Unter Drachen Kap. 21 - Vorbereitung

Story by Lord_Eldingar on SoFurry

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Das Fest ist vorbei und ich bereite mich mit einigen meiner Krieger darauf vor, die Mörderbande dingfest zu machen.

Vorher macht Shanti ihren ersten Bericht fertig und anschließend hole ich Jaya aus ihrem Panzer.

Und nachdem jeder versucht hat, mich davon abzubringen da selber einzugreifen, sind wir dann endlich soweit, es kann losgehen.

Kapitel 21 der Story des Menschen, der ein Drache wurde.


Unter Drachen

  1. - Vorbereitungen

I.

Ich werde durch eine Bewegung und eine Berührung wach. Mein Zeitgefühl sagt mir, dass ich etwa anderthalb Stunden geschlafen habe.

Padmini rührt sich neben mir. Irgendwann in der Zwischenzeit ist sie näher an mich herangerückt, jetzt dreht sie sich um und schmiegt ihren Rücken gegen meine Brust und Bauch. Sie schläft, ist zumindest im Halbschlaf und nach einigem Räkeln schläft sie mit engem Schuppenkontakt zu mir wieder fest ein. Offensichtlich ist ihr kühl geworden, ihre Körpertemperatur ist ja ähnlich niedrig wie bei den Menschen, da bin ich als Wärmequelle sicher willkommen. Vorsichtig lege ich meine Schwinge über sie und decke sie so weitgehend zu. Mit einem wohligen Seufzen rückt sie sich noch einmal an meinem Bauch zurecht und schläft dann ruhig weiter. Ihre ruhigen Atemzüge lassen mich auch schnell wieder einschlafen.

Noch vor Sonnenaufgang wache ich auf. Wir liegen noch so ineinander geschmiegt und ich decke Padmini weiter mit meiner Schwinge. Trotz dieser etwas verdrehten Position, in der ich liege, fühle ich mich erholt und ausgeruht – was der Schuppenkontakt mit einem Weibchen alles bewirken kann...

Ohne mich viel zu bewegen schaue ich zum Fenster. Es hat aufgehört zu regnen, und die aufgelockerten Wolken werden am Horizont langsam lila. Langsam wird es Zeit für mich, ich will rechtzeitig bei dem bedrohten Dorf sein und möchte vorher Jaya noch von dem Panzer befreien, das dürfte auch insgesamt eine Stunde dauern, ehe ich mich versehe, ist es Mittag bevor ich am Dorf eintreffe...

Padmini schläft noch, aber sie ist in einer Traumphase, wie ich an den Bewegungen ihrer Augen unter den Lidern erkenne. Eine günstige Gelegenheit sie zu wecken.

Sanft blase ich Luft aus meinen Nüstern über ihr Gesicht. Es dauert einen Moment, dann räkelt sie sich noch fester an meine Brust und Bauch.

„Nur noch ein bisschen, Papa.“ -

Ich muss grinsen, obwohl das nicht die schlechteste Beziehung zwischen uns wäre. Es würde Zärtlichkeiten und gemeinsames Kuscheln erlauben, auch die durchaus liebevollen Küsse – aber ohne, dass es zwingend auf eine Paarung irgendwann hinauslaufen muss.

„Tut mir leid, Kleines. Aber ich muss Dich wecken.“ -

„Oooch Papaaa...“

Wieder räkelt sie sich, zieht meine Schwinge ein wenig mehr über die Schulter. Dann blinzelt sie, gähnt herzhaft, dass ich fast Angst bekomme und sieht mich dann an.

„Guten Morgen Þórr. Oder Eldingar? So gut habe ich lange nicht geschlafen. - Äh, habe ich gerade wirklich Papa gesagt?“ -

„Guten Morgen, Kleines. Ja hast Du.“ -

„Ich hoffe, das nimmst Du mir nicht übel. Aber fast genauso hat mein Papa mich immer gehalten, in den ersten Sommern im Clan, wenn ich manchmal für zwei, drei Tage nach Hause durfte. Und er hat mich auch oft so genannt, wie Du gerade.“ -

„Hoffentlich schöne Erinnerungen.“ -

„Ja. Sehr schöne Erinnerungen. - Verzeih, dass ich Dich so für mich in Anspruch genommen habe, aber mir wurde kalt – und da war ein warmes, angenehm riechendes Männchen, an das ich mich kuscheln konnte – und das mich dann sogar noch zugedeckt hat...“ -

„Mit dem angenehmen Duft eines attraktiven Weibchens und ihren Schuppen auf meinem Bauch, habe ich auch sehr gut geschlafen, meine 'Tochter'.“ -

Sie kichert.

„Wäre das nicht eine schöne Beziehung? Als Vater und Tochter – oder großer Bruder und Schwester, wie wir gestern überlegt hatten. Wir könnten fast alles machen, nur eine Paarung wäre verboten.“ -

„Ich habe auch gerade daran gedacht. Ob es gelingt?“ -

„Wir können es versuchen. Jetzt jedenfalls fühle ich Dich wie meinen Papa.“ -

„Einverstanden. Wir müssen nur Tyria und Tascha sagen, was es bedeutet, falls Du mal in ihrer Gegenwart 'Papa' zu mir sagst.“ -

„Wenn das passiert, dann sind wir auf einem sicheren Weg, was unsere Beziehung angeht.“

Wir züngeln einen Moment miteinander, dann hebe ich meine Schwinge und Padmini rollt auf ihren Bauch.

„Oooh... ist das kalt...“ -

„Du hast bisher immer in den Ebenen vor den Bergen gelebt, oder?“

Kopfnicken.

„Daher. Ja da unten ist es auch fast immer über 10° wärmer als hier oben in den Bergen. Für mich ist es sogar sehr angenehm jetzt. - Wenn Du aber schon am Morgen so 28 bis 30° gewohnt bist – und Dich an einem Drachen ordentlich gewärmt hast... Nur gut, dass die Wohnhöhlen hier alle mit Thermalwasser gewärmt werden, im Winter wird es nochmal 10° kälter...“ -

„Brrr, noch kälter? Ich habe da unten den Winter schon gehasst. Weißt Du, wie kalt das sein kann, wenn Du nicht mal ein Cape überwerfen darfst? Und Du findest das auch noch angenehm... sagte ich schon, dass Du ein merkwürdiger Drache bist?“ -

„So Achtzig oder Neunzig Mal...“ -

Sie faucht mich grinsend an. Ich setze mich auf die Kante des Lagers und recke mich wohlig, sofort ist Padmini hinter mir und beginnt mir die Schultern sanft zu massieren.

„Deine Muskeln sind noch schön locker. - Was hast Du jetzt vor?“ -

„Die Massage ist trotzdem angenehm, danke. Tja, was habe ich vor. Erst mal sehen, ob oben noch welche übrig geblieben sind. Dann Jaya vom Panzer befreien. Und danach geht es zum Dorf, vor dem die fremden Krieger lagern. Dort... ich weiß es nicht, es kommt darauf an, wie sie sich verhalten. Danach ist NüShi dran. Und dann ist der Tag sicher wieder fast vorbei.“ -

„Ich verstehe Dich wieder mal nicht... nicht völlig. Meinst Du, wir würden uns bei so einer Feier unter Kriegern gegenseitig umbringen?“ -

Kichernd erkläre ich.

„Bei Erce, nein. Es klingt zwar so, aber ich meine mit übriggeblieben die, die noch immer zusammensitzen und kein Ende gefunden haben.“ -

Padmini streicht leicht mit ihrer Hand über die Finnen entlang meiner Wirbelsäule, die ich mit einem Reflex sofort anlege. Dann schmiegt sie sich zwischen meine Schwingen an meinen Rücken und legt ihr Kinn auf meine rechte Schulter.

„Ach so – wir sagen, die haben einen hohlen Schwanz, weil so viel reinpasst. - Und was meinst Du damit, dass Lady NüShi dran ist? Das klingt auch so kriegerisch.“ -

„Zugegeben, es kann auch diese Bedeutung haben, wenn es mit einem eher drohenden Ton gesagt wird. Aber sonst bezeichnet es nur eine Reihenfolge. - Und das mit dem hohlen Schwanz gefällt mir. - Komm, lass uns nach oben gehen uns sehen, ob die Hohlschwänzigen schon auf Kaffee umgestiegen sind und wir uns ein paar Becher schnorren können.“ -

„Ein paar Becher... was können?“ -

„Schnorren. - Jemanden freundlich ein wenig anbetteln um etwas zu bekommen, das im Grunde nur geringen Wert hat, aber das man gerne haben möchte – wie einen Kaffee beispielsweise.

Wenn wir uns jetzt bei Jaya einen Kaffee holen, obwohl wir den hier auch selbst machen könnten, dann schnorren wir uns den Kaffee. - Der Grund liegt aber mehr darin, dass ich Tyria und NüShi nicht mit unserem herum Pusseln in der Küche stören möchte.“ -

Sie hebt ihren Kopf etwas, um mir ins Auge blicken zu können.

„Was tun wir in der Küche? Verzeih Eldingar, aber heute sprichst Du sehr fremd.“ -

„Ja, verzeih. Das sind so Begriffe, die sich drüben entwickelt haben und meist von anderen, völlig unabhängigen Begriffen abgeleitet worden sind. Ein Puzzle ist ein Geduldsspiel, bei dem ein Bild in viele kleine Stücke geteilt wird, die dann durchgemischt werden. Man versucht die Teile wieder in der richtigen Reihenfolge zusammen zu legen. Und man pusselt herum, wenn man dies und das tut, alles kleine Tätigkeiten, wie es beim Kaffeekochen eben so passiert.“ -

Sie legt ihren Kopf wieder auf meine Schulter.

„So was wie die Schuppen an der Hand sortieren – ich verstehe.“ -

„Ah, das hätte ich jetzt verstanden als eigentlich sinnlose Tätigkeit, die man aus irgendeinem Grund tun muss.“ -

„Nein, das wäre 'die Haare auf seinem Bauch zählen' - Kein Drache hat Haare auf dem Bauch, auch die Drakarin oder wir Draccier mit Haaren nicht. Da haben alle nur Schuppen. Oder nackte Haut bei einigen von uns.“ -

Ich drehe meinen Kopf und sehe sie an.

„Es gibt keine Drakarin oder Draccier mit einem kompletten Fell?“ -

Sie lässt beim Kopfschütteln ihr Kinn auf meiner Schulter liegen.

„Mir sind keine bekannt. Soweit der Clan Informationen bekommt, keine Draccier. Es gibt Gerüchte über ein paar Drakarin drüben auf den beiden Kontinenten, die ein vollständiges Fell oder sogar Federn haben sollen, aber hier wissen wir von keinen. Oder die leben sehr zurückgezogen – Du weißt schon, die Großen...“ -

„Und in anderen Welten?“ -

„Wir erkennen die Tore nicht, von uns war noch nie einer in einer anderen Welt. Da musst Du schon einen Großen fragen, oder Erce. - Verzeih.“ -

„Was?“ -

„Ich sollte nicht so über die Herrin des Lebens sprechen. - Vor allem Dir gegenüber.“ -

Mit einem beruhigenden Knurren streiche ich mit dem Zeigefinger über ihre Nasenschuppen, die sich hart und gleichzeitig angenehm weich anfühlen.

„Du hast doch nichts Besonderes gesagt.“ -

„Ich habe gelernt, dass man vorsichtig sein muss, wenn es um den Glauben geht.“ -

„Das ist leider richtig. Aber ich habe keinen Glauben.“ -

Sie reibt ihre Wange sanft an meinem Hals.

„Nein, Du musst nicht glauben, Du weißt. Du hast Erce gesehen. Und Dein Wissen beginnt mich zu überzeugen...“ -

„Wirklich gesehen habe ich Erce auch nicht. Wie soll die Lebenskraft einer Welt auch aussehen? Aber ich habe sie gefühlt, erfahren, gehört, erlebt, mich als Teil von ihr gespürt.“ -

„Du weißt nicht, wie sie aussieht?“ -

„Sie hat keinen physischen Körper. Sie erschafft sich auch keinen, obwohl das sicher möglich wäre – aber welchen sollte sie wählen? Drache? Mensch? - Für mich würde sie wohl als edler, mächtiger Drache erscheinen, golden schimmernd wie die Sonne. - Den Menschen als einer der ihren, stolz, edel, ebenmäßig...“ -

Padmini seufzt.

„Also nicht anders als die Naturgeister, zu denen die meisten Draccier beten. Sie zeigen sich nur in den Erscheinungen der Natur, treten aber nie selber in Erscheinung.“ -

„Ihr glaubt nicht an Erce? Viele von euch sprechen doch von ihr.“ -

„Wir glauben, die Naturgeister sind Kinder der großen Lebenskraft, die ihr Erce nennt. Über die Naturgeister haben wir Kontakt mit der Lebenskraft, aber wir beten nicht direkt zur Lebenskraft. Den Namen für die Lebenskraft haben wir von euch übernommen, nutzen den aber eigentlich auch nur euch gegenüber. - Verzeih, ich beziehe die Drakarin da mit ein, die ebenso wie ihr den Glauben an Erce haben. Mit euch Großen haben wir ja nur sehr selten Kontakt – dann meistens auch eher unangenehm.“ -

„Ich verstehe. - Wie hast Du eigentlich die Quelle gestern genau erlebt? Du hast von einem warmen Sommertag gesprochen.“ -

Sie schließt die Augen und beginnt bei der Erinnerung leicht zu lächeln.

„Ja. Es war, als ob ich zu Hause an einem schönen Sommertag im Gras unter einem Baum lag und in den Himmel geblickt habe. Hell, warm, geborgen und sicher. Und das deutliche Gefühl, jemand ist bei mir, der auf mich aufpasst, Mama oder Papa... Ich habe wohl Dich da gespürt.“ -

Ich schüttele leicht den Kopf.

„Es freut mich, dass Du an mich denkst. Aber gestern war Erce da bei uns.“ -

Ihr Kopf ruckt hoch und sie blickt mir mit geweiteten Pupillen ins Auge.

„Du... Du willst doch nicht sagen...?“ -

„Was Du da gestern gespürt hast, das war Erce selbst. Sie war bei uns und hatte kurz zuvor mit mir gesprochen. Das Gefühl der hellen Wärme wirst Du in einer Quelle immer haben, aber die sichere Geborgenheit und dass jemand da ist, der auf Dich achtet – dann ist Erce bei Dir. Dann spürst Du die Lebenskraft dieser Welt ganz nah.“-

Padmini legt ihren Kopf wieder auf meine Schulter und umarmt mich jetzt auch, ihre Hände liegen auf meinen Brustmuskeln.

„Aber warum ich? Warum darf ich sie spüren?“ -

Ich streiche wieder über ihre Nasenschuppen.

„Das fragen mich alle. Leider muss ich sagen: wegen mir. Erce hat sehr lange keinen Kontakt mit dem Leben in dieser Welt aufgenommen. Sie war da, hat auf diese Welt geachtet, aber sie hat zu niemanden gesprochen. Auch nicht zu den Drachen – die waren damals der Grund für ihren Rückzug. - Erce hat begriffen, dass sie wieder mehr Kontakt zu dieser Welt haben muss, zumindest zu uns Drachen. Und meine Rückkehr ist der Anlass dafür, dass sie damit beginnt.“ –

„Was war denn dieser Grund?“ –

„Das ist eine gute Frage. Ich weiß nur von Erce, dass sie verärgert war. Warum genau, was passiert ist, hat sie mir nicht gesagt. Und von den Drachen, die damals daran irgendwie beteiligt waren lebt schon lange keiner mehr.“ -

„Schade… Aber wenn sie wieder mit euch redet… ich bin doch keine Drachin...“ -

„Gut, dann lass uns gleich zur Quelle fliegen und Du erklärst Erce da, dass sie sich geirrt hat.“ -

Ihr leises Fauchen und ihre Krallen, die über meine Brustschuppen gleiten sagen mir, dass sie das nicht so witzig findet wie ich. Schließlich trommelt sie mit ihren Fäusten auf meine Brust.

„Du kannst so gemein sein... Du weißt genau, dass ich das nie wagen würde.“ -

„Du wagst es bei mir, dem Paladin Erces, dem Drachen, den sie geschaffen hat, der praktisch ihr eigenes Kind ist...“ Ich sage das jetzt einfach mal so allgemein. -

„Du bist ja auch Eldingar, ein Mensch in diesem Drachenkörper, bei Dir fühle ich mich sicher.“ -

„Auch wenn ich Þórr bin?“ -

„Auch dann. Merkwürdig, ich habe keine Angst vor Dir Þórr – Respekt ja, aber keine Angst.“ -

Ich halte ihren Kopf mit der Hand und lege meine Wange an ihre.

„Danke Kleines. Das tut der alten Drachenseele gut. Ich verspreche Dir, dass Du den Drachen auch nie fürchten musst.“ -

„Aber etwas Vorsicht kann nicht schaden, oder? Ich spüre gerade wieder diesen Zorn in Dir – schade, eben noch, als Du Eldingar warst, war nichts davon zu spüren.“ -

„Ich bin auch jetzt noch Eldingar, auch wenn Þórr deutlicher hervortritt. Ja, meine menschliche Seite hat die Gedanken an die fremden Krieger in meinem Land etwas verdrängen können. Eine Eigenart der Menschen, die ihm geblieben ist, zu der meine Drachenseele aber leider keinen Zugang findet, daher der Zorn in mir. Ich danke Erce – und Dir – dass ich diesen Zorn noch beherrschen kann.“ -

„Was bewirke ich eigentlich dabei?“ -

„Ein Drachenweibchen wirkt beruhigend auf mich. Deine Schuppen auf meinen zu spüren, Deinen zarten Duft zu riechen, das lenkt mich ab und fokussiert mich gleichzeitig. Ich kann so einfacher meinen Zorn beherrschen – zugegeben, gleichzeitig wächst meine Liebe zu Dir... und mein Wunsch mich mit Dir zu paaren. Aber keine Sorge, diese Empfindungen unterliegen meinem Willen und ich habe nicht die Absicht, diesen nachzugeben.“ -

„Ah, so ist das...“

Sie blickt zu Boden – oder Erce weiß wohin...

„Äh... Þórr, Eldingar... also... ich... - wenn Du möchtest, dann bin ich … bereit... mich mit Dir...“ Padmini atmet tief ein. -

„Mit mir paaren? - Möchtest Du das wirklich? Mit jeder Faser Deines Körpers?“ -

Sie sieht mich nicht an, als sie nach einem kurzen Zögern nickt.

„Ich danke Dir für dieses Angebot – aber verzeih, ich glaube Dir nicht ganz, dass es Dein tiefst empfundener Wunsch ist.“ -

„Þórr – doch, es ist mein Wunsch!“ -

Ich löse mich aus ihrer Umarmung und drehe mich zu ihr um. Sie blickt immer noch zu Boden – nein, ihr Geruch hat mich nicht getäuscht. Sie möchte mir dienen, mir helfen und ist dafür bereit, sich mit mir auch zu paaren... - Ich spüre, dass sie mir wirklich helfen will, aber ich spüre auch, dass es ihr lieber wäre, wenn wir unsere Zuneigung weiter ohne eine Paarung miteinander teilen würden. Und das entspricht grundsätzlich ja auch meiner Ansicht und meinem Wunsch zu unserer Beziehung.

Mit einem Finger unter ihrem Kinn hebe ich ihren Kopf, bis sie mich anblickt.

„Padmini. Ich verstehe. Und ich bin mit Dir einer Meinung, dass unsere Beziehung nicht auf einer Paarung beruhen sollte. Du musst Dich nicht mit mir paaren, um mir bei der Beherrschung meines Zorns zu helfen. Ohne geht es auch – und vielleicht sogar besser. Dennoch danke ich Dir für Dein Angebot und hoffe, Du zürnst mir nicht, wenn ich es abschlage. Und glaube nur nicht, es liegt daran, dass Du eine Dracci bist... - im Gegenteil, das reizt mich jetzt sogar noch mehr... - verzeih... Ich glaube, Jaya wird bald Erfolg haben bei mir – der Gedanke an eine Dracci wird immer reizvoller für mich...“ -

Sie züngelt mir über meine Nüstern.

„Ich verstehe – und ich danke Dir. - Nach einer Großen und einer Drakari kommt nun eine Dracci an die Reihe... - Du lässt nichts aus, oder? Probierst Du auch ein Menschenweibchen?“ -

„Nein, besser nicht. Die Gefahr, dass ich sie dabei verletze oder töte wäre mir zu groß.“ -

„Du weißt, dass viele Dracci-Kriegerinnen sich während ihrer Kriegerzeit gerne ein Menschenmännchen als Paarungspartner wählen? Die Wahrscheinlichkeit von Nachwuchs ist praktisch nicht vorhanden – und Menschen sind zärtlicher zu ihren Weibchen und anhänglicher – vielleicht sollte ich besser sagen, sie sind treuer - und das eben auch zu Dracci.“ -

„Nein, wusste ich nicht. Aber ich verstehe den Grund. Aber… ich habe schon Draccier gesehen, die nur wenig Schuppen trugen und deren Gesicht auch sehr menschenähnlich ist. Wie passiert das?“ –

„Manchmal schlüpfen Draccier, die fast wie Menschen aussehen und auch später nicht mehr Schuppen bekommen. Aber auch wenn Dracci fast nie Kinder von Menschenmännchen bekommen, ganz selten und dann nur bei den wenigen Dracci, die keine Eier legen, also Kinder bekommen, wie die Menschen. – Umgekehrt passiert das öfter. Also wenn sich ein Dracciermännchen mit einer Menschenfrau paart, kann daraus ein Kind entstehen. Auch nicht bei allen Paarungen, aber doch deutlich mehr, als umgekehrt. Vielleicht so eins oder zwei in einem Sonnenumlauf – insgesamt bei allen Völkern dieser Welt, also nicht nur in den mir hier bekannten Stämmen. – Nur wer weiß, wie viele Menschen durch das Blut eines Lebenspenders zu einem Draccier werden, so wie bei Dir, wenn Du nicht Erces Kind wärst…“

Ich nicke und Padmini legt ihren Kopf nach links.

„Was jetzt, wollen wir nach oben? Ich habe jetzt auch Lust auf einen Kaffee – komisch, bevor ich hierhergekommen bin, habe ich das Zeug nie getrunken – vielleicht mal einen Tee.“ -

„Du kannst gerne auch Tee trinken, oder einen Lassi oder was Du sonst magst.“ -

„Nein, ich möchte wirklich Kaffee.“ -

„Dann lass uns nach oben gehen. Hoffentlich wecken wir Tyria und NüShi nicht.“ -

„Wäre das denn schlimm?“ -

„Nein, das nicht, aber ich möchte die beiden nicht stören – und den Fragen von NüShi jetzt noch aus dem Weg gehen.“ -

Padmini nickt und steht mit mir auf.

„Nimmst Du eine Rüstung von hier mit?“ -

„Nein. Ich nehme eine einfache Rüstung von oben. Die hier unten sind zu edel gearbeitet, ich möchte als einfacher Krieger auftreten. Es reicht, wenn die Menschen erfahren, dass der Drache sie beobachtet und seine Krieger entsendet. Keiner muss wissen, dass ich selbst eingreife, denn ich weiß noch nicht, wie ich handeln werde, wie mein Zorn mich dann lenkt.“ -

„Du könntest Deine Krieger schicken...“ -

„Richtig. Aber wie viele Krieger habe ich, die bis zum höchsten Sonnenstand dort unten in der Ebene sein können? Bhima fällt aus, bleiben mit Shankar, Shanti und Dir noch Neun. Von Ravi und Ajit weiß ich, dass sie mehr in der Organisation tätig waren und weniger als aktive Krieger, Shankar ist Schamane, hat aber etwas Kampferfahrung. Shanti und Du... - Verzeih, ich traue euch viel zu, aber ein Nahkampf gegen gut trainierte Krieger, selbst wenn es 'nur' Menschen sind... Es mag hart klingen, aber ich habe Fünf oder Sechs erfahrene Krieger gegen Fünfzig oder mehr Menschenkrieger, die sich nicht scheuen, zu töten... -

Das ist mir zu gefährlich. Ich möchte euch nicht verlieren, schon ein schwer Verletzter ist mir zu viel.“ -

„Aber... Du bist auch kein erfahrener Krieger. Du hast selber gesagt, dass Du nie wirklich kämpfen musstest.“ -

„Richtig. Nicht in meinem letzten Menschenleben. Zudem hätte ich mit anderen Waffen gekämpft. - Aber ich habe in vielen Leben das Kämpfen gelernt, das mir jetzt als Erfahrung zur Verfügung steht, wenn ich es brauche. Denke an gestern Abend, auch ohne mich auf meinen Drachenkörper zu verlassen, konnte ich Aditi besiegen. - So ganz unerfahren werde ich wohl nicht sein...“ -

Wir gehen nebeneinander zur Tür in die große Wohnung. Padmini legt mir ihre Hand auf den Arm.

„Ja richtig. Verzeih, ich wollte Dich ein wenig provozieren, aber Du hast Recht. Du hast alle besiegt, auch ohne die volle Körperkraft eines Großen und ohne den Schutz Deiner Schuppen zu benötigen. Wenn Du Deine Kraft und Deine Schuppen voll nutzt und mit Deiner Kampferfahrung, kannst Du die Menschen vermutlich auch ohne Deine Blitzkräfte ganz alleine besiegen. Und ich verstehe Deine Besorgnis, auch wenn ich sie nicht ganz teile...“ -

Ich bleibe stehen, Padmini dreht sich zu mir um und sieht mich fragend an.

„Nicht ganz...?“ -

„Richtig. Sechs oder Sieben von uns..., wenn die Menschen richtig darauf reagieren, können sie uns tatsächlich alle töten, sie sind immerhin in zehnfacher Überzahl. - Aber sie fürchten uns so sehr, dass Du höchstens mit einem oder zwei Verlusten bei uns rechnen musst – und die haben dann schon ihre jeweils zehn Gegner besiegt...“ -

„Das ist doch genau das, was ich damit meine...“ -

„Aber Du bist nicht bereit dazu...“ -

„Richtig.“ -

„Verzeih, das ist Unsinn. Wir sind Krieger, wir leben damit, im Kampf getötet zu werden. Und ein Kampf gegen so eine Überzahl macht den Tod zudem ehrenvoll.“ -

Ich schüttele den Kopf.

„Oh Padmini... wie sehr ich dieses Gerede vom ehrenvollen Tod im Kampf hasse... Ich bin zu oft 'ehrenvoll' gestorben – der Schmerz und dieses schreckliche Gefühl, wenn das Herz aussetzt... noch schlimmer, wenn das Herz direkt getroffen wird... dazu die Angst vor dem, was passieren wird während es dunkel um Dich wird...“ -

Padmini sieht mich betroffen mit weiten Pupillen an und legt ihre Hand auf meine Brust, auf mein Herz.

„Verzeih Eldingar... ich habe nicht daran gedacht, dass Du das schon erlebt haben könntest...“ -

„Wir haben da ja auch kaum drüber gesprochen, wie solltest Du es also wissen.“ -

„Lady Tyria, Lady Natascha und auch Jaya haben mir doch gerade gestern Abend, als Du gegen Deine Krieger gekämpft hast, in den Pausen gesagt, was sie über Deine Leben als Mensch in der anderen Welt wissen. Es hätte mir klar sein müssen, dass Du auch als Krieger gelebt hast und wohl auch gestorben bist. Und die Sicht eines Kriegers, der gerade den tödlichen Stich oder Hieb erhalten hat, ist sicher nicht so heroisch, wie die der anderen, die überleben...“ -

Ich streiche sanft über ihre Nasenschuppen.

„Richtig. Ich wünsche es keinem. Trotzdem werde ich nicht zögern, Krieger in den Kampf zu schicken und Feinde zu töten, wenn es nicht anders geht. Aber nicht gegen eine solche Überzahl und vor allem nicht, nachdem ich gestern Abend erst versprochen habe, niemanden ohne wichtigen Grund in den Tod zu schicken.“ -

„Aber warum habe ich das Gefühl, dass Du alleine gegen die Menschenkrieger kämpfen willst?“ -

„Wie kommst Du darauf?“ -

„Du hast gestern entschieden, dass nur Lady Natascha, Nala und ich Dich begleiten sollen. Das bedeutet doch, dass Du im Grunde alleine kämpfen willst, wenn Du uns nicht in Gefahr bringen möchtest.“ -

„Nun, Nala hat mich darum gebeten, Tascha hat als Drachin nichts zu befürchten – und Dich müsste ich hier wohl fesseln um zu verhindern, dass Du mitkommst. Ich hätte Tyria gerne dabeigehabt, aber sie muss sich um NüShi kümmern, denn sie möchte ich nicht mitnehmen. Es ist mein Revier, da hat ein fremder Drache nichts zu suchen. -

Und ich möchte nicht sofort mit einer Armee anrücken, die Menschen sollen sich nicht sofort bedrängt fühlen. Die Menschen werden eine Gelegenheit erhalten, sich sofort zurück zu ziehen. Dann lasse ich sie leben, auch wenn sie es nicht verdient haben. Leisten sie Widerstand, werden sie bedauern, sich mit einem Drachen angelegt zu haben.“ -

Mit einem kurzen Lächeln antwortet Padmini, wird dabei aber schnell wieder ernst.

„Fesseln, Knebeln, bewusstlos schlagen und in die tiefste Grotte mit einem riesen Stein davor einsperren – mindestens. Müsstest Du mich… -

Ja, ich verstehe. Aber wie ich diese Menschen kenne, wirst Du sie töten müssen, denn bei nur vier Gegnern – sie werden Tascha und Dich sicher nicht sofort als Drachen erkennen – werden sie sich kaum einschüchtern lassen, selbst wenn Du mit den Konsequenzen eines Drachen drohst.“ -

„So wie mich alle behandeln, bin ich davon ausgegangen, dass die direkte Drohung eines Angriffs von mir schon ausreicht.“ -

„Normalerweise ja. Aber hier war lange kein Drache mehr, für die meisten ist es nur ein Gerücht, dass dieses Reich wieder einen Herrscher hat. - Verzeih, Du sagst ja lieber, dass dieses Revier wieder besetzt ist. Und wie mir gesagt wurde, hat Valarinn sich nicht sehr um sein Revier gekümmert, nur in einem recht kleinen Bereich um seine bevorzugten Wohnstätten war er bekannt und gefürchtet. Kommen die Menschen aus einem Gebiet, in dem seit ein paar hundert Sommern kein Drache mehr am Himmel gesehen wurde - oder nur Drakarin, die sich wenig um die Menschen kümmern - wird die Drohung nur wenig bewirken.“ -

„Du meinst also, sie glauben nicht mehr an die Existenz von uns Drachen?“ -

„Das schon, nur nicht daran, dass ihr euch darum kümmert, was die Menschen machen. - Der einzige Grund, den ich mir vorstellen kann, warum sie es gewagt haben, in das Drachenland einzudringen und es mit Krieg zu überziehen.“ -

„Ich verstehe.“

Meine Zunge berührt kaum ihre Lippen, als schon ihre Zunge hervorschießt und mit meiner ihr liebevoll angenehmes Spiel beginnt.

„Und Du hast wirklich gezweifelt, dass Du mir Rat geben könntest?“ -

Ohne das Zungenspiel zu unterbrechen höre ich ihre Drachenstimme.

„Das hätte Dir auch fast jeder andere Draccier sagen können.“ -

„Richtig. Aber Du trotz Deiner Jugend ebenfalls. Es wird nicht lange dauern, und Du bist eine wertvolle Ratgeberin für mich. - Und nun lass uns endlich nach oben gehen.“ -

Etwas widerstrebend zieht sie ihre Zunge zurück.

„Schade, ich würde Dich gerne noch länger aufhalten, ich habe eine schlechte Vorahnung bei der Sache...“ -

„Soll ich hier sitzen und darauf warten, dass sie ein weiteres Dorf zerstören und die Einwohner töten?“ -

„Nein... nein natürlich nicht.“

II.

Padmini wirkt sehr nachdenklich, als sie sich umdreht und mir voran in die große Wohnung geht. Sie verschwindet schnell im Klo, was ich ihr nachmache, als sie wieder herauskommt. Nachdem ich mich gereinigt und etwas frisch gemacht habe, sehe ich in ein schmunzelndes Gesicht.

„Wir sind es gewohnt, alles gemeinsam zu machen, Du hättest mit reinkommen können.“ -

„Es gehört zu den Dingen, bei denen die meisten Menschen sich zurückziehen und lieber für sich alleine sind. Das ist noch tief in mir drin.“ -

Sie grinst etwas mehr und geht wieder voran. Obwohl wir geflüstert haben, höre ich leichte Bewegungen aus einer Schlafgrotte, nach dem Ton des tiefen Durchatmens kommt es von Tyria. Beim Vorbeigehen blicke ich in die Grotte und sehe im Dunkel die tiefroten Lichtreflexionen in Tyrias Augen, die mich fixieren. Ich nicke Padmini kurz zu und gehe in die Grotte um kurz mit Tyria zu sprechen. Sie reckt mir ihren Kopf entgegen und senkt ihn, bläst mich sanft aus ihren Nüstern an, als ich diese sanft streichele.

„Guten Morgen Geliebter, ich hoffe, Du hast gut geschlafen?“ -

„Mit einer an mich gekuschelten Dracci... ja, ich habe eine angenehme und ruhige Nacht verbracht.“ -

Tyria stupst mich sanft mit der Zunge an.

„Gestern lag sie noch zu Deinen Füßen und heute schläft sie schon an Deiner Brust? Du verlierst wirklich keine Zeit. Ich hoffe Du wirst bald ruhiger und verbrennst nicht in Deinem eigenen Feuer.“ -

Sie hat ihre Zungenspitze noch zwischen ihren Lippen und ich züngele ein wenig mit ihr – meine kleine Zunge auf ihrer großen, kaum zu sehen, aber wohl doch eine intensive Berührung, denn Tyria lässt ihr leises Gurren hören.

„Ich habe doch kein Feuer – und keine Sorge, für meine Katla habe ich immer genug Energie. - Mehr als ihre Schuppen auf meinen beim Schlafen zu spüren, wird es wohl auf längere Sicht auch nicht werden mit Padmini. Sie genießt meine Nähe, wie ich ihre – aber eine Paarung möchte sie nicht. Sie hatte mir vorhin zwar die Paarung angeboten, weil ich ohne Partnerin erwacht bin, aber es war deutlich zu spüren, dass sie mir damit nur einen Gefallen erweisen wollte.“ -

„Was Du abgelehnt hast. - Verzeih, aber auch wenn ich glaube, Dich langsam zu verstehen, bist Du mir immer noch fremd. Ich kenne keinen Drachen, der so ein Angebot abgelehnt hätte – vorausgesetzt, er ist bereit, sich mit Dracci zu paaren. Ich will ehrlich sein, auch wenn ich erst seit kurzem bereit bin, die Draccier zu akzeptieren – ich möchte es einmal mit ihnen ausprobieren. Sollte Shankar mir so ein Angebot machen, ich werde nicht ablehnen. - Oder Sunil...“ -

„Tyria!“ -

Sie kichert leise.

„Keine Sorge, meine Liebe gehört nur Dir. - Aber warum sollst nur Du den Spaß haben? - Wie fühlt sich eigentlich so ein Löwenfell an...“ -

Ich lege meine Stirn auf ihre Oberlippe.

„Oh Tyria... bist Du wirklich die, von der mir erzählt wurde...? - Ein Löwenfell fühlt sich eher rau und etwas hart an. Es soll vor Verletzungen schützen, die Mähne eines Männchens auch gegen die Bisse und Hiebe im Kampf gegen andere Männchen. - Atums Fell aber ist ganz anders: weich, warm, auch seine Mähne, sehr angenehm. Es ist schwer zu beschreiben, Du musst es selbst ausprobieren. - Sage mir bitte vorher, wenn Du es vorhast, dann kann ich ihn vielleicht etwas vorbereiten, noch ist er nicht ganz vertraut mit uns Drachen. - Oder Du nutzt eine Gelegenheit, wenn wir gemeinsam abends zusammensitzen.“ -

Wieder ein Stups mit der Zungenspitze.

„Du würdest es akzeptieren?“ -

„Ich muss es, denn Du akzeptierst es bei mir ja auch. - Du forderst mich ja geradezu dazu auf.“ -

„Du wirst auch andere Drachen kennenlernen, die nicht so sind. Viele Weibchen fordern von ihrem Partner bedingungslose Treue – um sie dann oft für viele hundert Sommer alleine zu lassen. Zugegeben leben auch sie treu, aber so lange… das ist mir schon immer schwergefallen, ich habe meine Partner nur für relativ kurze Zeit verlassen, dann war auch für mich der Trieb so stark, dass ich sie wieder treffen musste – oft jeden Sommer für ein oder zwei Monde. - Mein Vater lehrte mich dann, dass ich offener sein sollte, wenn ich meine Partner immer wieder für einige Zeit verlasse. Da meine Mutter mich nicht mehr beeinflussen konnte, denke ich da vielleicht ein wenig mehr wie ein Männchen.“ -

„Ich verstehe. Weil Du Deinen uralten Trieb, allein zu leben und alle anderen aus Deinem Revier zu treiben, nicht vollkommen widerstehen kannst, wirst Du mich also auch bald für einige Zeit verlassen. Nur, dass Du mir eine Partnerin für diese Zeit nicht übelnimmst.“ -

„Ja.“ -

„Fällt es Dir schwer, Tascha als meine Partnerin zu akzeptieren?“ -

„Ja.“ -

„Aber...“ -

„Es fällt mir schwer, sie als Deine ständige Partnerin zu akzeptieren. Nur, weil sie Dich früher für sich gewonnen hatte und Deinem Denken ein wenig nähersteht, kann ich es akzeptieren. Und weil ich mir bei Zweifeln immer sage, sie ist doch nur eine Kleine und nicht lange genug bei Dir, um Dich mir wirklich nehmen zu können... - Verzeih, ich wollte Dir das nie sagen, dass es ein ständiger Kampf mit meiner Eifersucht ist...“ -

Zärtlich reibe ich ihre Nüstern. Ich spüre, dass sie Tascha dennoch nie angreifen wird.

„Ich verstehe. Und ich danke Dir, dass Du mir das eben gestanden hast, denn jetzt kann ich Dich besser verstehen. Bisher erschien es mir so unglaublich fremd, Deine so scheinbar unbekümmerte Akzeptanz meiner Partnerschaft mit Tascha.“ -

Sie bläst mir sanft ihren Atem ins Gesicht.

„Ich hoffe, Du vertraust mir, dass ich Natascha nie wegen eurer Partnerschaft angreifen werde. Ich habe es ja selbst zu verantworten, denn Natascha hätte es wohl nie gewagt, wenn ich sie nicht ermuntert hätte. Und es sind ja nur höchstens zweitausend Sommer... - oh... verzeih, ich bin wohl doch eine gefühllose Drachin...“ -

Tyria will ihren Kopf wegdrehen, reagiert aber darauf, dass ich ihren Nüsternflügel fester greife, sie so 'festhalte'.

„Nein, Du bist nicht gefühllos. Das Feuer, das da in Deiner Seele brennt und das sich Liebe nennt, kann nicht von einer gefühllosen Drachin kommen. Ja, ich spüre einen Stich, wenn ich daran denken muss, dass meine Lebensspanne jetzt so ungleich länger ist, als die der meisten anderen, besonders auch die von Tascha. Aber ich muss es akzeptieren, Du musst Dich nicht dafür entschuldigen. Und ich begreife, dass es für einen Drachen – bei aller Liebe für Tascha – immer eine überschaubare Zeitspanne bleiben wird. - Für einen Großen Drachen meine ich.“

Blitzschnell schlingt Tyria ihre Zunge um meine Hüften und legt die Zungenspitze auf meine Brust. Ich streichele die Unterseite ihrer überraschend trockenen Zunge.

„Eldingar – Ralf. Geliebter Gebieter meiner Seele. Ich werde zu Erce beten, dass sie diesen Fluch von mir nimmt und uns Nachwuchs schenkt.

Oder zwinge mich, fessele mich, beeinflusse mich mit den Kräften der Ältesten. Zwinge mich dazu, ein Ei mit Deinem Samen zu befruchten. Sperre mich in eine enge dunkle Höhle, an die Felsen gekettet, bis ich Dir ein Ei gelegt habe... Ralf, ich will Kinder mit Dir haben, versprich mir, dass Du nie aufgeben wirst und wenn meine Brust nur noch aus Narben besteht... -

Es fühlt sich nebenbei sehr gut an, Dich so mit der Zunge zu halten...“ -

Irgendwie typisch für einen Drachen...

„Mich wirst Du nicht mehr so schnell loswerden, meine Katla. Ich werde jede Gelegenheit nutzen und Dich irgendwann vielleicht einmal überlisten. Ich glaube nicht an einen Fluch – sicher bist Du öfter verflucht worden, aber ich glaube nicht an die Wirksamkeit solcher Flüche, selbst wenn die Menschen Zugang zur Lebenskraft hatten. Und welchen Grund sollte Erce haben, diesen Fluch weiter aufrecht zu erhalten, jetzt, wo wir uns gefunden haben. Nein, es ist nur eine Blockade in Deinem Bewusstsein, in Deiner Seele, die wir gemeinsam brechen oder überlisten werden. -

Ich hoffe Du bist nicht krank...?“ -

Ich kann aber auch so... durch ein etwas intensiveres Streicheln weiß sie, dass ich ihre trockene Zunge meine.

„Nein, ich wollte Dich nur nicht völlig einspeicheln, Du brauchst ja keine Panzerung...“ -

Sie löst ihre Zunge wieder.

„Ah, ja danke. Es fühlt sich auch gut an, so von Dir umzüngelt zu werden.“ -

Tyria hebt ihren Kopf und blickt mich drachentypisch von oben an. Nur die Glut, die in ihren Augen leuchtet, zeigt mir ihre Liebe und die unterdrückte Lust...

„Nur dass Du es weißt... Wenn Du Dich mit Kleinen … äh, Drakari oder Dracci vergnügst, ist es mir – nicht gleichgültig, aber ich kann es akzeptieren. Aber wage es nicht, hinter meinen Rücken etwas mit einer Großen anzufangen – dann werde ich Dir das Gesicht zerfetzen...“ -

„Hast Du einen Grund zu dieser Warnung?“ -

„Ja. NüShi... Ich habe sie noch nie so erlebt. Nachdem ich sie gestern davon überzeugen konnte, dass Du in Wahrheit ein friedlicher Drache bist, der nicht mal einem Draccier etwas antun würde, schon gar nicht einer Großen, verfiel sie wieder in so eine eigenartige Stimmung... Eisdrachen bleiben oft unter sich, paaren sich aber auch mit anderen – nur war NüShi bisher ihrem Partner sehr treu – bisher. Irgendetwas muss passiert sein, oder sie haben sich nur schon viel zu lange nicht getroffen...“ -

„Ich verstehe. Sei unbesorgt, ich werde eine gebundene Drachin ohnehin nicht berühren.“ -

„So streng muss es nicht sein, Eldingar. Vielleicht braucht sie einfach nur das Gefühl männlicher Schuppen auf ihren oder die Zunge eines Männchens in ihrem Mund... Das alles kann ich akzeptieren, weil es NüShi ist, aber...“

„Ihre Geschlechtsspalte ist für mich eine verbotene Zone. Ich verstehe... für Dich sind also nur Große eine Konkurrenz, die Du nicht akzeptierst. Eine einfache Regel, die ich streng einhalten werde.“ -

Tyria lächelt.

„Und sonst?“ -

„Mir reichen drei paarungswillige Weibchen. Dazu noch die, mit denen ich einen engen Kontakt halte, mich aber nicht paare. Aber man soll niemals Nie sagen, Du wirst es aber erfahren, nach Möglichkeit vorher. - Tyria, ich gehöre Dir, Dir und Natascha. Wenn Natascha von Erce gerufen wird, dann wird jede Faser meines Körpers, jeder Tropfen Blut, jeder Gedanke von mir, nur Dir ganz allein gehören.“ -

„Wenn ich Dich nun bitte, Tascha zu verlassen, sie aus Deinem Haus zu weisen und nur mit mir zu leben...?“ -

Mein Herz verkrampft regelrecht – meint sie das ernst?

„Ein Wunsch, der etwas ungerecht wäre, nachdem Du unsere Beziehung vorher gefördert hast. Und nachdem Tascha ein Kind mit mir bekommt. - Ich bitte Dich, diesen Wunsch nicht zu äußern, denn ich möchte Tascha nicht so verletzen müssen.“ -

Tyria senkt ihren Kopf und saugt prüfend die Luft ein.

„Du würdest sie wirklich vertreiben...? Auch wenn sie Dein Kind trägt? - Ja... Du würdest es wirklich machen...“ -

Das klingt so zufrieden, so eigenartig entschlossen, dass ich wirklich Angst bekomme – soll ich wirklich mein Kind und seine Mutter verlieren, kaum dass ich sie habe?

„Bitte Tyria, bitte lass sie bei mir.“ -

Wieder ein liebevoller Stupser mit ihrer Zunge.

„Natürlich mein Geliebter. Ich würde sie ja auch vermissen – und sie gibt Dir die Kinder, die Du Dir so wünscht. - Zudem spüre ich, dass dann auch unsere Partnerschaft bald enden würde, weil Du mich dann nicht mehr so lieben könntest, wie Du es eigentlich möchtest. - Vertraue Deiner Partnerin, ich stehe zu meinen Entscheidungen, auch wenn sie schmerzen sollten. Aber diese sind nicht schmerzlich, sie sind zu unserem Besten getroffen. Von uns drei. Eine seltsame Beziehung für Drachen, aber interessant und angenehm.“ -

Erleichtert atme ich auf. Ich weiß nicht warum, denn ich liebe auch Tascha wirklich mit ganzem Herzen. Aber etwas in mir hat mich geradezu gezwungen, Tyria meine Treue beweisen zu wollen. Es ist – scheint ein Widerspruch darin zu liegen, aber – anders als Tyria, die meine Liebe zu Tascha und dass ich schon eher mit Tascha zusammen war, aus Drachensicht höher bewertet, ist für mich die Partnerschaft der entscheidende Punkt. Für mich ist Tyria meine Partnerin, meine Ehefrau. Sie hat zuerst die Partnerschaft mit mir begründet. Ich gehöre ihr, wenn es nach mir geht, bis zu dem Tag, an dem Erce uns ruft – sie ruft, denn ich bin in diesem Leben deutlich jünger. Und einen Hauch dahinter gehöre ich auch Tascha, bis wir uns trennen müssen. - Aber Tyria hat dennoch recht. Würde sie von mir verlangen, mich jetzt von Tascha zu trennen, wäre mein Vertrauen in sie schwer erschüttert, denn ich habe Tascha ja nicht als Partnerin gegen den Willen Tyrias akzeptiert, sondern nur weil sie darauf bestanden hat.

„Danke Tyria...“ -

„Nein, ich danke Dir, Ralf. Du hast mir gerade bewiesen, dass ich beruhigt auf Dich warten darf. Du hast mich als Deine Partnerin angenommen und bist mir treu, bis sich unsere Wege trennen müssen. Auch wenn ich Dich jetzt noch ein wenig teilen muss. Ich hoffe, Du vertraust mir ebenso, dass ich Dir auch bis zu meinem letzten Atemzug in dieser Welt treu sein werde. Vielleicht werden wir nicht die ganze Zeit zusammenbleiben – aber ich spüre jetzt deutlich, dass wir beide die ewige Lebenspartnerschaft der Drachen schließen werden. Nichts wird mehr zwischen uns treten, nichts wird uns trennen – nicht einmal der Tod, denn wir werden uns im Lebensstrom wiederfinden – auch wenn der andere erst nach vielen zehntausend Sommern folgt. Wir sind füreinander geschlüpft, wir sind füreinander bestimmt, ich fühle Dich, als ob wir aus einem Ei geschlüpft wären. Eldingar, mein männliches Ich...“ -

Das warme Gefühl von Erces Anwesenheit erfüllt jetzt meine Seele und verbindet sich mit der tiefen Liebe, die ich für Tyria empfinde. Und Tyria hat mir gerade eben den Schwur lebenslanger Treue geleistet... - unsere bisherige Partnerschaft war zwar nicht direkt zeitlich begrenzt, konnte aber jederzeit wieder aufgelöst werden. Aber jetzt möchte Tyria sich endgültig für den Rest unserer Leben und darüber hinaus an mich binden. Und so interessant eine Drachin wie NüShi auch sein mag - ich weiß, wie ich Tyria antworten muss.

„Nichts wird mehr zwischen uns treten, nichts kann uns jetzt mehr trennen. Zwei Drachen in der ewigen Lebenspartnerschaft. Wir sind füreinander geschlüpft und wir sind füreinander bestimmt. Ich fühle Dich, wie aus einem einzigen Ei geschlüpft. Tyria, mein weibliches Ich...“ -

Tyria blickt mich glücklich, aber auch ein klein wenig verwirrt an, denn sie spürt jetzt wohl auch die Anwesenheit von Erce.

„Ihr zwei habt die ewige Lebenspartnerschaft vor mir bekundet. Ich bestätige eure Partnerschaft, nichts wird euch jetzt mehr trennen, ihr seid jetzt eine Seele im Strom des Lebens, ihr werdet euch wiederfinden, wenn eure Zeit gekommen ist und auf ewig beisammen sein. - Wie lange habe ich diese Worte nicht mehr gesprochen... Seid mir willkommen Tyringar, ihr liebenden Seelen, die sich gefunden haben.“ -

„Erce...?“ -

„Ja Tyria. Wenn mein Sohn seine ewige Partnerschaft schwört, bin ich natürlich dabei. Schade, dass Dein Vater nicht anwesend sein konnte, aber er wird diesen Moment erleben, als wäre er hier gewesen. Fjörgyn auch, wenn Du es möchtest, Eldingar - Und ihr beide werdet früher Kinder haben, als ihr jetzt denkt. Es wird überraschend kommen, aber es wird kommen, Deine selbsterwählte Buße ist erfüllt, Tyria. Nur noch ein wenig Geduld, aber Dich fesseln und einsperren wird Eldingar nicht müssen.“ -

Tyria kichert leise.

„Irgendwie schade... Seiner Kraft ausgeliefert zu sein, hat etwas... Erregendes... verzeih.“ -

„Ja, meine Drachen waren etwas Besonderes, sie mussten sich noch in einer Welt voller gefährlicher Feinde behaupten – und mein Sohn... - Nun ja, niemand wird euch verbieten, damit zu spielen und wenn es Dir gefällt wird Eldingar es Dir sicher nicht verwehren.“ -

Irgendwie schafft Tyria es immer, eine Verbündete zu finden, wie ich belustigt feststelle.

„Jetzt habe ich aber nichts damit zu tun...“ -

„Ich weiß, dass Tyria Dich ein wenig überfallen hat mit ihrem Treueschwur.“ -

„Aber ich bin dankbar für ihre Liebe, die sie mir merkwürdigen Drachen schenkt.“ -

„Kein anderer hält Dich für einen merkwürdigen Drachen – selbst, wenn sie es manchmal sagen, weil Du oft anders denkst und anders reagierst. Du bist für alle hier ein Drache, mein Drache vielleicht noch.“ -

„Ich verstehe.“ -

„Mache Dir keine Gedanken um Natascha. Für sie ändert sich nichts, sie bleibt Deine zweite Partnerin und wird Dich ihr Leben lang begleiten. Und so stark, wie ihre Seele ist, wird auch sie Dich im Lebensstrom finden, wenn Deine Zeit gekommen ist.“ -

„Sie wird nicht im Lebensstrom aufgehen?“ -

„Nicht wie die meisten anderen, sie ist stark genug, um sich als Seele zu behaupten – und ihre Liebe ist stark genug um es auch zu wollen. Ihr werdet Euch wiederfinden, wenn Du zu mir kommst.“ -

„Sie werden mich also übers Leben hinaus verfolgen...“

Tyria stupst mich wieder mit der Zungenspitze, grinst aber breit. -

„Ich lasse Euch dann wieder allein. Eldingar, vertraue Deiner Eingebung und handle heute, wie es sich ergibt. Du bist ein Drache, Du bist der Herr in Deinem Revier und Du handelst, wie es Dir gefällt und es Dein Gewissen bestimmt. Ich vertraue Dir und Deiner Erfahrung, sei Dir dessen gewiss. Also zweifele nicht und handele. - Padmini, fürchte meinen Sohn nicht. Auch wenn er selber noch zweifelt, er hat seine Gefühle und auch seinen Zorn besser im Griff, als beispielsweise sein Vorgänger hier.“ -

Noch einmal spüre ich das warme, vertraute Gefühl zu Hause zu sein, dann hat Erce sich wieder zurückgezogen. So deutlich habe ich sie noch nie außerhalb eines Knotens gespürt – doch einmal, damals bei meiner Wandlung zum Drachen.

„Was... wer war das?“ -

Padmini steht in der Tür und starrt uns an. Tyria hebt ihren Kopf und blickt sie an.

„Das, kleine Freundin meines Partners, das war Erce – unsere Herrin und... ja wie soll ich das mit ihrem Kind verstehen...? - Einen Moment...“ -

Tyria schließt ihre wunderbaren Augen und leitet die Transformation ein. Sie mag nicht länger auf mich herabblicken, oder sie möchte mich richtig auf ihren Schuppen spüren. Ich blicke Padmini an, die langsam und offensichtlich verwirrt näherkommt.

„Das war Erce...?“ -

„Richtig. Jetzt musst auch Du nicht mehr glauben.“ -

„Nein... ich muss nicht mehr glauben, ich weiß jetzt... Erce hat zu mir gesprochen... Warum?“ -

„Du warst hier, Du warst Zeugin unseres Schwurs – und Du machst Dir offenbar Sorgen um mich...“ -

Bevor Padmini antworten kann, spüre ich die Hände von Tyria auf meinen Schultern. Sie gleiten auf meine Brust, während Tyria sich an meinen Rücken schmiegt und ihren Kopf an meinen legt.

„Ralf, Liebster... Verzeih mir meinen Überfall, aber...“ -

Ich drehe mich langsam um, lege meine Arme um ihre Taille und senke meinen Kopf, bis wir Stirn an Stirn, Nüstern an Nüstern uns gegenüberstehen und gegenseitig in unseren Augen versinken.

„Katla, Liebste... ich bin glücklich über Deine Entscheidung.“ -

Wir bleiben ruhig stehen und blicken gegenseitig in unsere Seelen. Ich fühle nur eine unendliche Liebe zu meinem schwarzen Vulkan, meiner Katla, meiner Tyria. Und ich sehe – fühle – genau dasselbe für mich in ihren Augen, in ihrer Seele. Schon bald stellt sich ein Gefühl ein, dass ich nur als eine tiefe Verbindung unserer Seelen erklären kann. Wir werden eins, ich spüre förmlich ihre Gedanken – ich möchte sie nicht mehr loslassen, ewig so mit ihr verbunden bleiben – und weiß, dass sie genau so fühlt.

Eine Bewegung reißt uns aus unserer Verbindung, Padmini wird unruhig. Lächelnd nimmt Tyria ihren Kopf zurück.

„Padmini hat Recht, Ralf. Du solltest an Dein Revier denken. Und erlöse Jaya vorher noch aus ihrem Panzer, etwas Strafe musste sein, aber das gestern war zu viel.“ -

Ich nicke.

„Ja, richtig. Und Du? Möchtest Du nicht doch mitkommen? Du hast mehr Erfahrung...“ -

„Ich würde gerne mit Dir gehen – aber Du hast NüShi zugesagt, ihr heute ihre Fragen zu beantworten. Ich weiß, dass es ihr nicht viel ausmachen würde, wenn Du es auf ein anderes Treffen verschiebst – sie ist eine Drachin, auch wenn sie sich oft anders gibt. Aber Dir wäre es sicher unangenehm.“ -

„Stimmt. Und es wäre sicher unhöflich, NüShi hier alleine warten zu lassen. Verzeih meine Katla, ich hatte jetzt nicht daran gedacht.“ -

„Es wäre Dir sicher gleich eingefallen. Und ich bin mir sicher, dass Du mit Menschen wesentlich mehr Erfahrung hast, als ich.“ -

„Schön, dass ihr alle so viel Vertrauen in mich habt. - Abgesehen von Padmini, Du zweifelst?“ -

Padmini blickt wirklich recht sorgenvoll auf mich.

„Nein... nein Eldingar, ich zweifele nicht – ich mache mir nur ein wenig Sorgen um mich...“ -

„Warum um Dich?“ -

„Ich habe gerade die Nestlingsnamen von Dir und Lady Tyria gehört... denke ich jedenfalls. - Bitte, glaubt mir, dass ich sie niemals jemandem verraten werde.“ -

Tyria schüttelt heftig den Kopf.

„Bei Erce nein... Kind, das klingt ja, als ob wir Dich jetzt töten würden. Nein... Sicher machen wir ein großes Geheimnis aus unserem Nestlingsnamen, wir verwenden ihn als eine sehr intime Anrede – aber es ist doch nur ein Name. - Den ohnehin viele ältere Drachen wissen, denn sie kennen uns ja oft schon als Nestling. Nein meine Kleine, niemand wird Dir deswegen etwas antun, schon gar nicht töten. Trotzdem bin ich Dir für Deine Schweigsamkeit dankbar – auch wenn es nur die Sitte wahrt.“

Padmini atmet sichtlich auf.

„Danke Ishwari Rajeshri.“ -

„Ach Unsinn. Und ich heiße Tyria, auch für Dich ab sofort. Immerhin kannst Du unsere Ewige Partnerschaft bezeugen. Wir können ja nicht immer Erce bemühen...“ -

„Danke... Tyria.“ -

„Und jetzt schnapp Dir meinen Drachen und verschwinde mit ihm, sonst lasse ich ihn nicht mehr los...“ -

„Das mache ich gerne.“ -

Padmini legt ihre Hand auf meinen Arm, wartet aber doch noch etwas, denn Tyria nutzt schnell noch die Gelegenheit, hält meinen Kopf mit beiden Händen und klemmt ihre Fangzähne hinter meine. Erst nach einem langen, liebevollen Kuss lässt sie mich los und ich folge Padmini, die mich schnell in die Abkürzung zur Eingangshöhle führt.

Sie macht auf dem Weg nach oben wieder ihr ernstes Gesicht, also war ihre Erklärung vorhin nicht die ganze Wahrheit, auch wenn sie wohl tatsächlich besorgt war, wegen unserer Nestlingsnamen.

„Was ist mit Dir, mein Schatten. Du wirkst immer noch besorgt.“ -

Sie nickt.

„Es ist wegen Dir... Ich hatte schon gehofft, dass Lady... mh... Tyria mitkommt...“ -

„Fürchtest Du, ich könnte etwas falsch machen?“ -

„Nein, sicher nicht. Auch ich glaube, von allen Drachen hast Du die besten Erfahrungen im Umgang mit Menschen. Es ist nur... ich ahne... nein, ich weiß, dass Du töten wirst... musst und... - hast Du schon getötet? - Menschen meine ich.“ -

„Sicher, ich war oft ein Krieger. Und es waren sehr viele im Laufe der Zeit.“ -

Padmini schüttelt den Kopf.

„Nein, jetzt. Als Drache, oder als Mensch, jetzt, letzten Sommer, oder vor zwei, drei, fünf Sommern - bevor Du hierhergekommen bist.“ -

„Nein, natürlich nicht. - Verzeih, für euch Krieger hier ist es wohl nicht so selbstverständlich. Ich wurde zuletzt in einem... äh... Stamm wiedergeboren, der vor vielen Wintern an zwei großen, langen Kriegen beteiligt war. In diesen Kriegen sind viele Millionen Menschen getötet worden und mein Stamm wollte keinen weiteren Krieg führen. Wir hatten Krieger um uns verteidigen zu können, aber es ist gelungen, dass in unserem Umfeld nach sehr langer Zeit mit vielen kleineren und größeren Kriegen endlich ein dauerhafter Friede mit unseren Nachbarn möglich geworden ist. Nun immerhin schon seit ungefähr siebzig Sommern. Erst nach meiner Zeit wurden wieder Krieger in andere Länder gesandt um dort zu versuchen, einen unsicheren Frieden zu schützen.

Ich musste also während meiner Kriegerzeit bis vor fünfundzwanzig Sommern keine Feinde töten und danach ohnehin nicht - zudem wäre es dann ein schweres Verbrechen gewesen.“ -

„Lady Tyria hat mir so etwas schon gesagt. Und das macht ihr und Lady Tascha Sorgen – und ich mache mir jetzt auch Sorgen um Dich. Eldingar, Herr... wir Krieger – auch wir Nachtkrieger – werden lange darauf vorbereitet zu töten. Und wir sind dann nicht alleine. Wir haben erfahrene Krieger an unserer Seite, die uns helfen, damit zurecht zu kommen. Und wie ich Lady Tyria verstanden habe, sind auch Drachen selten alleine, wenn sie zum ersten Mal töten müssen. Auf der Jagd und auch später zur Bestrafung.“ -

„Nala ist dabei, Du und Tascha auch. Und mit Tascha habe ich ja auch eine Drachin bei mir. Ich habe also Begleitung.“ -

„Verzeih Herr. Bitte nimm noch zwei oder drei weitere Krieger mit. Wir werden dann die Menschenkrieger töten, wenn es nicht anders geht, Du sorgst für unsere Deckung. So musst Du nicht gleich beim ersten Mal selber töten. Es geht immerhin um Menschen, um Dein Volk – oder Dein altes Volk... Ich glaube gerne, dass es Dir möglich ist, einen Drakarin oder Draccier zu töten, wenn er es herausfordert. Aber Menschen... - Du hast zu lange als Mensch gelebt...“ -

„Ich verstehe Deine Besorgnis. Und ich teile sie auch – zum Teil. Ja ich bin zu einem Teil meiner Seele ein Mensch geworden, aber die Basis ist doch ein Drache. Zudem einer, dem erst Erce ein Bewusstsein gab, ich war ein Raubtier, ein gnadenloser Jäger – selbst als Drache noch, es hat viel Zeit gebraucht, bis ich begonnen habe, mich auch wie ein intelligentes Wesen zu benehmen. Und diese alten Instinkte werden mich schützen. - Und vergiss nicht: auch friedliche Menschen können von einem Moment auf den anderen zu kaltblütigen Killern werden.“ -

„Ja, das stimmt schon. Menschen sind wirklich eigenartig. Sie wollen in Frieden leben und mögen oft keine Krieger, auch keine Menschenkrieger. Aber sagst Du nur ein falsches Wort, hast Du ein langes Messer zwischen den Rippen... - naja, zumindest werden sie sehr schnell kriegerisch. Nur weiß ich nicht, wie es drüben ist. - Allerdings... sagest Du, dass in den Kriegen viele Millionen gestorben sind? Sicher nicht nur Menschen, doch auch Draccier? In hundert Sommern oder mehr?“ -

„Im letzten großen Krieg waren es sechzig Millionen Menschen in insgesamt sechs furchtbaren Sommern. In dem davor während 4 Sommer fast 20 Millionen. Jedes Mal auch viele, die nicht Krieger waren. - Draccier gibt es drüben nicht.“ -

Padmini bleibt stehen und sieht mich überrascht an.

„Wie viele? - Gibt es überhaupt so viele Menschen?“ -

„Hier sind es vermutlich insgesamt knapp doppelt so viele. Drüben waren es zu der Zeit schon über zweitausend Millionen. Insgesamt auf der ganzen Welt.“ -

„Oh...“ -

„Trotzdem war die große Zahl der Getöteten auch ein Grund, warum mein Stamm und unsere Nachbarn zum Frieden gefunden haben.“ -

„Ich verstehe.“ Padmini geht weiter.

„Warum gibt es drüben so viele Menschen und hier so wenige – im Vergleich.“ -

„Eine von Erce gewollte Beschränkung, neben der Behinderung der Maschinen hier. Ich denke, etwa 200 Millionen Menschen und etwa ebenso viele Draccier können noch vollkommen im Einklang mit der Lebenskraft hier leben. Vielleicht auch noch ein paar Millionen mehr. Zur Sicherheit wurde die Zahl bisher halbiert und die Drachen wachen darüber, aber im Wesentlichen sorgt Erce für die richtige Anzahl. - Drüben wird die Erfindungsgabe der Menschen nicht gebremst. Sie haben gelernt, wie sie Krankheiten besiegen, können sich besser gegen Naturereignisse schützen und produzieren auch mit Hilfe von Maschinen viel mehr Nahrung. Dadurch können mehr Menschen überleben, aber die meisten haben noch nicht gelernt, dass sie nicht mehr so viele Kinder brauchen, um als Volk zu überleben. Dann verlangen einige Religionen noch irrsinnigerweise, dass ihre Anhänger fruchtbar sein und sich vermehren sollen. Daher sind es dort so unendlich viele – worüber mittlerweile sogar viele Menschen beunruhigt sind.“ -

„Das ist also eure Aufgabe... Ihr sorgt dafür, dass Menschen und Draccier sich nicht ohne Kontrolle vermehren...“ -

„Das ist ein Teil unserer Aufgaben, aber es betrifft nur die Menschen. Ihr Draccier habt ja eine sehr strenge Kontrolle über die Anzahl des Nachwuchses. Um euch brauchen wir Drachen uns nicht kümmern, ihr sorgt selbst für eine Beschränkung.“ -

„Ich weiß nicht, ob ich das als beruhigend empfinden soll.“ -

„Es macht auf euch sicher den Eindruck, dass wir Drachen euch so verachten, dass wir euch nicht mal einer Beachtung für würdig finden. Während wir die Menschen teils schützen, teils dezimieren, auf jeden Fall aber beachten. Aber das ist nicht richtig, wir beobachten euch schon auch, nur müssen wir kaum eingreifen bei euch.“ -

„Die Drakarin?“ -

„Stehen auch unter Beobachtung, aber auch sie haben seit langer Zeit eine stabile Zahl mit nur geringen Schwankungen.“ -

„Und ihr...? - Verzeih, das sollte ich wohl nicht fragen.“ -

„Ich verstehe Dein Interesse. - Wir Großen werden durch Erce kontrolliert. Als ich in die andere Welt ging, waren wir wohl fast Fünftausend. Genug für ein gesundes Volk, aber wenig genug, dass sich die Drakarin später neben uns entwickeln konnten, ohne dass es Revierprobleme gab. - Ich fürchte, in ihrem Zorn über die Großen hat Erce den Keim zu ihrem Untergang in ihnen angelegt. Es gibt ja nur noch ein paar hundert.“ -

„Schade, dass wir schon da sind, jetzt bin ich richtig neugierig geworden... Bitte versprich mir, mir das weiter zu erklären, wenn wir Zeit haben.“ –

III.

Sie öffnet den Durchgang und wir betreten die Eingangshöhle. Aus dem Zelt sind leise Gespräche zu hören und der Duft von Kaffee liegt in der Luft, also sind noch – oder wieder – welche dort.

„Natürlich. Aber jetzt erst einen Kaffee.“ -

„Ja, für mich auch. - Sag, dieser Treueschwur vorhin – war das etwas Besonderes?“ -

„Ja, schon.“ -

„Bitte, jetzt nicht den Drachen...“ -

Kichernd lege ich meinen Arm um ihre Schultern, sie reagiert, indem sie ihren Arm um meine Hüfte legt.

„Verzeih. Ja, es ist die endgültige Verbindung zweier Lebenspartner. Bisher waren wir nur auf Zeit miteinander verbunden – jetzt hat die Zeit keine Bedeutung mehr für uns. Wir sind vereint, im Leben und darüber hinaus. Und es gibt für uns jetzt keinen anderen Partner mehr in unserem Leben.“ -

Sie stupst mich.

„Also habe ich jetzt Ruhe vor Dir?“ -

„Mmmmh, Du bist ein Sonderfall. Partnerinnen, die ich schon vor unserem Schwur hatte, darf ich weiterhin besuchen... - Und Dracci zählen ohnehin nicht, da ich keinen Nachwuchs mit ihnen bekommen kann.“ -

„Ich bin nicht Deine Partnerin – und Du sagtest, wir können Kinder bekommen...“ -

„Du hast an meiner Brust geschlafen, geschützt und gewärmt von meiner Schwinge, da sagst Du, Du wärest nicht meine Partnerin? Glaubst Du, ein Drache würde sonst eine Dracci so intim an sich heranlassen?“ -

Padmini bleibt stehen und hält mich fest.

„Aber Du sagtest...“ -

„Ja, und dabei bleibt es. Aber auch ohne Paarung bist Du eine Partnerin von mir. Tyria weiß das und akzeptiert es, sie hat Deinen Duft an mir gerochen und Dir anschließend die vertraute Anrede angeboten.“ -

Sie nickt nachdenklich.

„Ich verstehe... nun ja, die Dir noch erlaubte Konkurrenz ist ja für eine Große auch zeitlich sehr begrenzt...“ -

„Hey... das siehst Du jetzt aber wohl etwas jugendlich hart...“ -

„Verzeih, aber so wie Du sie angebettelt hast...“ -

„War es so schlimm, wie es sich angefühlt hat?“ -

„Nicht ganz...“ -

„Es wäre eine schwere Entscheidung geworden – ich hätte Tascha nie vollkommen aufgeben können, jetzt nicht mehr. Nur hätte ich Tyria dann auch irgendwann verloren... NüShi ist nicht so wirklich mein Typ und Fjörgyn... - nun, ich habe ihr Blut in mir und möchte auch nicht mit Eldflóð konkurrieren...“ -

„Es gibt doch noch mehr Große... Tyrias Schwester ist auch ohne festen Partner soweit ich weiß. Sie soll schon immer viel umgänglicher gewesen sein und ist auch schwarz... - falls Dir das wichtig ist.“ -

„Du Kupplerin...“ -

Padmini fährt mit der Kralle ihres Zeigefingers die Konturen meiner Brustschuppen nach.

„Ich mache mir nur Gedanken um das Wohlergehen meines Herrn...“ -

„Dank Tyria ist es ja nicht notwendig geworden.“ -

Wir gehen grinsend weiter, es sind nur noch ein paar Schritte.

„Ja, Lady... Tyria wollte Dich offensichtlich auch nicht verlieren. Ich hatte den Eindruck, sie wollte eigentlich nur wissen, ob Du jetzt mit deinem Kind mit Tascha immer noch zu ihr stehst. Und egal, wie sie Deine Bitten verstanden hat, es war klar, dass Du sie immer noch liebst. Ich glaube nicht, dass sie Dir eben schon den Schwur abnehmen wollte – mein Eindruck war eher, dass sie Dir nur zeigen wollte, dass sie dazu bereit war.“ -

„Du meinst, mein Schwur kam zu früh?“ -

„Nein. Bitte verstehe es nicht als Kritik. Du hast Dich entschieden und es wird das richtige sein. - Nein, aber ich habe ihren Blick gesehen, als Du die Worte gesprochen hat – und sie war nicht nur erstaunt, weil sie Erce spürte, viel mehr, dass Du sofort eure Verbindung vollendet hast, wie ich jetzt weiß. Sie war bereit dazu, aber sie hatte wohl erwartet, dass Du Dir noch Bedenkzeit nimmst. Umso glücklicher war... ist sie jetzt, dass Du Dich sofort für sie entschieden hast. Ich glaube, sie wäre am liebsten sofort über Dich hergefallen... Verzeih, dass ich im Weg war.“ -

„Deine Anwesenheit hat sie sicher daran erinnert, dass ich heute noch etwas vorhabe. Aber sonst hätte ich sie gebremst. Also sorge Dich nicht.“

Wir betreten – immer noch in unserer Umarmung – das Zelt. Die sechs anwesenden Draccier – alle wirken recht ausgeruht, also keine Hohlschwänzige – haben zwei Tische in der Nähe umgestellt und sitzen hier zu einem kleinen Frühstück beisammen. Neben Jaya sehe ich Nala, Bihma und Shanti, Aditi und Rohit. Sie stehen alle auf und begrüßen mich mit einem deutlich ehrerbietigen Kopfnicken und einem „Guten Morgen, Natha.“ -

Auch ich nicke.

„Guten Morgen meine Krieger. Dürfen wir etwas Kaffee und vielleicht ein oder zwei von den Gebäckstücken erbitten?“ -

Jaya schüttet schon Kaffee in große Becher.

„Natürlich. Ich hatte schon mit Euch gerechnet. Lady Natascha wird auch gleich hier sein. Setzt euch bitte.“

Wir lassen uns nicht lange bitten und setzen uns auf freie Plätze am Tisch. Jaya stellt die Becher vor uns und Rohit eine Schale mit dem Gebäck, eine Art Brötchen aus Sauerteig, in die teils Honig und Früchte, teils Räucherfleisch und Käse in den Teig gemischt und mitgebacken wurde. Nachdem wir beide unsere ersten Schlucke Kaffee getrunken und eines der Brötchen verdrückt haben, kann Nala offensichtlich nicht mehr länger warten.

„Verzeih Natha, aber uns bewegt eine Frage Rohit betreffend.“

Aha, lange hat das Geheimnis nicht gehalten.

„Jaya behauptet, sie wüsste nichts, Bihma gibt sich ahnungslos und Aditi hält dicht. Rohit selber spielt seine Rolle – übrigens sehr gut – und kann sich an nichts erinnern. Aber – verzeih Natha – es ist etwas an ihm, dass nicht ganz stimmig ist. Einen rostroten Draccier habe ich noch nicht gesehen, es soll aber welche geben, wie man sagt. Nur war er gestern noch rein rot...“ -

Aditi schüttelt den Kopf.

„Und Bihma war gestern bei unserer Rückkehr fast grau vor Schmerzen – und ich fast elfenbeinfarben, als die Menschen meine Schwingen zerschnitten haben und ich mit grob geflickter Schwingenhaut fliegen musste. - Das ist doch normal bei solchen Verletzungen.“ -

Nala nickt.

„Ja zugegeben. Aber ist Rot nicht ungewöhnlich?“

Aditi zuckt kopfschüttelnd mit den Schultern.

„Dann seine Stärke. Mit solchen Verletzungen hält er gestern fast den ganzen Abend durch und ist heute schon wieder dabei, als hätte er nur ein paar tiefere Kratzer.“ -

„Dann sind seine Verletzungen glücklicherweise nicht so schwer, wie bisher gedacht.“

Aditi bleibt stur bei der gewählten Geschichte. -

„Vielleicht. Aber sein Gesicht... seine Schnauze ist viel länger, seine Fangzähne größer, sein Blick so grimmig wie der von Natha... verzeih Herr, ich wollte nicht...“ -

Ich winke ab.

„Schon verstanden. Du hast Recht, sein Gesicht ähnelt ein wenig dem eines Drachen. Aber ich habe auch schon Draccier mit ähnlichen Merkmalen gesehen. Unten in den Städten am Meer beispielsweise.“

Das stimmt zwar nicht ganz, alle Merkmale gemeinsam sind wohl doch sehr selten bei den Dracciern, aber einzeln habe ich sie schon gesehen.

Er seufzt.

„Und doch...“ er überlegt.

„Ja, seine Stimme. Etwas ist eigenartig mit seiner Stimme. Manchmal habe ich den Eindruck, er sagt eigentlich etwas anderes, als was ich höre... - Aber so richtig sicher bin ich mir da auch nicht...“

Wieder überlegt er, was er noch anbringen könnte. Ich nicke Rohit beruhigend zu, der zwar äußerlich ruhig dasitzt, mich aber mit einem unsicheren Blick beobachtet. Bis jetzt bin ich sehr zufrieden, er hat es erreicht, dass Draccier, die jetzt schon seit einigen Stunden direkt mit ihm zu tun haben, immer noch zweifeln, ob er nicht doch einer der ihren ist. Fremde wird er also bereits sicher täuschen können, mehr verlange ich nicht.

Nala ist noch etwas eingefallen.

„Natha. Ich kann nur noch anbringen, dass mich seine Aura, seine Präsenz verwirrt. Ich habe noch nie bei einem Draccier eine solche starke Präsenz seiner Seele gespürt. Es ist irgendwie eine Kraft in ihm zu spüren – eine Kraft, wie ich sie sonst nur in Deiner Nähe spüre, nur dass Deine noch sehr viel stärker ist...“ -

Tascha betritt gerade das Zelt, das leise Geräusch ihrer weichen Fußballen auf dem Boden lässt einen sehr angenehmen Schauer über meine Schuppen laufen. - Nein, ich hätte nie auf meine kleine Kriegerin verzichten können – wenn nur ihre Nähe und das Geräusch ihrer Schritte mich schon so voller Sehnsucht nach ihren warmen Schuppen erfüllt... Padmini spürt das wohl auch, denn ihre Hand streichelt sanft meine Bauchschuppen, während sie sich zu Tascha umgedreht hat und ihr freundlich zunickt.

Alle anderen stehen wieder auf und begrüßen Tascha ebenso, wie vorhin mich, nur halt mit der Anrede 'Sathi'.

„Lasst das bitte sein. Eine normale Begrüßung reicht mir, ich bin auch nur eine Dienerin von Isha Rajesh.“ -

Jaya schüttelt den Kopf.

„Du bist eine Drachin, Du trägst das Kind von Isha Rajesh - und Lady Tyria und Lady NüShi haben Dich wie eine Große anerkannt und Dich mit Lady Natascha angesprochen. Dir gebührt die gleiche Ehrerbietung wie Isha Rajesh und Lady Tyria, denn Du bist jetzt auch Ishwari Rajeshri.“ -

Tascha wirft einen hilfesuchenden Blick zu mir.

„Eldingar, bitte...“ -

„Nein, Jaya hat Recht. Es steht dir jetzt zu, Du kannst jetzt den Anspruch erheben, dass alle anderen Völker, auch die Drakarin, vor Dir niederknien und Dich Dir nähern, wie einer Großen. Aber wenn Du es möchtest, kannst Du natürlich unsere Krieger von dieser Verpflichtung entbinden – und sie strafen, wenn Sie Dir nicht gehorchen.“ -

„Gut, wenn ihr es nicht anders wollt... Ich ordne also hiermit an, dass ihr mich nicht anders behandelt, wie vorher. Für euch bin ich weiterhin die Drakari-Kriegerin die von Dracciern erzogen wurde. Und wer sich nicht daran hält, wird bestraft werden.“ -

Ich unterdrücke ein Grinsen, denn sie wirkt gerade ein wenig wie ein Kind, das seinen Willen durchsetzen will. Fehlt nur noch das Aufstampfen mit dem Fuß...

Jaya kniet nieder und verneigt sich tief vor Tascha.

„Natürlich Ishwari Rajeshri, wie Du befiehlst.“ -

Tascha blickt zur Zeltdecke, dann zu mir.

„Eldingar, bitte sag mir, ob ich blind bin und noch immer ganz schwarz...“ -

„Nein, Du siehst wieder aus wie meine Tascha. Und ich bin froh darüber, Deine weißen Bauchschuppen wieder zu sehen. - Und Deine weißen Haare mit den Strähnen natürlich.“ -

„Aber warum...?“ -

„Jetzt bekommst Du das, was ich sonst immer erlebe. Aber ich denke, Jaya möchte Dich nur ein wenig ärgern.“ -

Jaya richtet sich grinsend auf.

„Schade, Du hast es leider erkannt, Natha. - Verzeih Sathi Natascha, aber Du stehst seit gestern auf der selben Stufe wie Sathi Tyria, vielleicht im Moment sogar etwas höher. Lady NüShi und Sathi Tyria waren gestern Nacht noch an der Quelle und haben dort an alle – wirklich alle, bis zu uns Dracciern – die Informationen über euer Kind und Deine Rangerhöhung bekannt gegeben. Wundert euch also nicht, Natha, wenn ihr mit Nachrichten überhäuft werdet. Nestlinge bei den Großen sind heute so selten, dass alle daran Anteil nehmen. Und da sowohl Sathi Tyria – als Partnerin unseres Herrn ja so etwas wie Deine Konkurrentin – als auch Lady NüShi, Dich gleichzeitig als gleichberechtigt anerkennen und Dich als Lady Natascha einführen, ist es auch festgeschrieben. - Verzeih Natha, wenn ich falsches sage, aber das entspricht dem, was unsere Stämme von den Großen wissen.“ -

„Und es entspricht dem, was ich darüber weiß. Nun Natascha, dann darf ich Dich im Volk der Großen willkommen heißen.“ -

„Meinst Du, alle werden mich anerkennen?“ -

„Einige werden vielleicht anders denken, aber mit mir, Tyria und NüShi hast Du mehr als Du brauchst, um allgemein anerkannt zu sein. Denn mit Tyria als potentielle Gegnerin und NüShi als unabhängige Drachin, hast Du zwei Weibchen als hervorragende Fürsprecherinnen. Zudem hat NüShi wohl eine hohe Stellung unter den Großen, darüber weiß ich aber nichts Näheres.“ -

Jaya nickt.

„Lady NüShi ist wohl so etwas wie eine Fürstin ihres Stammes, die höchste der Eisdrachen. Und Sathi Natascha hat auch mehr Fürsprecher. Noch gestern hat Lady Fjörgyn vor allen euer Kind als Kind ihres Kindes… äh also als ihren Enkel anerkannt und Sathi Natascha als Lady angesprochen. Ebenso Lord Græðarinn, der Lord Eldingar und Lady Natascha zu ihrem Nestling beglückwünschte. Sie haben es damit also früher ausgesprochen, als Lady NüShi hier auf unserer Feier.“ -

„Fjörgyn... Mutter...“ Ich muss lächeln, gleichzeitig schmerzt es – wäre es doch anders gelaufen, hätte mir doch ein anderer sein Blut gegeben... - aber dann hätte ich Tascha und Tyria nie getroffen...

„Du siehst, dass Du anerkannt wirst, Tascha. Und ich bin sicher, auch Eldflóð wird Deinen Rang bestätigen.“ -

Tascha zieht Jaya mit sanfter Gewalt auf die Füße und kommt dann zu uns.

„Aber ich habe doch nicht die Kräfte einer Großen. Wenn mich nun eine zu einem Zweikampf herausfordert...“ -

„Passiert das auch unter den Weibchen?“ allgemeines Kopfnicken auf meine Frage. -

„Soweit wir wissen, nicht oft, aber es gibt da Gerüchte.“ bestätigt Jaya, die Tascha einen Kaffee eingießt. -

„Gut. Geschlüpfte Große mögen kräftiger sein, haben härtere Krallen und vielleicht sind ihre Schuppen auch stärker als Deine – obwohl auch Deine Schuppen von Erce verändert wurden, nicht nur Deine Schwingen und Deine Keimdrüsen. - Aber welche Kräfte haben sie? Du bist eine Blitzdrachin, vergiss das nicht. Wir Blitzdrachen werden sehr vorsichtig behandelt und viele meiden uns, da sie unsere Kraft fürchten. Viele Herausforderungen werden es sicher nicht werden.“ -

Ich begrüße Tascha mit einem langen, liebevollen Kuss. Das mal wilde, mal zärtliche Spiel unserer Zungen dabei ist eine schöne Ähnlichkeit zum Zungenkuss der Menschen, den ich immer gerne mochte – nur viel intensiver. Das anschließende Aneinanderlegen der Köpfe, Stirn an Stirn, Nüstern an Nüstern, die Blicke in den Augen des Gegenübers versinkend, ist dagegen eine sehr dracoide Form der intimen Nähe – die ich mittlerweile aber auch sehr gerne mag.

Ich schnuppere ihren Duft.

„Mir scheint, Deine Hormone stabilisieren sich, meine Liebe.“ -

„Ja, das Ei hat sich eingenistet und unser Kind wächst bereits. Jetzt ist es sicher, es kann nicht mehr viel passieren. Ein eigenartiges, aber wunderschönes Gefühl.“

Tascha legt ihre Hand auf den Bauch, direkt unter die Stelle, an der Menschen ihren Bauchnabel haben. Ich lege meine Hand auf ihre und wir blicken uns in die Augen. Mir schießt durch den Kopf, dass das jetzt furchtbar verliebt aussehen muss.

Aber keiner achtet besonders auf uns. Alle wissen, dass sie Zeuge sehr intimer Handlungen werden, die Drachen normalerweise nie vor anderen ausführen würden. Sie achten das, indem sie sich verhalten als würde nichts Besonderes geschehen.

Schließlich wenden wir uns wieder den anderen zu, Tascha zieht ihre Hand unter meiner hervor, ich lasse meine Linke aber weiter auf ihren Bauchschuppen liegen, was sie mit einem liebevoll dankbaren Blick über den Becherrand quittiert, als sie ihren Kaffee trinkt. Ich schaue mir die anderen an, Bhima und Shanti blicken sich immer wieder mindestens ebenso verliebt an, wie ich Tascha. Die beiden haben sich offensichtlich gestern gefunden. Beide tragen nur einen Schurz in der dunkelblauen Farbe meiner Krieger und Shanti jetzt auch das Stammeszeichen in ihren Schuppen. Sie bemerkt meinen Blick.

„Shankar war so freundlich, mir auch das Stammeszeichen noch in die Schuppen zu stechen. Es war aber weniger schmerzhaft, da er dabei lindernde Salben einsetzen durfte. Ich fühle mich wohl und bin dankbar, diese Zeichen auf meinen Schuppen tragen zu dürfen. - Verzeih Natha, heute soll ich eine Nachricht senden, ich plane, nur Belangloses zu berichten. Langweiliger Dienst, die Ankunft und den Dienstantritt der zehn Freien und natürlich eure erfolgreiche Paarung, die ihr uns gestern bei dem Aufnahmefest bekannt gegeben habt. Also alles Informationen, die der Clan auch auf anderem Weg bekommen wird.“ -

„Gut. Gerade solche Informationen dürfen nicht fehlen. Das mit dem Aufnahmefest ist schon etwas, das nicht allgemein bekannt ist, also wichtig um Deine Position hier zu wahren. Vielleicht noch etwas Internes?“ -

„Ich könnte berichten, dass Padmini für den Clan verloren scheint, da ich den Eindruck habe, dass Du sie Dir hörig gemacht hast.“ -

Padmini schüttelt den Kopf.

„Ich sollte in den Dienst Eldingars treten und damit gleichzeitig den Clan verlassen. Das war so geplant. Ohne Hintergedanken, ohne eine Aufgabe vom Clan. Nur wenn ich nicht ihm persönlich dienen würde, sollte ich berichten, so wie Du.“ -

Shanti blickt ernst, fast wütend.

„Mag sein. Ich wusste davon nichts, bis gestern Abend. Meine Aufgabe ist es, zu berichten und Dich notfalls zu ersetzen als Informantin. Sie sagten, dass sie Dir nicht trauen könnten, weil Dein Drachenblut Dich mit hoher Sicherheit zu dem Drachen überlaufen lässt... - Sie haben meine ständige Konkurrenz zu Dir ausgenutzt. Ich fühle mich benutzt, jetzt wo ich weiß, dass Du ohnehin unserem Herrn dienen solltest.“ -

„Langsam...“ ich hebe die Hand.

„urteilen wir nicht voreilig. Ich verstehe den Clan, dass sie mehrere Informanten auf mich angesetzt haben. Nur diese Geheimniskrämerei und bewusste Falschinformation sogar untereinander ist mir unverständlich.“ -

Jaya starrt irgendwie grimmig in ihren Becher.

„Genauso kennen wir den Clan doch... Meine Familie traut den Clanältesten schon lange nicht mehr. Der Clan wurde geschaffen um Informationen zu sammeln und unserem Stamm einen Wissensvorsprung zu geben. Aber die Ältesten haben irgendwann angefangen, die Macht zu lieben, die sie mit dem Clan ausüben können – und die Furcht, die der Clan mit den Nachtkriegern bei Menschen und Dracciern auslöst...“ -

Ich bemerke, dass Padmini leicht den Kopf schüttelt.

„Jaya, bitte übertreibe nicht...“ -

Die seufzt.

„Ja... zugegeben, sie streben nicht danach offen die Macht zu übernehmen, aber sie beeinflussen die Meinung der Stammesältesten in ihrem Sinn. Habt ihr erlebt, dass der Ältestenrat auch nur einmal gegen die Meinung des Clanältesten – der natürlich zum Ältestenrat gehört – gestimmt hätte? Ich sage ja nicht, dass der Clanälteste gegen unsere Interessen handelt, aber es fällt mir auf, dass es nie eine Entscheidung gibt, die nicht der Ansicht des Clans entspricht. Und das ist auch meinem Vater schon lange aufgefallen.“ -

Ich knurre nachdenklich ein wenig vor mich hin.

„Ich verstehe. Der Clan handelt zwar im Wesentlichen im Sinne des Stammes, nutzt aber seinen Einfluss. Nachdem Jaya hier in den Dienst getreten ist, befand der Clan es offenbar als nützlich, mit mir in Kontakt zu kommen, daher die weiteren Draccier. Padmini sollte vermutlich für den Clan bei mir werben, warum die Rivalität zwischen ihr und Shanti so ausgenutzt wird, ist mir noch nicht klar. Vielleicht nur, um Shanti auf Kurs zu halten. - Die zehn Freien waren sicher nicht geplant, werden aber wohl auch nicht stören. -

Shanti, berichte über Padmini und Deinen Verdacht, dass sie nicht mehr dem Clan dient – gerne auch vorwurfsvoll. Vielleicht auch ein wenig Sorge über die Freien Draccier anklingen lassen, weil die sich ja weder einem Stamm noch dem Clan verpflichtet fühlen und mit Aditi, Shakti und Bhima schon einige führende Positionen errungen haben. Und vergiss nicht, Deinen eigenen Rang hier zu erwähnen – gerne auch mit dem Stolz, dass Du uns überlistet hast und so in meine Garde aufgenommen wurdest.“ -

Shanti nickt und macht sich Notizen.

„Ja. Es war ein ruhiger Tag, die Krieger finden sich langsam in ihre Aufgaben. Zehn mir unbekannte, offenbar Freie Krieger sind hierhergekommen und wurden vom Drachen akzeptiert. Ich weiß nicht, ob das problematisch werden könnte und bitte um Anweisung diesbezüglich. Dazu ist ein Fremder erschienen, ein Wesen, das ich noch nie gesehen habe und über den ich erst vorsichtig Informationen sammeln muss. -

So kann ich näheres über den Löwenanthro noch hinauszögern, ich bin ja nur eine unwichtige Nachtkriegerin, die Padmini begleitet hatte und sich nun bemüht, in der Nähe der Herrin Jaya bleiben zu können, was mir gestern relativ gut gelungen ist. Nur bekomme ich auch da nicht allzu viele Informationen, wenn ich nicht auffallen will. Aber das lenkt die Aufmerksamkeit des Clans vorerst ein wenig ab.“ -

„Ich verstehe. So wird das Interesse für einige Zeit auf Atum gelenkt, was ihm nicht schadet, Dir aber etwas mehr Raum lässt.“ -

„Ja. Weiter gibt es Gerüchte über Menschenkrieger, die Dörfer in der Nähe überfallen, der Drache hat Späher ausgesandt. Der Drache hat mit Ranga und Agni gesprochen, ich habe keine Information über den Inhalt, da auch Herrin Jaya nicht informiert wurde. -

Bitte verzeih Natha, dass ich Dich so ungebührlich anspreche, ich schreibe den Bericht gleich mit, damit ich ihn so übermittele.“

Ich nicke nur lächelnd, ich dachte mir schon so etwas.

„Danke Natha.

Hmmm – dass die Menschen hierher zum Handeln kommen, lasse ich vorerst weg, das erschien mir zu unwichtig, wenn nachgefragt wird. - Mir fällt auf, dass Padmini dem Drachen so an den Schuppen hängt und sich so fickrig und rollig verhält, dass ich vermuten muss, der Drache hat Padmini sich sexuell hörig gemacht. Ich fürchte, Padmini wird ihren Aufgaben gegenüber dem Clan nicht mehr nachkommen und zukünftig das dauergeile Spielzeug des Drachen sein. - Bitte verzeih diese Wortwahl Padmini, aber das werden sie von mir so erwarten, sie wissen, dass ich Dich hasse – gehasst habe...“ -

Padmini kichert.

„Ich hätte wohl das gleiche über mich berichtet, vielleicht mit einer milderen Wortwahl. Ungefähr das war auch der Eindruck, den ich nach außen erwecken wollte, da ich von einem weiteren Informanten ausgegangen bin, wenn eigentlich auch erst in ein paar Tagen – und ich war einige Male auch tatsächlich nicht weit weg davon... – Denn sehr wahrscheinlich erwartet der Clan durchaus auch noch Informationen von mir, so eng wie ich an der Quelle bin.“

Ein Grinsen geht über Shantis Gesicht.

„Ich verstehe. Ich hoffe, Du verzeihst mir, wenn ich Dich in den Berichten dann nur noch als das Drachenspielzeug oder sowas bezeichne – mein Hass ist glühend und langanhaltend... Und es erklärt, warum Du nichts berichtest. -

Hmm, was noch... eigentlich kann ich nicht mehr viel berichten. - Danach Routinedienst, ich konnte nicht mehr in der Nähe von Herrin Jaya bleiben, habe mich bemüht, Kontakt zu den Kriegern zu bekommen und mehrfach mein Interesse bekundet, auch zu den Kriegern des Drachen zu gehören. Abends wurden die Krieger vom Drachen in seinen Dienst genommen, ich wurde auch gefragt und konnte glaubhaft meinen Diensteid vortäuschen. – Verzeih Natha, ich hoffe, Du glaubst mir, dass mein Eid in Wahrheit sehr ernst gemeint ist. – Was noch… Die Krieger erhoffen sich Vorteile von einer Nachtkriegerin und haben mir einen Rang als Unterführerin gegeben. Habe scheinbar zögernd zugestimmt und konnte so eine Übermacht der Freien in Führungspositionen verhindern. Der Drache scheint zu glauben, mich so an ihn gebunden zu haben und interessiert sich für mich nicht weiter. Dadurch wird es mir wesentlich besser möglich sein, Informationen auch aus inneren Kreisen zu beschaffen. Später ist ein weiterer Drache als Gast angekommen, der übernachtet hat. Weiteres darüber im nächsten Bericht... Vielleicht wichtig: Der Drache bekommt Nachwuchs, er hat uns davon in Kenntnis gesetzt. Auffällig ist, dass der Drache – dass alle Drachen hier oft als Anthro anzutreffen sind und somit deutlich weniger bedrohlich wirken. Ach ja, das Fest ging lange, ich konnte erst jetzt berichten um nicht aufzufallen. -

Ich meine, damit haben sie die wichtigsten Informationen, die früher oder später auch auf anderem Weg zu ihnen kommen werden und ein wenig Internes. Es wird in Zukunft auch deutlich kürzer ausfallen, aber jetzt ist ja noch alles neu – und ich will eben auch meinen Hass auf Padmini ausleben... und meinen Stolz, in den engeren Kreis gekommen zu sein.“ -

Ich nicke.

„Für mich klingt das gut. Ihre Neugierde wird auf Atum und NüShi gelenkt, die aber für die Draccier eher unwichtig sind. Achte nur darauf, nicht zu ausführlich oder zu kurz zu berichten. Es sollte so normal wie möglich erscheinen, dann wird es ihnen länger nicht auffallen, dass Du sie mit meiner Kenntnis informierst.“ -

Padmini schüttelt grinsend den Kopf.

„Ich habe mir das noch mal so überlegt, was Du über mich berichtest... Du weißt, dass Du ein gemeines kleines Biest bist...?“ -

Ihr Ton ist nicht vorwurfsvoll, eher belustigt, aber Shanti blickt betroffen auf ihre Notizen.

„Verzeih Herrin Padmini. Aber das waren gestern wirklich meine Gedanken. Ich hasse Dich so abgrundtief... nein, falsch. Jetzt nicht mehr, aber gestern noch. - Ich habe Dich so sehr gehasst, weil Dir alles nur so zugefallen ist. Du warst immer und überall die Beste, Du wurdest uns anderen immer als leuchtendes Vorbild genannt, wir sollten Dir nacheifern immer nur Padmini, Padmini und wieder Padmini... Einige haben Dich gehasst dafür, die meisten hat es nicht weiter interessiert, vielleicht haben sie auch unsere Meister als Anstifter erkannt und dass sie uns damit antreiben wollten - aber keine war so hasserfüllt wie ich – ich war doch nicht, oder kaum, schlechter als Du, aber wurde nie positiv erwähnt... Ich konnte und wollte meinen Hass unseren Meistern nicht verheimlichen und ich denke, das war auch der Grund, warum ich ausgewählt wurde, denn ich würde nie heimlich mit Dir sympathisieren. -

Nur hat Natha mir gestern Abend gezeigt, dass ich lange nicht so gut bin, wie ich immer glaubte und was mir nie von unserem Meister so gesagt wurde. Im Gegenteil wurde mein Hass auf Dich immer nur geschürt, ich wurde in meinem Glauben bestärkt, dass Du mich als Feindin betrachtest, nie wurde etwas getan, damit ich meinen Irrtum erkenne. -

Als Natha mich gestern im Würgegriff hielt, war ich gezwungen, Dich anzusehen. Ich hatte erwartet, dass Du Dich über meine wiederholten Niederlagen freuen würdest... aber ich sah Sorge in Deinem Gesicht. Sorge, die sich verstärkte, je weniger Luft ich bekam. Als mein Stolz mir endlich erlaubte, aufzugeben erkannte ich, dass Du kurz davor warst einzugreifen... ich verstand das nicht... und dann noch Deine ernste Traurigkeit, als ich wie ein geprügelter Hund davonschleichen musste. Warum Trauer und keine Freude...? Erst als dann Bhima sich um mich sorgte und mir auf meinen Wunsch zeigte, dass Natha mich mit Wissen und Schnelligkeit besiegt hatte und nicht mit der Kraft eines Drachen, da sah ich die gleiche Sorge und auch Trauer über meine Niederlage in seinen Augen, als ich hilflos auch in seinem Griff gefangen war. Bei Bhima erkannte ich seine Gefühle für mich als Grund dafür, aber warum bei Dir? Meiner erklärten Feindin? Und langsam begriff ich, dass Du mich nicht als Feindin angesehen hast, das wohl auch nie getan hast.

Ich kann nur hoffen, dass Du mir verzeihen kannst, dass ich Dich immer bekämpft habe. Ja, ich bin ein Biest, ein gemeines, hinterhältiges großes Biest, soweit es Dich angeht. Ich bitte Dich, mir das zu verzeihen.“ -

Padmini steht mit einem Ruck auf und geht mit ernstem Blick um den Tisch zu Shanti, die ebenfalls aufsteht und mit gesenktem Kopf Padmini erwartet. Die stellt sich vor Shanti auf und betrachtet sie fast finster. Ihr Finger gleitet über das Stammeszeichen in Shantis Brust, die leicht zu zittern beginnt. Ich bin mir sicher, dass Padmini das nicht machen wird, aber Shanti fürchtet offensichtlich, dass Padmini ihr das Zeichen wieder abnimmt, vielleicht sogar aus den Schuppen reißt. Aber ihre Hände greifen nach oben, fassen den Kopf von Shanti sanft und Padmini legt ihre Stirn an die von ihrer ehemaligen Rivalin.

„Ach Shanti, ich habe dich nie als meine Feindin gesehen. Mir wurde immer gesagt, ich müsse vorsichtig sein, weil Deine Rivalität zu mir einmal gefährlich werden könne. Mir wurde gesagt, Du würdest mich heimlich bekämpfen, weil Du eigentlich die bessere von uns wärst, ich nur als ältere, geschlechtsreife Kriegerin schon Einsätze machen würde, Du aber glaubst, es hätte Dir zugestanden. Und dass sie Dich deswegen auch nach Deiner Reife noch für ungeeignet halten würden. Sie deuteten an, dass sie Dich deswegen zusammen mit mir hierher senden, damit ich Dich überwachen könne. Sie nutzen diese Rivalität, damit wir uns gegenseitig kontrollieren, sicher nicht nur bei uns. Ich finde es zwar schade, dass sie offensichtlich keinem ihrer Krieger wirklich trauen, aber sehe es nicht als Problem. Nur dass sie Deinen Hass auf mich wohl erkannt haben und für sich ausnutzen wollten, werden sie mir noch erklären müssen - wenn ich in ein paar Sommern als Schatten und Vertraute von Eldingar in seinem Auftrag zusammen mit Dir als Anführerin der begleitenden Garde vor ihnen stehe und sie uns ihre Ergebenheit bekunden müssen...“

Ein böses Lächeln huscht über ihre Gesichter bei dem Gedanken, ist aber schnell wieder verschwunden, sie sehen sich an und umarmen sich. Anschließend legt Padmini ihre Hände auf Shantis Schultern.

„Lass uns die alte Rivalität begraben und vergessen. Es gibt nur noch eine Nachtkriegerin hier, ich bin nur noch der Schatten und das Spielzeug des Drachen...“ sie grinst breit.

„... wenn Du vorher in der Art über mich gesprochen hast, solltest Du es auch jetzt so berichten. Ich werde es überleben... wie ist es, möchtest Du nachher mitkommen? Ein weiterer erfolgreicher Versuch in der Nähe des Drachen zu bleiben und Du kannst etwas aus eigener Anschauung über eine Strafaktion Eldingars berichten, worüber sonst höchstens Gerüchte kursieren werden. Das dürfte den Clan zufriedenstellen.“ -

Shanti dreht sich sofort zu mir und kniet nieder.

„Natha, ich hätte nie gewagt, darum zu bitten, ich habe keinen logischen Grund gefunden, warum ich dabei sein sollte. Aber jetzt... Natha, ich weiß, ich habe keine Erfahrung im Kampf, aber ich könnte so unter der Anleitung von Padmini und Sathi Natascha Erfahrungen sammeln...“ -

Knurrend blicke ich Padmini an.

„Du... - Ach was soll's. - Shanti, wenn Du nicht in einem Herzschlag wieder auf Deinen beiden Füßen stehst, darfst Du bis morgen früh Wache schieben...“ - ich habe noch nicht ausgesprochen, da steht sie schon wieder mit gesenktem Kopf vor mir.

„... merke Dir, meine Garde kniet nur vor mir, wenn sie um ihr Leben bitten müssen. - Hast Du schon Menschen getötet?“ zögerndes Kopfschütteln von Shanti.

„Ich verstehe. Nun, ich in diesem Leben auch noch nicht, aber wir werden da wohl nicht drum herumkommen... Halte Dich an vor allem an Tascha und an Nala, beide sind erfahrene Krieger. Ich weiß, Du würdest gerne Bhima dabeihaben, aber wir müssen fliegen und ich will nicht als Feral dort ankommen, die Menschen sollen nicht sicher wissen, dass ich mich persönlich darum kümmere. Auch wenn es nicht geheim bleiben muss, möchte ich noch nicht als wütender Drache bei den Menschen auftreten. -

So Schluss damit jetzt, und fang ja nicht an, Dich zu bedanken, Du wirst Dir sicher noch wünschen, nicht mitgekommen zu sein...“

langsam ebbt mein Zorn wieder ab, der richtet sich ohnehin gegen die feindlichen Krieger.

„Sende Deinen Bericht so ab, ich bin einverstanden. Wie übermittelt ihr eigentlich eure Berichte?“ -

Padmini legt ihre Hand auf die Schulter Shantis, die etwas eingeschüchtert wirkt.

„Ich habe meinen Bericht, dass Du mich in den Dienst genommen hast und ich somit, wie geplant, aus dem Clan ausgeschieden bin, gestern Agni mitgegeben. Sonst hätte ich einen Kontakt, etwa eine halbe Flugstunde entfernt, an den ich alle paar Tage meine Berichte gegeben hätte. Aber der dürfte bereits wissen, dass es wie geplant gelaufen ist.“ -

Shanti atmet erstmal tief durch.

„Ich habe einen Großen Wyvern, der meine Berichte direkt zum Clan bringt. Ein treuer… Tier, das sehr an mir hängt und ein sicherer Bote.“ -

Mein Brummen lässt sie vorsichtig hochblicken.

„Interessant, ein Briefwyvern... - hrmmm, drüben werden oder wurden Vögel, Tauben, für solche Übermittlungen eingesetzt. Ihre Fähigkeit, auch aus einiger Entfernung zu ihrem Nest zurück zu finden wird dafür ausgenutzt. Aber ein Wyvern ist deutlich intelligenter... hoffentlich ist er verschwiegen...“ -

Shanti blickt mich mit schiefgelegtem Kopf an.

„Herr... verschwiegen...? Ein Wyvern kann doch nicht... - Ah... Ja, ich bin mir sicher, dass Raya nichts verraten wird. Er hat sich mir angeschlossen, nicht dem Clan und akzeptiert dort auch nur eine Freundin, die dort arbeitet, aber keine Nachtkriegerin ist. Andere dürfen ihn nicht anfassen.“ -

Grinsend nicke ich.

„Gut. Wie ist er hier untergebracht?“ -

„Ich habe etwas weiter unten für ihn einen kleinen Felsvorsprung gefunden.“ -

„Und da fühlt er sich wohl? Ich denke an den Regen gestern...“ -

„Er hat es akzeptiert, aber glücklich wirkt er nicht, wenn ich gehe...“ -

„Wie war es beim Clan?“ -

„Mein Meister hat ihn geduldet, weil er den Nutzen erkannt hat. Dort durfte Raya im Bantstall sein Nest bauen, aber hier ist leider kein Stall.“ -

„Ich verstehe. Bevor Du Deinen Wyvern verlierst, bringe ihn hier in der Eingangshöhle unter. Hier sind doch einige Nischen, in denen er sein Nest haben kann, niemanden stört und nicht weiter gestört wird und nebenbei ein wenig Unterhaltung hat, wenn Du keine Zeit für ihn hast.“ -

Shantis Augen beginnen zu leuchten.

„Du erlaubst, dass ich Raya hier zu uns holen darf, Natha?“ -

„Ich erkenne den Nutzen, den der Wyvern hat. Zum einen für die Übermittlung von Nachrichten, zum anderen wird er in einigen Tagen die Eingangshöhle als seinen Nestbereich ansehen und jeden Fremden, der nicht begleitet wird, lautstark melden. Für euch ein zusätzlicher Wächter, besonders nachts.“ -

Ich sehe Shanti an, dass sie sich wieder niederknien möchte, aber der Gedanke an den Strafdienst bremst sie gerade noch. Also senkt sie nur ihren Kopf.

„Danke Natha. Raya hat mich in mancher schlaflosen Nacht im Clan getröstet und ich hatte anfangs überlegt, ihn einfach mit in das Quartier zu nehmen...“ -

„Was Aditi sicher gerne gesehen hätte...“ erwidere ich deutlich sarkastisch, Aditi nickt mit einem grimmigen Lächeln... -

Shanti hebt ihre Hand.

„Ich weiß, dass ich nicht mehr die besondere Position einer Nachtkriegerin habe.“ -

„Hole Deinen Raya jetzt erst einmal und zeige ihm den Platz, an dem er zukünftig sein Nest haben wird, ehe er sich dort draußen selbst einen Unterschlupf sucht. Sie sind intelligent genug, er wird sofort begreifen, dass hier sein neues Heim ist, zu dem er immer zurückkehren kann. Lass ihm die Zeit, sich hier ein Nest einzurichten. Der Clan kann einen Tag warten, Dein Dienst hat nicht erlaubt, ihnen eher zu berichten um nicht aufzufallen. - Kein Wort jetzt, raus!“ -

Sie verneigt sich und beeilt sich das Zelt zu verlassen. Am Eingang wirft sie mir noch einen Blick zu, der mir ihre Dankbarkeit zeigt. Der Wyvern muss für sie wirklich wichtig sein.

Bhima steht auf.

„Danke Natha, sie hat mir heute Nacht schon über ihren Wyvern erzählt – er war ein Trost in den dunklen Stunden beim Clan für sie. - Nein, wir haben nicht nur geredet, sondern uns schon ein wenig kennen gelernt... auch körperlich.“

Er hat mein leichtes Grinsen richtig interpretiert.

Ich sehe ihm aber an, dass er etwas vorhat...

IV.

„Hmmm, Natha... Du wolltest eine Rüstung haben... und es soll wohl eine Rüstung sein, wie wir Draccier sie im Kampf verwenden...“ -

„Richtig. Die Rüstung eines Kriegers, nicht die eines Fürsten. Die Menschen dürfen ahnen, sollen aber nicht sicher wissen, dass der Drache selbst hier als Anthro eingegriffen hat.“ -

Er nickt.

„Ich verstehe Natha. Du hast hier zwar ausreichend Rüstungen für Krieger, Unterführer und Anführer – aber es sind Rüstungen für Deine Garde... silberglänzend poliert und neu. Prächtige und schöne Rüstungen um als Garde zu repräsentieren, gleichzeitig aber auch gute und kampftaugliche Rüstungen. Aber dennoch nicht gerade das, was wir Krieger in einer Schlacht bevorzugen. Da tragen wir lieber matte und schwarzgeölte Rüstungen.“ -

„Allerdings muss die Rüstung ja geölt werden, damit sie nicht rostet, wie bekommt ihr das dann matt?“ -

Bhima zuckt mit den Schultern.

„Trockenreiben und mit Rußstaub einpudern. - Eine furchtbare Sauerei, aber sie sind dann schön mattschwarz. Eine Zeitlang wenigstens, wenn es regnet, ölen wir sie aber lieber nochmals. Und auch vor dem Lagern.“ -

„Ich verstehe. - Ihr habt so eine Rüstung für mich?“ -

Er blickt mich verwundert an, beginnt dann aber zu grinsen.

„Ah ich verstehe. Ich hätte sonst nicht darüber gesprochen, daher weißt Du es. - Natha, ich habe Dich gestern Abend beobachtet und bemerkt, dass Du sehr beweglich kämpfst. Ein normaler Harnisch würde Dich behindern. - Ich habe auch bemerkt, dass wir beide gleich gebaut sind... naja, ich habe die Ehre, dass meine Körpermaße den Deinen sehr ähnlich sind, nur bist Du insgesamt etwas größer.“ -

Stimmt, Bhima ist für einen Draccier recht schlank und drahtig, sie haben sonst einen etwas stabileren Körperbau als wir Drachen. Auch Rohit ist schlanker als die anderen Dracciermännchen.

Ihre Weibchen unterscheiden sich zu den Drachinnen darin, etwas kleiner zu sein – und sie haben alle etwas 'weiblichere' Formen in den Augen eines Menschen. Als Drache finde ich ihre größeren Brustdrüsen und die breiteren Hüften – auch wenn es immer noch gut proportioniert ist – fast etwas viel. Meiner menschlichen Seite gefällt's... - Um es aber klar zu sagen: auch die Drachinnen haben in ihrer Anthroform für menschliche Augen sehr ansprechende weibliche Formen, sogar die sehr schlanke und großgewachsene NüShi. Einzig die fehlenden Brustwarzen und Bauchnabel – und natürlich der Schuppenpanzer – wirken im ersten Moment befremdlich.

„Nein Bhima. Verzeih, aber es ist keine besondere Ehre. Es zeigt nur, dass ihr und wir uns ähnlicher sind, als wir uns vielleicht einzureden versuchen. Immerhin bist Du aber schlank gebaut, ähnlich wie ich. - Aber was hat das mit den Rüstungen zu tun?“ -

„Das, Natha, gewährt mir die Ehre, Dir meine Rüstung anbieten zu können. Sie kann in der Länge etwas variiert werden, in der Weite und sogar die Ausschnitte für die Schwingen werden recht gut passen, auch Shanti ist dieser Meinung – Sie hat Dich ja auch etwas näher betrachten können...“ alle grinsen.

„Es ist eine Rüstung aus beweglich verbundenen Stahlbändern, die weit genug überlappen, dass kein Schwert durchdringen kann. Ich bevorzuge auch so eine Rüstung, für Dich ist es ideal, da es Dich nur wenig einschränkt.“ -

Er geht zu einem in der Nähe stehenden Tisch, auf dem etwas unter einem Tuch liegt. Mit einem Ruck zieht er das Tuch beiseite und ich sehe den Schulterteil eines Körperharness. Stabil um Schwerthiebe abzuhalten, mit Schlagschutzblechen am Kragenteil. Anders als bei den hier üblichen Rüstungen wird das Schultergelenk durch beweglich miteinander verbundenen gebogenen Blechsteifen geschützt, so bleibt der Arm beweglich und hat einen Schutz. - Aber die Rüstung ist sehr kurz, sie reicht mir höchstens über die Brustmuskeln...

Bhima sieht meinen Blick und grinst. Er greift zu und hebt die Rüstung an, jetzt entfalten sich die schlankeren, ineinander geschobenen Ringe, die Brust, Bauch und Rücken schützen. Stimmt ja, er sprach ja von Stahlbändern...

Der Harness hat eine entfernte Ähnlichkeit zu einer römischen Lorica Segmentata, wirkt aber mit den engliegenden, breiteren Stahlbändern doch fast wie eine Plattenrüstung. Zudem entsteht durch die eingebrannte schwarze Färbung mit den durch den Gebrauch bedingten blanken Stellen eine fast bedrohliche kriegerische Wirkung.

„Ich verstehe. Ja, die Beweglichkeit der Rüstung hast Du gerade bewiesen. Und die gepflegten Spuren des Gebrauchs machen einen bedrohlichen Eindruck, der Träger weiß mit seinen Waffen umzugehen... - Du willst mir wirklich Deine persönliche Rüstung leihen?“ -

„Ich habe mich für einen langen Dienst bei Dir verpflichtet und ich glaube kaum, dass Du in Deiner Garde oder Wache eine solche Rüstung erlauben wirst. So kann ich diese Rüstung mit dem angenehmen Gefühl, dass ein Drache sie zuletzt getragen hat, in der Rüstkammer einlagern.“ -

„Gut... auch wenn ich nichts Besonderes darin sehe, dass ich diese Rüstung trage – ich empfinde es eher als Ehre, die Rüstung eines Kriegers tragen zu dürfen. Ich danke Dir dafür und nehme es gerne an.“ -

„Wie viele Drachen haben je eine Rüstung getragen...?“ -

Das Argument ist schwer zu schlagen.

„Ich verstehe. Da trägt einmal ein Drache eine Rüstung – und das ist dann Deine... Gut, das kann ich akzeptieren. - Aber etwas anderes... Die Rüstungen meiner Garde... Ihr Draccier tragt gerne etwas Ungewöhnliches, ich sehe euch gerne in eurem natürlichen Panzer. - Und so wie Deine Rüstung am Anfang dort gelegen hat...“ -

Aditi, die sich das ganze ruhig angesehen hatte, wird plötzlich munter.

„Wenn Deine Garde nur einen Schulterpanzer tragen würde... der nur die Schultern und knapp die Brustmuskeln bedeckt und schützt – oder die Brustdrüsen bei uns Weibchen – und hinten die Schulterblätter... dazu einen kurzen, mit dünnen Stahlplatten bedeckten Schurz, eine Schiene an den Unterarmen und den Schienbeinen... Darüber einen Überwurf, der als eine Art Umhang auf dem Rücken, aber auch wie ein Cape getragen werden kann...“ -

Ich grinse.

„Die Panzerung könnte so aussehen, als ob es aus den Brustplatten eines Drachen gefertigt wäre. Der Helm könnte aussehen, wie der Schädelknochen eines Drachen – oder Wyvern – ihr blickt durch die Augenhöhlen... - Wie viele von Euch können ihre Abzeichen in ihren Schuppen tragen?“ -

Aditi überlegt kurz.

„Ich denke, fast alle. Ich habe auch die passenden Löcher in meinen Schuppen und trage Deine Abzeichen bereits mit Stolz auch unter der Tunika... - Ah, Du meinst...“

Sie greift sich an die Brust, wo die Abzeichen in ihren Schuppen stecken. -

„Ja, wenn ihr das schon so macht, dann sollten die passenden Aussparungen in dieser Schulterpanzerung sein. Das Ganze ist ja ohnehin nur dazu da, um Eindruck zu machen, kann also recht dünn und leicht sein, dafür sehr detailreich. Sollte ein Kampfeinsatz notwendig sein, tragt ihr normale Rüstungen, vielleicht so was, wie die von Bhima. Nur eben, dass sie immer wie neu aussehen sollten. -

Nun, und hier zeigt ihr eure Schuppen so weitgehend wie möglich, wobei keine Kriegerin sich entblößt fühlen muss. So könnte ich mir meine Garde schon vorstellen...“ -

Aditi und Jaya sehen sich an.

„Wie hast Du es hinbekommen, dass die Drachen Dich als einen der ihren ansehen? Du musst ein Draccier sein...“ meint Aditi trocken.

Ich lege meinen Kopf schief und Jaya erklärt grinsend während Tascha ihre Hand auf mein Knie legt.

„Ein Drache würde gar nicht verstehen, worum es geht und Menschen streben danach, sich so vollständig wie möglich zu panzern. Du verstehst, dass wir lieber eine leichte Rüstung tragen, die dennoch etwas Besonderes hat, so wie dieser Eindruck von Drachenschuppen und dem Schädel – dazu der Gedanke Dein Zeichen in unseren Schuppen offen zu zeigen...“ -

Tascha lenkt mit einem Handdruck auf meinem Bein und einem Blick meine Aufmerksamkeit auf Rohit, der etwas traurig vor sich hin blickt. Ich nicke.

„Dich bedrückt etwas, Rohit?“ -

„Ja... nein, beachte mich nicht, Natha.“ -

„Sag schon.“

Als Antwort legt er seine Hand auf die Brust, wo die anderen ihr Abzeichen in den Schuppen tragen. - Ich weiß jetzt, was er meint... ihm die Löcher in die Schuppen zu stechen dürfte für die Draccier ziemlich unmöglich sein. Und die Schuppen eines Feuerdrachen werden sich wohl kaum mit einer glühenden Nadel durchstechen lassen, die Temperatur ist viel zu niedrig...

„Mache Dir darum keine Gedanken, Rohit. Das bekommen wir schon geregelt.“ -

Eine Bewegung am Eingang lenkt unsere Aufmerksamkeit dorthin. Shanti ist schon wieder da, gefolgt von einem großen Wyvern, der vorsichtig, aber auch neugierig auf allen Vieren das Zelt betritt. Er betrachtet alle Anwesenden neugierig, nur als sein Blick auf mich fällt, zuckt er zurück.

„Drrache.“ -

Seine Stimme klingt etwas rau, ist aber gut verständlich. Interessant, die großen Wyvern können sprechen...

Belustigt betrachte ich, wie ein Wyvern, der aufgerichtet größer als Shanti ist, versucht sich hinter ihr in Sicherheit zu bringen.

Shanti beruhigt ihn.

„Ja, das ist mein Herr. Lord Eldingar, ein Drache, dem ich geschworen habe, ihm zu dienen.“ -

„Drrache … Herrr?“ -

„Ja, er ist mein Herr, von dem ich Dir erzählt habe.“ -

Der Wyvern schaut an Shanti vorbei zu mir und legt den Kopf schief.

„Herrr … gutt?“ -

Shanti krault seinen Kopf.

„Ja, Natha ist ein guter Drache, der uns nichts tun wird.“ -

Sich immer wieder zu Shanti umsehend kommt der Wyvern langsam auf mich zu. Obwohl seine Arme sehr ähnlich wir unsere Schwingenarme aussehen, bewegt er sich geschmeidig wie ein normaler Vierbeiner. Aber anders als bei uns hat er drei 'normale' Finger, auf denen er jetzt auch läuft. Seine Schwingen spannt er mit nur zwei Fingern auf, wir nutzen dazu vier Finger, was uns eine bessere Kontrolle beim Flug bringt. Damit die Schwingenhaut ordentlich gespannt werden kann, hat er drei zusätzliche 'Finger', die aber nicht mit der Hand verbunden sind und nur seine Schwinge versteifen. Diese liegen jetzt parallel zu seinen Unterarmen und überragen seine Schulter etwas. - Aber bei uns überragen die Flughände in Ruhestellung ja auch die Schultern.

Er beschnuppert zuerst Tascha, befindet sie aber offensichtlich für harmlos. Dann schleicht er in einem Bogen, immer etwas aus meiner Reichweite um mich herum und schnuppert intensiv.

Ich beachte ihn jetzt nicht weiter.

„Rohit. Ich bin zufrieden bisher. Es ist Dir gelungen, zumindest Zweifel bestehen zu lassen, aber Deine Kameraden werden es früher oder später ohnehin herausbekommen, ihr seid zu eng beisammen. - Jaya, Shanti, Nala... wie ihr schon vermutet, ist Rohit kein normaler Draccier – er ist ein Drache...“ -

Die Drei blicken Rohit, dem das offensichtlich unangenehm ist, halb erstaunt, halb entsetzt an. Jaya findet als erste zu ihrer Stimme.

„Drache... - doch nicht der Drache, gegen den Du gestern...“ ihr Blick durchbohrt den armen Rohit geradezu, der auf seine Hände blickt und langsam nickt. -

„Doch, der...“ seine Stimme klingt traurig.

„ich... bitte verzeiht mir... K'Drrah hat Gnade geübt und mir erlaubt, als Draccier in seinem Dienst meine Schuld zu sühnen. Für einundzwanzig Sommer bin ich Rohit, der als Draccier unter euch leben und von euch lernen will. Bitte helft mir, dass ich eurem Volk Ehre erweise und als Draccier meine Ehre wiedererlangen kann. Vergesst wer ich war – ich bin ein Draccier, der Geringste unter euch und jedem von euch untertan...“ -

Er hockt da auf seinem Stuhl wie das berühmte Häufchen Elend. Nala legt seine Hand auf die Schulter Rohits.

„Ich habe es doch geahnt... - Rohit, Draccier, Freund. Mache Dir keine Gedanken, weil Du alles vergessen hast. Wir werden Dir alles beibringen, was Du wissen musst. - Als erstes: es gibt bei uns Krieger und Anführer, aber jeder kann alles erreichen, es gibt keinen 'Geringsten' unter uns – und wir achten unsere Anführer und gehorchen ihnen, solange ihre Anordnungen sinnvoll sind. Aber wir sind niemandem untertan – keinem Draccier, vor allem keinem Menschen... nicht mal einem Drachen – auch nicht unserem Herrn.“ -

Rohit atmet tief durch und sieht ihn an.

„Danke dafür. - Aber es ist irgendwie widersprüchlich... Du sagst, ihr seid auch keinem Drachen untertan – und doch gehorcht ihr und seid so … verzeih … unterwürfig.“ -

Alle grinsen und Aditi nickt.

„Schon richtig. Wir sind gegenüber einem Drachen sehr vorsichtig und zeigen uns unterwürfig um seinen Zorn nicht herauszufordern. Aber wir werden nicht alles machen, es gibt Grenzen, die wir nicht überschreiten. Wir dienen Natha gerne, weil er bereits gezeigt hat, dass er Verständnis für uns hat und wir glauben, dass er uns mit Umsicht führen wird. Aber er wird immer mit Widerspruch rechnen müssen, wir werden ihm nie untertan sein.“ -

Während ich den Atem von Raya an meiner Hand spüre, die ich darauf ein wenig ausstrecke, nicke ich Aditi zu.

„Ich erwarte auch, dass ihr meinen Anordnungen nicht sklavisch folgt und gedankenlos ausführt. Ihr sollt mitdenken, Anordnungen auslegen und mich auch auf Fehler hinweisen oder mir raten, was besser zu machen ist. Ich vertraue darauf, dass ihr erkennt, wann diskutiert werden kann und wann eine schnelle Ausführung notwendig ist. Meistens werde ich euch nur sagen, was ich erreichen will, wie ihr das dann erreicht, überlasse ich normalerweise euch.“

Alle nicken.

Ich spüre wieder die Nüstern von Raya auf meiner Handfläche und beginne langsam ihm mit den Fingern am Kiefer zu streicheln.

„Ihr wisst jetzt von Rohit, sagt den anderen, was sie wissen müssen, dass er ein Drache ist, mir aber als Draccier dient. Innerhalb meiner Garde kann es jeder wissen, ihr lebt und arbeitet ja zusammen. Nach außen bewahrt das Geheimnis, es wird ohnehin den wenigsten auffallen, wenn er es geschafft hat, euch so lange im Zweifel zu lassen. Euch Draccier bitte ich, ihm zu helfen und aus ihm einen der Euren zu machen, einen Krieger in meiner Garde.“ -

Jaya nickt und blickt dann Rohit an.

„Rohit, bitte verzeih mir meinen Zorn. Ich wollte dem Drachen, der meinen Herrn angegriffen hatte nicht verzeihen, aber der ist ja jetzt weg. Wende Dich an mich, wenn Du Probleme hast, als Waffenmeisterin unseres Herrn werde ich Wege finden, Dir zu helfen.“ -

Alle anderen bestätigen und bieten ebenfalls ihre Hilfe an. Und Nala spricht leise mit Rohit, er erklärt ihm offensichtlich etwas über die Rangordnung und die Disziplin bei den Dracciern und vielleicht auch ihr Verhältnis zu den Menschen und offensichtlich stellt Rohit auch Fragen dazu und erhält Antworten.

Mittlerweile kraule ich Raya die Kehle, was er mit leisem Schnurren zu genießen scheint.

„Na Raya, was meinst Du?“ -

Er blickt mich an.

„Herrr rriecht gutt, Rraya mag Herrr“ -

„Dann suche Dir einen Platz für Dein Nest hier in der Höhle. Shanti wird sicher mitgehen.“ -

Er dreht sich zu Shanti um.

„Shanti – Raya Nest...“ -

Die nickt und beide verschwinden vorerst – das wäre auch geklärt. - Fehlt nur noch Jaya...

„Dann ist jetzt Dein Panzer dran, Jaya.“ -

Sie sieht mich ein wenig nachdenklich an.

„Ja... ich bin froh, den los zu werden – aber irgendwie...“ -

„Es gibt keine Notwendigkeit für eine Panzerung – und Dein Status hier ist doch unumstritten...“ -

„Natürlich. Verzeih Herr, darf ich Dich bitten, mich von Deinem Panzer zu befreien?“ -

Ihr Rückzug auf die höfliche Bitte sagt mir, dass sie meinen Zorn nicht wecken möchte. Vermutlich war mein Ton ein wenig hart geraten, weil mich ihr Hin und Her etwas nervt.

„Gut. Lass uns das in der Höhle machen, ich muss dazu meinen großen Körper haben.“ -

Jaya folgt mir schweigend, als ich das Zelt verlasse. Irgendwie wirkt sie traurig – oder nur konzentriert...? In der Nähe des Eingangs, wo ich sie vom Panzer befreien möchte, weil sie direkt ins Bad gehen kann, greift sie plötzlich meine Hand.

„Darf ich Dich etwas fragen Eldingar?“ Ich nicke.

„Habe ich etwas falsch gemacht? Bist Du mir noch böse, wegen unserem Fehler?“ -

„Wie kommst Du darauf?“ -

„Ich rieche Padmini an Dir, ihr habt offensichtlich die Nacht miteinander verbracht... Selbst Shanti kommt gut bei Dir weg – nur zu mir bist Du so knurrig heute...“ -

„Ja, Padmini hat sich heute Nacht an meine Brust gekuschelt und ich habe sie mit meiner Schwinge zugedeckt. Es war sehr angenehm, aber mehr wird zwischen uns so schnell nicht passieren. Wir könnten vielleicht gemeinsam Kinder bekommen, da Padmini sehr viel Drachenblut in sich hat, ihr Großvater war ein Drakarin. Und wir beide wollen kein neues Volk von Drachenblütigen begründen. Du brauchst sie nicht als Konkurrentin fürchten.“ -

„Nein, ich sehe sich nicht als Konkurrentin, auch wenn sie sich früher mit Dir paaren sollte, als ich... Es würde meinen Stolz etwas ankratzen, aber mehr nicht. Nur habe ich heute das Gefühl, Du bist zu den anderen freundlicher...“ -

„Oh Hilfe... Nein, deute meine manchmal knurrige Art nicht persönlich. Du weißt doch, dass meine Emotionen für mich schwierig zu beherrschen sind. Ich hatte das Gefühl, dass Du unentschlossen bist, was den Panzer angeht. Und das hat mich knurrig werden lassen – aber das ändert doch nichts daran, dass ich Dich genau so gerne habe wie Padmini, auch wenn Du mir nicht ganz so an den Schuppen klebst wie sie manchmal.“ -

„Ah, deswegen... stimmt, ich war ein wenig am überlegen, bin jetzt aber sicher. Ich wäre Dir dankbar, wenn Du mir den Panzer wieder abnimmst.“ -

Jaya wirkt deutlich entspannter, sie hatte wohl ernsthaft befürchtet, bei mir abgemeldet zu sein. Ich gehe ein Stück zur Seite und leite die Transformation ein.

Kaum habe ich meinen Feral-Körper, recke ich erstmal genüsslich meine Muskeln, auch für meine Schwingen ist hier genug Raum, dass ich sie voll zur Seite ausstrecken kann.

Shanti kommt mit ihrem Wyvern aus einer Felsspalte und bleibt davor stehen um mich bei meinen Dehnübungen zu beobachten. Raya verschwindet bei meinem Anblick sofort wieder in der Spalte und lugt vorsichtig ums. Eck.

Jaya geht die paar Schritte zu mir und legt ihre Hände auf meine rechte Hand.

„Man merkt, dass Du zwar gerne als Anthro sozusagen auf Augenhöhe mit uns bist, aber der Körper eines Drachen Dir doch lieber ist.“ -

„Wirkt das so? Ich bin eigentlich sehr gerne ein Anthro, das macht vieles einfacher und ermöglicht mir ein Leben, das dem mir gewohnten doch ähnlich ist. - Aber schon richtig, wenn man einmal die Kraft und das Gefühl der Macht, die ein Drache hat, erlebt hat... das ist schon ein unglaublich starker Eindruck, den ich auch gerne erlebe. Zudem scheint mir, dass meine Sinne als Feral schärfer sind, ich noch mehr wahrnehme, wie schon als Anthro.“ -

„Du vergleichst damit zu vorher, drüben? Ja, Menschen haben doch etwas eingeschränkte Sinne, vor allem können sie nicht so gut Gerüche wahrnehmen, wie wir. Und nach dem, was Tascha mir erklärt hat, habt ihr Drachen ja noch sehr viel feinere und erweiterte Sinne. Du sagtest Padmini hat viel Drachenblut, das erklärt mir, warum sie schon immer viel mehr wahrnehmen konnte, als ich. - Aber was ist das mit der Macht der Drachen...?“ -

„Sei unbesorgt. Das ist nichts, was ich ausnutzen möchte. Wir Drachen sind einfach von Natur aus mächtig. Wir haben keine Gegner in dieser Welt, die uns gefährlich werden könnten, allein unser Anblick verbreitet Furcht – was ich bedauere. Wir haben die Macht - auch schon ohne die Kräfte des Lebensstromes - Tod und Zerstörung zu verbreiten. Zum Glück kümmern wir uns mehr um uns selbst und kommen nur selten auf die Idee, diese Macht wirklich auszunutzen, den meisten reicht bereits, was wir so erhalten.“ -

Jaya betrachtet mich, wie ich jetzt entspannt mit locker angelegten Schwingen vor ihr stehe und mit leicht gedrehtem Kopf zu ihr herabblicke.

„Ich mag Deine entspannte, in sich ruhende Stimmung, die Du in Momenten wie jetzt als Drache ausstrahlst, Eldingar. Wenn man sich erst einmal an Dich und Deine Größe gewöhnt hat, spürt man Deine freundliche Art zu uns anderen dann deutlich. Nur unsere Furcht vor den Drachen macht uns blind dafür. Schade nur, dass es dann so schwierig ist, Dir in die Augen zu schauen.“ -

„Verzeih mir. Das vergesse ich immer, wie anstrengend es ist, so nach oben zu starren. Aber ich bin sicher nicht immer so entspannt wie jetzt.“ -

„Sogar gestern, nach Deinem Kampf, war diese Grundstimmung unter Deiner Erregung noch zu spüren. Du bist offensichtlich so gerne ein Drache, dass nichts diese angenehme Ausstrahlung verdrängen kann. - Ich glaube, sogar unter Deinem Zorn auf uns vor zwei Tagen, wäre das noch zu spüren gewesen, hätten wir nicht vor Furcht kaum einen logischen Gedanken fassen können.“ -

„Wenn du meinst... Ja, vielleicht bin ich wirklich glücklich damit, ein Drache geworden zu sein. Egal ob wieder oder überhaupt, denn trotz meines alten Wissens fühle ich mich doch immer noch mehr als Mensch, der ein Drache sein darf.“ -

Sie blickt mich eine Weile an.

„Schade, eben hast Du noch eine unendlich glückliche Wärme ausgestrahlt, jetzt zieht eine Wolke vor die Sonne...“ -

„Mir ist gerade wieder eingefallen, was heute noch kommen wird. - Ist das so deutlich zu spüren?“ -

„Ich denke, Du bist mir gegenüber nur sehr offen. Und dafür danke ich Dir, Eldingar. Meine Zweifel waren wirklich unbegründet.“ -

„Siehst Du? - Bist Du bereit?“ -

„Wenn Du mich nicht verschluckst...? Sie grinst.

„Nur, wenn Du nicht so zappelst. - Obwohl es sicher einfacher geht, wenn Du Dich bewegst und ich nicht so an Dir lutschen muss.“ -

„Wie sich das wohl anfühlen mag...“ -

Jaya geht ein paar Schritte zwischen meine Hände und nickt. Ich senke meinen Kopf bis meine Lippen sie fast berühren – das kann ich inzwischen sehr gut einschätzen. Vorsichtig schlinge ich meine Zunge um sie und ziehe sie in meinen Mund. Kaum habe ich den Mund geschlossen, überfällt mich der Eindruck, einen Bonbon im Mund zu haben und unwillkürlich beginne ich zu lutschen. Aber nach höchstens zwanzig Sekunden höre ich sie meinen Namen rufen. Ich ignoriere den Speichelfluss, höre auf zu lutschen und öffne meinen Mund ein wenig.

„Huh... danke Eldingar. Das fühlt sich zwar sehr interessant an, aber ist sehr anstrengend. Du presst mir die ganze Luft aus den Luftsäcken.“ -

„Verzeih, das war nicht absichtlich, ein Reflex, weil ich den Eindruck einer Süßigkeit hatte, die es drüben gibt. - Bei Dir alles wieder klar? Ich möchte den Mund zu machen, ehe ich anfange zu sabbern...“ -

„Ja, machen wir weiter, ich glaube es wird schon weich außen.“ -

Ich schließe den Mund wieder und senke meinen Kopf etwas, damit Jaya nicht versehentlich in meinen Rachen rutscht. Jetzt bemühe ich mich, meine Zunge ruhig zu halten, aber das Gefühl, als Jaya meine Zunge umarmt und sich auf ihr räkelt, ist schon sehr … nun irgendwie lecker... und das regt meinen Speichelfluss nur noch mehr an.

Zum Glück lenkt Shantis Wyvern mich jetzt ein wenig ab. Noch immer sitzt er in der Sicherheit der Felsspalte und reckt nur den Kopf ein wenig vor. Shanti krault seine Stirn ein wenig um ihn zu beruhigen, denn er ist offensichtlich immer noch sehr ängstlich.

„Herrr... isst Jaya? - Jaya helfen!“ -

Offensichtlich sammelt er allen Mut zusammen und kommt aus der Felsspalte, mich dabei fixierend.

Shanti schüttelt den Kopf.

„Nein, der Herr isst Jaya nicht. Der Herr mag Jaya sehr.“ -

Der zweifelnde Blick mit dem Raya seine Herrin ansieht lässt mich schmunzeln. Ich spucke vorsichtig etwas Speichel aus, denn Jaya schwimmt schon darin und öffne kurz den Mund, damit sie frische Luft bekommt. Anschließend beruhige ich Raya.

„Richtig. Ich mag Jaya sehr gerne. Aber ich habe sie im Mund, weil ich etwas von ihrem Körper entfernen will.“ -

„Ssauberlecken!“ begreift Raya. -

„Richtig, so ähnlich.“ -

Der Wyvern realisiert plötzlich, dass er offen vor mir steht – zwar noch einige Meter entfernt, aber... - Blitzschnell duckt er sich flach auf den Boden, öffnet ein wenig die Schwingen und verschmilzt so fast mit dem Felsen der Höhle, obwohl seine Schuppen deutlich dunkler sind. Wären nicht seine Augen, die mich aufmerksam beobachten, könnte man ihn wirklich für einen Felsen halten.

„Eine gute Tarnung Raya. Du hast Angst vor mir?“ -

„Herrr … Drrache... grrosss...“ -

Leise aber vernehmbar antwortet er mir.

„Du hast Angst vor den Großen Drachen?“ -

„Ja... Angsst.“ -

„Warum?“ -

„Volk ssagen... Drrache jagen Volk...“ -

Aha. Unter den Wyvern lebt also das Gerücht, dass wir Großen sie jagen – und vermutlich auch essen würden. Immerhin hatte er trotzdem den Mut, Jaya irgendwie helfen zu wollen. Wohl mir um die Nüstern zu fliegen und mich veranlassen nach ihm zu schnappen, wobei ich Jaya verlieren könnte. Und die großen Wyvern sind so flink und wendig, dass er dabei sogar eine Chance hätte das zu überleben.

„Wann hat zuletzt ein Drache einen von Deinem Volk gejagt?“ -

Er überlegt. Die großen Wyvern sind sich, wie er es klar beweist, zwar ihrer Existenz bewusst, sie erinnern sich offensichtlich auch an Vergangenes und haben wie es scheint auch eine Art gemeinsamer Geschichte – woraus dann auch das mit dem gejagt werden stammen dürfte. Aber Nachdenken und Planen, vor allem weiter in die Zukunft, ist ihnen wohl noch nicht gegeben. Er hätte sonst schneller geantwortet, weil er begriffen hätte, worauf ich hinauswill.

So versucht er sich zu erinnern, ob er von einem gehört hat. Oder ob die Geschichten sagen, wann die Wyvern gejagt wurden. - Aber zumindest Raya scheint in der Lage zu sein, die richtigen Schlüsse zu ziehen, denn er steht plötzlich wieder auf und steht überraschend ruhig neben Shanti.

„Rraya nicht weiß... Volk nicht weiß... Viele Sommer... - Herrr nicht jagen Rraya.“ -

„Richtig. Ich jage keinen von Deinem Volk. Du bist hier sicher.“ -

Er wirft einen unsicheren Blick auf Shanti.

„Rraya Weibchen? Nisten... Junge? - Shanti nicht böse auf Rraya sein...“

Das mit dem Weibchen und den Nestlingen war an mich gerichtet, der Rest mit einem Reiben seines Kopfes eine Bitte an Shanti.- Also so gewisse Planungen können sie schon vollziehen.

Die krault seinen Kopf.

„Nein, ich bin nicht böse. Du sollst eine Familie haben.“ -

Ich nicke.

„Ja, suche Dir ein Weibchen und gründe eine Familie. Wähle also eine Höhle, die für eine Familie ausreicht.“ -

„Rraya hat Höhle. Rraya gehorcht Herrr.“ -

Wieder ein entschuldigender Blick zu Shanti, immerhin ist sie ja eigentlich die einzige, der er bisher treu gedient hat. Aber sie umarmt ihn nur.

„Ja, wir beide gehorchen unserem Herrn. Bist Du bereit, die Nachricht zum Clan zu bringen?“ -

„Rraya bereit. Clan wissen Herrr?“ -

„Nein. Der Clan soll das noch nicht wissen. Sie sollen glauben, ich gehöre noch zu ihnen.“ -

„Clan nicht wissen, Rraya sprechen. Wenn fragen, Rraya nichts wissen - nur Wyvern...“

Der Bursche ist nicht nur gesprächig geworden, er ist auch überraschend schlau. Er hat begriffen, dass wir Shantis Wechsel zu mir noch geheim halten wollen. Und obwohl sonst wohl nicht bekannt ist, dass er sprechen kann, wird er notfalls einfach den dummen Wyvern spielen und von nichts wissen.

Ohne weiteres Zögern greift Raya sich eine Tasche mit zwei langen Schlaufen aus Lederriemen, die Shanti in der Hand hat. Die eine Schlaufe zieht er über seinen Kopf und zieht sie zurecht, bis sie auf seinen Schultern um seinen Hals hängt. Dann fädelt er seinen Schwanz in die zweite, längere Schlaufe und zieht auch diese zurecht, bis die Tasche stabil an seinem Bauch hängt. Shanti schaut noch einmal nach, ob ihr Bericht in der Tasche und diese geschlossen ist und gleich darauf schwingt Raya sich mit einem kurzen Anlauf in die Luft, kurvt knapp an mir vorbei und fegt aus der Höhle.

„Beim Clan habe ich ihm immer die Tasche angelegt, er hat sich dann absichtlich furchtbar umständlich verhalten. Unterwegs macht er das aber immer selber. Dass er das hier vor Dir gemacht hat – überhaupt, dass er gleich zu Dir gesprochen und sich von Dir kraulen lassen hat, das ist schon etwas Besonderes. Die Wyvern tun gerne so, als wären sie nur etwas schlauere Tiere, aber wenn sie Vertrauen gefasst haben zeigen sie ihrem Freund ihre Intelligenz. Du musst einen besonderen Eindruck auf ihn gemacht haben, sie haben ein sehr feines Gespür, wem sie trauen und wem nicht. Beim Clan darf ihn übrigens auch nur eine Freundin von mir anfassen und den Bericht aus der Tasche nehmen - selbst sie weiß nichts von seiner Intelligenz - alle anderen beißt er weg. Für mich ein Vorteil, ich kann ihr so kleine Hinweise mitgeben. Jetzt nur, dass es mir gut geht und ich trotz den Drachen hier sicher bin. Sie ist keine Nachtkriegerin und wird von den Clanoberen sehr gleichgültig als einfache Dienerin behandelt, weswegen sie sich dem Clan auch nicht verbunden fühlt.“

V.

Ich grinse und spüre, dass Jaya gegen etwas anzukämpfen scheint. Beim Versuch, meinen Speichel auszuspucken merke ich, dass der sehr zäh geworden ist. Schnell öffne ich den Mund und lasse Jaya vorsichtig zu Boden gleiten. Sie zappelt etwas, aber es scheint ihr gut zu gehen, also sehe ich erstmal zu, draußen den zähen Speichel los zu werden. Jetzt mit freiem Mund kann ich ihn normal ausspucken, die Masse bleibt am Felsen kleben und fließt nur sehr langsam, eine Spur hinterlassend, herab.

Kopfschüttelnd gehe ich wieder in die Höhle. Shanti hockt da neben Jaya, betrachtet sie halb belustigt, halb besorgt und tippt vorsichtig auf den gelartigen Speichel, der Jaya ab den Schultern abwärts bedeckt – ihr Kopf scheint dagegen jetzt wieder frei zu sein, nur nass eben.

Ich bemerke, dass der Finger von Shanti an dem Speichel festzukleben scheint. Sie muss sich deutlich anstrengen um den Finger wieder herauszuziehen und der Speichel zieht Fäden wie geschmolzener Käse... Erst jetzt bemerke ich, dass die Arme von Jaya offenbar in der Masse gefangen sind, der Rechte auf ihrer Brust, der Linke an ihrer Seite. Auch die Beine und der Schwanz sind durch die offensichtlich sehr klebrige Masse eng miteinander verbunden. So gefesselt windet sie sich wie eine Schmetterlingspuppe, die zu schlüpfen versucht. Zum Glück ist ihr Kopf frei davon, wenn ich mir vorstelle dieser Speichel würde ihr Mund, Rachen und Nüstern verkleben...

Ich schnuppere an Jaya – nein, der Speichel riecht völlig normal, nicht anders als der Schutzspeichel, den ich ja schon verwendet habe. Oder ist das sogar dieser Schutzspeichel, nur trockener, zäher, klebriger... - Gestern bei Aditi habe ich den ja eingesetzt, um ihre Platzwunde zu versorgen... Ja der war auch zäher und klebriger als vorgestern bei Jaya... interessant, wie vielseitig dieser Speichel eingesetzt werden kann. Mir schwebt gerade vor, dass ich mit diesem offensichtlich extrem klebrigen und zähen Speichel relativ leicht Menschen und Draccier außer Gefecht setzen kann, ohne sie zu sehr zu gefährden. Jedenfalls deutlich weniger gefährden, als mit einem Blitz.

Jaya gibt jetzt den Kampf auf und nimmt mit einem Seufzer die Spannung aus ihrem Körper.

„Eldingar... was ist das jetzt wieder...?“ -

„Es riecht wie mein Schutzspeichel, nur ist der jetzt trockener und daher so zäh.“ -

„Und warum...?“ -

„Mein Gedanke war, dass der Schutzspeichel Deinen Panzer besser auflösen würde. Dass ich ihn dann so zäh habe werden lassen, war unbeabsichtigt. Oder der Panzer ist nur angelöst und daher so zäh. - Den Sinn für diese Masse sehe ich in der Versorgung von Wunden, wie gestern bei Aditi. - Aber ich habe da auch eine andere Idee... Shanti, würdest Du bitte Deine Hand auf Deinen Bauch legen.“ -

Grinsend gehorcht sie.

„Nun bin ich Deine Übungspuppe...?“ -

„Jaya könnte ich höchstens noch den Kopf verkleben...“ -

„Natha, nein. Mach mit mir was Du willst, aber lasse Jaya nicht ersticken. - Diese Fantasien habe ich, aber sicher nicht Jaya.“ -

Ich spucke ihr eine – fast immer noch zu reichliche – Menge von diesem klebrigen Speichel über ihre linke Hand auf ihrem Bauch. Sie beginnt sofort mit dem Versuch, ihre Hand vom Bauch zu ziehen, erst leicht, dann immer stärker, aber es will ihr nicht gelingen. Sie kann ihre Hand etwas bewegen, aber nicht aus der Masse, die fest auf ihren Bauchschuppen klebt, befreien. Die zieht sich immer wieder zusammen, wenn sie den Zug nachlässt.

Währenddessen fällt mir ihre Aussage auf.

„Du hast Fantasien darüber, zu ersticken?“ -

Sie kämpft weiter, windet ihre Hand, ballt sie zur Faust und streckt die Finger wieder, was immer schwerer zu gehen scheint.

„Ich mag eine normale Paarung, verstehe das bitte richtig. Aber ich habe so Träume darüber, dass ich hilflos bin, kaum oder gar nicht atmen kann und dabei zum Kommen gebracht werde, kurz bevor alles schwarz wird... - Ah, das hätte ich nicht machen sollen...“ -

„Shanti, das sind recht heftige Fantasien und nicht ungefährlich. - Was hättest Du nicht machen sollen?“ -

„Eine Faust und dann wieder ausstrecken – jetzt ist das Zeug auch zwischen Hand und Bauchschuppen. Keine Chance da raus zu kommen – dabei ist das gar nicht so viel, verglichen mit Jaya... -

Und ja, ich weiß, dass das mit dem Tod enden kann – aber das ist ja das, was mich daran reizt. Dass jemand mit meinem Leben spielt und ich nichts dagegen tun kann. - Das liegt wohl daran, dass alle uns Clankrieger fürchten – man fühlt sich mächtig und möchte doch auch einmal schwach sein dürfen... - Gestern war ich so dicht dran, Natha... wäre ich sicher gewesen, dass Du Deine Finger in meine Geschlechtsspalte steckst und mich kommen lässt, hätte ich da noch nicht aufgegeben. Auch wenn ich wirklich nicht viel länger gegen Deinen Griff ankämpfen konnte.“ -

„Verzeih mir, Shanti... hättest Du nur zwei Sekunden länger gezögert, hätte ich genau das gemacht...“ -

Sie sieht mich an und seufzt stöhnend.

„Schade... Die Gelegenheit ist vertan. Du wirst mir das sicher nicht noch einmal gewähren...“ -

„Du hast jetzt einen Partner.“ -

„Bhima möchte das nicht mit mir machen, es ist ihm zu gefährlich – er möchte mich nicht dabei verletzen und verlieren.“ -

„Eldingar, spuck sie zu, stecke ihr einen Stein in die Spalte, dann hat sie ihre Fantasie - und dann befreie mich bitte endlich aus dem Zeug...“

Wir blicken Jaya an, Shanti etwas erschreckt, ich eher belustigt.

„Verzeih mir Shanti, natürlich soll er das nicht machen. Aber ich möchte hier endlich raus...“ -

Shanti wirkt schon wieder ruhig.

„Obwohl... warum nicht... völlig hilflos, den sicheren Tod vor Augen darum kämpfen dürfen, nur vielleicht nicht mit einem Stein...“ -

„Schluss jetzt!“ fauche ich.

Beim Klang meiner Stimme fahren beide erschreckt zusammen. Ich habe unwillkürlich meine Stimmbänder benutzt, nicht die Drachenstimme. Kurz konzentriere ich mich um mit der Stimme weiter zu sprechen.

„Mir sind solche Fantasien durchaus bekannt, Menschen haben teilweise extreme Praktiken und Fetische rund um den Sex. Aber ich werde Dich nicht dem sicheren Tod aussetzen Shanti. Egal wie sehr Du Dich danach sehnst. - Jaya hat recht. Kümmern wir uns zuerst darum, Euch wieder zu befreien. Aber ich denke, das geht jetzt recht einfach mit Wasser.“

Ich transformiere zum Anthro und tippe die Masse um Jaya mit einem Finger an. Nichts klebt. Shanti weiß sofort, was mich interessiert und probiert es ebenfalls mit ihrer freien Hand, sie bleibt wieder so daran kleben wie vorhin, bekommt ihren Finger aber wieder frei. - Also können nur wir Drachen problemlos damit umgehen, vielleicht sogar nur ich selbst bei meinem Panzerspeichel.

Schnell greife ich Jaya, hebe sie an den Schultern hoch – sie versteift ihren Körper, damit ich sie gleich aufrichten kann, und nehme sie dann auf meine Arme. Shanti folgt mir auf dem Fuß zum Bad, wo ich Jaya langsam in das warme Wasser gleiten lasse. Quer ist die Wanne kurz genug, dass sie sich abstützen kann und keine Gefahr besteht, hilflos unter Wasser zu gleiten.

Kurz entschlossen steige ich mit in die Wanne und beginne, über die Speichelmasse zu reiben. Schnell spüre ich, dass das Wasser tatsächlich den Speichel aufzulösen beginnt.

Auf eine Kopfbewegung von mir, beeilt Shanti sich ebenfalls in die Wanne neben mir zu steigen. Sie stört sich ja nicht weiter daran, nur ihre Schuppen zu tragen aber auch für sie scheint es irgendwie etwas Besonderes zu sein, mit einem Drachen in einer Wanne zu liegen...

„Natha, verzeih bitte. Ich hätte meinen Fantasien nicht so nachgeben dürfen. Nein, ich will nicht sterben, nicht einmal so. Du wirst mich in zweihundert Sommern mit einem Tritt aus Deiner Höhle befördern müssen um mich los zu werden, das verspreche ich Dir. Aber ich werde auch keinen Einsatz scheuen, egal wie gefährlich er ist, das schwöre ich Dir. Ich bitte Dich nur um eines: wenn es Dir möglich ist, lasse meine Seele nicht in die Dunkelheit gehen. Ich weiß, Du kannst mir das nicht sicher versprechen, wenn ich fern von Dir sterben sollte.“ -

Ich greife nach dem Speichelklumpen, der ihre linke Hand immer noch festhält. Die Oberfläche beginnt sich bereits aufzulösen.

„Es beginnt bereits sich aufzulösen. Verzeih, wenn ich Dich bitte, selbst daran zu reiben, dann geht es schneller, aber Jaya braucht mehr meine Hilfe...“ sie nickt und beginnt auf dem Klumpen herum zu reiben, der jetzt im Wasser offensichtlich auch nicht mehr so klebrig ist.

„... Was Deine Seele angeht – Erce weiß, dass Du zu ihr möchtest und wird nicht zulassen, dass Du in der Dunkelheit verloren gehst. Mache Dir darum keine Sorgen. Aber wenn es mir möglich ist, werde ich bei Dir sein, wenn es soweit ist.“ -

„Darf ich darauf vertrauen...?“ -

„Ich bin das Kind Erces, ich wurde von ihr erschaffen, Erce betrachtet mich als ihren Sohn...“ -

„Ich verstehe. Und wieder muss ich Padmini beneiden...“ -

„Warum?“ -

„Sie schläft mit Erces Sohn...“ -

Ich kichere.

„Richtig, wir haben gemeinsam geschlafen, das ist jetzt aber schon so ziemlich das einzige, was sie Dir noch voraus hat. Und irgendwann werden wir beide sicher auch in irgendeiner Grotte zusammen schlafen, wenn Du mich auf einem Einsatz begleitest.“ -

Shanti schüttelt den Kopf.

„Ich bin auch nicht wirklich neidisch. Zum einen habe ich nicht unbedingt den Wunsch, mit einem Drachen zu schlafen – auch wenn ich mich Dir wohl nicht verweigern würde, solltest Du diesen Wunsch haben. Und vor allem habe ich ihr jetzt etwas Entscheidendes voraus: einen liebevollen Partner.“ -

„Gut, dass Du es so siehst, auch wenn Padmini und ich nicht in dieser Art miteinander geschlafen haben. Nur geschlafen, mehr nicht. – nun Jaya, und wie geht es Dir...?“ -

Jaya öffnet die Augen und blickt mich schmachtend an.

„Gut, sehr gut. Deine Hände fühlen sich sehr angenehm auf meinen Schuppen an.“ -

Ehe ich reagieren kann, hebt sie ihre Arme aus dem Wasser, umarmt mich und zieht mich zu sich herunter.

„Jaya...“

Ich taste ihren Körper ab... tatsächlich, fast alles ist weg. Durch Shanti, die jetzt auch ihre linke Hand wieder aus dem Wasser hebt, war ich so abgelenkt, dass ich nicht bemerkt habe, wie ich schon einige Zeit direkt über die Schuppen von Jaya streiche.

„Du... Biest, Du...“ -

Sie lächelt.

„Eldingar, ich habe jetzt Lust auf Dich... bitte...“ -

„Jaya, die fremden Krieger...“ -

Sie seufzt, lächelnd.

„Ja, Du hast Recht – leider. Aber es sollten keine unschuldigen Menschen sterben müssen, wegen meinem Verlangen nach einer Paarung mit Dir. - Den Rest kann ich selber wegspülen. Also los, raus mit Dir, Drache. Erfülle Deine Aufgabe als Wächter Erces.“ -

„Ich gehorche, Sathi Jaya.“ -

Grinsend klettere ich aus dem Becken, wo eine sehnsüchtig seufzende Dracci zurückbleibt, während Shanti mir folgt.

Auf dem Weg zum Zelt findet sie den Mut.

„Natha, würdest Du Dich wirklich mit Jaya … paaren?“ -

„Sollte ich nicht?“ -

„Doch... ich meine...“ -

„Ja, nachdem auch Tyria mich offen dazu aufgefordert hat und ich Jaya sehr attraktiv finde... Ja. Sicher schon bald.“

„Es stört Dich nicht, dass sie keine Schwingen hat?“ -

„Nein. Weißt Du, ich war vorher Menschenweibchen gewohnt. Jetzt Schwingen bei einer Umarmung zu spüren ist immer noch ein wenig ungewohnt im ersten Moment – Schuppen dagegen nicht, warum auch immer. Aber als Drache sind mir Menschen einfach zu zerbrechlich, ich würde sie vermutlich aus Versehen schwer verletzen oder sogar töten. Eine Dracci ist stärker und wird einen Drachen überleben. Und Jaya ist dabei immer noch ein wenig menschlich in ihren Formen, Du hast Schwingen und erinnerst mich schon mehr an eine Drachin. - Nebenbei: mir ist eben aufgefallen, dass Jaya leichter ist als Du, dabei wirkst Du schlanker und bist eine Fliegerin...“ -

Sie nickt.

„Ja, ohne Schwingen wäre ich wohl leichter als Jaya, die besser für den Kampf trainiert ist. Aber die Schwingen und die Flugmuskeln bringen einiges an Gewicht mit sich...“ -

Ich verdrehe die Augen... natürlich. Die Schwingen und die dazugehörenden Muskeln wiegen sicher alleine zehn, fünfzehn Kilo.

„Verzeih meine Betriebsblindheit. Du hast Recht. Irgendwie bin ich auf das dünne Brett geraten, dass Flieger leichter sein müssen. Aber bei ansonsten gleichem Körperbau ist das eben nicht so.“ -

Wir betreten das Zelt.

„Verzeih Natha, aber Du sprichst manchmal merkwürdig.“ -

„Ja, ich bin ja auch kein normaler Drache.“ -

„Dürfen wir darüber mehr erfahren, Natha? Jeder weiß ein wenig, irgendwas, Gerüchte... - Einige behaupten sogar, dass Du eigentlich ein Mensch bist... verrückte Idee... – obwohl Du ja selber so redest…“ -

„Ja, verrückt zu glauben, dass ein Mensch aus einer anderen Welt ohne Drachen, hier in der Drachenwelt von Erce zu ihrem Drachen gemacht wird... - verrückt, aber wahr. -

Wir werden uns alle zusammensetzen, wenn NüShi weitergereist ist. Ich werde euch allen dann meine Geschichte erzählen und ihr könnt mir jede Schuppe einzeln vom Körper fragen, wenn euch danach ist. - Ihr werdet sicher andere Fragen an mich haben, als NüShi, da erzähle ich lieber zweimal. Wenn ich die Dinge von drüben erhalten habe, kann ich euch dann auch noch einige Bilder zeigen.“ -

Shanti starrt mich an, sie hat offensichtlich geglaubt, es wäre nur ein übertriebenes Gerücht. Aditi, die ihr gerade eine leichte Rüstung hinlegt, nickt.

„Ja, es ist schwer zu glauben, aber warum solltest Du uns belügen und uns eine für einen Drachen doch eher peinliche Geschichte auftischen. Welcher Drache würde schon freiwillig behaupten, ein Mensch zu sein. Oder dass er es mal war. - Ich danke Dir, dass Du mit uns allen darüber sprechen und vor allem unsere Fragen beantworten willst.“ -

„Ich sagte ja schon, dass ihr alles Notwendige und Wissenswerte über mich auch wissen sollt. Mir ist es lieber, ihr wisst irgendetwas peinliches über mich, als dass tausend wilde Gerüchte kursieren.“ -

„Und Bilder können wir sehen? Wird viel gemalt drüben?“ -

„Ja, auch. Aber diese Bilder werden anders gemacht, mit einer Art kleiner Maschinen, die das Licht einfangen und daraus Abbildungen erzeugen. Die Bilder sehen dann so ähnlich aus… wie… hmm ein wenig wie eine Spiegelung in glattem Wasser. Aber es ist etwas anderes – das erkläre ich besser ein anderes Mal, wenn das alles hier angekommen ist.“ -

„Ja vielleicht... ich habe jetzt nichts davon wirklich verstanden, nur dass es keine gemalten oder gezeichneten Bilder sind – wir warten auch gerne, bis Du Deine Sachen bekommen hast, Natha.“ -

„Nein, lass uns ruhig morgen Abend dafür vorsehen. Die Bilder kommen dann als Ergänzung später und ich kann euch dann noch weitere Fragen beantworten. Das wird wohl noch einen oder zwei Mondläufe dauern, ehe alles hier und eingebaut ist. - Tascha, dafür werde ich noch ein oder zwei Handwerker brauchen, die mit Stein und Hausbau Erfahrung haben. Am besten noch einen, der mit dem Wasser in meiner Höhle umgehen kann.“ -

Tascha, die eine leichte Schuppenrüstung trägt und gerade Nala beim Anlegen seines Plattenharnisch hilft, nickt.

„Natürlich. Nur ahne ich, dass es so ungewöhnlich sein wird, dass Du die wohl leider bei den Menschen suchen musst...“ -

„Und wenn es Bants sind, die es am besten können, habe ich auch kein Problem damit.“ -

Sie zieht noch einen Riemen fest und kommt dann zu mir. Ihre Hand streicht sanft über meine Wange und ich spüre ihre Zunge an meinen Nüstern.

„Verzeih mein geliebter Gebieter. Ich bin leider auch nicht ganz frei von den Vorurteilen über die Menschen.“ -

Ich züngele zurück.

„Ich doch auch nicht... Noch liegen mir die Menschen einfach näher am Herzen. Aber es ist mir wirklich egal, ob es Menschen oder Draccier sind, die mir dabei helfen. Wer weiß, vielleicht beherrscht sogar ein Großer diese Handwerke...“ -

Tascha greift zu Bhimas Rüstung und hilft mir, die Teile anzulegen. Bhima, der Shanti auch eine Schuppenrüstung anlegt, wirft mir einen entschuldigenden Blick zu, worauf ich ihm lächelnd zunicke – er soll sich um seine junge Liebe kümmern, Tascha wird mir schon in den Panzer helfen.

Die Verschlüsse sind so logisch, dass auch ich sofort begreife, wie die Rüstung anzulegen ist, nur ist Hilfe dabei sehr willkommen, selbst mit vier Armen sind manche Verschlüsse selber nur schwer zu schließen – immerhin sollen sie ja von einem Gegner nicht einfach zu erreichen sein, was es einem selber aber auch schwer macht – dazu die besondere Bauform wegen der Schwingen und der Schwingenhaut, weswegen der Harnisch ja entsprechende zusätzliche Ausschnitte haben muss. Ich hatte eigentlich Lederriemen und so eine Art Gürtelschließen erwartet, aber diese Rüstung wird mit einer Art gesicherter Schnappverschlüsse verbunden. Ein deutliches Zeichen, dass die technische Entwicklung hier nicht so mittelalterlich ist, wie es der äußere Anschein einem Menschen von drüben eigentlich vermuten lässt.

Beim Schließen der Haken und Spangen erklärt sie mir den Grund für ihre Gedanken.

„Hättest Du nach einem Schmied gefragt, wäre mein erster Gedanke ein Draccier gewesen – natürlich haben auch die Menschen gute Schmiede, manchmal ideenreicher, aber die Draccier sind allgemein die besseren Handwerker dabei – nicht nur als Waffen- und Werkzeugschmiede, auch als Kunstschmiede. Bei Hausbau und Steinbearbeitung sind aber die Menschen eindeutig besser. Draccier bauen kaum mit Stein, höchstens Schutzmauern – sie bevorzugen Holz. Und da sind beide Völker ziemlich gleichwertig, auch bezüglich Tische, Stühle und Schränke. Draccier sind auch die besseren und produktiveren Weber. Siehst Du einen Menschenfürsten in prächtiger Kleidung, kannst Du davon ausgehen, dass die Stoffe von den Dracciern gewebt wurden. Die wiederum legen keinen großen Wert auf das Verarbeiten der Stoffe, Menschen haben die begabteren Schneider. Selbst der doch eigentlich sehr schlichte Sari, der auch gerne von den Dracci getragen wird, ist eine Erfindung der Menschen. - Wohl eine Folge des Drachenblutes, wer Schuppen trägt, braucht nicht unbedingt Kleidung. - Du siehst, zu den meisten Handwerken gibt es eine erste Wahl, was nicht bedeutet dass das andere Volk nicht auch gute Handwerker darin hat.“ -

Der Harness ist fertig angelegt. Die einzelnen Spangen geben mir wirklich eine gute Bewegungsfreiheit, ich kann meinen Oberkörper drehen und beugen und bin nicht so eingesperrt wie Nala in seinem Plattenharnisch. Nur die leichten Schuppenpanzer, die Tascha, Padmini und Shanti tragen, sind noch beweglicher. Sie bestehen aus dünnen Metallplatten, die auf einem weichen Lederhemd überlappend genäht oder genietet wurden. Genietet sind sie etwas steifer, aber auch sicherer – und solche tragen die beiden.

Schnell sind die Spangen, die meine Schultern schützen, eingehängt und Tascha zieht mir die Riemen der Armschienen an. Eine Vollrüstung ist hier zwar bekannt, aber sehr unüblich. Draccier, deren Schuppen eine Rüstung weniger notwendig machen, tragen einen Harness mehr aus optischen Gründen, sehen aber durchaus auch den zusätzlichen Schutz, denn einem kräftigen Schwertstich oder Hieb hält auch ihr natürlicher Panzer nicht immer stand. Und zumindest gegen die üblichen Schwerter bietet der Harness einen recht guten Schutz. Die Arm- und Beinschienen haben aber ihren Sinn, selbst für die Draccier, die diese gerne sehr kräftig ausfallen lassen und als Schildersatz verwenden.

Manchmal tragen die Draccier sogar eine Art Schuh – mehr eine Zehensandale mit einem Riemen um den Mittelfuß, die als Trittschutz dient, um auf felsigem Gelände oder in den Überresten einer Schlacht sich die Fußballen nicht zu zerschneiden.

Padmini flicht Tascha mit flinken Fingern einen flachen Zopf aus ihrer Mähne über den sie ihren eigenen Helm tragen kann. Auch die anderen setzen sich einen Helm auf den Kopf. Da auch bei den Dracciern, bei allen Unterschieden ihrer Körperformen, die Köpfe der Hornträger sich weitgehend ähneln, gibt es keine Probleme. Diese Helme bedecken den Hinterkopf und einen Teil des Nackens, dazu einen Stirnschutz zwischen den Hörnern bis zum Ansatz der Nasenschuppen und einen seitlichen Wangenschutz unter den Augen entlang bis zum Kiefer. – eine gewisse Ähnlichkeit zu altgriechischen Helmen ist ihnen nicht abzusprechen, natürlich für einen Drachenkopf geformt und mit den Ausschnitten für die Hörner.

Woher Padmini aber den breiten Helm hat, der über ihre Widderhörner passt und diese vollkommen bedeckt, ist mir ein Rätsel. Sie bemerkt meinen Blick und zwinkert mir zu, ich werde aber gleich abgelenkt, denn Aditi hält mir auch einen Helm vor die Nüstern. Ich probiere ihn auf, aber er will nicht ganz passen. Meine Stirnpartie hat einen flacheren Übergang zum Nasenrücken als der Helm zulassen will, wodurch der vorne hochsteht. Zudem kann ich meine Kopffinnen zwar genug anlegen, aber es ist auf Dauer nicht besonders angenehm. Ich schaue mit dem wie obendrauf gestülpten Helm in die Runde… und blicke in Gesichter, die nur mühsam ihre Belustigung verbergen können.

„Es tut mir leid, aber mir passt dieser Helm leider nicht besonders. Wir Ursprünglichen hatten wohl noch eine etwas andere Schädelform.“ -

Ich reiche den Helm zurück, doch Bhima zieht einen weiteren Helm unter einem Tuch heraus.

„Ich weiß nicht warum, aber ich glaube, dieser könnte Dir passen, Natha. Ich wollte mir einen Drachenhelm anfertigen, der mir ein wenig den Ausdruck eines Drachen verpassen sollte, aber durch den langen Nüsternschutz ist er mir zu groß geraten und drückt vorne nach unten bei mir. Für Deine Kopffinnen dürfte der Ausschnitt in der Helmschale gut passen, ich wollte da so einen Helmbusch einsetzen, aber da er nicht gut saß, habe ich das nicht mehr gemacht.“ -

Der Helm wirkt tatsächlich, als ob er mir passen könnte. Wie Bhima sagte, hat dieser Helm nicht nur einen Stirnschutz, sondern geht weiter und bedeckt ebenfalls den Nasenrücken bis über die Nüstern, für die Ausschnitte vorhanden sind. Und der Übergang von Stirn zu Nasenpartie ist deutlich flacher gestaltet als bei den anderen Helmen – offensichtlich wohl doch eine normale Kopfform für uns Große. Anstelle des Wangenschutzes sind so eine Art Ohrfinnen an dem Helm. Hmmm, sieht wirklich ein wenig nach Drache aus, wenn auch noch eher in Rohform – und er könnte tatsächlich passen...

Ich stülpe ihn mir über, etwas schwieriger, weil die Stirnplatte breiter ist und bis über die Augenbrauen reicht, muss ich ihn etwas zwischen die Hörner einfädeln. Dann die Kopffinnen wieder aufrichten... der Helm passt, beinahe wie für mich gemacht, nur kleine Abweichungen – der Winkel zwischen Stirn und Nasenpartie ist ein wenig flacher und der Bogen des Nasenschutzes runder und ein wenig breiter als mein Nasenrücken. Aber die Nüsternöffnungen passen gut und auch insgesamt sitzt der Helm sehr gut.

Auf meinen fragenden Blick zuckt Bhima mit den Schultern.

„Nein, als ich den Helm geschmiedet habe, warst Du noch nicht hier Natha. Die Maße habe ich mir von Lord Kyrin nehmen dürfen. Ich durfte ihm einmal helfen und als Gegenleistung war er bereit als Anthro für eine passende Rüstung mir sozusagen Modell zu sein. Die Spangenrüstung ist ebenfalls ein Teil davon. Leider ist die Gestaltung im Rohzustand verblieben, da mir die Zeit fehlte.“ -

Das erklärt die passenden Maße. Kyrins Schädel ist meinem ja relativ ähnlich. Aber der Bursche wird mir ein wenig erklären dürfen... zu mir hat er so getan, als wäre er ein typischer Großer, der sich um die anderen Völker nicht so sehr kümmert. Obwohl er den Drakarin drüben im Westen ja auch recht umgänglich behandelt hat. Naja, andererseits kannte er mich ja noch nicht und war sicher deswegen zurückhaltend mir gegenüber. Egal, weiter im Text...

Kopfschüttelnd prüfe ich den Sitz, der Helm sitzt gut und auch ohne Kinnriemen recht fest. Jedenfalls wackelt er auch beim Kopfschütteln nicht.

„Tja Bhima, den Helm bist Du wohl los...“

Er sieht mich fragend an, plötzlich begreift er, was ich damit sagen will und grinst breit.

„Kein Problem, Natha. Für mich war er Fehlkonstruiert, der lange Nasenschutz hatte eine zu große Hebelwirkung. Aber bei Dir passt er offensichtlich gut. Schön, dann wird der Helm den Hammer nur für die Verzierungsarbeiten sehen, nicht als sein Ende.“ -

„Wenn die Schmiede hier sind, könnt ihr mir auf Grundlage dieser Rüstung die neue für meine Garde entwerfen. Das ist ja ziemlich so ein Drachenhelm den ich vorhin angesprochen hab – nur dann natürlich passend für euch. Auf die kürzere Nasenpartie wird niemand wirklich achten. Und denkt an die Schuppen, Finnen, Dornen... ich will Drachen sehen, wenn meine Garde antritt, selbst wenn Menschen da drin stecken.“

Bhima und Aditi sehen sich an und beginnen zu grinsen.

„Ruhe!“ knurre ich, grinse aber ebenfalls.

Sie sind plötzlich angespannt, deutlich sind ihre Blicke zu meiner Schwanzspitze zu erkennen, ehe sie sich auf einen Wink von Tascha und Padmini wieder entspannen.

„Was ist?“ -

Aditi winkt ab.

„Der Helm lässt Dich nur sehr ernst und grimmig erscheinen, da Deine Augenbrauen noch mehr in diese Richtung betont werden. Wir sollten wirklich schnell lernen, was Dein Schwanz uns über Deine Stimmung verrät, Natha.“

Der Geruch eines Säugers weht in meine Nüstern.

„Ich verstehe. So oft trage ich ja keinen Helm. Seid ihr bereit?“ -

„Welche Waffen, Natha?“ -

„Schwert und Bogen. Mehr braucht ihr nicht.“ -

„Nimmst Du eines von unseren Schwertern, Natha?“ -

Atum betritt das Zelt blickt sich um und kommt auf mich zu.

„Es geht also los. Du siehst sehr kriegerisch aus, mit dieser Rüstung. Und der Helm...“ -

„Ja, es geht los, mein alter Freund. - Nein Aditi, kein Schwert, auch keinen Bogen. Ich habe meine Waffen dabei.“ -

Aditi nickt nur, Tascha sieht mich etwas zweifelnd an, sagt aber ebenfalls nichts. Nur Atum versteht nicht recht.

„Du willst die fremden Krieger doch nicht niederringen...“ -

„Nein, wie gesagt: ich habe meine Waffen immer dabei.“ -

Bei den Worten hebe ich meine Hand und lasse die Krallen hervorschnellen. Und das blecken meiner Fangzähne ist auch unmissverständlich.

Atum schüttelt den Kopf.

„Ich hatte gehofft, dass Du das nicht sagen würdest. - Du weißt, was es bedeutet, Menschen mit Krallen und Zähnen zu töten? Ich habe es immer gehasst, wenn ich es machen musste.“ -

„Ich jage so, was ist bei Menschen anders daran...“ -

„Tiere tragen keine Kleidung, und schwingen keine Schwerter nach Dir...“ ich winke ab.

„... und Tiere rufen nicht laut nach ihrer Mutter, während Du Deine Krallen in ihre Brust schlägst, ihre Rippen zerfetzt und ihr Herz herausreißt...“ -

Aua. Das hat getroffen. Ja, natürlich gibt es einen Unterschied zwischen Menschen und Tieren. Eben den fürchte ich dabei.

„Du hast das schon so gemacht?“ -

„Ja mein Kleiner. Genau so habe ich es schon gemacht. Es war als eine besondere Strafe gedacht, nur war es mehr eine Bürde für mich. Rahotep... Eldingar... überlege es noch einmal. Nimm ein Schwert, das ist schon schwer genug.“ -

„Danke für Deinen Rat, Atum. Aber mein Entschluss steht fest.“ -

„Wenn es so ist, dann komme ich mit. Ich habe diese Erfahrung ja schon – und ich war nie ein Mensch...“ -

Ich schüttele den Kopf.

„Ich würde Dich ja gerne mitnehmen, aber wer soll Dich tragen? Und ich will da nicht als Drache ankommen, dann würden die sich doch nur tarnen und schnell zurückziehen. Es gibt in dieser Welt noch keine Forensiker, ich muss sie bei der Tat erwischen, damit es eine klare und sichere Strafaktion ist. Nur dann bleiben keine Zweifel und niemand wird die Bestrafung der Banditen als Willkür eines Drachen bezeichnen.“ -

„Stört das einen Drachen?“ -

„Nein, sicher nicht. Aber mich würde es stören.“ -

„Es wird trotzdem welche geben, die es behaupten.“ -

„Ja natürlich, die gibt es immer. Aber die haben dann keine Bedeutung.“ -

Atum blickt mich sorgenvoll an.

„Keine Chance?“ -

„Keine. Weder dass Du mitkommen kannst, noch mich umstimmen.“ -

„Verdammte Drachen... als Mensch würdest Du mich nicht so abweisen...“ -

Er klingt verärgert und alle halten den Atem an. Schließlich bin ich ein Drache...

Aber ich habe keine Lust mich jetzt darüber zu ärgern.

„Sicher nicht. Weil Du dann der Stärkere wärst, jetzt aber...“ -

„Wollen wir es ausprobieren...?“

Ich blicke ihn nur an und lege meinen Kopf etwas nach links...

Schnell schüttelt Atum den Kopf.

„Schon gut. Mein Fell gefällt mir in einem Stück besser...“

Er tritt näher, legt mir seine Hände auf die Schultern und blickt mich mit seinen gelbbraunen Augen sehr eindringlich an.

„... Eldingar, bitte übertreibe es dabei nicht. Lasse Deine Begleiter mitmachen und greife Dir hauptsächlich die Anführer. - Und wenn Du hinterher jemanden zum Reden brauchst...“ -

Ich nicke.

„Danke mein Freund. Mach Dir keine Sorgen, der Mensch war so oft ein Krieger... Nimm Dir nicht Rahotep als Beispiel, in dem Leben war ich eher friedfertig. Ich habe aber in einem einzigen Leben auch tausende mit Schwert, Axt und Bogen getötet – und oft genug waren es harmlose Bauern, Frauen und Kinder wie hier jetzt. Nenne es Schuldgefühl oder Buße, aber ich muss es tun.“ -

Es ist totenstill geworden, alle starren mich an.

Aditi schluckt ehe sie ihre Stimme findet.

„Als Drache... nicht als Mensch...“ -

„Als Mensch. Nordmann - Vikingr. Stämme, die weit im Norden in einem kalten Land mit nassen, nebligen Sommern und langen schneereichen Wintern lebten und deren junge Krieger als Vikingr Überfälle auf andere Stämme, die in besseren Gegenden lebten, als eine Art Kraftprobe verübten. Manche dann auch dauerhaft, die waren aber, anders als die Mutprobe der Jünglinge, auch bei den eigenen Stämmen nicht gut angesehen. Bei einer Viking wurden oft alle umgebracht, ob sie sich wehrten oder nicht, war egal. Nach unserem Glauben war das Leben an der Tafel Odins ohnehin besser. - Es bedeutete, dass die Toten, wenn sie im Kampf umkamen, bei den Göttern ein angenehmeres Dasein erwartete. Also sandte ich viele, sehr viele zu den Göttern, denn so durfte ich erwarten, am Tisch des Göttervaters zu sitzen und viel Fleisch und Met zu bekommen.“ -

„Aber Natha... ich bin Kriegerin, ich habe sicher über hundert Menschen getötet, aber tausend... in einem Menschenleben...“ -

„Nicht schwierig. Mein Stamm lebte in einer besonders kargen Gegend und glaubte, nur mit der Viking überleben zu können. Also jedes Jahr eine Viking, manchmal zwei. Jedes Jahr ungefähr zehn Überfälle auf Siedlungen, dabei jeweils mindestens zehn Menschen getötet, das ganze wohl dreißig Jahre lang, bis mich der Pfeil eines angelsächsischen Kriegers stoppte...“ -

„Bei allen Geistern... Drei...?“ flüstert Aditi heiser. -

„Dreitausend, ja. Mindestens. Es waren ja überwiegend Alte, Frauen und Kinder, ein paar Männer im kampffähigen Alter, alles Bauern und Handwerker. Wahrscheinlich waren es eher Vier- oder fünftausend... - allerdings war ich damals auch besonders grausam. Die meisten anderen, die mit mir auf Viking fuhren, ließen Frauen und Kinder leben. Für mich waren vor allem die Kinder nur zukünftige Gegner, die ich besser jetzt schon beseitigte.“

Unvermutet steht Tascha vor mir, sie hat ihren Helm abgelegt, Atum, der mich entsetzt anstarrt, einfach beiseitegeschoben und nimmt mir jetzt auch den Helm ab. Sie fasst meinen Kopf mit beiden Händen und zieht meinen Kopf zu sich, legt ihre Stirn gegen meine und fängt meinen Blick in ihren funkelnden Bernsteinen ein.

„Hast Du diese Erinnerung erst jetzt gefunden?“ -

„Nein, schon gestern, als ich von diesen fremden Kriegern und ihrem Tun hörte, erinnerte mich das an meine Taten damals – vor mehr als eintausendeinhundert bitterkalten Wintern.“ -

„Ich verstehe. Ich verstehe auch den Grund, warum Du diese Krieger bestrafen willst. Nur warum willst Du keine Waffen benutzen?“ -

„Ich will zwar nicht als Drache erkannt werden, wenn es möglich ist. Aber ich bin ein Drache. Und ein Drache benutzt keine Waffen außer seinen eigenen.“ -

„Der Blitz ist auch Deine Waffe...“ -

„Richtig. Aber er würde mich auch gleich als Drache offenbaren.“ -

„Verzeih Geliebter, aber Du wirst unlogisch.“ -

„Ich werde nicht, ich bin bereits unlogisch, ich weiß.“ -

„Aber... warum?“ -

„Zum einen das, was ich Atum schon sagte. Beim Drachen verschwinden sie sofort, fünf Draccier erscheinen dagegen beherrschbar und ich erwische sie bei ihrer Tat.“

Ich spüre ein winziges Nicken von Tascha.

„Ja, gegen fünfzig oder gar hundert erfahrene Menschenkrieger haben auch fünf Draccier keine Chance... logisch.“ -

„Natürlich könnte ich plötzlich am Himmel erscheinen und sie mit meiner Fähigkeit vernichten. Aber dann könnten auch von den Siedlern viele durch meine Blitze sterben. - Sicher werde ich das als Drache auch irgendwann so machen müssen. Aber ich möchte nicht gleich als der Tod aus dem Himmel gelten. Ich möchte nicht, dass alle sich erschreckt verstecken, wenn sie meinen Schatten sehen, dass alle ängstlich in den Himmel starren, wenn die Silhouette eines Drachen zu erkennen ist, weil alle fürchten, ich würde irgendjemand bestrafen wollen und dafür ganze Siedlungen mit Unschuldigen vernichten. -

Dann verzichte ich lieber auf einen Teil meines Stolzes und gehe als Anthro in eine Gaststätte, um mir den einen zu greifen, den ich haben will, anstatt die halbe Stadt dabei zu zerstören.“ -

„Logisch, wenn auch selbst für mich als Drakari nicht leicht zu verstehen.“ -

„Und euch möchte ich eher im Hintergrund haben, weil ich auch gegen so viele nichts zu befürchten habe, sie können mich nicht ernsthaft verletzen, euch schon.“ -

Tascha beginnt meine Wangen zu reiben, langsam tauche ich aus ihren Augen wieder auf und wir lösen die Stirnen voneinander. Mich weiter streichelnd atmet sie auf.

„Wir können aufbrechen. Eldingar handelt logisch – zwar mehr nach der Logik eines Großen Drachen, aber nachvollziehbar.“ berichtet sie den anderen.

Das war also die Sorge, die alle hatten. Sie fürchteten, dass ich impulsiv, unlogisch handeln würde. Aber meine Gründe sind für alle verständlich, vor allem für die Draccier. Deutlich spüre ich, wie die Stimmung sich bessert... oder genauer gesagt, dass sie mich jetzt verstehen und voll hinter mir stehen.

Zärtlich streichele ich Tascha am Hals, während sie den Helm vorsichtig wieder zwischen meine Hörner fädelt. Kurz züngeln wir noch miteinander, dann dreht sie sich um und stülpt sich ihren Helm ebenfalls auf den Kopf.

Atum steht jetzt neben mir und legt seine Hand wieder auf meine Schulter.

„Kleiner... entschuldige, mein Lord Drache... Ich sehe, dass ich Dich nicht umstimmen kann – und verstehe, warum Du mich nicht mitnehmen möchtest. -

Denke nicht an die Vergangenheit mein Lord – das war eine andere Welt, ein anderes Leben und ist längst vergessen. Wenn Du Dich an etwas erinnern willst, dann lieber an das, was ich meinem kleinen Menschenwelpen über den Kampf beigebracht habe. Lass Dich nicht mitreißen, bewahre einen kühlen Kopf und die Übersicht. Bekämpfe nur, wer Dich angreift, wer zurückweicht, hat den Kampf schon aufgegeben und ist meistens bereit, sich Dir zu unterwerfen. - Ich denke, das gilt auch hier und wenn sie einen Drachen als Gegner haben.“ -

Nickend lege ich meine Hand auf seine.

„Wir sehen uns nachher. - Ich frage mich gerade, ob die anderen Drachen sich so viele Gedanken machen, bevor sie losziehen um Menschen zu bekämpfen...“ -

Aditi schüttelt den Kopf.

„Ich weiß es nicht, vermutlich nicht. So viel Gedanken und Rücksprache halten nicht mal die Menschenfürsten, wenn sie ihre Krieger losschicken… jedenfalls nicht mit ihren Kriegern. - Wir, genauer die Drei hier, wären natürlich auf jeden Fall mit Dir gegangen. Vorhin als Krieger mit unserem Herrn – jetzt mit einem Freund, den wir unterstützen wollen. - Verzeih, ich kann die vielen getöteten nicht so einfach vergessen... - Für mich gilt das gleiche wie für den Löwen – möchtest Du darüber sprechen, wäre es mir eine Ehre. -

Aber Deine Krieger sind bereit Natha. Ihr solltet aufbrechen, der Weg wird sich ziehen. Vergiss nicht, dass Shanti und Padmini nicht gewohnt sind, mit Rüstung zu fliegen.“ -

Beschämt blicke ich zu Boden.

„Verzeih, daran hätte ich denken müssen...“ -

„Nein!“ berichtigt Aditi mich bestimmt.

„Das ist die Aufgabe Deines leitenden Offiziers, also Jaya, Shankar oder letztlich ich. - Du hast andere Probleme zu bedenken, selbst ein Drache kann nicht an alles denken. Wir haben eine Aufgabe, ein Ziel von Dir erhalten. Du sagtest, Du wünscht, dass wir mitarbeiten und selbständig auf Dein Ziel hinarbeiten...“ -

„Richtig. Dabei soll es auch bleiben.“

Ich atme tief durch... es geht also los, ich mache mich auf den Weg, Menschen zu töten... Aber was sein muss... – schon bin ich voll und ganz Drache.

„Also los.“