ich kein Interesse.“ „Wie ihr wünscht, Meister Reiga“, entgegnete Fala und schien dabei wenig überrascht.
Natürlich hatte die Wölfin diese Antwort bereits erwartet. Für gewöhnlich konnte sie Männchen leicht manipulieren, da sie wusste wie sie ihre weiblichen Reize einsetzen musste. Bei Reiga wusste sie allerdings inzwischen, dass er mit einem Männchen aus seinem Rudel zusammen war. Sie ging daher davon aus, dass er nicht so einfach auf sie reagieren würde und daher empfand sie es als Herausforderung. Reiga erhob sich plötzlich von seinem Platz und erwiderte auf ihren fragenden Blick: „Der Schwur muss vor dem Rat der Meister abgelegt werden oder?“ Auf das Nicken der Wölfin hin, fügte er hinzu: „Dann gehen wir jetzt in die Ratshöhle der Meister und erledigen das. Bitte folge mir.“
Auch Fala erhob sich von ihrem Platz, während sie entgegnete: „Wie ihr wünscht, Meister Reiga.“ Die Beiden liefen wieder durch den Tunnel in die Haupthöhle und von dort aus den Spiralweg runter. Vorbei an der Höhle der Tiranen und der Nihama, bogen sie schließlich in den Tunnel zur Ratshöhle ein. Reiga wünschte den Meistern einen guten Morgen und setzte sich dabei auf seinen Platz zwischen sie. „Ich habe mich dazu entschieden Fala’s Angebot anzunehmen und sie zu meiner persönlichen Dienerin zu machen“, sagte Reiga, während er sich im Schneidersitz auf dem erhöhten Bereich niederließ. Meisterin Cira erwiderte: „Wisst ihr alles Nötige über den Ablauf und den Schwur?“
Auf das wortlose Nicken von ihm, sah die Wölfin zu Fala rüber, die bereits vor dem erhöhten Bereich saß und wartete. „Du warst doch auch die persönliche Dienerin von Meister Almos oder?“, erkundigte sich Meisterin Cira. Fala antwortete nickend: „Ja, das ist richtig.“ Meisterin Cira fragte: „Dann weißt du ja bereits, was auf dich zukommt. Du bietest dich auch diesmal vollkommen freiwillig als Dienerin an. Ist das richtig?“ Erneut antwortete Fala nur: „Ja, das ist richtig.“ Nach einem kurzen Nicken, wandte sich Meisterin Cira Reiga zu und erinnerte ihn nochmal an das Wichtigste: „Bitte nehmt Fala nun den Schwur ab. Dieser muss ihr mindestens Verschwiegenheit, Gehorsamkeit und Offenheit abverlangen. Alles Weitere ist euch überlassen.“
Reiga sah Fala an und überlegte sich nochmal das Ganze, doch es gab sowieso kein Zurück. Er wollte wissen, was mit dieser Wölfin los war und der einfachste Weg das zu erreichen, schien erstmal mitzuspielen. In der Ratshöhle war es totenstill. Alle warteten auf Reiga, der schließlich sprach: „Fala, du hast dich freiwillig dazu entschlossen, mir zu dienen. Unsere Traditionen verlangen es, dass du den Schwur der Dienerschaft ablegst. Wenn du damit einverstanden bist, dann sprich bitte die Worte aus, die ich dir in deinen Gedanken zukommen lasse.“ Die Wölfin nickte wortlos und machte sich bereit. Reiga übertrug mit etwas Magie die Worte, die er gewählt hatte, direkt in den Geist der Wölfin.
Nach einigen schweigsamen Sekunden begann Fala den Schwur aufzusagen: „Beim heiligen Schein des Mondes schwöre ich, Fala, gehorsam meine Aufgaben zu erfüllen und die mir anvertrauten Informationen stets zu hüten. Ständige Ehrlichkeit will ich euch entgegenbringen und zugleich keine Geheimnisse vor euch haben. Mit Körper und Geist werde ich euer Wort vertreten und dabei immer die Gesetze und Traditionen unseres Volkes bewahren. Euer Wohl ist mein Ziel, denn mit diesen Worten voller Kraft – schwöre ich euch, Meister Reiga, die Dienerschaft.“
Die Wölfin verneigte sich kurz und sah danach wieder zu Reiga auf. Dieser erwiderte: „Ich nehme deinen Schwur an und danke dir. Ich freue mich auf unsere zukünftige Zusammenarbeit. Du darfst dich nun zu deinem Platz bei den anderen Dienern begeben.“ Fala nickte erfreut und bedankte sich ebenfalls nochmal, bevor sie zum Bereich der persönlichen Diener lief und sich dort niederließ. Meisterin Cira wandte sich Reiga erneut zu und sagte: „Ein schöner Schwur. Ihr habt die Worte gut gewählt.“ „Vielen Dank. Freut mich, dass er euch gefallen hat“, bedankte sich Reiga lächelnd. Bevor jemand ein weiteres Wort sagen konnte, leuchtete plötzlich ein greller Schein aus Reigas offenem Mantel heraus.
Natürlich wussten die Anwesenden alle, dass das nur eins bedeuten konnte. Meister Jolon erklärte: „Es überrascht mich nicht, dass das Buch der Prophezeiungen gerade jetzt aufleuchtet. Da du nun eine Vertretung gewählt hast, scheint deine Suche beginnen zu können. Ich bin gespannt auf deine erste Prophezeiung. Bitte lies sie uns vor.“ „Natürlich“, gab Reiga nur darauf zurück und holte dabei das Buch aus der Innentasche seines schwarzen Ledermantels. Nachdem er es im hinteren Drittel aufgeschlagen hatte, blätterte er noch einige Seiten um und fand schließlich die letzte beschriebene Seite.
Auch diesmal war die Prophezeiung in einfachem Hoch-Deutsch geschrieben und kurz darauf fing Reiga an diese vorzulesen: „Wahrlich ich sage euch, nun ist eine Vertretung bestimmt. Ob gut oder schlecht gewählt, wird nur allein die Zukunft zeigen. Doch was auch immer kommen mag, bedenke dabei stets: Alles was geschieht, muss geschehen. Alles was nicht geschieht, soll auch nicht geschehen. Aber nun genug der Umschweife, denn es gibt viel für dich zu tun, junger Lougarou. Hier ist deine erste Aufgabe: Finde den Letzten der wahrhaft Starken. Suche ihn dort, wo er dem Himmel am nächsten ist, ihn jedoch nicht sehen kann. Finde das, was nicht gefunden werden will. Suche es dort, wo es ist, aber nicht zu sein scheint. Höre eine Stimme, wo keiner spricht, dann wird sich dir ein Weg offenbaren, wo keiner ist.“
(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox)