Die Sakura Chroniken Teil 6
Das nächste Puzzleteil.
Die Sakura Chroniken Teil 6
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Autor: Gendori Kabashi
05.07.2015 ? 12.03.2017
Gute Nachricht, schlechte Nachricht
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Alexandra Ordin saß noch zu später Stunde in ihrem Quartier und erledigte die letzte Pflicht des Tages. Ihr persönliches Schiffstagebuch. So wie jeder Kapitän es seit tausenden Jahren auch tat. Dafür nutzte sie eine einfache Konsole, mit Folienbildschirm und einer Tastatur, die fest auf ihrem Schreibtisch installiert waren und ein eigenständiges System bildeten, auf das Laila keinen direkten zugriff hatte. Auf die einfachen Subsysteme von Laila, der so gut wie allmächtigen künstlichen Intelligenz der Sakura Maru, hätte Ordin natürlich auch von ihrem Privatquartier Zugriff gehabt, doch in der Beziehung war sie ein wenig altmodisch. Sie nahm sich das Recht des Kapitäns in Anspruch konservativ zu sein. Zu guter Letzt speicherte sie den finalen Eintrag für den vergangenen Tag im Schiffslogbuch ab und übertrug die Daten in den fast unendlichen Datenspeicher des Schiffes.
Wer glaubte, dass ihr Job als Kapitän eines Raumschiffes, nur daraus bestand Befehle zu geben und theatralisch im Sessel zu sitzen, der wusste wahrlich nicht viel. Dass sie Tag für Tag Berichte lesen und abzeichnen musste, Urlaubsanträge bearbeiten und sich mit den Offizieren zusammenraufen musste, das stand in keiner Jobbeschreibung, und wenn doch, dann nur im kleingedruckten. Sie konnte sich jedenfalls nicht erinnern es gelesen zu haben. Es war gelegentlich frustrierend wie viel Schreibkram zu erledigen war. Und selbst der Flug des Schiffes durch den Weltraum bestand für die gesamte Crew im Grunde nur aus den Start- und Landemanövern, Wartungsarbeiten und natürlich das Be- und Entladen der Fracht. Während der Reise selber wurde das Schiff einzig und alleine von der KI gesteuert. Und nun? Nun war sie nur noch eine Verwalterin, Verwalterin von hunderttausend Tonnen Stahl, die auf einem Mond lagen, der um einen fremden Planeten seine ewigen Runden zog.
Sie hämmerte mit dem Zeigefinger auf die Entertaste, lehnte sich dann in ihren Sessel zurück und schloss die Augen. Happy hatte seine Schnauze auf ihren Schenkel gelegt und ließ sich von seinem Frauchen kraulen.
In den letzten Monaten war eine Menge geschehen. Die Sakura Maru war vom größten Teil Ihrer Ladung befreit worden. Die Containermodule waren entladen und standen nun fein säuberlich in langen Reihen auf einem planiertem Bereich neben dem Schiff. Sie warteten nur darauf zum Planeten transportiert und ihrer Fracht entledigt zu werden. Die Container selber waren auch nur Fracht. Sie würden das Fundament für eine Stadt bilden. Der Ort war bereits ausgemacht, ihr Name stand noch in den Sternen.
Auf der anderen Seite des Schiffes hatte ihr erster Offizier die Gewächshäuser aufstellen lassen und die Produktion der Nahrungsmittel war angelaufen. Es waren hauptsächlich Energieriegel, doch die reichten aus um die Versorgung der Mannschaft und der Wissenschaftler auf Sakura sicherzustellen. Es wurden sogar Vorräte angelegt, die später den Kolonisten wertvolle Dienste leisten konnten. Die Pflege und Wartung war eine Gemeinschaftsaufgabe für alle Besatzungsmitglieder. Und die Männer waren mit Freude Gärtner, hatten sie es doch so in eigener Hand ihre Familien früher aus der Stase heraus zu holen. Die Gewächshäuser bedeuteten Nahrung und das wiederum bedeutete Überleben.
Auch Ordin hatte ihre Schichten abzuleisten und sie arbeitete gerne im Gewächshaus. Wenn Ihre Aufgaben als Kapitän nicht auch noch gewesen wären, dann konnte sie es sich vorstellen ganz und gar in der Landwirtschaft zu Arbeiten. Später, wenn sie auf dem Planeten siedeln, ja vielleicht dann, ein Hof eine Parzelle, ….
Ein Signal riss sie aus den Gedanken an die Zukunft. Ihre Kom-Station hatte sich gemeldet. Happy hob seinen Kopf und grollte leise. Den Rüden störte weniger das Geräusch, als die Tatsache, dass seine Ohren nicht mehr gekrault wurden. Ordin setzte sich auf und nahm das eingehende Gespräch an.
„Ordin hier?“
„Kapitän Ordin, bitte entschuldigen Sie die späte Störung. “ Es war Laila.
Die KI des Schiffes verhielt sich in vielen Dingen wie ein Mensch. Wenn es zum Beispiel darum ging mit jemandem in Kontakt zu treten, der nicht im Dienst war, dann nutzte sie die üblichen Kommunikationswege, wie es auch ein x-beliebiges Besatzungsmitglied machen würde. Zum einen nahm man sie dann ernster und zum anderen fühlten sich die Menschen dann nicht ständig von ihr Überwacht, was sie natürlich tat, tun musste, ob die Crew es wollte oder nicht. Das war schließlich auch eine ihrer Aufgaben als KI eines Schiffes, dass den Weltraum durchflog. Immer und ewig darauf achten, dass es allen gut erging und an nichts fehlte.
„Laila, was ist los? Wenn es um den Dienstplan der nächsten Woche geht, dann….“
„Dann hätte ich Sie heute Abend nicht mehr gerufen“, vollendete Laila den Satz ihres Kapitäns. „Es ist wichtig, wirklich wichtig. Wir haben Nachrichten vom Planeten erhalten“
Ordins Müdigkeit war wie weggeblasen und sie sprang so schnell von ihrem Stuhl auf, dass dieser umstürzte. Happy zuckte zurück und kläffte erschrocken und sträubte seine Nackenhaare. Er war bereit, wo ist der Gegner! Als sich keine Bedrohung zeigte beruhigte er sich wieder und schmiegte sich an die Beine seiner Herrin, die mit jemandem zu sprechen schien. Wenn Sie doch nur ihn wieder kraulen würde! Happy winselte bettelnd.
Nachrichten vom Lager? Zu dieser Uhrzeit? Alexandra war ganz aufgeregt.
„Was für Nachrichten? Ist im Labor was schiefgegangen? Was weißt du? Heraus damit!“
„Kapitän Ordin, Dr. Heino Schmidt hat sich gemeldet. Was der genaue Grund ist, das hat er nicht erwähnt, nur dass er auf ihren Rückruf wartet und das es wichtig ist! Ich nehme an, dass es sich um Neuigkeiten zur Harpers Seuche handelt.“
„Ist Balutin noch wach?“
„Auch Gouverneur Balutin wird gegenwärtig von mir informiert.“
„Teil ihm bitte mit, dass er sich in fünfzehn Minuten in meinem Büro einfinden soll.“
„Das werde ich!“
Alexandra lief zur Tür und war schon halb auf dem Gang, als sie Lailas sanfte aber eindringliche Stimme aufhielt.
„Kapitän Ordin, warten Sie! Sie wollen doch wohl nicht so vom Gouverneur gesehen werden?“ Wieder ein Beweis dessen, das Laila die Ki des Schiffes war. Sie sah alles!
Alexandra sah an sich herab. Sie trug nur ihren Morgenmantel und sonst gar nichts.
„Verdammt!“
Sie blickte nach links und rechts, niemand da, doch sie hörte Schritte näherkommen. Sie sauste wieder in ihre Kabine und schloss hastig die Tür. Sie hörte durch die Tür sich nähernde Stimmen. Oha, das wäre peinlich geworden. Happy stand vor ihr und blickte sie mit seinen treuen braunen Augen an. Er wedelte mit seinem Schwanz und er grinste, Alexandra war sich sicher, ihr Hund grinste sie an. Ihr kleiner, lieber Racker. Sie begann zu lachen und beruhigte sich nur langsam, sie musste nur ihre baren Brüste erblicken, die aus ihrem Morgenmantel hervorlugten und brach wieder in Gelächter aus, dass sie mühsam mit ihren Händen dämpfen musste, die sie auf ihren Mund presste. Zeit, wenig Zeit. Nachdem sich Alexandra endlich beruhigt hatte, schlüpfte sie schnell in ihre Uniform. Was nicht einfach war, denn Happy sprang um sie herum und kläffte aufgeregt. Ihr über alles geliebter Hund schien instinktiv begriffen zu haben, das etwas Wichtiges geschehen sein musste, oder er war einfach nur ein dummer Hund, der in seinem geordneten Tagesablauf gestört worden war und es an ihr ausließ.
Happy war nicht dumm, er war sogar recht intelligent, für einen Hund. Mit der für Haustiere typischen Empathie hatte begriffen, dass etwas Außergewöhnliches geschehen sein musste und er verhielt sich ebenso aufgekratzt wie sein Frauchen, die gerade verzweifelt versuchte ihre Stiefel anzuziehen. Als seine Herrin endlich ihre Uniform trug und sich zu Ihrem Büro aufmachte, begleitete er sie natürlich.
Sie gab ihm Futter, sie war sein Alphatier. Sie benötigte seinen Schutz und nichts würde ihn von Ihr trennen, außer sie Befahl es ihm. Die meisten Ihrer Laute ergaben für ihn natürlich keinen Sinn, aber Tonfall und Gestik und natürlich ihr Duft waren ausreichend um ihm ihr Anliegen zu verdeutlichen. Dadurch er wusste mit seinem gesunden Hundeverstand, was er zu tun oder zu lassen hatte. Er war ein guter Beta! Die anderen Zweibeiner mit denen er sein Revier teilte, sah er zumindest als ebenbürtig an, als Teil des Rudels. Sie waren auch Betas, denn sie gehorchten auch seiner Herrin. Aber es gab dann noch die Fremden! Die mochte Happy nicht so gerne. Als er den Fremden zum ersten mal begegnet war er verunsichert. Sie rochen anders und sie waren laut und forderten seine Herrin heraus und taten nicht immer was sie wollte. Nein Happy mochte die Fremden nicht so sehr wie die Mitglieder seines Rudels. Nachdem die beiden im Büro des Kapitäns angelangt waren trabte Happy sofort zu seinem Korb und legte sich nieder. Er hatte den Standort seiner Lagerstatt höchstselbst ausgesucht. Er hatte immer seine Herrin und die beiden Eingänge im Blick. Sollte ein Fremder es wagen das Lager zu stürmen, würde er sofort reagieren können. Sollten sie es nur wagen, er war auf der Hut! Immer! Happy gähnte.
Alexandra hatte es sich gerade gemütlich gemacht und erwartete die Ankunft des wohl unfreiwilligsten Planetaren Gouverneurs, den sie kannte. Sie hatte bereits zwei Gläser bereitgestellt und würde bei Bedarf aus einem geheimen Fach des Schreibtisches eine Flasche Whiskey hervorzaubern. Und dieser Stoff war ein selbst gebrannter scharfer Moonshine. „The Real Thing“ und nicht das nachgemachte synthetische Zeug, dass in der Messe erhältlich war. Dieser Whiskey war ihr höchst eigener privater Schatz. Fast so alt wie sie selbst und damit verband sie ihren Geburtstag, nicht ihr biologisches Alter. Sie war sich sicher, dass auch Balutin einen guten Schluck vertragen könnte.
Das Türsignal erklang und Alexandra gab die Tür frei. Happy sah von seinem Platz auf, schnupperte kurz und legte sich wieder hin. Alexandra lächelte ihn kurz an, dann wandte sie sich zur Tür, durch die Oleg Balutin ihr Büro betrat.