Die Sakura Chroniken Teil 7

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Und das nächste.

Ihr wundert euch warum die drei letzten Stücke jeweils nur so kurz sind. Warum nicht alles in einen Teil rein und gut.

Manchmal sind diese kleinen Versatzstücke für sich allein vielsagender, als ein Haufen von Seiten. Sagt es mir wenn euch was fehlt, wenn ich etwas mehr hinzufügen soll. Ist ja nicht so, als dass hier alles in Stein gehauen ist.

Danke


Die Sakura Chroniken Teil 7

Autor: Gendori Kabashi

05.07.2015 ? 12.03.2017

Der Gouverneur

Oleg Balutin wanderte durch die schwach erleuchteten Gänge der Sakura Maru. Die letzten Monate hatten dem Russen nicht unbedingt gut getan. Zu wenig Schlaf, zu viel Arbeit und zu viele Auf­putschmittel. Sein Gesicht war blass und er war ziemlich abgemagert. Was eigentlich eine gute Sa­che war. Weni­ger Chancen einen Herzinfarkt zu erleiden, aber andererseits war diese Diät genauso ungesund gewe­sen, denn seine Augen wirkten fahrig. Oleg Balutin war zumindest nicht mehr der fette, rotgesichtige Kolonial-Beamte, der am Ende seiner Karriere stand, als ihm der Posten auf Karda Prime angeboten wurde. Sein abendlicher Kontrollgang war ein selbstauferlegtes tagtägliches Ritual geworden. Der Weg den er nahm war immer derselbe und hatte sich bereits in ihm einge­brannt, so dass er, selbst wenn er tief in Gedanken versunken vor sich hinbrütete, sich automatisch nach links und rechts wenden konnte, ohne Gefahr zu laufen irgendwo anzustoßen. Sein Ziel waren immer die Kammern, in denen die Stasekapseln der Kolonisten lagerten. Diese Kammern waren die größten Räume innerhalb der Sakura Maru. Fünf Stück gab es davon auf jedem Schiff der Mainau Klasse und jede Kammer konnte fünfhundert Stasekapseln beherbergen, die in Regalen gestapelt waren. Oleg blickte auf die Kontrollbildschirme der Kapseln und die meisten der Anzeigen waren grün, doch hin und wieder flackerte die Zahl 404 auf. Niemand wusste was diese Zahl zu bedeuten hatte. Der Fehler stand in keinem Handbuch, jedenfalls keinem derer, die in den Archiven von Lai­las Verstand gespeichert waren. Oleg hatte die Handbücher eingehend studiert und war mit den Sys­temen so vertraut geworden wie ein Wartungstechniker. Kapsel um Kapsel passierte er. Die endlos scheinenden Reihen der Behälter enthielten Männer, Frauen und Kinder, Söhne, Töchter, Schwes­tern, Brüder, Mütter und Väter. Schüler, Ingenieure, Techniker, Landwirte, Minenarbeiter Hilfsar­beiter und Abenteurer, Forscher, Entdecker, Krieger, Schamanen, Medizinmänner, Akademiker, Cretains und Geliebte.

Oleg unterbrach seinen Kontrollgang immer in der zweiten Kammer an derselben Stelle, drehte sich nach rechts, kniete nieder und begann ein altes Gebet zu sprechen, eines, dass ihm seine Urgroß­mutter auf ihrem Sterbebett beigebracht hatte. Ein Gebet um Hoffnung und Erleuchtung zu erlangen und Schutz für die geliebten Menschen. Oleg Balutin betete fast schon inbrünstig. Die Worte hallten durch die Kammer wie ein mächtiger Zauberspruch. Die Kapsel, vor der er sein nicht so stilles Ge­bet sprach beherbergte den Körper seiner Frau Roxanne und links und rechts davon waren die Kap­seln in denen seine beiden Kinder schliefen. Albert und Maria, Albert sein ältester mit dreizehn Jah­ren und Maria, seine kleine Tochter war gerade sieben Jahre alt geworden, als sie die Reise angetre­ten hatte. In den drei Kapseln vor ihm ruhten die drei wichtigsten Menschen und warteten, im traumlosen Schlaf, darauf geweckt zu werden um auf Karda Prime ein neues Leben anzufangen und auf jedem Monitor der drei Stasekapseln blinkte die Zahl 404. Das Gebet, das er vor langen Jahren gelernt hatte, konnte nicht schaden.

Balutin bemerkte plötzlich, dass er nicht mehr allein war. Ein junger Mann, der die Uniform eines Technikers trug, stand ein paar Meter von ihm entfernt und hatte die Hände an eine andere Kapsel gelegt, wie um einen Puls oder einen Herzschlag zu spüren. Das war natürlich unsinniger Aberglau­ben, aber sah man nicht immer wieder Techniker, die sich um Ihre anvertrauten Maschinen sorgen machten, wie um einen nahestehenden Menschen, um einen Sohn, Gatten, Tochter?

„Guten Abend Herr Gouverneur. Ist Ihnen nicht gut? Soll ich einen Sanitäter rufen?“ fragte der jun­ge Techniker besorgt.

„Nein, nein, das ist nicht nötig. Mit mir ist alles in Ordnung Herr …“ Oleg kniff seine Augen zu­sammen und versuchte das Namensschild zu erkennen.

„Techniker Oakwiggle. Peter Oakwiggle. Ich bin Zweiter Assistent des Froster-Chiefs Klanger.“

„Ich, .. Ich habe nur mich ausgeruht.“

Balutin erhob sich mühsam und ergriff dankend die dargereichte Hand des Technikers, der ihm auf­half. Oakwiggle sah die Bildschirme der drei Kapseln vor denen Sie standen und vor denen er den Gouverneur kniend vorgefunden hatte. „Wenn nicht hier, wo sollte man sonst beten, wenn man um seine Lieben fürchtete“ dachte er.

„Heute war mein Kontrollgang wohl etwas zu viel gewesen!“ Balutin wollte lachen, doch der wissende Blick des Technikers ließ Balutin das Lachen vergessen.

„Sie brauchen sich nicht verlegen fühlen Herr Gouverneur. Es ist nicht das erste mal, das wir uns hier treffen. Meistens waren Sie zu tief in Gedanken versunken und haben weder mich noch meine Kollegen bemerkt. Wir haben immer ein Auge auf die Besucher müssen Sie wissen.“

„Besucher?“ Balutin war überrascht.

„Natürlich, haben Sie geglaubt, dass Sie der einzige sind, der seine Liebsten oder Freunde besucht?“

„Ich …“

„Sie können so oft kommen wie Sie wollen und Ihre Familie besuchen!“ Oakwiggle zwinkerte. „Und schließen Sie auch die anderen in Ihr Gebet ein! Einen guten Abend weiterhin. Ich muss weiter!“

Mit diesen Worten verließ der Techniker den Gouverneur. Balutin sah dem Mann kurz nach, „Tech­niker, Psychologe, oder doch ein Priester? Wird man so, wenn man sich um tausende Schläfer küm­mern muss?“ dachte er noch, dann drehte er sich in die entgegengesetzte Richtung in Bewegung, nicht ohne vorher sanft über die Kap­sel zu streichen, in der seine Gattin lag und auf das Ende der Reise wartete. Eine halbe Stunde spä­ter hatte Balutin seinen Quartier wieder erreicht und wollte ge­rade zu Bett gehen, als das Kommuni­kationssystem sich bemerkbar machte. Oleg aktivierte das Kom und Lailas Stimme erklang aus dem Lautsprecher.

„Guten Abend Herr Gouverneur. Der Kapitän wünscht Ihre Anwesenheit in ihrem Büro. Wir haben wichtige Neuigkeiten erhalten.“