VERLIERER (2) - Ger
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TAGE IM JUNI
Verlierer
- 2 -
ARIK MAAS
Ariks Kopf brummte, als versuchte jemand ihn mit einem Schlagbohrer zu bearbeiten, um die fauligen Erinnerungen herauslaufen zu lassen.
Sein Mund war trocken. Er brauchte Schinkenlimo.
Zog den Kühlschrank auf. Limo war alle. Er knurrte gereizt.
Er trottete den Flur entlang. Woher sollte er all den Scheiß für Ayko bekommen? Es war ja nicht so, dass Chemikalien am Tankstellenschalter auslagen und er sie einfach mitgehen lassen konnte.
Sie im Internet zu bestellen ging auch nicht, da sich dort wieder das Problem mit dem fehlenden Geld bemerkbar machte.
Er zog grimmig sein Handy aus der Tasche und wählte.
»Arik, geh in die Küche«, rief seine Mutter mit dem Handy am Ohr.
Es klingelte. Sie zupfte ihr Haar zurecht und sprintete zur Tür.
Durch den Spalt konnte er zwei Besucher erkennen. Ein schwarzer Panther. Ein grauer Stier.
Seine Mutter ließ einen Finger durch ihre Haare fahren und grüßte sie. Sie blickten grimmig. Rochen nach Bier, was ihren eigenen Duft überdeckte. Sie stanken nur nach irgendwelchen Tieren.
Der Panther blickte Arik an. Sein Gesicht war ausdruckslos. Seine Augen verharrten auf dem Jungen, bis seine Mutter die Gäste ins Nebenzimmer führte.
Sie würde wieder den ganzen Tag nach anderen Leuten riechen. Und sich beschweren, dass ihr alles wehtat. Katzenschwänze sind schmerzhaft. Hatte sie gesagt.
Er saß am Küchentisch, mit dem Mathebuch vor sich. Stochastik. Versuchte es zu verstehen, aber es ergab keinen Sinn.
Es war Blödsinn. Für Blödmänner, die nichts Besseres zu tun hatten, als Zahlen anzuglotzen, die absolut nichts bedeuteten.
Er warf es weg und rieb sich die Stirn.
Er blätterte durch sein Notizbuch, vorbei an noch mehr sinnlosen Zahlen und Grammatikregeln, bis sich das Gekritzel in Zeichnungen von Tieren verwandelte.
Die Skizze eines Waschbären tauchte auf, eines wilden. Den kümmerte nichts. Er zog durch die Straßen und fraß was immer er fand. Leute schimpften, doch es war ihm egal. Und den Leuten war es egal, weil er sich nicht scherte, was sie ihm an den Kopf warfen.
Ein wilder Wolf. Unheimlich und anmutig. Leute schimpften auch über ihn, aber anders. Sie schimpften aus Angst. Und hielten Abstand, weil er sie beißen würde, sie zerreißen würde, kämen sie ihm zu nahe.
Aus dem Nebenzimmer drang lautes Gestöhne.
Arik versuchte es zu ignorieren und kritzelte im Notizbuch. Eine weitere Sache, die Waschbärenhände besser konnten als die Pfoten anderer Fellträger.
Er zeichnete einen Wolf. Nein, einen Waschbärwolf. Waschwolf.
Er dachte darüber nach, dass er gerne größer und stärker sein würde, damit sich niemand mehr über ihn lustig machte, sondern sich alle vor ihm fürchteten. Weil er ihnen auf die Schnauze geben konnte, wenn sie diese zu weit aufrissen. Eine blutige Nase würde jedes Großmaul heilen.
Er gab dem Waschwolf einen bösen Blick und lange Zähne. Ein Rudel Waschwölfe. Brauchten niemanden. Sorgten für sich selbst. Zeigten es jedem. Bewiesen es jedem. Dass sie es konnten. Nicht nur den Fieslingen, sondern auch ihren Eltern.
Sie würden schon noch sehen, dass sie keine nutzlosen Knirpse waren.
Irgendwann würde Arik groß sein und auch seine Brüder. Jeder, der sie blöd ansah, bekäme eine blutige Nase.
Arik wäre nicht länger der kleine Waschbär, den Karl anmeckerte und den sein Vater herumkommandierte. Beide würden sehen, dass er genauso stark und klug war wie sie. Dass sie ihn akzeptieren müssten als großen Waschbären.
»Na, Knirps.«
Arik hasste dieses Wort.
Der Panther stand in der Tür. Ein großer, schwarzer Fleck mit zwei gelben Augen. Er stank süßlich. Sein schleimiges Glied glänzte im Licht der Küche.
Arik tat so, als hätte er ihn nicht gehört.
»Hörst du gerne zu?« Er lächelte. Es war kein nettes Lächeln.
Arik ignorierte es.
»Möchtest du nicht mal zusehen? Bist doch schon ein großer Junge.« Mehr Lächeln. Weiße Zähne und stechende Augen in einem See aus Schwarz.
Seine Mutter tauchte auf und versuchte den Panther wegzuziehen.
Er stieß sie davon.
»Arik, deine Mutter ist 'ne Hure!«, hörte er sie rufen.
Er ignorierte es.
Es klingelte, aber niemand ging ran. Bei keiner der Nummern.
Arik stopfte das Handy zurück in die Tasche.
Bescheuerter Pudel. Besaß wer weiß wie viele Handys, aber erreichen konnte man ihn auf keinem.
Irgendwie musste Arik an Geld kommen. Caspar fraß es praktisch zum Frühstück. Sicher konnte er dem Pudel etwas aus dem Kreuz leiern. Der Köter brauchte es ja eh nicht.
Die Sonne ging bereits unter. Die Ozelotdame am Schalter der Apotheke fragte, ob Arik etwas Gratis-Lotion für seine Handballen haben mochte.
Ob sie ihm stattdessen ein Gratisleben geben konnte? Eine Fahrkarte raus aus dem Hier und Jetzt? Raus aus diesem beschissenen Karussell, das sich stinkender Alltag nannte.
Es war immer Nacht, der Kühlschrank war immer leer, Geld war immer alle, das Haus war immer kaputt, Karl war immer ein Arschloch, Joas war immer fort, Jann war immer krank.
Es drehte sich auf der Stelle, so lange schon, dass es sich in den Boden gebohrt hatte. Immer tiefer in die Erde hinein. Immer weiter ins Dunkel.
Er schüttelte den Kopf und zwang sich trocken zu lächeln. Gerade genug, um ihr klarzumachen, dass er keine beschissene Lotion wollte.
Sie packte die Medizin in eine Tüte und zog ihm die Scheine aus der Hand.
Es tat ihm weh, das Geld verschwinden zu sehen. Er steckte die Tüte in die Innentasche seiner Jacke, drückte sie an sich und dachte an Jann, bis das Gefühl besser wurde.
Er zog die Kühlschranktür auf. Leer. Der Joghurt in der Ecke war grau geworden. Er warf ihn weg.
»Arik, das Klo ist verstopft.«
»Arik, Pasta ist alle.«
Er brummte und vermutete, dass das eine mit dem anderen zu tun hatte.
Warum glaubten sie, dass er für ihren Schwachsinn zuständig war? Wer hatte ihn plötzlich zum König über den Abfallberg, den man Unterschlupf nannte, ernannt?
Warum waren sie alle so nervig und nutzlos? Konnten sie sich nicht zusammenreißen?
Kein Wunder, dass die ganze Welt sie für dreckige Müllfresser hielt.
Das hatte er sich so ganz und gar nicht ausgemalt, als sie damals an der Seebrücke gestanden und aufs Meer hinausgeblickt hatten.
Er hörte die Möwen und den Wind, wie er Wellen gegen die Küste drückte.
Eine Hebebühne stand am Hafen. Sie demontierten die alte Plattform unter der Brücke. Der Bretterverschlag landete in Einzelteilen in einem Müllcontainer.
Ein Schild an der Hafenwand verkündete: »Klettern verboten — Eltern haften für ihre Kinder.«
Sie waren wieder fleißig, um alles dem Boden gleichzumachen, was ihnen nicht gefiel. Verlassene Häuser, verwucherte Gärten, stillgelegte Bahntunnel, eine ausgediente Plattform — es war ihnen alles zuwider.
Wilde Spielplätze? Nein, das war nichts für Kinder. Die Stadtverwaltung mochte es nicht, wenn sich Kinder einfach irgendwo aufhielten, wo es den Knirpsen gefiel.
Nein. Da gab es die schönen bunten Spielplätze mit den Plastikrutschen und dem weichen Rasen und den Gummizäunchen. Dort konnte man sie gut beobachten. Dorthin sollten die werten Eltern ihre Schreihälse zerren. Wo alles sauber war und man sich keinen Splitter einreißen konnte.
Weil die Stadt schön und ordentlich sein musste, für all die oberflächlichen Wichser, die meinten anderen vorschreiben zu können, wo man zu spielen hatte und wo es verboten war. Weil man alle im Auge behalten und ihnen sagen musste, was gut und richtig war.
Weil die Stadtverwaltung jeden für bescheuert hielt. Vor allem Kinder. Blöd und unfähig. Nicht in der Lage, sich selbst zu beschäftigen und sich selbst einen Ort zum Spielen zu suchen. Zu dumm zu sozialen Interaktionen, die nicht geregelt waren auf einem genormten, zwölf Quadratmeter großen Stück Rasen.
Und sie hielt auch Eltern für blöd und musste ihnen sagen, was sie mit ihren Bälgern anfangen sollten.
Und die Eltern dachten dasselbe über ihre Kinder. Krochen zum Rathaus, um sich über den alten Schuppen zu beschweren, der noch nicht abgesperrt war und noch nicht plattgemacht wurde. Und das alte Autoskelett am Bach. Und die alte Hütte im Wald.
Um all das möge sich bitte »gekümmert« werden. Um es »schöner« zu machen. Und weil sich dort »Halunken« aufhalten könnten, die man doch bitte im Auge behalten sollte.
Denn das war die zweite Gruppe, die man kontrollieren musste: Die »bösen« Mitbürger. Über die man sagte, dass sie irgendetwas taten bei Nacht. Was genau wusste man nicht, aber es war sicher nichts Gutes, da sie sich so gerne im alten Hof oder am Bach oder im Wald aufhielten.
Es war ein perfekter Kreislauf der Blöden, der Blasierten und allen Wichtigtuern, die so taten, als wäre das alles superwichtig und richtig. Während es ihnen doch scheißegal war und sie es einfach nur mochten, ihre Meinung auszuscheißen, Männchen zu machen und sich dabei gut zu fühlen, an irgendetwas rumgemeckert oder irgendwen verpetzt zu haben.
War ja immerhin zum Wohl der Kinder, die sie so sehr verachteten, dass sie sie in bunte Kerker steckten, mit Watte ausstaffiert, damit sich der quirlige Haufen Dummheit nicht die Rübe anschlug und nicht vom Schwarzen Mann eingesammelt wurde. Denn das passiert dummen Kinder, nicht?
Und dann muss man sich die ganze Zeit mit dem nervigen Geschrei rumärgern.
Nein danke. Reiß es lieber alles ab. Ja, gut so. Mach den Kiefernhain dort platt. Genau. Splitter und so. Eine Betonfläche ist besser. Darauf will keiner spielen.
Ein Schild noch, ja, nur zur Sicherheit: »Ballspielen verboten.«
»He, Waschbären!«, rief einer der Bauarbeiter. »Haut gefälligst ab!«
Keinen Unterschlupf für Arik und seine Brüder. Mit ihren Kränen und Baggern hatten sie ihr Nest einfach plattgemacht. Weil sie die Waschbären hassten.
Ariks Vater hatte recht gehabt. Jeder hasste Waschbären. Jeder war ein gemeiner Blödmann, der ihnen nichts gönnte. Jeder dort draußen. Ihnen würde es sicher gefallen, wenn die Waschbären einfach verschwinden. Sich in irgendein Loch zurückziehen, wo sie niemand mehr sehen müsste.
Und das Loch würden die dann auch mit einem Bagger zuschütten.
Dann wäre die Stadt schöner. Sauber und ordentlich für die Touristen, die ihre Runden auf der Einkaufspromenade drehten und glucksten wie schön die Tulpen waren, die nach Dünger und Plastik stanken.
Es war bereits Samstag. Die kleinen Läden am Park würden bald schließen. Verspätete Einkäufer sprinteten durch die Straßen, um sich mit den letzten Wochenendbesorgungen einzudecken. Die Reklametafeln wurden hereingeholt, die Ständer vor den Läden abgebaut.
Ein Gepard fragte, wann die nächste Lieferung eintreffen würde.
Arik spürte seinen Blick, als er vorüber ging. Abfällig. Seine Nase rümpfte sich kaum merklich.
Es war hektisch, die Angestellten unachtsam.
Arik zog seinen Schweif unter die Jacke. Wäre nicht gut, wenn überall seine Haare herumliegen würden.
Er betrat den Laden und seine Augen sprangen zu den zwei Kameras in der Ecke.
Der Kassierer war mit einem Kunden beschäftigt. Diskutierte über den Preis eines Salzstreuers, dem der Deckel fehlte.
Der Waschbär peilte den Gang zwischen den Frühstücksprodukten an. Die Regale waren dort zu hoch für den Blick der Kameras.
Arik zog behutsam eine Dose Bohnen aus dem Regal und eine Packung Mehl und ließ sie in der Jacke verschwinden. Eine kleine Packung Würstchen passte in die Kapuze. An der Kordel gezogen und sie war verschwunden.
Ein Ständer mit Raumspray. Kam ihm sehr gelegen. Er zog ein kleines Fläschchen heraus.
Sicher könnte er noch etwas Pasta gebrauchen und eine Dose Tomaten. Er überlegte, ob er auch noch Kartoffelflocken mitnehmen sollte.
»Arik!«
Sein Blick flog erschrocken umher und er machte sich zur Flucht bereit.
»Jarik, ich hab dir gesagt, dass das nichts für dich ist!«
Eine Zebrastute zog ihren Sohn am Arm davon. Der zeigte traurig auf einen Comicständer.
»Das macht dumm!«, meinte sie und glotzte auf den Einkaufszettel. »Wir brauchen noch Kamillentee.«
»Aber davon wird mir schlecht!«, protestierte ihr Sohn.
»Nein. Der ist gesund!« Sie bemerkte Arik und wich schnell mit ihrem Blick aus. Sie schleifte ihren Sohn hastig zum Teeregal.
Arik sah ihnen nach.
Die Augen des Jungen wanderten über den Boden, verweilten nur kurz auf den Dingen, von denen er scheinbar schon lange gelernt hatte, dass sie »nichts für ihn« waren. Und er hatte gelernt aufzugeben. Wehrte sich aber scheinbar manchmal doch noch dagegen, da die kleine, naive Hoffnung nicht so leicht totzukriegen war.
Seine Mutter blickte über die Regale hinweg ins Nichts und dann wieder bloß auf das, was auf dem Zettel stand. Sie wusste am besten, was Kinder brauchen. Musste immerhin eins hinter sich herziehen wie einen Sack Kartoffeln. Einen, der Wünsche hatte.
Schien ihr ziemlich auf die Nerven zu gehen.
Arik betrachtete den Comicständer aus der Nähe und zog das oberste Heftchen hervor.
Eine finstere Gestalt in grauem Gewand spielte auf einer schwarzen Harfe. Sie tanzte durch die Straßen und Kinder öffneten die Fenster ihrer Zimmer. Sie wurden vom Harfenspiel nach draußen gelockt und wanderten dem Musikanten neugierig hinterher.
»Die Melodie klingt warm und süß«, hieß es.
»Wie eine Gutenachtgeschichte, wie Mutters Stimme, wie ein Lob und Liebe. Die Nachtigall, der schwarze König, reiht die Kinder um sich und schwärmt von Abenteuern, von einer anderen Welt und fremden Wesen. Sie lockt die Kleinen auf ihr schwarzes Schiff, auf dem jeder Kapitän ist und dann segeln sie auf das Meer hinaus, bis sie hinterm Horizont verschwinden mit dem Licht der Morgensonne. Aber die Eltern sind erschrocken und weinen, denn ihre Kinder sind fort und mit ihnen die Gutenachtgeschichten und das Lachen. Alles ist ruhig, alles steht in Reih und Glied, alles gehorcht. Niemand ist ungezogen, niemand macht Späße, niemand erzählt von Träumen und Abenteuern. Sie sind alle fort. Und am nächsten Morgen war die Welt erwachsen geworden und die Eltern erzählen sich leere Geschichten.«
Arik blätterte durch das Heft.
Wahrscheinlich hatte die Mutter recht gehabt. Die Geschichte war nichts für einen kleinen Jungen. Sie verriet ihm, wie die Welt wirklich war. Keine gute Nachtgeschichte.
Er wünschte sich, seine Mutter würde die Geschichte mit ihm lesen. Sie besaß eine schöne Stimme. Konnte so sanft sein, wenn sie wollte. Wenn sie Zeit hatte. Und Lust.
Er erinnerte sich, wie sie ihm und seinen Brüdern Märchen vor dem Einschlafen erzählt hatte, als sie noch Winzlinge waren.
Er erinnerte sich nicht an die Geschichten, aber an ihre Stimme. Eine warme Melodie in der Nacht.
Er blätterte durch den Comic und betrachtete die bunten Bilder. Sie waren grau im Dämmerlicht, aber er konnte sich an ihre Farben erinnern.
»Das kann ich jetzt nicht gebrauchen«, hatte sie gesagt und ihn fortgeschickt.
Sie konnte ihn nicht mehr gebrauchen. Er fühlte sich fremd, wann immer er mit ihr alleine war. Sie sah ihn nur an, wenn er aus dem Weg gehen oder ihr Zigaretten holen sollte.
Sie schob den Comic beiseite, als wäre er nur ein Teil der Papierfetzen und leeren Verpackungen auf dem Tisch.
Er wusste nicht, warum sie sich verändert hatte, aber er fragte sich, ob es an ihm lag, dass sie ihm keine Geschichten mehr erzählen wollte.
Ihre Augen sahen ihn nicht mehr. Sie waren vom Dämmerlicht grau geworden und ihre Stimme rau vom Zigarettenqualm.
Er blätterte und betrachtete die Illustrationen, während er im Notizbuch kritzelte.
»Was machst du da? Was soll das denn sein?«, fragte sein Vater und betrachtete die Zeichnungen.
»Eine Mischung aus Wolf und Waschbär«, erklärte Arik. »Er jagt böse Leute, um ihnen Angst zu machen. Er frisst, was ihnen wichtig ist. Wenn es fort ist, erkennen sie, wie wichtig es ihnen war. Er bestraft sie.«
»So ein Blödsinn.« Sein Vater riss die Seiten aus dem Notizbuch und zerknüllte sie. »Warum sitzt du hier rum und machst so einen Schwachsinn? Bist du blöd? Hast du nichts Besseres zu tun? Jetzt verschwinde!«
Er warf das Papierknäuel in den Ofen. Zusammen mit dem Comic.
»He, was machst du da?«, ertönte eine Stimme hinter ihm. »Ich rufe die Polizei!«
Arik fuhr zusammen.
Mist. Er hatte vergessen den Angestellten im Auge zu behalten.
Der Waschbär drehte sich nicht um, sondern zog vorsichtig die Packung Mehl aus seiner Jacke. Er drückte seine Krallen hinein, bis etwas davon herausrieselte.
Blitzschnell schleuderte er dem Mitarbeiter die Packung ins Gesicht. Ein Volltreffer und der Typ verschwand in einer weißen Wolke. Er kniff die Augen zusammen und hustete.
Was er nicht sehen konnte, konnte er nicht verpetzen.
Hastig löste Arik den Deckel des Raumsprays — vorsichtig, dass er nichts davon abbekam — und schüttete es ihm ebenfalls ins Gesicht.
Der Kerl krümmte sich und spuckte. Jetzt würde er für den nächsten Monat auch nichts mehr riechen können.
Arik nahm die Beine in die Hand und sprintete aus dem Laden. Er bog um einige Ecken und nahm eine Handvoll Seitengassen, bis er das Gefühl hatte, weit genug entfernt zu sein.
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Update 2020-04-11