Die Welt des goldenen Mondes - Band 2 - Kapitel 6: Ein Anwärter für den Meistertitel
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Hallo ihr Lieben!
Auch diesmal leider um einiges später... ja ich weiß, es sind schon wieder sechs Monate seit dem letzten Kapitel vergangen. Die Zeit rennt, das ist der Wahnsinn. -___-
Hauptsächlich liegt die Verspätung daran, dass ich zwei neue Jobs habe. Ich gehöre nun schon seit längerem zum Entwickler-Team von Gems Of War. Das ist ein FreeToPlay-PcSpiel, dass ihr unter anderem über Steam und fürs Handy bekommen könnt. Ich bin hauptsächlich für die Deutsch-Übersetzungen zuständig, gebe aber auch generell hier und da mal meinen Senf dazu. Natürlich bin ich aber auch selber aktiver Spieler und bin Gildenmeister einer der Top-Gilden. Nun ja, aber das ist dann natürlich mehr Freizeit und weniger Arbeit. XD
Natürlich gab es in letzter Zeit auch reichlich andere Ablenkungen, wenn ich ehrlich bin. Fallout 4, und Anno 2205... um nur zwei zu nennen. Allerdings muss ich zugeben, dass ich mit Anno nach 12 Stunden Spielzeit durch war. Ein ziemlich besch...eidener AnnoTeil und eher eine herbe Enttäuschung, aber das gehört hier nun eher nicht hin. Ihr versteht sicherlich schon, was ich sagen will... viele Ablenkungen und immer wieder wird‘s aufgeschoben. "Ich schreib morgen weiter..." dann war die Arbeit vielleicht sehr stressig und schon sage ich "hmm hab nicht wirklich Lust. ich mach‘s am Wochenende" usw... Kennt ihr sicherlich auch... solche Tage/Wochen.
So genug der Ausflüchte und billigen Entschuldigungen. Ihr wisst was ich mein oder? XD
Naja. Ich werde bis Weihnachten mindestens noch ein Kapitel schreiben und danach geht’s dann auch wieder mehr geregelt weiter. Denn so langsam… nun ja ich werde auch nicht jünger und ich will diese Geschichte noch vor meinem 30. Geburtstag fertig haben. :D
Hier das übliche Blabla: Wie immer sind alle Figuren und Inhalte der Geschichte meiner Fantasie entsprungen und daher sind eventuelle Übereinstimmungen reiner Zufall. Für Kommentare, Favs und Sterne bin ich natürlich immer Dankbar und sollte euch etwas besonders gut gefallen haben oder eventuell gar nicht, dann zögert nicht es mir zu sagen. :D
Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!
Viele liebe Grüße von eurem Meister Fuchs :3
Kapitel 6: Ein Anwärter für den Meistertitel
Während sich für Marie und Thomas die Zeit in der Welpenschule recht interessant gestaltete, schlenderte Reiga gerade zurück in die Ratshöhle der Meister. Er hatte sich mit Kahan kurz unterhalten und so einiges in Erfahrung bringen können. Jedoch stand er nun nicht gerade vor einer leichten Aufgabe. Er musste einen angemessenen Ersatz für den Meistertitel finden und die Auswahl schien nicht gerade rosig zu sein. Allerdings musste er natürlich zugeben, dass er die übrigen Hauptrudelführer noch nicht kannte und sie somit nicht einschätzen konnte. Gerade als er von der Haupthöhle aus in den Tunnel zur Ratshöhle einbiegen wollte, kam eine junge Wölfin auf ihn zu und fragte: „Verzeiht, ihr seid Meister Reiga oder?“
Reiga musterte die Wölfin einen Augenblick. Sie schien in etwa so alt wie Rika zu sein. Ansonsten sah sie wie eine typische Wölfin aus, ohne jegliche Auffälligkeiten wie Narben oder Ähnliches. Sie hatte gepflegtes Fell und einen schlanken, sehr grazilen Körper, wirkte von ihrer Haltung und Aussprache her aber sehr selbstbewusst. „Ja, das ist richtig und wer bist du?“, fragte er schließlich. Die junge Wölfin verneigte sich vornehm und antwortete: „Mein Name ist Fala. Es freut mich sehr euch kennenzulernen.“ Reiga verneigte sich ebenfalls und erwiderte: „Freut mich ebenso. Was möchtest du denn?“ Die Wölfin beendete ihrer Verneigung, sah zu Reiga auf und fragte: „Ich wollte fragen, ob ihr bereits einen persönlichen Diener erwählt habt und falls nicht, würde ich euch gerne meine Dienste anbieten.“
Reiga sah sie einen kurzen Moment lang etwas überrascht an. „Ach, da war ja noch was…“, dachte er sich und antwortete schließlich: „Ich danke dir für das Angebot, aber zurzeit habe ich erst mal etwas Anderes zu erledigen.“ „Worum geht es denn? Vielleicht kann ich helfen“, gab die junge Wölfin direkt zurück und Reiga überlegte nicht lang, denn das konnte sie vielleicht wirklich. „Okay, vielleicht kannst du das. Wie lange lebst du schon hier in den Mondhöhlen?“, erkundigte er sich, worauf Fala antwortete: „Mein ganzes Leben lang. Also seit etwa 62 Monden.“ Reiga sah sie etwas verwundert an. So alt hatte er sie gar nicht eingeschätzt.
Er rechnete natürlich mit 12 Monden pro Jahr, da er sich denken konnte, dass sie mit Monden Monate meinte und Kiba hatte ihm nichts bezüglich einer anderen Zeitrechnung erzählt, daher ging er auch von keiner anderen Annahme aus. „Verzeih mir bitte, aber du wirkst noch sehr jung für dieses Alter. Wenn ich mich recht entsinne, sind fünf Jahre für einen Wolf schon fast das halbe Leben. In Gefangenschaft werden Wölfe zwar auch mal bis zu 15 oder sogar 20 Jahre alt, aber selbst das sind dann nur Einzelfälle“, wandte Reiga ein. Fala erklärte ihm daraufhin erstmal alles über die Zeitrechnung der Wölfe, da sie seinen Umrechnungsfehler natürlich bemerkt hatte.
Nachdem das erledigt war, erzählte sie ihm von der Wirkung der Nova-Früchte. Nämlich, dass sie den Alterungsprozess deutlich verlangsamten und damit die Lebenserwartung um ein Vielfaches steigerten. Reiga grinste währenddessen nur vor sich hin. Jetzt hatte er schon so vieles gesehen und erlebt und trotzdem kam immer wieder etwas Neues. „Nun ja, ich danke dir für die Erklärung. Es erstaunt mich immer wieder, was es so alles hier unten gibt. Aber jetzt zurück zum Thema. Mit deinen 62 Monden kennst du dich in den Mondhöhlen doch bestimmt gut aus und kennst auch die Wölfe, die hier leben“, hakte er nochmal nach.
Die junge Wölfin erklärte nickend: „Ich weiß zumindest was ich wissen muss. Alle Wölfe kenne ich natürlich nicht, denn dafür sind es bei weitem zu viele, aber die Höheren in der Rangordnung, die Meister, ihre Diener, die Oberältesten der Tiranen, einige der Nihama und die Hauptrudelführer kenne ich alle recht gut.“ „Kennst du sie persönlich oder weißt du das, was so über sie geredet wird?“, fragte Reiga grinsend. Fala antwortete ebenfalls grinsend: „Sowohl als auch, Meister Reiga. Ich weiß was unter den Wölfen über sie getratscht wird und ich kenne die Meisten von ihnen persönlich.“
Reiga erwiderte zufrieden: „Sehr gut, dann kannst du mir tatsächlich helfen. Bitte folge mir in die Versammlungshöhle.“ Gemeinsam liefen die Beiden den Spiralweg entlang und betraten die große Höhle mit dem grasbewachsenen Boden. Nachdem sich Reiga auch diesmal ein ruhiges Plätzchen gesucht hatte, setzte er sich im Schneidersitz auf den Boden, während die Wölfin wortlos vor ihm Platz nahm. „Was möchtet ihr wissen, Meister Reiga?“, fragte sie schließlich. „Ich wüsste gerne etwas über die Hauptrudelführer. Kahan konnte ich eben persönlich etwas kennenlernen, also erzähl mir ein bisschen was über die Anderen, bitte.“
Fala nickte nur kurz und fing an zu erzählen: „Sehr gerne. Kahan ist mit 52 Rudelmitgliedern Leitwolf des größten Rudels unseres Volkes. Dicht auf seinen Fersen liegt die Wölfin Hitura mit 48 Rudelmitgliedern. Sie ist eine äußerst fähige Kämpferin und kann sogar gegen Meisterin Cira eine Weile bestehen. Ihre Schwachpunkte liegen allerdings im strategischen Denken und ihrer Launenhaftigkeit. Sie ist entweder schlecht gelaunt oder schläft. Andere Gemütszustände sind bei ihr leider sehr sehr selten. Es geht seit langem das Gerücht herum, dass sie mit ihren 153 Monden noch immer unberührt ist und dass das der Grund für ihre ständige miese Laune ist.“
Reiga sah sie erstaunt an und hakte nach: „Mit unberührt meinst du…“ Die Wölfin nickte nur wortlos. Nach ein paar schweigsamen Sekunden erzählte sie weiter: „Nach Hitura kommt der Wolf Elros. Sein Rudel hat 41 Mitglieder, wovon 30 Weibchen sind. Das einzige Gerücht, dass über ihn immer wieder aufkommt ist, dass er wohl mit all diesen Weibchen des Öfteren nur zum Spaß Welpen zeugt. Zu seinen Stärken gehört vor allem seine Stärke. Er hat sogar mal einen Bären im Alleingang getötet und kann mit Meister Molnos in einem Kampf mithalten. Seine größte Schwäche ist natürlich das andere Geschlecht. Sobald er ein junges Weibchen entdeckt, das ihm gefällt, schaltet sein Hirn aus, um es mal vorsichtig auszudrücken.“
„Ich verzichte auf meinen Kommentar“, lachte Reiga und Fala erzählte ebenfalls kommentarlos weiter: „Der nächste Hauptrudelführer ist ein Wolf namens Wanaton. Viele bezeichnen ihn als den geborenen Anführer, allerdings sind das überwiegend nur Männchen. Unter den Weibchen ist er eher nicht so beliebt. Außerdem gilt er als sehr streng und konsequent. Trotz seiner durchaus harten Führungsansichten leben 37 Wölfe in seinem Rudel. Die Gerüchteküche brodelt um ihn reichlich. Es gibt Gerüchte über heroische Heldentaten und selbstlosem Opfer für andere bis runter zu Vergewaltigung und Mord. Viel zu viele als das man noch ahnen könnte, welche wahr sind und welche nicht.“
„Bevor der Meister wird, reiße ich mir lieber eigenhändig den Schweif ab…“, murmelte Reiga vor sich hin und sah dabei leicht genervt zur Seite, was Fala natürlich mit erstauntem Blick konterte. Nach ein paar Sekunden wandte sie ein: „Nun ja. So schlimm ist er eigentlich gar nicht. Seine Führungsqualitäten kann man nicht einfach ignorieren. Sicher, er ist oft hart und übertreibt es auch mal, aber dennoch weiß er eine große Menge darüber sein Rudel stets zum Erfolg zu führen.“ Reiga nahm das eher weniger ernst. Für ihn hatte dieser Wolf bei ihm verloren. Es ging nicht nur um die Art und Weise wie Wanaton mit anderen umging. Reiga spürte bei ihm einfach etwas, dass er bisher noch bei keinem anderen Wolf gespürt hatte und er war davon überzeugt, dass er sich auf seine Instinkte in diesem Fall verlassen konnte.
Da keine Reaktion von Reiga darauf kam, fing die Wölfin nach etwa einer Minute einfach wieder an zu erzählen: „Der Letzte der Hauptrudelführer ist Golas. Ein recht junger Wolf, der zurzeit mit seinem Rudel aus 29 Wölfen die obere Welt durchstreift. Es wird gesagt, dass er die Freundlichkeit und Höflichkeit in Fleisch und Blut ist. Jedoch ist dies auch gleichzeitig seine größte Schwäche. Er straft nur sehr selten seine Rudelmitglieder und belässt es oft bei ein paar ernsten Worten. Viele sagen daher, dass er mit dem Fehlverhalten seines Rudels viel zu locker umgeht. Ansonsten gibt es nichts über ihn zu berichten. Er ist ein passabler Kämpfer, weiß seinen Kopf zu benutzen und ist in allen anderen Bereichen eher durchschnittlich. Das war’s soweit von mir. Habt ihr noch Fragen, Meister Reiga?“
Der überlegte einen Augenblick und erkundigte sich danach: „Nein, Fragen habe ich vorerst keine an dich, allerdings könntest du mir noch einen anderen Gefallen tun?“ Die Wölfin lächelte auf und antwortete: „Ja natürlich. Wenn ihr gestattet, würde ich euch heute gerne den ganzen Tag lang dienen, wie es ein persönlicher Diener tun würde. Danach könnt ihr euch vielleicht einfacher für oder gegen mein Angebot entscheiden.“ „Also auf Probe sozusagen. Ja das kann sicherlich nicht schaden. Okay, das machen wir so. Ich habe auch gleich den ersten Auftrag für dich: Suche bitte Pinon, den Oberältesten der Tiranen auf und bitte ihn in die Ratshöhle der Meister zu kommen. Ich habe ein paar Fragen an ihn.“ Daraufhin erhob sich Reiga und zeigte Fala mit einem Kopfnicken, dass sie ihn direkt aufsuchen sollte. Die Wölfin erhob sich ebenfalls und lief nach einem kurzen „Jawohl“ davon.
Während Reiga nun zurück zur Ratshöhle schlenderte, überlegte er sich noch ein paar Dinge. So wirklich gefiel ihm keiner der Hauptrudelführer, zumindest nicht als Anwärter für den Meistertitel. Er wusste zwar, dass es keinen perfekten Wolf gab, aber zumindest doch wohl bessere als ein Sexsüchtiger, eine mies gelaunte Jungfrau oder ein arroganter Mistkerl. Natürlich reduzierte er damit diese Wölfe auf ihre Fehler, aber dennoch schien der, den er am ehesten wählen würde, Golas zu sein, doch der war nun mal nicht da. Reiga hatte zwar eine Idee, aber die hing davon ab, was Pinon auf seine Fragen antwortete und natürlich, ob die übrigen Meister zustimmten. Egal wie er es drehte und wendete, das Ganze war definitiv keine leichte Angelegenheit.
Als Reiga die Ratshöhle der Meister betrat, diskutierten diese gerade mit zwei Wölfen. Es schien wohl wieder nur darum zu gehen, wer wen zuerst beleidigt hatte. Da er sich gerade deutlich wichtigere Gedanken machte, stieg er wortlos auf den erhöhten Bereich und setzte sich hinter den Meistern etwas versteckt in den Schneidersitz. Die vier Meister verstanden diesen Wink und machten ohne ihn weiter. Während er sich ein paar Argumente überlegte, regelten die Meister die Angelegenheit zwischen den beiden Leitwölfen. Reiga bemerkte gar nicht, dass Fala mit Pinon bereits da war. Nachdem sie einige Minuten auf ihn gewartet hatten, sprach Meisterin Cira schließlich: „Meister Reiga, Pinon ist eingetroffen.“ „Hm? Was… ach so, ja. Entschuldigt. Ich war etwas in meinen Gedanken versunken“, stammelte er darauf und erhob sich.
Nachdem er sich weiter vorne zwischen die vier Meister gesetzt hatte, erkundigte sich Pinon: „Was für Fragen habt ihr, Meister Reiga?“ Während sich Fala auf den Platz der persönlichen Diener setzte, fragte Reiga: „Hauptsächlich geht es mir erst einmal um die Details zur Vergabe des Meistertitels. Ist die Auswahl auf die fünf Hauptrudelführer beschränkt?“ Der alte Wolf überlegte kurz und antwortete: „Nein, auf die Hauptrudelführer ist es nicht beschränkt. Grundsätzlich kann jeder Wolf, der mindestens einmal Leitwolf war, für den Meistertitel vorgeschlagen werden. Jedoch werden natürlich die Hauptrudelführer bevorzugt, da sie bereits einen gewissen Ruf besitzen und vom Volk entsprechend respektiert werden.“
Reiga nickte zufrieden, erkundigte sich aber: „Gibt es sonst irgendwelche Einschränkungen wen ich vorschlagen darf?“ Pinon erklärte: „Es gibt tatsächlich ein paar Einschränkungen. Zum einen dürft ihr keine direkten Blutsverwandten vorschlagen. Zum Beispiel eure Geschwister, Eltern oder die eigenen Welpen oder Enkel. Jedoch könnt ihr einen anderen Meister darum bitten, den Wolf für euch vorzuschlagen. Dieser ist jedoch nicht dazu verpflichtet eurer Bitte nachzukommen. Des Weiteren ist es euch nicht gestattet eure Gefährtin oder Gefährten vorzuschlagen. Ebenso dürfen Tiranen und Nihama, die ihre Ausbildung bereits abgeschlossen haben, nicht vorgeschlagen werden. Ansonsten gibt es keine weiteren Einschränkungen.“
„Mit Gefährten und Gefährtin meint ihr einen festen Lebenspartner beziehungsweise Partnerin oder gilt dies bereits für verliebte Paare?“, hakte Reiga nach. Der alte Wolf antwortete: „Mit Gefährte und Gefährtin bezeichnen wir eine lebenslange Partnerschaft. Bei uns können zwei Wölfe den Schwur der Liebe, auch Bund der Liebe genannt, eingehen. Dieser Schwur ist vergleichbar mit der Ehe unter Menschen, allerdings kann man ihn bei uns nur einmal in seinem Leben eingehen. Er kann auch nicht für gebrochen oder unwirksam erklärt werden und besteht auch nach dem Tod des Gefährten oder der Gefährtin weiter.“
„Interessant. Ich danke dir für die Erklärungen. Ich habe vorerst keine weiteren Fragen, jedoch bitte ich dich darum uns noch etwas Gesellschaft zu leisten. Vielleicht ergeben sich noch ein oder zwei Fragen“, erwiderte Reiga darauf. „Gerne, ich stehe natürlich zu eurer Verfügung, Meister Reiga“, gab der alte Wolf nur zurück, ging dabei zum Bereich der persönlichen Diener und nahm dort neben Fala Platz. Meisterin Cira erkundigte sich schließlich: „Konntet ihr Kahan ausreichend kennenlernen, Meister Reiga?“ Dieser antwortete nickend: „Ja ich habe erfahren, was ich wissen wollte.“ „Nun gut, dann können wir jetzt abstimmen und…“, warf Meister Jolon plötzlich ein, doch Reiga musste ihn natürlich unterbrechen: „Verzeiht, Meister Jolon, aber ich konnte zusätzlich in Erfahrung bringen, dass Kahan kein Interesse daran hat den Meistertitel zu erhalten. Er lehnt ab und scheidet damit als Anwärter aus.“
Die vier Meister sahen ihn natürlich überrascht an. Meister Jolon fragte direkt: „Mit welcher Begründung?“ „Er möchte sein Rudel nicht aufgeben“, antwortete Reiga nur knapp, was Meisterin Cira bestätigen musste: „Ja, das habe ich mir schon gedacht. Als Meister dürfte sein Rudel maximal 14 Mitglieder haben. Ein größeres Rudel würde zu viel Zeit in Anspruch nehmen.“ „Damit fällt er wohl nun weg“, stellte Meisterin Kuwani fest und sah dann Meister Molnos mit einem merkwürdigen Blick an, den auch Meisterin Cira bemerkte. Der junge Wolf sah sie und sprach schließlich: „Ich schlage den Hauptrudelführer Wanaton vor.“
Reiga lief ein Schauer den Rücken runter. Er hatte so gehofft, diese Worte nie hören zu müssen. „Bevor wir über Wanaton sprechen, würde ich gerne jemand anderen vorschlagen, wenn ihr gestattet“, warf er schnell ein. Die vier Meister waren sichtlich erstaunt. Meisterin Cira wurde neugierig: „Interessant. Wen wollt ihr denn vorschlagen, Meister Reiga?“ Dieser sah zu Fala rüber, die sich sofort erhob und näher kam. „Was wünscht ihr?“ Reiga gab ihr schnell den Namen und erklärte ihr wo er zu finden sein sollte. Während sich Fala auf den Weg machte, sah er zu der jungen Wölfin neben sich und antwortete: „Ich möchte einen Wolf aus meinem Rudel vorschlagen.“
Natürlich waren die übrigen Meister davon ebenso überrascht wie Meisterin Cira. „Wieso? Wie kommt ihr auf ihn?“, erkundigte sich die junge Wölfin neben Reiga. Der erklärte: „Er war der erste Wolf, den ich kennengelernt habe und er war es auch, der in mir den Lougarou erkannt hat. Er ist äußerst intelligent, kann hervorragend kämpfen und besitzt ausgezeichnete Führungsqualitäten. Dieser Wolf genießt mein vollstes Vertrauen und meinen größten Respekt. Außerdem werde ich euch natürlich nichts verheimlichen, denn ich bin mit ihm liiert. Jedoch könnt ihr sicher sein, dass meine Liebe zu ihm nichts damit zu tun hat, dass ich ihn vorschlagen möchte.“
Die vier Meister waren sprachlos. Bevor jemand etwas sagen konnte, fügte Reiga hinzu: „Im Übrigen war er es auch, der mir geholfen hat die Verwandlungen zu meistern und mich hierher gebracht hat.“ Meisterin Cira erkundigte sich plötzlich: „Aus welchem Grund schlagt ihr ihn vor? Als Dank?“ „Nein, das ist keine Dankbarkeit. Ich bin davon überzeugt, dass er dem Meistertitel gerecht werden kann. Ihr könnt mir glauben, ich würde ihn nicht vorschlagen, wenn ich mir nicht absolut sicher wäre.“ Noch bevor einer der Meister etwas sagen konnte, hörten sie bereits die Stimme von Fala: „Werte Meister. Auf Bitten von Meister Reiga ist hier der Rudelwolf Kiba.“
Kiba kam in die Ratshöhle gelaufen und wurde natürlich sofort von allen Anwesenden genau begutachtet. Sie hatten in zwar bereits gestern gesehen, aber da Reiga ihn nun für den Meistertitel vorgeschlagen hatte, war nochmal ein Extrablick nicht verkehrt. Das Einzige, was sie bemerkten, waren natürlich Kibas Ohrringe. Etwa zwei Meter vor dem erhöhten Bereich blieb Kiba stehen und fragte: „Womit kann ich den ehrenwerten Meistern dienen?“ Jetzt wo Meister Jolon jedoch genauer hinsah, fiel ihm etwas auf: „Du kommst mir sehr bekannt vor. Bevor wir zum eigentlichen kommen, erzähl uns bitte etwas über dich. Wie lauten zum Beispiel die Namen deiner Eltern?“
„Sehr gerne, Meister Jolon. Ich wurde vor 72 Monden hier in den Mondhöhlen geboren und bin hier unter dem Namen Topaka aufgewachsen. Mein Vater ist der Tirane Takoda. Meine Mutter war die Nihama Nokomis. Sie starb leider bei meiner Geburt.“ Reiga sah ihn natürlich etwas überrascht an. Meister Jolon hingegen war es nicht und antwortete: „Ja tatsächlich. Ich erinnere mich. Ich hatte dir damals die Erlaubnis erteilt, mit deinem Rudel in die obere Welt zu reisen. Was war es - du wolltest nach deiner Schwester suchen oder? Wie war noch gleich ihr Name?“ Kiba erwiderte nickend: „Ja das ist korrekt. Ihr Name war Namida.“
„Richtig. Ich erinnere mich an sie. Und wenn ich mich richtig erinnere, dann hatte ich dir die Erlaubnis für 20 Monde erteilt. Das war allerdings vor fast 30 Monden. Warum bist du erst jetzt zurückgekehrt?“, erkundigte sich der alte Wolf. Kiba antwortete: „Verzeiht meine Verspätung. Leider wurde ein Teil meines Rudels von Menschen eingefangen. Da ich die Gefangenen nicht sich selbst überlassen wollte, befahl ich meinen verbliebenen Kameraden sich einem anderen Rudel anzuschließen und ließ mich danach ebenfalls fangen. Wir nutzten die nächstbeste Gelegenheit und flohen gemeinsam. Leider wurde einer meiner Rudelmitglieder bei der Flucht getötet. Jedoch konnten wir einen Wolf und einen Welpen befreien, die von den Menschen schon länger gefangen gehalten wurden.“
„Dann ist deine Verspätung natürlich entschuldigt. Konntest du deine Schwester wenigstens finden?“, hakte Meister Jolon nach, doch Kiba musste kopfschüttelnd antworten: „Ich fand zwei Überlebende ihres Rudels. Sie und sechs weitere des Rudels wurden von Menschen getötet.“ Der alte Wolf erwiderte: „Das ist natürlich sehr schade. Mein Beileid.“ Nachdem sich Kiba kurz bedankt hatte, sah Meister Jolon die übrigen Meister an und sprach: „Es dürfte euch nicht entgangen sein, dass ich diesen Wolf bereits persönlich kenne und ich kann Meister Reigas Einschätzung voll und ganz bestätigen. Natürlich ist in den vergangenen 30 Monden sicherlich viel geschehen, jedoch galt dieser Wolf einst als einer der begabtesten Schüler von Pinon. Er wurde schon damals bereits einmal für den Meistertitel vorgeschlagen und zwar von mir. Ich unterstütze daher Meister Reigas Vorschlag.“
Reiga nickte dem alten Wolf kurz dankend zu, doch plötzlich lenkte Meisterin Kuwani ein: „Auch ich erinnere mich an ihn, allerdings ist dir wohl entfallen, dass er eine Ausbildung zum Tiranen absolviert hat. Er scheidet damit für den Meistertitel ohne hin aus.“ Darauf meldete sich auch Pinon nochmal zu Wort: „Verzeiht Meisterin Kuwani, aber dem ist nicht so. Er hat eine Ausbildung zum Tiranen begonnen, das ist richtig, jedoch hat er sie nicht abgeschlossen. Er unterbrach seine Ausbildung, um in die obere Welt reisen zu können. Er ist als Anwärter demnach zugelassen.“ Noch bevor Meisterin Kuwani darauf antworten konnte, warf Reiga etwas in die Runde: „Ich würde vorschlagen, wir stimmen ab. Mal sehen, wo wir überhaupt stehen, bevor wir diese Diskussion weiterführen.“
Er sah kurz jeden der vier Meister an und fing an: „Ich stimme natürlich für ihn.“ Meister Jolon erwiderte direkt: „Ich stimme ebenfalls für ihn.“ Die junge Meisterin Cira fügte nickend mit ein: „Ich stimme für ihn.“ Reiga sah den jungen Wolf rechts von ihm wartend an, doch bevor er etwas sagen konnte, warf Meisterin Kuwani schon ein: „Ich stimme gegen ihn.“ Natürlich war Reiga davon eher weniger überrascht, aber er hoffte zumindest noch auf die Stimme von Meister Molnos. Natürlich bekam der nun eindringliche Blicke zugeworfen. Sowohl Reiga als auch Kuwani sahen ihn auffordernd an. Leider hatte Meister Molnos aus persönlichen Gründen nicht wirklich eine Wahl, daher sprach er: „Ich stimme ebenfalls gegen ihn.“
Reiga verstand die Welt nicht mehr. Hatte er diesen Wolf etwa vollkommen falsch eingeschätzt? Diese Frage ging ihm gerade als erstes durch den Kopf. Allerdings fiel Reiga plötzlich etwas ganz Anderes auf. Meister Molnos schien unwohl zu sein. Er zitterte, wenn auch nur minimal und in seinen Augen sah Reiga deutliche Unruhe und Unsicherheit. „Mit welcher Begründung stimmt ihr gegen ihn, Meister Molnos?“, fragte er neugierig, doch noch bevor der Wolf antworten konnte, tat es Meisterin Kuwani: „Er braucht seine Entscheidung nicht zu begründen.“ „Das ist mir bekannt, aber einfach mal Fragen kostet dennoch nichts“, gab Reiga darauf zurück. „Verzeiht, aber den Grund möchte ich vorerst für mich behalten“, entgegnete Meister Molnos schließlich.
Es war zwar schade, aber nickend musste Reiga das vorerst so stehen lassen. Jedoch war er sich sicher, dass hier etwas nicht stimmte. Auf ihn wirkte es, als ob Meisterin Kuwani diesen Wolf irgendwie unter Druck setzte. Er nahm sich vor irgendwann Meister Molnos darauf anzusprechen, aber jetzt gab es erstmal andere Dinge zu regeln. „Drei Stimmen dafür und zwei dagegen. Für die Vergabe des Meistertitels muss der Rat einstimmig dafür sein, richtig?“, hakte Reiga nach und sah dabei fragend zu Pinon rüber. Der alte Wolf, der sich inzwischen neben den erhöhten Bereich der Meister gesetzt hatte, nickte nur wortlos.
„Dann kommen wir hier wohl vorerst nicht weiter. Es sei denn Meisterin Kuwani und Meister Molnos überdenken ihre Entscheidung noch einmal“, stellte Meisterin Cira enttäuscht fest und sah dabei ihre beiden Kollegen fragend an. Während Meister Molnos nur wortlos den Kopf schüttelte, brummte Meisterin Kuwani: „Ich ändere meine Meinung nicht.“ „Dürfen wir denn wenigstens eure Begründung dafür hören?“, erkundigte sich Reiga etwas genervt von ihrer Aura. Er konnte deutlich spüren, dass sie wegen irgendetwas gereizt war und das wiederum zerrte an seinen eigenen Nerven. „Nein dürft ihr nicht“, knurrte die alte Wölfin ihm entgegen und das war nun zu viel.
Reiga konterte forsch: „Beruhigt euch mal wieder. Ich weiß nicht mit was ich euch auf den Schweif getreten bin, aber Knurren ist hier sicherlich unangemessen.“ Die alte Wölfin hob die Lefzen, zeigte Reiga damit die Zähne und knurrte noch lauter: „Du bist genauso vorlaut wie alle Lougarou! Ich bin seit über 200 Monden Meisterin unseres Volkes und habe mir diesen Titel hart erkämpft. Aber dir wurde er einfach bei deiner Geburt geschenkt und jetzt willst du MIR erzählen was unangemessen ist?!“
(c) by Meister Fuchs (Micki the Fox)