Die Welt des goldenen Mondes - Band 2 - Kapitel 7: Die Geschehnisse des zweiten Tages
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Hallo ihr Lieben!
Erstmal: Frohe Feiertage!
Zweitmal: Frohes Neues!
Drittmal: Hier nun das siebte Kapitel meiner Storyreihe über Reiga und sein Rudel. XD
Noch schnell das übliche Blabla: Wie immer sind alle Figuren und Inhalte der Geschichte meiner Fantasie entsprungen und daher sind eventuelle Übereinstimmungen reiner Zufall. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen. :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
Kapitel 7: Die Geschehnisse des zweiten Tages
Reiga saß ruhig und gelassen auf seinem Platz, zumindest sah es von außen so aus. Natürlich wusste er, dass die alte Wölfin damit irgendwie auch recht hatte. Er hatte den Meistertitel einfach nur dafür bekommen, dass er der Lougarou war. Jeder andere Wolf musste alle amtierenden Meister mühsam davon überzeugen, für ihn zu stimmen und das war sicherlich alles andere als einfach. Allerdings schien Meisterin Kuwani etwas zu vergessen. Er empfand es nämlich trotz dessen nicht so, dass ihm der Meistertitel geschenkt wurde. Ganz im Gegenteil. Den Preis, den er dafür zahlen musste, war endlos.
Reiga atmete einmal tief durch, sah die alte Wölfin neben sich mit ernstem Blick an und antwortete auf ihre rhetorische Frage: „Ich glaube, ihr schätzt mich falsch ein, Meisterin Kuwani. Ich habe größten Respekt vor jedem von euch. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass es nicht leicht ist sich den Meistertitel zu verdienen, aber ihr liegt falsch, wenn ihr glaubt, dass ich ihn einfach nur geschenkt bekommen habe.“ Die Wölfin erhob sich, drehte sich dabei zu Reiga und brummte verärgert: „Ach wirklich? Und wie kommst du zu dieser Annahme?!“ Reiga rührte keinen Muskel. Obwohl sich die Wölfin alle Mühe gab, ihm durch ihre Drohgebärden Angst zu machen, blieb er ruhig auf seinem Platz sitzen und ging auch in keine Abwehrhaltung. Er hatte zwar Respekt vor ihr, aber einschüchtern ließ er sich nicht.
Natürlich bemerkte das auch die alte Wölfin, was sie nur noch mehr provozierte. Reiga sah zu Kiba rüber, der nur wortlos vor dem erhöhten Bereich der Meister saß und sprach: „Ich bin der Letzte der Lougarou und damit unsterblich. Ich werde bis in alle Ewigkeit leben und dabei stets die sterben sehen, die mir wichtig sind und die ich liebe. Der Tod wird mich für immer von ihnen trennen, denn ganz egal was danach kommt oder wohin sie gehen, ich werde ihnen nicht folgen können.“ Natürlich verstanden das alle Anwesenden. Kiba trauerte, die Meister betrübte es, die Übrigen bemitleideten ihn einfach nur und waren gleichzeitig froh, nicht an seiner Stelle zu sein. Selbst das Knurren der alten Wölfin war bereits leiser geworden, sie sah ihn jedoch noch immer wütend an und zeigte etwas die Zähne.
Reiga drehte den Kopf zu ihr, sah sie mit eisernem Blick an und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: „Ich muss ein Schwert finden, dass seit über eintausend Jahren verschollen ist. Ich muss eine ganze Armee, ein ganzes Volk besiegen und auslöschen, dass alles daransetzen wird, uns zu vernichten und dass möglichst noch bevor dieser Planet untergeht. Und dabei muss ich unser ganzes Volk beschützen und auch noch nebenbei hier als Meister Entscheidungen treffen. Das ist mein Schicksal. Es mag sein, dass ich mir den Meistertitel nicht erarbeiten musste, aber dafür muss ich mich eine verdammt lange Zeit des Titels als würdig erweisen und sollte ich scheitern, muss ich damit bis in alle Ewigkeit leben. Also sag mir nicht ich hätte irgendetwas geschenkt bekommen, oder willst du vielleicht mit mir tauschen?“
In der Höhle herrschte eine seltsame Atmosphäre. Einerseits angespannt durch die Situation zwischen Reiga und Kuwani, aber andererseits auch gefüllt mit Mitleid, Betrübtheit und einem Hauch von Trauer. Alles in allem also eine starke gefühlvolle Luft, die alle Anwesenden spüren konnten. Keiner brachte auch nur einen Ton raus. Wie Stunden fühlten sich die wenigen Minuten an, in der das Schweigen herrschte. Reiga sah die Wölfin mit eiserner Mine an. Ohne zu zwinkern und ohne zu zucken, so starrte er ihr regungslos in die Augen. Natürlich war daraus inzwischen ein mentaler Kampf geworden. Jetzt ging es nur noch um reine Willensstärke. Wer zuerst den Blick abwandte, hatte verloren. So dickköpfig wie Kuwani war, war es jedoch auch Reiga und keiner von beiden verzog auch nur einen Muskel. Sie atmeten nicht mal mehr und viele der Anwesenden konnten es ebenfalls nicht. In der Höhle war es so still, dass man ein Sandkorn hätte fallen hören können.
Nach einer schier endlosen Schlacht des lautlosen Starrens, musste die alte Wölfin jedoch durchatmen. Ihr Wille war eisern, doch ihr Körper verlangte nach Sauerstoff. Gemütlich zog sie die Luft durch ihre Nase ein und atmete wieder aus. Natürlich hatte sie damit nun verloren, jedoch wandte sie ihren Blick nicht ab. Erst als sie das zweite Mal durchgeatmet hatte, drehte sie sich von Reiga weg und ging wortlos aus der Höhle. Dieser sah ihr schweigend hinterher. Es dauerte noch eine ganze Weile bis sich die Atmosphäre in der Höhle wieder halbwegs beruhigt hatte, denn viele mussten selbst erstmal einige Atemzüge nachholen.
„Beeindruckend, Meister Reiga. Ihr seid der Erste, der ihrem Blick standhalten konnte“, stellte Meister Jolon fest, was Meisterin Cira nickend bestätigte: „Ja in der Tat. Sehr beeindruckend.“ „Ich danke euch, jedoch ist das nichts, worauf ich stolz bin. Ich hasse es gegen einen Wolf kämpfen zu müssen, egal aus welchem Grund oder auf welche Weise“, gab Reiga darauf nur zurück. Meisterin Cira ergriff schließlich nochmal das Wort: „Ich denke nicht, dass wir heute noch zu einer Einigung bezüglich des Meistertitels kommen.“
Die junge Wölfin sah dabei fragend zu Meister Jolon rüber, der nickend zustimmte: „Ja, glaube ich auch nicht.“ Der alte Wolf sah daraufhin zu Kiba und sagte: „Du darfst gehen, wenn du das möchtest. Mir fällt allerdings gerade ein, dass wir dich noch gar nicht nach deinen Wünschen gefragt haben. Möchtest du überhaupt den Meistertitel erhalten oder würdest du lieber deine Ausbildung zum Tiranen beenden?“ Kiba hatte die ganze Zeit schweigend dagesessen und sich vorbildlich zurückgehalten.
Natürlich war es einem Rudelwolf nicht gestattet reinzureden, wenn die Meister diskutierten. Er durfte nur sprechen, wenn er dazu aufgefordert wurde. „Es ehrt mich, dass du mich für den Meistertitel vorgeschlagen hast, Reiga und es ehrt mich ebenso, dass ihr, Meister Jolon und Meisterin Cira, mich unterstützt, doch vorerst habe ich kein Interesse daran den Meistertitel zu erhalten“, erklärte Kiba schließlich, sah kurz zu Pinon rüber und fügte hinzu: „Des Weiteren möchte ich zurzeit auch nicht meine Ausbildung zum Tiranen fortsetzen.“ Natürlich war Reiga nun ziemlich überrascht, während Meister Jolon nur fragte: „Mit welcher Begründung?“
Kiba wählte seine Worte wohlbedacht: „Wenn ich den Meistertitel annehmen würde, müsste ich Reigas Rudel verlassen, da es den Meistern verboten ist, sich einem anderen Wolf unterzuordnen. Für die Ausbildung zum Tiranen verhält es sich ähnlich. Als Tirane würde meine Pflicht der Ausbildung der Welpen gelten. Ich könnte zwar offiziell weiterhin in Reigas Rudel bleiben, dürfte aber die Mondhöhlen nicht mehr verlassen und müsste täglich die mir zugeteilten Welpen unterrichten. Das eigentliche Rudelleben wäre also nur noch Nebensache. Natürlich stört es mich nicht meinem Volk auf eine dieser Arten zu dienen, doch zurzeit denke ich, dass es besser ist, wenn ich Reiga noch eine Weile zur Seite stehe.“
„Verständlich. Wir akzeptieren deine Entscheidung. Du darfst nun gehen. Bitte teile es uns mit, wenn du deine Meinung änderst und dich wieder als Anwärter zur Verfügung stellst“, antwortete Meister Jolon nickend. Kiba bedankte sich, verneigte sich nochmal kurz und verließ schließlich die Ratshöhle der Meister. Auch Reiga erhob sich von seinem Platz und antwortete auf die fragenden Blicke: „Ruft mich, wenn ihr mich braucht.“ Danach sah er zu Fala rüber, die sofort aufstand und ihm wortlos folgte. Als sie in die Haupthöhle kamen, sah Reiga zur Wölfin runter und sprach: „Ich denke nicht, dass ich heute noch deine Dienste benötige. Du darfst dir daher den restlichen Tag frei nehmen. Ich werde mir im Laufe des Tages dein Angebot überlegen und dir morgen meine Entscheidung mitteilen.“ „Wie ihr wünscht, Meister Reiga“, gab Fala darauf nur zurück und verneigte sich dabei.
Nachdem sie sich verabschiedet hatten, ging die Wölfin den Spiralweg rauf, während Reiga nach Kiba Ausschau hielt. Glücklicherweise glänzten die goldenen Ohrringe durch das Licht der Kugel so gut, dass Reiga ihn selbst in einer dichten Menge aus Wölfen leicht erspähen konnte. Kiba bog gerade in den Tunnel zur Versammlungs-Höhle ein, als Reiga loslief. Schnell hatte er seinen felligen Freund eingeholt und fragte: „Ich hätte nicht gedacht, dass du den Meistertitel ablehnen würdest. War es nur, weil du nicht mein Rudel verlassen willst, oder gibt es noch einen anderen Grund?“
Während die Beiden den Tunnel entlang schlenderten und hin und wieder die vorbeikommenden Wölfe grüßten, antwortete Kiba: „Ja, das ist der einzige Grund und den hätte ich dir auch gesagt, wenn du mich vorher gefragt hättest.“ Reiga hatte schon mit so etwas gerechnet und erklärte: „Ja tut mir leid. Ich war etwas in Eile. Fala hatte mir ein bisschen was über die anderen Hauptrudelführer erzählt und mein Favorit unter denen, ist leider zurzeit nicht da. Als Meister Molnos dann auch noch Wanaton für den Meistertitel vorgeschlagen hat, wollte ich die Diskussion über ihn schnell abwürgen.“
Kiba blieb stehen und fragte erstaunt: „Ich war also eine Notlösung oder wie?“ Reiga hielt ebenfalls an, drehte sich zu ihm um und antwortete direkt: „Nein natürlich nicht. So meinte ich das nicht. Ich hätte dich nicht vorgeschlagen, wenn ich mir nicht absolut sicher wäre, dass du dem Meistertitel auch gerecht werden könntest. Du kennst mich inzwischen doch wohl gut genug, um zu wissen, dass ich solche Entscheidungen nicht leichtfertig treffe.“ Kiba lief weiter und murmelte dabei: „Ja stimmt, aber du hättest mich trotzdem vorher fragen können.“
„Ja, ich sag ja, es tut mir leid“, bekräftigte Reiga seine Entschuldigung erneut, während die Beiden weiter den Tunnel entlanggingen und kurz darauf in der Versammlungs-Höhle ankamen. Als Kiba sich jedoch links neben den Eingang an die Höhlenwand setzte, sah ihn Reiga natürlich verwundert an. Bevor der fragen konnte, erklärte der Wolf: „Ich bin hier mit jemanden verabredet.“ „Ach so“, gab Reiga nur zurück und setzte sich dabei neben Kiba auf das Gras. Nach ein paar schweigsamen Sekunden erkundigte sich Kiba: „Ich war übrigens etwas überrascht, als sich die junge Wölfin als deine persönliche Dienerin vorgestellt hat. Hattest du nicht gesagt, dass du dir damit Zeit lassen willst?“
Reiga konterte: „Du meinst Fala oder? Sie ist gar nicht meine Dienerin, zumindest nicht wirklich. Sie hatte es mir vorhin angeboten, weil ich mich aber nicht direkt entscheiden wollte, bat sie mir ihre Dienste für heute auf Probe an. Ich werde mir ihr Angebot nochmal überlegen und mich morgen entscheiden.“ „Diese Entscheidung sollte wohlüberlegt sein. Lass dir dafür ruhig Zeit“, erwiderte Kiba schließlich und fügte kurz darauf hinzu: „Sie hat mich übrigens zusammengeschnauzt, weil ich dich ohne deinen Titel benannt habe.“ „Wirklich?“, hakte Reiga erstaunt nach, was sein felliger Freund nur mit einem Kopfnicken bestätigte.
Währenddessen war Fala an ihrem Zielort angekommen. In einem etwas abgelegeneren Teil der Mondhöhlen saß sie in einer der Wohnhöhlen für Rudel und unterhielt sich mit einem Wolf. „Was konntest du in Erfahrung bringen?“, erkundigte sich der und sah dabei Fala an. Die antwortete: „Er wird nicht zustimmen und wird sich auch nicht dazu überreden lassen.“ „Bist du absolut sicher?“, hakte der Wolf nach, was die junge Wölfin nickend bestätigte: „Ich konnte das Gespräch mit Kahan belauschen und habe später selbst nochmal einige Versuche gestartet. Ich bin mir absolut sicher.“
Der Wolf wirkte nicht sehr glücklich über diese Erkenntnisse, erwiderte jedoch: „Das wird Ihr nicht gefallen, aber da kann man wohl nichts dran ändern. Damit fällt die Abkürzung weg. Gehe weiter nach Plan vor und gewinne sein Vertrauen. Nutze all deine Möglichkeiten, wenn nötig auch deinen Körper. Ich werde nun Bericht erstatten. Und vergiss nicht - Sie akzeptiert kein Versagen.“ Fala entgegnete direkt: „Ich werde nicht versagen.“ „Das hoffe ich sehr - um deinetwillen“, gab der Wolf nur zurück und ging dabei an ihr vorbei.
Reiga und Kiba unterhielten sich gerade über die persönlichen Diener und ihre Aufgaben, da stand plötzlich Thomas vor ihnen. „Na? Schule aus?“, erkundigte sich Reiga grinsend. „Ja und was macht ihr hier? Wartet ihr auf jemanden?“ Kiba antwortete: „Ich warte auf meinen Vater. Ich hatte mich mit ihm hier verabredet, schon vergessen?“ Thomas setzte sich neben Kiba an die Höhlenwand und erwiderte: „Ach ja, stimmt. Er ist übrigens mein Lehrer. Ich glaube, ich habe noch nie so viel an einem Tag gelernt, wie heute.“ „Kann ich mir gut vorstellen. Er ist zwar oft etwas streng, aber dafür ist er auch ein ausgezeichneter Lehrer. Es wird sicherlich nicht leicht werden, aber du hast Glück ihn als Tirane zu haben“, gab der Wolf darauf zurück.
„Freut mich zu hören, dass du das so siehst“, sagte plötzlich eine für Reiga unbekannte Stimme. Thomas und Kiba wussten zu wem sie gehörte und waren daher nicht überrascht, als Takoda schließlich vor sie trat. Reiga musterte den Wolf natürlich sofort neugierig. Er war schon gespannt darauf zu erfahren, was Kibas Vater für ein Wolf war. Das Erste, was ihm auffiel, war seine selbstbewusste und starke Erscheinung. Auch Reiga bemerkte schnell, dass dieser Wolf deutlich dominanter auftrat, als Kiba. „Es ist mir eine Ehre euch kennenlernen zu dürfen, Meister Reiga. Ich hoffe mein Sohn hat euch keine Schwierigkeiten bereitet?“, sprach der Tirane schließlich und verneigte sich dabei vor Reiga.
Dieser erhob sich von seinem Platz, verneigte sich ebenfalls kurz und erwiderte: „Auch mir ist es eine Ehre endlich den Vater von meinem Kiba kennenzulernen. Sie haben ganze Arbeit geleistet. Er ist ein echtes Vorbild von einem Wolf und war mir stets eine große Hilfe.“ „Es macht mich als Vater sehr stolz, das von euch zu hören. Vielen Dank“, antwortete Takoda darauf und sah dann Kiba fragend an. „Suchen wir uns einen Platz hier in der Versammlungs-Höhle, dann erzähle ich dir alles“, entgegnete der. Der Tirane nickte zustimmend und wandte sich nochmal Reiga und Thomas zu: „Ihr dürft uns natürlich gerne ebenfalls Gesellschaft leisten.“
Während Reiga nur nickte, musste Thomas ablehnen: „Bitte verzeiht, aber ich passe. Ich habe für heute erstmal genug zugehört und brauche jetzt etwas Ruhe.“ Nachdem er sich noch kurz verabschiedet hatte, verließ Thomas die Höhle. Reiga, Kiba und Takoda suchten sich eine ruhige Stelle und setzten sich dort zusammen hin. Kiba erzählte ausführlich was mit ihm und seinem Rudel alles geschehen war, nachdem sie die Mondhöhlen verlassen hatten. Auch von der Gefangennahme seiner Kameraden und dem Tod des größten Teils des Rudels seiner Schwester berichtete er so detailliert wie es ihm möglich war.
Natürlich trauerte der Vater um seine Tochter, aber leider war das ein bekanntes Risiko, wenn ein Rudel in die obere Welt reiste. Es ließ sich nur selten vermeiden, dass man auf Menschen traf und leider endeten solche Begegnungen oft nicht gut. Nachdem Kiba alles bis zum ersten Treffen mit Reiga erzählt hatte, fügte ab da auch Reiga hin und wieder ein paar Details mit ein. Auch von ihrer engen Beziehung berichteten sie ihm, doch Takoda schien davon nur wenig überrascht.
Als endlich alles, bis auf die persönlichsten Dinge, erzählt war, fragte der Tirane noch ein paar Einzelheiten nach. Vor allem aber erkundigte er sich danach, ob Kiba seine Ausbildung zum Tiranen nun fortsetzen würde. Die folgende Antwort und damit verbundene Erklärung ließ den Vater allerdings nicht vor Freude aufjubeln. Ganz im Gegenteil. Er schien eher nicht so begeistert zu sein, sagte dazu aber dennoch nichts. Gegen späten Abend beendeten sie schließlich das Gespräch und verabschiedeten sich. Takoda ging den Spiralweg rauf zur Höhle der Tiranen, während Kiba und Reiga den Weg runterliefen und zur ihrer Schlafhöhle gingen.
„Dein Vater war nicht so erfreut darüber, dass du deine Ausbildung erstmal nicht fortsetzen willst oder?“, erkundigte sich Reiga, nachdem sie sich von Takoda etwas entfernt hatten. „Ja, damit habe ich aber schon gerechnet. Die meisten Eltern möchten, dass ihre Welpen den Urkane der Familie weiterführen“, antwortete Kiba. „Urkane?“, fragte Reiga verwundert, worauf der Wolf erklärte: „Wörtlich übersetzt: Das was man macht, wenn man nicht schläft. Unser Wort für Beruf oder Tätigkeit. Ist aber schon älter und wird daher eher selten benutzt.“ „Du hast mir nichts davon gesagt, dass ihr auch richtige Berufe habt“, stellte Reiga etwas überrascht fest. Kiba sah erstaunt auf und fragte: „Hast du gedacht, dass die meisten Wölfe einfach nur von morgens bis abends faul irgendwo rumliegen oder was?“
„Ja schon, irgendwie. Ich dachte, dass das durch die Rangordnung geregelt ist“, konterte Reiga direkt. Der Wolf neben ihm erklärte darauf: „Nein, das wäre auf die Dauer wirklich zu langweilig und die Rangordnung regelt nur die Machtverhältnisse. Wir unterscheiden in zwei Urkane-Gruppen. Die Urkane, die eine bestimmte Stellung in der Rangordnung mit sich bringen und die, die es nicht tun. Als Nihama, Tirane und auch als persönlicher Diener übt man eine Tätigkeit aus, die eine besondere Stellung in der Rangordnung bewirkt. Der Meistertitel und auch der Titel als Leitwolf gelten nicht als Urkane, sondern als Führungspositionen, die neben der eigentlichen Tätigkeit ausgeübt werden können.“
„Und was gibt es alles für Berufe bei euch?“, fragte Reiga grinsend. „Nur wenige. Die Wichtigsten sind zum Beispiel die Sucher und die Kämpfer. Die Sucher sind darauf spezialisiert in der oberen Welt zu leben und nach dem Schwert zu suchen. Die Kämpfer sind, wie es der Name schon sagt, gut trainierte Kämpfer. Man könnte sie auch als die Soldaten unseres Volkes bezeichnen. Sie verbringen den größten Teil ihrer Zeit mit trainieren und dem Entwickeln von Kampftechniken. Sie kämpfen regelmäßig gegeneinander, um ihre Stärke zu beweisen und sich Ansehen zu verschaffen. Für gewöhnlich besitzt jedes Rudel, dass in die obere Welt reist, mindestens zwei Sucher und zwei Kämpfer.“
„Und wie wird man zum Beispiel ein Sucher? Gibt es da eine spezielle Ausbildung bei den Tiranen?“, erkundigte sich Reiga neugierig. Kiba verneinte das kurz durch ein Kopfschütteln und erklärte: „Die Tiranen vermitteln den Welpen nur eine Grundausbildung in allen Bereichen. Nur für die Tiranen und die Nihama gibt es eine besondere Ausbildung, wo der Lernfortschritt mit Prüfungen bestätigt werden muss. Für alle anderen Urkane gibt es das nicht. Wenn ein Wolf ein Kämpfer sein will, dann ist er das. Was er als Kämpfer erreicht und wie viel Erfahrung er sammelt, hängt von seiner eigenen Leistung ab. Je mehr er trainiert, desto besser stehen seine Chancen in einem Kampf zu gewinnen. Es ist keinem Wolf ausdrücklich verboten faul irgendwo rumzuliegen. Nur wird es mit der Zeit wirklich einfach zu langweilig und außerdem möchte man im Leben ja auch was erreichen und nützlich sein.“
„Sehr interessant. Ich glaube nicht, dass das bei den Menschen auch so einfach gehen würde“, gab Reiga darauf nur zurück. Wenige Minuten später erreichten die Beiden ihre Schlafhöhle, wo schon alle anderen zusammensaßen und Thomas und Marie zuhörten, während die von ihrem ersten Tag in der Welpenschule berichteten. Damit ging auch schließlich dieser aufregende zweite Tag in den Mondhöhlen für Reiga und sein Rudel zu Ende. Viel wurde gelernt und erfahren und für die zwei Menschen und den Lougarou war es auch diesmal ein kleines Abenteuer. Sicher nicht das Letzte, das wussten sie.
(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox)