Drachenauge - Kapitel 11: Geheimnisse

Story by Turmalon on SoFurry

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Kapitel 11 von 24

Ich wünsche viel spaß beim lesen und freue mich über jede Art von Komentaren und Kritik

Gruß

Turmalon


„Beweg dich endlich!“, zischte der Fremde Mann ungeduldig zu Rianna. Da ihre Hände gefesselt waren, hatte sie das Gleichgewicht verloren und war zu Boden gestürzt, als sie über einen Stein stolperte. Nur mühsam gelang es ihr wieder aufzustehen. Dabei war das unentwegte Zerren des Mannes an dem Seil, das mit ihren Fesseln verbunden war, keine große Hilfe. Hinzu kam, dass sie sich wegen des Sturzes das Knie aufgeschlagen hatte. Kaum stand sie wieder einigermaßen sicher auf den Beinen, riss der Fremde auch schon wieder an ihr, sodass sie beinahe ein weiteres Mal gestürzt wäre.

Rianna konnte sich nicht erklären was passierte war und wer dieser Mann war, der sie gerade verschleppte. Das einzige was sie am Leib trug war ein langes Hemd, von dem sie ebenfalls nicht wusste woher sie es hatte. Das letzte an das sie sich erinnerte, war wie sie gemeinsam mit Turmalon die Höhle erkundete und dann von irgendetwas oder irgendjemandem angegriffen wurde. Doch was danach geschah und vor allem wo Turmalon war, wusste sie nicht. Erst als der Mann ihr etwas unter die Nase gehalten hatte und ihr einige kräftige Schläge mit der flachen Hand ins Gesicht verpasste, war sie wieder halbwegs bei Sinnen.

Da der Fremde nur sehr wenig sagte, konnte Rianna nur vermuten was er mit ihr vorhatte. Allerdings kam dabei nichts Gutes heraus und langsam wuchs in ihr der Wunsch, Horin niemals verlassen zu haben. Aber genau wie an ihrer jetzigen Situation, konnte sie daran nichts mehr ändern.

Die nächste Frage, die in Rianna aufkam, war, wohin er mit ihr wollte. Sie erkannte die Landschaft um sie herum, und gerade an das Meer, welches sie in einiger Entfernung sah, erinnerte sie sich noch gut. Doch wenn sie sich nicht irrte, war der Berg den sie gerade hochgezerrt wurde, der, in dem auch der Drachenhort lag.

Diese Vermutung bestätigte sich auch, als sie kurz darauf eben diesen erreichten. Da der Mann geradewegs auf den Eingang der Höhle zuging, fragte sich Rianna ob er wusste was er dort betreten wollte. Gleichzeitig hoffte sie, dass Turmalon dort war und er sie aus den Fängen dieses Entführers befreien würde.

Diese Hoffnung wurde jedoch jäh enttäuscht, als sie das Innere betrat und feststellte, dass der Hort leer war. Nun konnte sie nur noch darauf zählen, dass der Drache bereits nach ihr suchte. Aber daran hatte sie keinerlei Zweifel.

Das nächste was Rianna auffiel war, dass der gesamte Inhalt ihrer Tasche in der Höhle verstreut war. Diese Unordnung schien den Mann aber nicht im Geringsten zu interessieren, noch wunderte er sich darüber. Daher nahm Rianna an, dass er selbst dafür verantwortlich war.

„Los setzt dich hin!“, befahl der Fremde. Rianna versuchte es zwar sofort, jedoch beeinträchtigten die Fesseln und die Verletzung am Knie sie dabei sosehr, dass sie dem nur langsam nachkam. Als sie schließlich saß, zerrte er mit dem Seil ihre Handgelenke bis zu den Füßen, und band es dann um ihre Knöchel. Auf diese Weise gefesselt konnte sich Rianna überhaupt nicht mehr bewegen. Aber an eine Flucht hatte sie ohnehin nicht zu denken gewagt. Mit den nackten Füßen über den, von der Sonne aufgeheizten und felsigen Untergrund hier hin zu gehen war schon eine Qual. Daher hätte der Mann sie schnell wieder eingeholt, falls sie versuchte darüber zu laufen. Mal davon abgesehen, dass sie dann höchstwahrscheinlich ein weiteres Mal gestolpert währe. Auch der Weg, der tiefer in den Hort führte, war keine Option. Da er mittlerweile wieder dunkel war, würde sie wohl nur gegen eine der Wände laufen. Desweitern konnte Rianna den Mann nicht wirklich einschätzen, aber sie vermutete, dass sobald er sie wieder eingefangen hätte, ein Schlag ins Gesicht noch das Harmloseste war, was sie von ihm befürchten musste.

„Ich denke es wird noch ein wenig dauern, bis auch Turmalon hier auftaucht“, sagte der Fremde schließlich. Womit auch geklärt war, ob er wusste wo er hier war. „Bis dahin habe ich aber noch eine Kleinigkeit vorzubereiten!“

„Und was wollt ihr dann von mir?“, verlangte Rianna zu erfahren. „Wer seid ihr überhaupt?“

Grinsend kniete sich der man vor sie und sah ihr direkt in die Augen. Doch statt ihr eine Antwort zu geben schien es so als würde sich sein gesamtes Erscheinungsbild verblassen. Gleichzeitig erschien jedoch ein anderes darunter. Es brauchte einen kurzen Moment bis man erkannte, was es wirklich war.

Rianna sog vor Schreck scharf die Luft ein. Sofort erinnerte sie sich an das Gesicht, welches Turmalon ihr vor nicht allzu langer Zeit, durch seine Gedanken gezeigt hatte.

Ungläubig flüsterte sie den Namen, den sie damit verband: „Rak'Zunaih!“

„Wieso überraschte es mich eigentlich, dass du mich erkennst? Denn eigentlich hätte ich mir denken können, dass er dir von mir erzählt. Im Grunde macht es aber auch keinen Unterschied. Was mich hingegen brennend interessiert, ist, wieso Turmalon sich tatsächlich aufgeopfert hätte, nur um dich vor mir zu schützen?“, wollte Rak'Zunaih wissen und klang dabei schon fast freundlich. Zwar würde es keiner von beiden leugnen, wenn man behaupten würde, dass sie mittlerweile sehr gut befreundet waren, doch diese Aussage überraschte sie dennoch. „Aus deiner Reaktion heraus entnehme ich, dass du den Grund dafür ebenfalls nicht weist. Aber ich denke wir werden in nächster Zeit genügend Gelegenheit haben, dies herauszufinden!“

Rianna verstand nicht was er ihr damit sagen wollte. Zuerst nahm sie an, dass sie lediglich der Köder sei, um Turmalon hier her zu locken. Nun klang es leider so, dass er noch etwas ganz anderes mit ihr vorhatte. Immer noch kniete der Lyzarie neben ihr und sah Rianna an. Dabei kam in ihr das Gefühl auf, dass er wusste was sie dachte. Irgendwann konnte sie sein, fast schon angsteinflößendes Grinsen nicht mehr ertragen. Sie stützte ihren Kopf auf das nicht aufgeschlagene Knie und schloss die Augen. Erst als Rianna bemerkte, dass er sich wieder erhoben hatte, blinzelte sie zwischen den halb geöffneten Liedern hindurch um zu erfahren, was er tat.

Rak'Zunaih war an ihr vorbei und zu ihrem Köcher gegangen, der gemeinsam mit dem Bogen und Turmalons Sattel an der Wand lehnten. Er nahm den Köcher in eine Hand und zog mit der Anderen, einen der Pfeile heraus. Rianna schreckte auf, als er ausholte und den Köcher über sie hinweg schleuderte. Da nichts die Pfeile im inneren hielt, verteilten sie sich und prasselten, zum Teil bis ans andere Ende der Höhle, zu Boden.

Mit dem Pfeil, den Rak'Zunaih behalten hatte, kam er zurück zu Rianna. Dabei begann er das Geschoß genauer zu begutachten. Er tippe mit dem Zeigefinger einige male auf die Spitze und fuhr anschließend an den Schneiden entlang. Nach dem er sich davon überzeugt hatte, dass sie scharf genug waren, glitten seine Finger über den Schaft des Pfeiles bis zur Befiederung. Es entstand ein kratzende Geräusch, als er der Feder entgegen des Strich fuhr und sie so auseinanderriss.

Nach dem Rak'Zunaih sich den Pfeil genauestens angesehen hatte, kniete er sich abermals neben Rianna. Er suchte den Augenkontakt mit ihr und fragte dann: „Schon mal einen Pfeil im Arm gehabt? Nicht? Ist mir erst vor einigen Tagen passiert! Ich kann dir versichern, dass es keine angenehme Erfahrung war. So ein unverschämtes Menschenweib hat mich bei etwas wichtigem gestört und mich dann auch noch bestohlen!“

Rianna war sich vollkommen darüber bewusst, dass er sie meinte. Dies ließ ihre Hoffnung schwinden, dass ganze irgendwie unversehrt zu überstehen.

„Was das mit dem Pfeil angeht. Ich war schon immer ein Freund davon, Gleiches mit Gleichem zu vergelten!“, drohte Rak'Zunaih und klang dabei eiskalt. „Da du jedoch nichts besitzt was mir von Wert wäre, hätte ich hier ein Problem. Jedoch hat sich ja herausgestellt, dass du selbst für meine Zwecke nützlich sein könntest. Und wenn es darum geht eine Gelegenheit zu nutzen, war ich noch nie sehr wählerisch!“

Schon Rak'Zunaihs erste Aussage hatte gereicht, und Rianna stand die Angst ins Gesicht geschrieben. Doch nun hatte sie Panik. Vergebens versuchte sie sich aus ihren Fesseln zu lösen. Sie war ihm völlig ausgeliefert und hatte nicht einmal die geringste Chance sich zu wehren.

Und dann deutete sich das an, womit Rak'Zunaih bereits gedroht hatte. Er packte den Pfeil feste am Schaft und holte mit ihm aus. Rianna konnte und wollte sich das nicht ansehen. Sie drehte den Kopf weg und kniff die Augen verkrampft zu. Mit zusammengebissenen Zähnen erwartete sie auf den Schmerz. Doch dieser blieb aus. Es kam Rianna wie eine quälend lange Ewigkeit vor, in der nichts geschah. Sie wagte es nicht, ihre Augen wieder zu öffnen um nachzusehen, wieso er zögerte. Sie hatte Angst, dass er genau darauf wartete

Plötzlich spürte sie etwas gänzlich Unerwartetes und schreckte deswegen hoch. Sie sah auf ihren Unterarm, an dem die Befiederung des Pfeils entlang strich.

„Keine Angst. Was hätte es für einen Sinn, dir Schaden zuzufügen, wenn der, den es treffen soll noch nicht hier ist?“, sagte Rak'Zunaih ruhig und führte den Pfeil nun an ihren Beinen entlang. Es war ihr unangenehm, als diese Berührungen begannen zu kitzeln. Aber trotz seiner Aussage beruhigte sie dies wieder ein wenig. „Aber keine Sorge. Ich halte meine Versprechen. Wir werden das früher oder später nachholen!“

Schließlich legte Rak'Zunaih den Pfeil bei Seite, wodurch sich Riannas Angst ebenfalls etwas legte. Jedoch war ihr auch bewusst, dass er es nur auf einen andern Zeitpunkt verschoben hatte.

„Da fällt mir ein, ich brauche doch noch etwas von dir!“, meinte Rak'Zunaih teilnahmslos und Streifte den Ärmel an Rianna linken Arm über ihre Schultern. „Wie es aussieht, wirst du doch noch einen kleinen Vorgeschmack auf das erhalten, was dich zukünftig erwarten wird!“

Abermals griff er nach dem Pfeil und setzte ihn an ihrem freigelegten Oberarm an.

Wieder in Panik versetzt, vergas Rianna jedoch dieses mal weg zu sehen. Mit der linken Hand hielt Rak'Zunaih sie an der Schulter fest. Dort wo er den Pfeil angesetzt hatte, spannte er die Haut mit Daumen und Zeigefinger. Langsam ritze er ihr mit der Schneide die Haut auf. Obwohl sie wegen ihrer Aufregung nicht einmal etwas spürte, wand sie sich ab und begann instinktiv zu schreien.

„Ganz ruhig. Es ist doch schon wieder vorbei!“, meinte Rak'Zunaih und strich Rianna über den Kopf und durch die Haare. Sie versuchte sich seinen Berührungen zu entziehen, indem sie ihren Kopf zur Seite neigte und somit weg von ihm. Es war ein kleiner Erfolg für sie, als sich seine Hand tatsächlich von ihr löste. Allerdings nur um sie wieder an der Schulter zu packen. Nochmals biss Rianna ihre Zähne zusammen als sie spürte wie er wieder etwas gegen ihren Arm, unterhalb der Wunde drückte. Bis auf, dass er sie festhielt, geschah jedoch wieder eine ganze Weile nichts.

„Das sollte genügen!“, meinte Rak'Zunaih irgendwann und ließ Rianna endlich los.

Abermals wagte sie es erst aufzusehen, nach dem er sich von ihr entfernt hatte. Der erste Blick galt ihrem Arm. Sie hob ihn soweit es ging an um die Wunde besser sehen zu können. Sie war schätzungsweise so lang wie einer ihrer Finger. Rianna konnte jedoch nicht sagen wie tief sie war. Doch nach dem Blut zu urteilen, welches ihr am Arm hinunter lief, war es mehr wie nur ein leichter Kratzer. Immer weiter versuchte sie die Wunde zu begutachten, bis durch die viele Bewegung der Ärmel ihres Hemdes wieder runterrutschte und den Schnitt verdeckte. Es dauerte nur einen Moment und der Stoff hatte sich an dieser Stelle mit Blut vollgesogen und sickerte nun langsam am Ärmel herunter. Rianna konnte nicht einmal ihre bloße Hand auf die Wunde drücken, um vielleicht irgendwie die Blutung zu stoppen.

Als Rak'Zunaih begann, irgendetwas vor sich hin zu murmeln, richtete sich Riannas Aufmerksamkeit wieder auf ihn. Jedoch verstand sie kein Wort von dem, was er sagte. Da er mit dem Rücken zu ihr auf dem Boden hockte, konnte sie leider auch nicht erkenne was er tat. Ein leises zischen gesellte sich zu Rak'Zunaihs Gemurmel. Außerdem glaubte Rianna ein schwaches rotes Leuchten vor ihm erkennen zu können. Weiter geschah jedoch eine lange Zeit nichts, bis Rak'Zunaih schließlich aufstand. Geradeso konnte Rianna noch erkennen, dass das Licht aus einem Ihrer Holzbecher kam, welcher vor Rak'Zunaih auf dem Boden stand. Doch erlosch es kurz darauf und sie konnte nicht mehr erkennen, was sich in dem Becher befand.

Rak'Zunaih bückte sich nochmal nach dem Becher, warf ihn gleich darauf aber achtlos bei Seite. Anschließend wandte er sich wieder Rianna zu. „So, nun kann Turmalon gerne kommen!“, meinte er, während er auf sie zuging.

Zu Riannas Überraschung begann er ihre Fesseln zu lösen. Aber nicht nur die um ihre Knöchel. Ebenfalls befreite er ihre Hände und sagte dann: „Die brauchen wir nicht mehr. Aber sei gewarnt! An irgendwelche Fluchtpläne solltest du gar nicht erst denken. Du würdest jeden Versuch bereuen.“

Sobald es Rianna möglich war, kroch sie von dem Lyzarie, so schnell sie konnte weg. Verunsichert rieb sie sich die, wundgescheuerten Handgelenke und stellte sich die Frage, was das nun wieder sollte. Hektisch sah sie sich in der Höhle um und entdeckte nur wenige Schritte neben sich einen der Verbände, die sie eingepackt hatte.

„Wenigstens etwas Glück ist mir geblieben“, flüsterte Rianna und schleppte sich zur Bandage. Dann krempelte sie den blutdurchtränkten Ärmel hoch. Sie hatte Schwierigkeiten damit, den Verband mit nur einer Hand, richtig anzubringen. Schafte es aber, nach einer Weile ein zufriedenstellendes Ergebnis vorzuweisen.

Rak'Zunaih hatte sich derweil im hinteren Teil der Höhle niedergelassen und beobachtete sie bei dem was sie tat. Rianna hingegen legte sich jedoch auf den Boden, nachdem sie den Verband angelegt hatte. Sie versuchte sich zu beruhigen und wieder einen klaren Kopf zu bekommen. Zumindest hatte es den Anschein, dass er sie in nächster Zeit in Ruhe lassen würde. Allerdings auch nur, wenn man Rak'Zunaih Aussage glauben durfte und daran hatte Rianna keinen Zweifel, bis Turmalon hier auftauchte.

Es verging einige Zeit, bis sich Rianna wieder etwas besser fühlte. Sie richtete sich auf und durchsuchte den Hort abermals, nur dieses Mal etwas gründliche. Schließlich entdeckte sie ihre Lederrüstung, deren Teile ebenfalls überall verstreut lagen. Ein weiteres Mal ging Rianna ihre Fluchtchancen durch. Zwar schmerzten ihre Füße noch immer durch den Marsch hier her, aber mit den Stiefeln und wenn sie ihre Zähne zusammen biss würde sie einigermaßen gut rennen können. Es war kein perfekter Plan. Zumal es schon genügte, wenn Rak'Zunaih sie daran hinderte, die Rüstung überhaupt anzuziehen. Doch wenn sie nicht weiter von ihm misshandelt werden wollte, hatte sie kaum eine andere Wahl. Außerdem wollte sie nicht länger fast nackt vor ihm herumlaufen.

Rianna raffte sich auf, sammelte die Teile der Rüstung zusammen, und zog sie einfach über das Hemd an. Immer mal wieder wanderte ihr Blick zu Rak'Zunaih, der sich an dem was sie tat nicht störte. Was Rianna allerdings nicht behagte, war dass er wieder dieses hinterhältige Grinsen aufgesetzt hatte.

Es kam ihr ohnehin merkwürdig vor, dass er ihr erst ihre Fesseln löste und sich dann auch noch an das andere Ende der Höhle setzte, sodass der Eingang frei war. Bisher hatte sie nicht den Eindruck von ihm, dass er leichtsinnig sei. Seine Selbstsicherheit ließ Rianna daran zweifeln, ob sie überhaupt eine Chance hatte, dem hier zu entfliehen. In ihr wuchs der Verdacht, dass er irgendetwas in der Hinterhand hatte und genau wusste, was sie vorhatte.

Rianna setzte sich, mit angewinkelten Beinen, zu Boden und suchte nach einem anderen Weg, um diesem drohenden Alptraum zu entfliehen. Dann fiel ihr der Bogen wieder ein, der noch immer neben dem Sattel an der Wand lehnte. Nur nützte er ihr nichts solange sie keine Pfeile hatte. Die zu allem Übel, in der Nähe von Rak'Zunaih auf dem Boden verteilt waren.

Die Idee den Bogen zu verwenden, verwarf sie schnell wieder. Zwar hätte sie ihn schnell erreicht, aber niemals hätte sie einen der Pfeile erreicht ohne das Rak'Zunaih dazwischen gegangen wäre. Rianna kam zu dem Schluss, dass es keine reine Willkür von ihm war, den Köcher wegzuwerfen.

Frustriert ließ sie eines ihrer Beine herabsinken. Dabei stieß sie jedoch mit dem Fuß gegen etwas. Es war der Becher, den Rak'Zunaih zuvor gebraucht hatte und nun über den unebenen Boden rollte. Rianna verfolgte seine Bewegungen, die jedoch etwa in der Mitte der Höhle zum Erliegen kam.

Als ihr Blick wieder zurück wanderte, fiel ihr etwas ins Auge, das sie am liebsten schon wieder verdrängt hätte. Nur wenige Schritte von ihr entfernt lag der Pfeil mit dem Rak'Zunaih ihr die Wunde zugefügt hatte. Ausgerechnet mit dem gleichen Pfeil, mit dem Rak'Zunaih ihr zuvor die Wunde am Arm zugefügt hatte, bekam sie nun die Chance zu entkommen.

Rianna schätzte aber dennoch ab, ob es überhaupt möglich sei. Schließlich wollte sie die einzige Gelegenheit, die ihr derzeit blieb, nicht leichtfertig aufs Spiel setzten. Von ihr aus waren es bis zum Pfeil etwa drei Schritte. Von dort zum Bogen ungefähr zehn bis zwölf. Beides konnte sie also erreichen, bevor Rak'Zunaih auch nur annähernd in ihrer Nähe wäre, um sie daran zu hindern. Einzig ihre Verletzung machte ihr Sorgen. Rianna war sich nicht sicher, ob es ihr gelang den Bogen voll durch zu spannen. Aber selbst mit halber Kraft, würde ein Treffer auf der kurzen Distanz von geschätzten 30 Schritt, den Lyzarie zumindest für einige Zeit außer Gefecht setzten. Je nachdem wo sie ihn traf, wäre er vielleicht auch nicht mehr in der Lage, ihr schnell genug folgen zu können. Eine direkte Konfrontation mit ihm wollte sie jedoch nicht riskieren. Da er ihr körperlich höchstwahrscheinlich überlegen war. Lieber suchte sie ihr Heil in der Flucht.

Für Rianna war ein Moment genauso gut wie jeder andere, und beschloss daher, ihren Plan umgehend in die Tat umzusetzen. Um einen zusätzlichen kleinen Vorsprung zu haben, tat sie zunächst so, als würde sie ihre Sachen zusammen raffen. Auch dies schien den Lyzarie nicht weiter zu stören. Als sie vor dem Pfeil kniete, sah sie aus dem Augenwinkel, wie Rak'Zunaih etwas in seiner Manteltasche suchte und somit abgelenkt war. Für Rianna konnte der Augenblick nicht besser gewählt sein. Sie ließ alles was sie eingesammelt hatte fallen, schnappte sich den Pfeil und spurtete zu dem Bogen. Dieser war auch schnell griffbereit, und Rianna legte ihn an. Beim Spannen machte sich die Wunde zwar bemerkbar, aber machte kaum Schwierigkeiten. Doch als sie auf Rak'Zunaih zielte, begann sie zu zögern.

Verächtlich grinsend saß Rak'Zunaih noch immer auf seinem Platz. Allerdings hielt er nun etwas zwischen Daumen und Zeigefinger vor sich. Die Form erinnerte Rianna sofort an Turmalons Drachenträne. Jedoch war diese hier kristallklar.

Dann begannen sich Rak'Zunaih Lippen zu bewegen, als würde er etwas sagen. Jedoch konnte Rianna nichts von dem hören und wusste nicht, was er nun wieder vorhatte. Kurz darauf begann der Kristall in seinen Fingern schwach zu leuchten. Gleichzeitig verkrampfte Riannas ganzer Körper vor Schmerzen. Während sie zu Boden fiel, spürte sie noch, wie ihr die Sehne aus den Fingern glitt. Der Pfeil zischte los. Wo er jedoch einschlug, konnte Rianna nicht mehr erkennen. Nur den Aufprall gegen den Felsen hörte sie.

Dann, so plötzlich wie der Schmerz auftauchte, verschwand er auch wieder, und lies Rianna schwer atmend auf dem Boden zurück. Sie fragte sich, was das war, und wie Rak'Zunaih dies gemacht hatte.

„Du wolltest wohl unbedingt herausfinden was geschieht, wenn man sich mir widersetzt“, sagte er triumphierend und stand nun unmittelbar vor ihr.

Riannas Schock saß noch zu tief, um ihm darauf irgendetwas erwidern zu können. Erst als sie spürte, wie Rak'Zunaih den Bogen nahm und ihn unter ihr herausziehen wollte, klammerte sie sich daran fest und jammerte kläglich: „Nein, Bitte nicht!“

Mit einem kräftigen Ruck entriss er ihr die Waffe und meinte kalt: „Den wirst du ohnehin nicht mehr brauchen! Und bevor du nochmals auf solch dumme Gedanken kommst, werde ich ihn lieber unschädlich machen!“

Abermals flüsterte Rak'Zunaih einige Worte in einer Sprache, die Rianna nicht verstand. Dabei hielt er seine rechte Hand knapp über dem Bogen. Mit Tränen in den Augen musste sie mit ansehen, wie aus dem nichts, vor seiner Handfläche eine Flamme entstand und auf das Holz übersprang. Schnell verzehrte das Feuer Alias Geschenk. Doch noch bevor der Bogen vollkommen vom Feuer eingehüllt war, warf Rak'Zunaih ihn quer durch die Höhle, vor den Eingang, der tiefer in den Hort führte.

„Das ganze hätte mehr Wirkung gehabt, wenn auch Turmalon da gewesen wäre. Eigentlich wollte ich auch so lange warten, bis er hier aufgetaucht wäre. Sozusagen als Überraschung für euch beide. Aber nun weißt du ja, was auf dich zukommen wird“, meinte Rak'Zunaih gleichgültig. Dann hielt er ihr den Kristall vor das Gesicht. „Ich nehme an, du kannst dir mittlerweile denken, was das ist. Oder hat dir Turmalon nicht verraten, was dies für ein Schmuckstück ist, welches du in deiner Tasche mit dir geführt hast? Oder wozu es fähig ist? Wenn nicht, werdet ihr mit Sicherheit bald Gelegenheit dazuhaben, eure Erfahrungen auszutauschen. Oder du lässt es darauf ankommen, und spürst es am eigenen Leib. Wobei die Demonstration eben ausreichend gewesen sein müsste, um eine solche Erfahrung kein zweites Mal machen zu wollen. Aber ich kann dir schon fast garantieren, dass es nicht das letzte Mal gewesen sein wird. Das wird jedoch ganz von euch beiden abhängen.“

Rianna lag noch immer, zitternd und halb zusammen gerollt, auf dem Boden. Mit der rechten Hand griff Rak'Zunaih nach ihrem Kinn und drehte ihren Kopf in seine Richtung. Rianna wollte sich dagegen wehren, besaß aber nicht die Kraft dazu. Allerdings ging er auch überraschend behutsam mit ihr um. Auch als er mit der linken Hand eines ihrer Augenlieder hoch zog.

„Ich habe in meinem Leben schon viele Menschen gesehen, aber einen mit solchen Augen ist mir noch nie begegnet“, erklärte Rak'Zunaih und wirkte dabei wieder sehr viel freundlicher. „Aber abgesehen von dem offensichtlichen Unterschied, weisen sie noch etwas ganz anderes auf. Trotz der Angst, die an deinem ganzen Körper zu erkennen ist, spiegeln deine Augen noch immer feste Entschlossenheit wieder. Und ich muss zugeben, dies schon einmal gesehen zu haben. Auch Turmalon wies bisher immer dasselbe Verhalten auf. Da haben wir doch schon eine Gemeinsamkeit. Ich freue mich wirklich schon darauf, das Geheimnis zu ergründen, welches euch beide verbindet!“

Nun war Karl seit dem Nachmittag, zusammen mit dem Unbekannten, der sich selbst Nyrn nannte, alleine in Tabeas Alchemielabor. Wenn er sich recht erinnerte, war dies der Name eines Drachens der auch auf Tabeas Liste zu finden war. Jedoch wäre ihm auch ohne die Geschehnisse, die ihn hier her geführt hatten, klar gewesen, dass Drachen nicht ganz so menschlich aussehen. Was somit nicht unbedingt zu Nyrns Glaubwürdigkeit beitrug. Karl traute ihm ohnehin nicht und wollte ihn daher auch nicht aus den Augen lassen, bis er wusste, wer dieser Mann wirklich war. Da sie beide aber nur zu Gast in diesem Haus waren und es Erians ausdrücklicher Wunsch war, das Nyrn ihrer Großmutter half, konnte er ihn lediglich beobachten.

Derweil war es Draußen dunkel geworden und Nyrn köchelte noch immer an dem angeblichen Heilmittel für Tabea. Während der ganzen Zeit, die sie zusammen in dem Keller des Anwesens verbrachten, versuchte Karl ein Gespräch mit Nyrn zu beginnen. Doch war das einzige was er immer wieder zu hören bekam, die Bitte ruhig zu sein da das, was er tat, angeblich ,seine ganze Aufmerksamkeit erforderte. Allerdings schien dies nicht für Lucia zu gelten. Neben einem der Bediensteten, der etwas zur Stärkung vorbei brachte, war sie die einzige, die hier ab und zu auftauchte. Meistens brachte sie etwas mit, was scheinbar im Labor fehlte. Dabei erkundigte sie sich aber auch jedes Mal über den Fortschritt, welcher Nyrn ihr auch immer bereitwillig mitteilte.

Aber davon abgesehen, saß er manchmal einfach nur da und starrte auf die Glaskolben, wie sie über den Kerzen vor sich hin kochten. Nur gelegentlich nahm er einen der Kolben und schwenkte ihn einige Mal hin und her, gab irgendetwas hinzu oder schüttete den Inhalt zweier Gefäße zusammen. Was also genau seine Aufmerksamkeit erforderte, war Karl absolut schleierhaft. Andererseits schien Nyrn aber den Anschein zu erwecken, dass er wusste was er tat. Dies deutete der Späher zumindest daraus, dass noch nichts explodiert, oder in sonst einer Weise missglückt war. Allerdings hatte Karl von der Alchemie selbst keine Ahnung, und konnte eventuelle Fehler daher auch nicht erkennen. Es war nicht so, als wolle er von ihr nichts wissen. Er interessierte sich nur nicht besonders dafür.

Gähnend lehnte sich Karl auf dem unbequemen Hocker nach hinten gegen die Wand, als Nyrn plötzlich aufsprang. Fragend sah der Späher ihn an, als er zügig an diesem vorbei, zur Tür ging.

„Ich bin fertig!“, meinte Nyrn lediglich und wies dabei auf eine kleine Glasflasche in seiner Hand. In ihr befand sich eine dünne, honigfarbene Flüssigkeit.

Nun sprang auch Karl auf und gemeinsam eilten sie in Erinas Schlafgemach, in der Tabea derzeit untergebracht war. Unterwegs war so spät von den Dienern nichts mehr zu sehen.

Stürmisch öffnete Nyrn die Tür zum Zimmer, wodurch Erina aufschreckte. Sie lag, mit einer dünnen Decke zugedeckt, auf einer Couch und war dort offensichtlich eingenickt.

„Habt ihr es geschafft?“, wollte sie umgehend wissen, als sie erkannte, wer durch die Tür herein kam.

Nyrn nickte nur, und ging auf das Bett zu, in dem Tabea lag und schlief. Neben ihr stand Lucia und wrang gerade ein Tuch aus, welches sie kurz zuvor in einer Schüssel mit Wasser getaucht hatte. Sie wollte das Tuch gerade wieder auf Tabeas Stirn legen, um ihr Fiber zu senken, als Nyrn Lucia sanft aber bestimmt zur Seite schob. Behutsam öffnete er der Alchemistin mit einer Hand den Mund und flößte ihr Schluck für Schluck den gesamten Inhalt des Flächen ein. Albrecht, der neben der Tür stand, räusperte sich als er dies sah und wollte vermutlich wieder einen Einwand erheben. Doch genügte bereits ein strenger Blick von Erina, um ihn zum Schweigen zu bringen. Karl vermutete, dass die Beiden in der Zwischenzeit einige Diskussionen geführt hatten und Erina es nun leid war.

Nach dem Nyrn fertig war, richtete er sich wieder auf und sagte zu Erina, die nun hinter ihm stand und ihm über die Schultern gesehen hatte: „Die Wirkung sollte sehr rasch einsetzen. Tabea sollte es also bis Morgen wieder besser gehen. Sobald es soweit ist, hätte ich einige Fragen an sie…“

„Die hätte ich allerdings auch!“, fiel ihm Karl ins Wort, „Allerdings eher an Euch!“

„Morgen!“, widersprach Nyrn und machte deutlich, dass der Späher keine andere Antwort erwarten konnte. Da Karl nicht Erinas Gastfreundschaft auf Spiel setzen wollte, und dadurch zu riskieren, gar keine Antwort zu erhalten, nahm er dies mit einem Murren hin. Da sich Nyrn ohnehin mit Tabea unterhalten wollte, erhoffte er sich, dort einige Antworten zu erhalten.

„Wo sind eigentlich Friedrich und Aaron?“, wollte Karl wissen, da ihm die Abwesenheit der Beiden erst jetzt auffiel.

„Ich habe mir erlaubt, für jeden ein Zimmer herrichten zu lassen“, erklärte Erina, „Da es bereits dunkel wurde, habe ich mir gedacht, dass es so spät mit Sicherheit schwer sein würde, noch ein paar freie Betten in der Stadt zu finden. Albrecht wird ihnen beiden ihre Zimmer zeigen.“

„Vielen Dank, sehr aufmerksam von Euch“, bedankte sich Karl und bedeutete Albrecht, dass er ihm sein Zimmer zeigen sollte.

„Bitte folgen sie mir“, sagte der Diener und ging voran. Wenige Schritte weiter öffnete Albrecht eine Tür. „Bitte sehr. Dies ist ihr Zimmer. Ich wünsche ihnen eine angenehme Nacht.“

Karl betrat das geräumige Schlafzimmer, zog dabei den Diener aber mit und schloss hinter sich die Tür. Dann sagte er: „Ich hoffe, dass ich mich darauf verlassen kann, dass dieser Nyrn auch Morgen noch hier sein wird! Irgendetwas stimmt mit diesem Mann nicht und ich will wissen was!“

Albrecht nickte murrend. Es war klar, dass er den Fremden lieber vor die Tür gesetzt hätte. „In Ordnung“, sagte er und zückte einen Schlüsselbund aus seiner Westentasche. Ich werde ihn in seinem Zimmer einschließen.“

„Eine hervorragende Idee“, bestätigte Karl und öffnete wieder die Tür.

Am nächsten Morgen wurde Karl geweckt, als es an der Tür klopfte. Vorsichtig steckte ein Dienstmädchen ihren Kopf durch den Türspalt und sagte: „Guten Morgen der Herr. Die gnädige Frau erwartet sie zum Essen. Falls sie sich vorher noch zu waschen wünschen, habe ich hier noch eine Schüssel mit warmen Wasser für sie bereitstehen.“ Ohne eine Antwort abzuwarten, schob sie einen Wagen durch die Tür. Auf diesem befanden sich eine weiße Porzellanschüssel und einige Tücher.

„Falls sie Hilfe benötigen, stehe ich ihnen gerne zur Verfügung. Ansonsten werde ich solange bis sie fertig sind vor der Tür warten und sie anschließend zu Tisch führen“, sagte sie weiter und schloss nach einer kurzen Verbeugung wieder die Tür.

Als Karl fertig war, führte ihn das Dienstmädchen wie versprochen. Jedoch wunderte er sich, als sie, wie er annahm, den Speisesaal betraten. Denn weder saß jemand an dem, für mindestens ein Dutzend Personen reichenden Tisch, noch war er gedeckt. Dies bekam das Dienstmädchen mit und erklärte entschuldigend: „Ich hoffe es macht euch nichts aus im Freien zu speisen. Die Gnädige Frau bevorzugt es an sonnigen Tagen auf der Terrasse zu sitzen.“

„Nein das macht nichts“, entgegnete Karl, wodurch sie wieder etwas entspannter wirkte. Dann setzte sie ihren Weg fort und ging zum anderen Ende des Raums zu einer Tür, die nach draußen führte. Sie öffnete diese, blieb dort stehen, und wies Karl zu einem kleinen Runden Tisch, an dem bereits Erina, Lucia und Friedrich saßen.

„Guten Morgen“, grüßte der Späher die anwesenden und unterbrach sie in ihrer Unterhaltung. Er wollte sich auf den Stuhl setzen, der von der Tür aus ihm am nächsten war. Doch durch die hohe Rückenlehne sah er erst, als er neben dem Stuhl stand, dass dieser zu seiner Überraschung von Tabea besetzt war.

„Euch geht es schon wieder besser?“, bemerkte Karl verblüfft und nahm stattdessen auf dem Stuhl links neben ihr Platz.

„Ja, in der Tat. Vielen Dank der Nachfrage“, erwiderte Tabea, „aber so wie ich hörte, habe ich euch auch zu danken dafür, dass ihr mich vor dem Feuer bewahrt habt.“

„Nicht nötig. Das war doch selbstverständlich!“, erwiderte Karl abwehrend, „Allerdings bin ich erstaunt darüber, dass Nyrns Gebräu tatsächlich gewirkt hat!“

„Das hat es. Sogar sehr gut!“, bestätigte Tabea lächelnd, „Nicht lange nach dem ich es bekommen habe, zeigte es auch schon seine Wirkung. Während ich mich dann mit Nyrn unterhielt, fühlte ich mich zwar noch sehr schwach, war aber wieder klar im Kopf. Als ich dann heute Morgen aufwachte, fühlte ich mich wieder als wäre nie etwas geschehen. Schade, dass er gestern schon wieder aufbrechen musste. Ich hätte mich gerne noch ein wenig länger mit ihm unterhalten. Vor allem um herauszufinden, ob er derjenige war, dessen Name er trägt!“

„Er ist weg?“, erzürnte sich Karl, beherrschte sich aber soweit, dass es nicht wie ein Vorwurf klang. „Das hätte ich mir auch denken können, dass er, sobald er Gelegenheit dazu hatte, einfach das Weite suchen wird!“

„Wieso, was hat er denn getan?“, wollte Tabea wissen.

„Das galt es ja herauszufinden!“, erklärte Karl, „Erst brach ein Feuer aus, begleitet von einem Knall, der vermuten lassen konnte, dass die Zwerge ihre Stollen wieder frei gesprengt haben. Und dann steht dieser Nyrn plötzlich vor uns und erzählt irgendwelchen haare sträubenden Unsinn. Auch wenn ich eigentlich kein Freund von solchen voreiligen Schlüssen bin, kann ich mir hier beim besten Willen nicht vorstellen, dass er zufällig hier war.“

„Ich kann euch versichern, dass er nicht für das Feuer verantwortlich war. Dies ist tatsächlich meine eigene Schuld gewesen!“, beteuerte Tabea und erntete dafür von allen überraschte Blicke. „Ich hatte es nie jemandem erzählt, aber bevor ich mein Leben der Alchemie widmete, versuchte ich mich in der Kunst der Heilmagie. Jedoch musste ich bald feststellen, dass ich, aus welchen Gründen auch immer, nicht in der Lage war sie zu wirken. Zu meinem Verdruss galt dies für fast alle Magieschulen. Einzig und allein einer der einfachsten Elementarzauber gelang mir. Dieser Feuerzauber genügte allerdings gerade mal dazu, eine Kerze zu entzünden. Was als Alchemist zugegebenermaßen recht nützlich sein kann. Dies war natürlich nicht der Grund wieso ich mich dafür entschied. Um aber wieder zurück auf den Grund des Feuer zu kommen. Mein kleiner Selbstversuch hatte jedoch einige Nebenwirkungen mehr, wie ich erwartet hatte ….“

„Ich glaube ich verstehe“, unterbrach Lucia, „eurer Fähigkeit Magie zu wirken hatte sich wieder normalisiert. Und als ihr eine Kerze entzünden wolltet, entfachtet ihr stattdessen dieses Inferno.“

„Sie normalisierte sich nicht“, widersprach Tabea, „sie verzehnfachte sich zu dem, wie es normal sein sollte! Es überraschte mich aber nicht, wie ihr vielleicht dachtet. Ich spürte instinktiv, dass etwas nicht stimmte. Mein Körper produzierte mehr Energie , als er überhaupt in der Lage war bewältigen zu können. Mit dem Feuerzauber versuchte ich diese abzuleiten. Doch anstelle des Fensters, traf ich meinen Schreibtisch. Was danach geschah weiß ich nicht mehr, da ich bewusstlos wurde.“

„Damit wäre das zumindest geklärt“, bemerkte Karl resignierend, „dennoch würde ich doch gerne wissen wer dieser Nyrn war. Lucia, ihr scheint euch doch zu kennen.“

„Nun, das ist zwar im Grunde richtig, aber das heißt nicht, dass ich viel über ihn weiß“, antwortete Lucia verlegen, „Es ist schon viele Jahre her, als er mir viele der magischen Fähigkeiten, die ich heute besitze, beigebracht hat. Er war zwar dazu bereit, einen Teil seines Wissens preiszugeben, aber bei allem was darüber hinausging, hüllte er sich in Schweigen.“

„Du willst mir also erzählen, dass du Jahre lang bei ihm gelernt hast und dennoch nichts über ihn weißt?“, fragte Karl und schüttelte ungläubig seinen Kopf.

„Es war nicht mein Ziel, alles über diesen Mann in Erfahrung zu bringen, sondern, wie du schon richtig erkanntest, von ihm zu lernen!“, erklärte Lucia. „Natürlich war ich zu Beginn auch sehr neugierig. Nur hatte Nyrn mir schnell klar gemacht, das mir meine Neugierde auch teuer zu stehen kommen könnte. Ich glaube nicht, dass er mir damit drohen wollte. Eher war es seine Art mir zu sagen, dass manches Wissen nicht in unerfahrene Hände gehört. Zumindest denke ich, dass er mir dies damals sagen wollte. Zudem meinte er immer, dass man nichts überstürzen sollte. Es benötigt Zeit und Erfahrung um viele Dinge in ihrer Gänze zu erfassen und vor allem um sie zu verstehen. Vielleicht nicht unbedingt einer seiner weisesten Sprüche aber sag das mal einem jungen Mädchen mit zu viel Tatendrang!“

„Na gut, was soll’s“, seufzte Karl, „Tabea, könntet ihr uns wenigstens mitteilen, über was ihr euch gestern Abend mit Nyrn unterhalten habt?“

„Im Grunde wollte er nur eines von mir wissen, und das könnte euch tatsächlich interessieren!“ Karl war wieder ganz Ohr als Tabea dies sagte. „Er wusste nämlich, dass eine der Reagenzien die ich verwendete von Rianna war. Daher wollte er von mir wissen, ob ich sonst noch irgendetwas mit ihr gemacht hätte, außer etwas ihres Blutes zu nehmen …“

„Ihr habt was?“, schrie Aaron empört, der einen Moment zuvor an der Tür zum Speisesaal erschienen war und nun wutentbrannt auf die Frau zuging.

„Keine Angst. Ich benötigte nur wenige Tropfen und daher war nur ein kleiner Stich mit einer Nadel notwendig. Sie erfreute sich noch bester Gesundheit als ich sie einige Tage später, das letzte Mal sah.“

„Das will ich für euch hoffen!“, knurrte Aaron.

Tabea ignorierte diese eindeutige Drohung jedoch und fuhr fort: „Der Rest waren für euch belanglose Maßregelungen seinerseits, wegen meines leichtsinnigen Handelns.“