VERLIERER (3) - Ger

Story by Kranich im Exil on SoFurry

, , , ,

Die Episoden von Tage im Juni (Weltenzoo) werden stets zuerst auf FurAffinity veröffentlicht. Die auf SoFurry geposteten Geschichten werden nicht aktualisiert. Für Updates und aktuelle Geschichten besuche den FurAffinity Account von Kranich im Exil. Dort findest du auch eine Übersicht aller Episoden.

Besuche WELTENZOO für mehr Geschichten und zusätzliche Details über die Welt.


TAGE IM JUNI

Verlierer

- 3 -

ARIK MAAS

Grimmig durchforstete er seine Jackentaschen. Fand keine Zigarette. Brummte.

Was für eine beschissene Aktion. Den Laden musste er ab jetzt strikt meiden. Und das nur für eine Dose Bohnen und ein paar bescheuerte Würstchen. Damit würde er die Mäuler nicht einmal für einen Tag stopfen können.

»Arik. Alles ist alle.«

Er lief an einem Müllcontainer hinter einem Supermarkt vorbei.

Für eine halbe Sekunde dachte er darüber nach, ihn nach Essbarem zu durchkramen, wie er es als Knirps getan hatte.

Er hasste sich selbst für den Gedanken. Er war doch kein Penner. Kein beschissenes Stück Abschaum, das durchwühlte, was andere Leute ausgekotzt hatten.

Der Container war einen Spalt breit geöffnet. Heraus drang neben dem Gestank von faulendem Obst auch leises Rascheln. Dann tauchten zwei kleine Augen auf, die aus dem Schatten spähten.

Ein winziges Maskengesicht.

Ein Waschbär. Ein wilder.

Scheinbar hatte er denselben Gedanken gehabt wie Arik, aber nicht die Fähigkeit, über ihn zu philosophieren. Er tat einfach, was die Natur ihm befahl. Und der Gestank hatte ihn gerufen.

Beide starrten sich für einen Moment an.

Arik fragte sich, wo der Waschbär lebte und sein Nest hatte und ob es dort besser war. Ob seine kleine Welt eine schönere war. Für ihn gab es keine Pflichten, keine Sorgen, keine Wünsche und keine Träume. Nur Triebe, die über ihn kamen wie der Wind übers Meer und ihn umhertrieben. Vielleicht gab es für ihn nicht einmal Erinnerungen an das, was gestern war — nur ein Zwicken irgendwo im Nebel seines Kopfes, das ihm sagte, wo es etwas zu Fressen gegeben hatte.

Er lebte im Hier und Jetzt und alles andere war bedeutungslos. Jeder Atemzug war derselbe. Kein Schnaufen, kein Schluchzen, keine Ahnung vom letzten Atemzug, der ihn irgendwann ereilen würde. Er wüsste nicht warum, wüsste nicht was, würde einfach die Augen schließen und seine kleine Welt wäre verschwunden.

Nicht eine Träne würde er vergießen.

Der wilde Waschbär fing an zu fauchen. Vielleicht glaubte er, Arik wollte ihm seinen Müll stehlen. Selbst die Natur schien nur Hohn für ihn übrig zu haben.

Arik zischte zurück. Das schien das Viech nur noch wütender zu machen und es riss sein Maul auf.

»Verpiss dich!« brüllte Arik und warf die Bohnendose nach ihm. Sie zerplatzte mit lautem Knall am Container.

Der wilde Waschbär sprang heraus und verkroch sich panisch in einem Mauerspalt.

Somit waren die Bohnen auch dahin.

Aber Arik war kein stinkendes Tier. Er hatte sich blödes Fauchen nicht gefallen zu lassen.

Er bückte sich und wollte die Dose aufsammeln, da schoss der wilde Waschbär laut knurrend hervor und biss ihm in die Hand. Arik sprang erschrocken auf. Das Miststück hatte verdammt kräftige Kiefer.

Das war wohl die Rache der Natur. Dann würde Arik seine eigene folgen lassen. Mit einem Tritt, den das Biest nicht hatte kommen sehen.

Es flog davon und knallte gegen das Blech. Es zischte und riss sein Maul auf. Er trat erneut danach. So lange, bis im Blech eine Beule war und im Waschbärenkopf ein Loch.

Jetzt waren sie quitt.

Arik leckte das Blut von seiner Hand und betrachtete den matschigen Rest. Der Wind brachte das Fell zum zittern. Das zerplatzte Gesicht starrte zurück. Das rechte Auge war herausgedrückt.

Der wilde Waschbär hatte in Arik scheinbar einen Konkurrenten gesehen, ihn für ebenbürtig gehalten und vertreiben wollen. Er hatte dem Jungen Respekt gezollt, auf seine krude Weise. Jetzt war er fort und Arik blieb zurück.

Der Junge begann zu zittern, als ihn eine Welle eisiger Kälte durchfuhr. Ein furchtbares Gefühl, von dem er nicht wusste, woher es kam und was es zu bedeuten hatte.

Arik war genauso ahnungslos wie der wilde Waschbär. Seine Welt war genauso unbegreiflich.

»Ein Verbrechen kann nicht ausgeschlossen werden.«

Kopfschmerzen flammten auf und ein stechender Schmerz bohrte sich in seinen Nacken.

Er erinnerte sich an den verdrehten Kopf und wie unnatürlich er ausgesehen hatte. Ein Arm war ausgestreckt gewesen, als hätte er versucht, etwas Unsichtbares zu greifen, es aber nicht mehr geschafft. Der Schal war zerrissen gewesen.

Er hörte sie flüstern.

»Arik. Du musst dir mehr Mühe geben.« Das alte Gnu blickte ihn durch seine dicken Brillengläser an.

Es blätterte seelenruhig in einer Akte herum und legte sie vor sich auf den Schreibtisch.

»Deine Leistungen sind nicht zufriedenstellend. Wenn du später einmal Chancen haben möchtest, solltest du dem Unterricht folgen und deine Hausaufgaben erledigen. Es wäre auch gut, wenn du dich mehr einbringst und etwas mit den anderen unternimmst. Niemand kann alleine durch die Welt gehen.«

Ein Ferienlager.

Alle würden da sein. Er hatte den Teilnahmeschein lange in den Händen gehalten und gegrübelt. Er hatte ihn in den Rucksack gestopft, wieder hervorgezogen und mehr gegrübelt.

Etwas mit den anderen unternehmen, weil niemand alleine durch die Welt gehen kann.

Er fragte sich, ob das stimmte. Aber er war nicht alleine, sondern hatte seine Brüder. Aber er und seine Brüder waren alleine.

Sein Vater würde sicher nicht erlauben, dass er teilnahm. Er mochte andere Fellträger nicht besonders.

Arik glaubte zu verstehen warum.

Er hörte sie hinter sich schwatzen.

»Arik, deine Mutter ist 'ne Hure!«

Der schwarze Panther drückte sie weg. Sie stieß gegen den Kühlschrank.

»Verschwinde!«, forderte seine Mutter.

»Was, wenn ich nicht will?«, fragte der Panther.

Er presste sie gegen den Schrank und fasste ihr zwischen die Beine. Sie zischte, als er seinen Finger in sie steckte.

Arik starrte ihn wütend an, aber der Panther ignorierte ihn.

Der Junge grollte. Der Panther lachte und drückte den Kopf seiner Mutter gegen die Schranktür. Er rieb seine Hüfte an ihrer.

Arik grollte lauter. Keine Reaktion.

Die Großkatze schenkte dem Jungen keine Beachtung. Für sie war er nur ein nutzloser Knirps und seine Mutter eine Fellpuppe. Ein dreckiger Waschbär. Beschmutzt von all den Typen, die ihre Schwänze in sie steckten.

Sie zischte erneut und protestierte, aber der Panther brachte sie mit einem Stoß gegen den Kopf zum Schweigen.

Arik hielt es nicht mehr aus. Er stürmte auf die Großkatze zu und versenkte seine Zähne in ihrem Oberschenkel — dort, wo ein Knirps mit seinen Zähnen hinkam, genau so, wie es ein wildes Tier tun würde.

Der schwarze Koloss bäumte sich auf. Er packte den Jungen und schleuderte ihn durch den Raum.

Der Panther zischte vor Wut und schlug Ariks Mutter zu Boden, um sich abzureagieren.

»Kleiner Drecksack«, grunzte er. »Solchen Bullenbeißern wie dir hat man früher die Nüsse abgeschnitten! Mir reicht's!« Er zog seine Mutter an den Haaren und schlug sie mit dem Gesicht gegen die Tischplatte. Das Geräusch war ekelhaft.

Der ganze Tumult hatte zur Folge, dass Ariks Vater in der Tür erschien. Er griff den blöden Panther am Rücken und rang mit ihm.

Krallen flogen durch die Luft und sie brüllten sich an. Arik erinnerte sich nicht an die Worte, aber an die bebenden Stimmen und wie sie seine Brust zum Zittern brachten.

Sein Vater meinte, dass der Panther nichts bezahlen müsse und nach noch mehr Gegrunze ließ sich die Großkatze endlich rauswerfen.

Ariks Vater kehrte mit einem blutigen Ohr zurück. Arik stemmte sich in die Höhe. Sein Vater schlug ihm ins Gesicht, bis er wieder am Boden lag. Er sagte, Arik solle sich auf den Dachboden verpissen, bis ihm erlaubt wurde, wieder herunter zu kommen.

»Arik, deine Mutter ist 'ne Hure!«

Er konnte seine Augen auf sich spüren. Sie waren grün und schienen zu leuchten. Sein roter Schal wehte im Wind. Auf dem Schulhof war er immer in der Nähe. Immer irgendwo, um Arik anzuglotzen und zu flüstern.

»Mein Bruder hat sie gestern besucht. Die ist so ausgeleiert, dass ein Pferd dran Spaß haben könnte.«

Er war immer da. Jeden Tag.

Sein Kopf war verdreht gewesen. Er hatte die untergehende Sonne greifen wollen, die ihr Licht durch den Türspalt geworfen hatte.

»Er wurde noch nicht gefunden.«

»Ein Verbrechen kann nicht ausgeschlossen werden.«

»Im Abendprogramm sprechen wir heute mit Frau Weißhaar über ihre Stiftung.«

»Sein Name ist Sebastian, ja.«

Arik zog die Kühlschranktür auf. Das Licht war kaputt. Eine Ratte lag im Gemüsefach. Wer legte eine Ratte in den Kühlschrank, ohne sie vorher zu kochen?

Jann wischte auf seinem Smartphone herum. Ein Aufruf per Mail.

»Hast du deine Medizin genommen?«, fragte Arik.

»Es ist eine Operation nötig. Beide Hoden müssen amputiert werden. Er wird zeugungsunfähig sein und sein Leben lang Hormone nehmen müssen.«

»Arik, schieb deinen Arsch zum Hafen und hol ein Paket ab!« Karl lehnte über dem Treppengeländer. »Ist mir scheißegal, was du zu tun hast. Und seh ich so aus, als würde ich einen Dreck drum geben, wie's Jann geht?! Mach, was ich dir sage oder ich werfe deine beschissenen Brüder hier raus!«

Das Polizeiauto vor der Haustür machte Arik nervös. Dort waren drei Gestalten in schwarzweißen Uniformen und mit kalten Blicken. Sie führten seinen Vater ab.

»Arik.«

Das rotblaue Licht befleckte das Treppenhaus. Lange Schatten blitzten auf.

»Arik, kümmere dich um das Haus«, hatte sein Vater befohlen, als sie ihn in das Auto verfrachteten. »Sorg dafür, dass alles läuft. Du bist meine Vertretung. Tu, was ich dir gesagt hab!«

Dann war er fort und würde nicht wieder kommen.

Karl hatte in der Haustür gestanden und hinterher gestarrt. Arik konnte sehen, dass er grinste, als er sich wegdrehte.

»Arik, bist du bescheuert?! Dein Haus?«, hatte Karl gesagt. »Du bist nicht mal volljährig. Ich bin der Älteste in der Familie. Das heißt, sie werden mir das Haus überschreiben. Und du kannst für mich arbeiten. Wie du für deinen Vater gearbeitet hast. Wir werden uns gut verstehen.« Er grinste.

»Und da ihr jetzt alle meine Mieter seid, müsst ihr für die Unterkunft zahlen. So ein Haus verschlingt viel Geld. Also tut was dafür, damit es nicht verschimmelt.«

Was glaubte Karl, wer Arik war? Seine kleine Laufschlampe? Sein kleines, eifriges Zahnrädchen, das er gern ständig am Durchdrehen wusste?

Das war so nicht vereinbart gewesen. Die Sippe musste zusammenhalten und sich umeinander kümmern. Ihr Leben hatte keine Sklavenarbeit sein sollen. Keine Schufterei für andere. Es hatte um sie selbst gehen sollen. Nur sie waren wichtig. Niemanden sonst.

Arik leckte das Blut von seiner Hand.

Ein Brief. Karl hatte ihn zusammengeknüllt und weggeworfen.

»Wir bedauern, Ihnen mitteilen zu müssen, dass sich Herr Maas nach dreijähriger Inhaftierung am fünften Juni das Leben genommen hat.«

Arik saß auf dem Bett und starrte ins Leere.

»Arik, du bist genauso nutzlos wie dein Vater. Vielleicht landest du auch im Kittchen. Frag mich, ob du dich dann auch erhängst, weil du’s nicht aushältst. Die Feigheit hast du ja von ihm geerbt. Und die Überheblichkeit.«

Das Apartment war leer. Die Tasche fehlte. Etwas war aus dem Kleiderschrank geräumt worden. Leere Schachteln lagen auf dem Bett verstreut.

Eine Erklärung gab es nie. Keinen Abschied. Nicht ein Wort.

»Du machst nur Schwierigkeiten«, hatte seine Mutter irgendwann gesagt. »Das kann ich nicht gebrauchen.«

Dann war sie fort und würde nicht zurückkommen.

Karl zog an der Zigarette. »So gut, dass die Schlampe endlich weg ist.« Er sah Arik an und lächelte wieder. Seine Zähne waren grau.

Arik saß auf dem Bett und hielt sich die Hand. Sie schmerzte. Er leckte das Blut ab.

Das Haus knarrte und ächzte über ihm.

Er fragte sich, was sich geändert hatte. Warum sie verschwunden war. Ob es etwas mit ihm zu tun hatte? Er grübelte darüber nach, ob sich seine Eltern wirklich verändert hatten oder er selbst.

Nicht sie waren verschwunden, sondern er. Er war an einem fremden Ort und das alte Haus war bloß eine Erinnerung, die im Dämmerlicht verblasste.

Die Realität hatte sich verändert, so wie die Nacht den Tag änderte. Alles wirkte befremdlich, folgte seinen eigenen Regeln, offenbarte unbekannte Dinge und stahl alles, was ihm einst vertraut gewesen war.

Er erinnerte sich an die Stimme seiner Mutter, aber nicht an die Geschichte, die sie erzählt hatte.

Er hatte keine Aufgabe. Keine Hilfe. Keine Ahnung.

Er saß im Staub, bis es dunkel wurde und der nächste Tag kam. Die nächste Woche. Ein Jahr später. Drei Jahre später.

Alles war still. Wie nie zuvor. Leer wie nie zuvor. Statt eines neuen Tages existierte nur ein schwarzes Loch. Es brachte keine Änderung, sondern sog alles in sich hinein, das Arik an die Vergangenheit erinnerte. Der Wind trieb Wellen gegen die Brandung. Das Wasser schimmerte silbrig.

Es roch nach einer fernen Welt am anderen Ende des Meeres. Es wurde kalt, als die Sonne hinterm Horizont verschwand.

Er wurde nicht groß. Nicht stark. Er wurde nicht erwachsen. Bloß alt.

Sie waren fort und würden nicht wiederkommen. Würden nicht sehen, wie er älter wurde. Wie er versuchte, ein eigenes Leben zu führen. Er würde ihnen nichts beweisen können. Ihnen nicht zeigen können, was aus ihm werden könnte. Sie würden ihn nicht respektieren. Nicht danken. Ihn nicht loben. Nicht stolz auf ihn sein. Sie würden nicht einmal von ihm wissen. Nicht wissen, ob er lebte oder tot in einer Gasse lag. Würde es einen Unterschied für sie machen? Wahrscheinlich nicht.

Sie waren verschwunden und genauso war er verschwunden. Er war alleine.

Er glaubte eine Harfe im Wind spielen zu hören. Ein Schatten auf der Burgruine. Ein schwarzer König tanzte auf den Steinen.

Niemand konnte Waschbären leiden. Die ganze Welt wollte, dass sie verschwinden.

Seine Eltern waren die einzigen gewesen, die ihn und seine Brüder geduldet hatten. Weil sie es mussten. Weil sie ihre Kinder trotz Gemecker, Geschrei und Gezänk doch gebraucht hatten, doch gewollt hatten, vielleicht doch gemocht hatten.

Nun waren sie fort. Würden nicht zurückkommen. Es gab niemanden mehr, der sie duldete oder brauchte. Alles um sie herum zerfiel, so wie es das Haus tat. Es gab nichts mehr, das es zusammenhielt. Nichts würde wiederkommen.

Arik betrachtete den grauen Waschbären im Spiegel, aber er gab keine Antwort. Er starrte wortlos zurück und schien genauso ahnungslos zu sein wie er.

Er kannte keinen Ausweg. Er kannte keinen verdammten Weg irgendwohin.

Auf dem Nachttisch lag ein Plakat. Das Gesicht darauf war grau im Dämmerlicht, aber Arik wusste, dass es ihn mit grünen Augen anglotzte. Er hatte vergessen, wo er das Plakat abgerissen hatte. Er fragte sich, warum er es überhaupt besaß.

Er zerriss es. Zerknüllte es und warf es weg. Er konnte die Augen immer noch spüren.

»Sagt Ihnen der Name Weißhaar etwas? Sebastian Weißhaar?«

Joas saß besoffen am Küchentisch. Er roch nach Kotze. Hoffentlich kratzte er nicht ab. Bossel brauchte seine Waschbärenhände zum Reinigen des Teekochers.

Die Schlampe aus dem Puff war auch da. Hatte ihre Freundin mitgebracht. Brauchten sicher das zusätzliche Geld. Kommt davon, wenn man einmal zu nett zu ihnen ist. Honig und Schmeißfliegen.

Ayko zog an der Zigarette und blies den Qualm gegen die Decke. Ein gelber Nebel wallte um die Neonröhre und dämpfte das Licht.

Ein Hirsch im Mückendunst. Ein roter Schal im Dreck. Die Sonne ging bereits unter.

»Unsere Weißhaar-Stiftung hat dieses Jahr über Zweihunderttausend an Spenden eingenommen. Das Geld fließt in die Aufklärung und Unterstützung von Angehörigen.«

»Ihr Engagement ist beeindruckend. Sie sind anderen Familien ein großes Vorbild.«

Arik wurde schlecht. Er schnaufte und versuchte das Gefühl herunterzuschlucken.

So gut für sie. Er redete sich ein, dass er ihnen geholfen hatte. Es ging ihnen jetzt besser.

Der gehässige Gedanke füllte seinen Bauch mit Zorn und schaffte es, die Übelkeit zu verdrängen.

Niemand hatte ihn leiden können. Sein blödes Grinsen und die grünen Augen, die hämisch glotzten. Niemand hatte sich für ihn interessiert, den aufgeblasenen Lachsack. Jetzt war er in aller Munde. Jetzt weinten sie sogar um ihn.

Am Ende ist es etwas Gutes gewesen. Genau das Richtige, um ihre Apathie zu heilen.

»Sebastian Weißhaar, ja.«

Jetzt vermissten sie ihn. Jetzt wussten sie, dass sie ihn doch irgendwie mochten, vielleicht sogar brauchten.

Aber er war fort und würde nicht zurückkommen. Er war in eine andere Welt verschwunden. Im Hier und Jetzt glotzte er mit seinen dämlichen grünen Augen nur noch von Plakaten herab. Er sah die weinenden Trottel, sah den Dreck, sah Arik.

»Du bist eigentlich ganz niedlich«, hatte sie gemeint und ihm über die Wange gestrichen. Sie ließ einen Finger durch ihre schwarzen Haare gleiten und wischte eine Strähne aus dem Gesicht.

Es hatte zu schneien begonnen und der Himmel war tiefrot. Der Komet zog einen schimmernden Schweif hinter sich her. Durchschnitt den Nachthimmel. Die Schatten färbten sich dunkelblau. Er erinnerte sich an die Nacht, als er den Kometen zum ersten Mal gesehen hatte. Der Anblick war unheimlich gewesen. Er schien aus einer anderen Welt gekommen zu sein und war voller Geheimnisse. Mit der Zeit hatte er seine Magie verloren. Er durchquerte den Nachthimmel jedes Jahr und sein rotes Licht schien mit jedem Mal blasser zu werden, als verlöre die ganze Welt zunehmend ihre Farbe. Alles wurde grau. Alles wurde Nacht.

»Wenn ich als Aushilfe anfange, werd ich endlich genug Geld haben«, hatte sie gesagt. »Vielleicht können wir uns dann ein Apartment nehmen. Wäre doch besser als dieses heruntergekommene Haus deines Vaters.«

Sie streichelte ihm über den Rücken, während er in den Himmel blickte. Die Ruinen des Schlosses schimmerten im roten Licht. Schneeflocken tanzten um sie, wie kleine Sterne.

Aus den Arkaden lugten Statuen in den Hof. Schweigsam, seit tausend Jahren. Sie beobachteten die beiden mit denselben Augen, die bereits die Könige und Priester beobachtet hatten.

Eine Melodie im Wind.

Die Schneeflocken waren lautlos. Bald schon hatten sie die Bank, auf der die beiden saßen, mit einer dünnen, weißen Schicht überzogen. Der Komet war totenstill. Die Statuen waren es auch. Alles wirkte gefroren und unwirklich, verlassen und wertlos. Alles unwahr.

Er glaubte in den Wolken am Horizont ein Schiff zu sehen, das in die Nacht verschwand. Auf und davon. Dorthin, von wo niemand je zurückgekehrt ist. Wo alle sterben.

»Du denkst zu viel nach«, sagte sie, als sie seinen Blick bemerkte.

Er sah zu ihr. Ihre Fellzeichnung schimmerte rötlich.

Sie kam ihm fremd vor. Er konnte sich nicht daran erinnern, wo er sie zum ersten Mal gesehen hatte und er fragte sich, warum er überhaupt mit ihr zusammen war. Er hatte sich etwas erhofft, aber er wusste nicht mehr was.

Es war egal, da es sich ganz offensichtlich nicht erfüllt hatte. Es war nur ein weiteres Gefühl im Nebel seines Kopfes, das er nicht verstand.

»Zieh dich aus«, forderte er.

Sie kicherte und fuhr sich wieder durchs Haar. Ihr Schweif glitt an seiner Hüfte entlang.

Sie gehorchte, öffnete ihre Jacke und streifte ihr Shirt hoch. Schneeflocken landeten auf ihrem Bauch und schmolzen zu winzigen Tröpfchen.

Sie griff sein Hemd und zog ihn zu sich. Er nahm ihren Arm und drückte sie gegen eine Bank, zog ihren Slip herunter. Ihr Fell war ganz hell dort unten.

Dampf stieg von der feuchten Wärme auf.

Er befreite sein Glied und drückte es gegen ihre Scheide. Es tat weh und fühlte sich eklig an. Er fuhr mit den Fingern zwischen ihre Beine und spreizte ihre Schamlippen, bis seine Eichel zwischen sie passte.

Der Junge ignorierte das seltsame Gefühl und schob die Spitze seines Glieds in sie hinein, rutschte ab, setzte erneut an und drückte sich weiter zwischen sie.

Es war schwieriger, als er erwartet hatte. Er traf auf Widerstand und drückte fester.

»Nicht so schnell!«, protestierte sie.

Er ignorierte es und drückte seinen Schwanz so tief in sie hinein, wie er konnte, vorbei am Widerstand, bis er spürte, wie sein Penis von Wärme und Schleim umhüllt war.

Sie zischte und versuchte sich wegzudrehen. Er presste sie gegen die Bank. Sie schlug nach ihm. Er schlug zurück.

Der schwarze Panther lag auf seiner Mutter. Sein Penis war in ihr. Er drehte sich auf den Rücken, damit der graue Stier ihren Schweif heben konnte, um seine Finger in ihren Arsch zu schieben.

Sie zischte. Sie fickten sie, bis die Luft nach Sperma stank.

Arik sog die kalte Nachtluft ein. Sie brannte in seinen Lungen.

Er drückte sich auf die Waschbärin, aber es funktionierte nicht. Er spürte nichts. Er kam nicht. Er hob ihre Hüfte und stellte einen Fuß auf die Bank. Mit mehr Gewalt versenkte er sein Glied zwischen ihren Beinen.

Er rieb es in ihr, bis sich sein Arsch zusammenzog und er sich entlud.

Er blickte durch das Steinfenster auf die Stadt, während er sich in mehreren Schüben in sie ergoss.

Eine kurze Welle der Erleichterung floss durch seinen Körper und sein Kopf wurde ganz leer.

Rote Schneeflocken tanzten über den Dächern zu lautloser Musik. Die stummen Statuen glotzten ihn aus dem Schatten an. Ihre Mäuler waren geöffnet, als würden sie ihm etwas zurufen, das er nicht hören konnte.

Das erleichternde Gefühl versiegte wenige Sekunden später und er spürte nichts mehr.

Ihm wurde schwindelig und die Welt verlor alle Bedeutung. Etwas starb und flog mit den weißen Wolken seines Atems davon. Der Komet durchschnitt den Dunst.

Er verstand es nicht. Verstand nicht, was jeder daran fand.

Er stand in der Kälte mit seinem Schwanz in einem feuchten Loch.

Es fühlte sich eklig an und stank. Es war sinnlos. Wertlos.

Der schwarze Panther. Warum hatte er es gewollt? Warum hatte er seine Mutter ficken wollen? Warum hatte er sie geschlagen, wenn sie sich geweigert hatte? Was hatte es ihm gebracht?

Gar nichts. Darum hatte er es immer wieder tun müssen, nicht wahr? Weil das Gefühl nach ein paar Sekunden schon wieder verschwunden war. Ein wertloser Versuch, einen beschissenen Tag nach dem anderen zu überstehen. Nur wenige Sekunden, um der davontreibenden Zeit Bedeutung zu geben, den Kopf zu leeren und sich selbst zu vergessen.

Ein Trieb. Wie der Trieb, der den wilden Waschbären zum Müllcontainer gelockt hatte, ohne dass dieser darüber nachdenken konnte. Hatte ihn in die Nacht und in den Dreck gerufen.

Es stank. Es widerte Arik an. Sein eigener Geruch. Es stank nach irgendetwas Verrottendem.

<<< PREV PART | FIRST PART| NEXT PART >>>


© 2018, Kranich im Exil

Editorial consultant: 1Wortmaler

Part of the collection "Weltenzoo"


:: www.furaffinity.net/user/kranich-im-exil ::

Update 2020-04-12