Zwangspause (Lyrik)

Story by Jack Marukay on SoFurry

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1.

Er ist allein in seinem Raum, dem höchsten Punkt im Palast. Darin sind weiche Sitzkissen, verteilt um einen niedrigen Tisch. Man muss knien oder die Beine kreuzen, um sich an diesen Tisch zu setzen. Er hat ihm den Rücken zugewandt um aus dem Fenster zu schauen, welches fast die gesamte Wand einnimmt. Flach breiten sich die Dächer aus, beinahe nahtlos in den Felsen des Gebirges übergehend, auf dem der Palast steht. Weit unten im Tal sieht er die Kirschbäume in voller Blüte. Ihre Stämme werden von einem kleinen Bach umspielt, den an manchen Stellen wunderschöne Holzbrücken überqueren.

Alles ist friedlich. Und dennoch trauert der König. Dies kleine Reich ist sein. Niemand außer ihm ist darinnen. Und all die Schönheit kann die dunklen Wolken nicht vertreiben, die ewig am Horizont lauern. Sie kommen ihn holen. Er muss sich ihnen ausliefern.

2.

„Lasst mich ein!“, fleht der Junge. Selbst in der engen Gasse stiebt ihm der Schnee in die Augen. Der Wind schneidet ihm durch die Kleidung, treibt ihm die Kälte in die Knochen. Noch einmal hebt er die Faust, um schwach gegen die Tür zu klopfen. Doch niemand öffnet ihm. „Bitte...“, spricht er sanft, ohne Kraft die Stimme zu heben. Allmählich wendet er sich ab. Er blickt nicht in das Fenster, aus dem orange-gelbes Licht seine Wangen bescheint. Seinen kurzen Mantel enger um den Leib schlagend geht er noch ein paar Schritte. Hier stellt er sich in die Nische zwischen diesem und dem nächsten Haus. Kaltes Wasser tropft aus der verstopften Dachrinne – vom Kamin geschmolzener Schnee. Wenigstens dem Wind kann er kurz entfliehen.

Ein Fenster geht auf und eine Frauenstimme quäkt ihn an. „Hey, verzieh dich! Elendes Gesindel!“ Schnell rafft sich der Junge sich, entflieht den Beschimpfungen. Bald wurde es dunkel. Und warm. So wunderbar warm. Ein Frühling unter dem Eis.

3.

Dunkelheit. In friedlicher Stillte umspannt sie die Unendlichkeit. Keine Regung durchzuckt den Körper. Er sinkt, steigt auf. Schwerelos gleitet er durch den Raum. Dann, ein Sog. Zieht im Magen, hebt den Geist. Blut gießt sich über die Augen. Fetzen von Haut und Fleisch liegen vor ihm. Ein Gesicht steht in der Luft. Durch die leeren Augenhöhlen blickt er auf sonnige Weiden. Wollene Wolken liegen im Blau des Himmels. Ein Apfelbaum steht darunter und ein Mädchen schläft in seinem Schatten.

Die leeren Augen schließen sich. Schwärze umklammert ihn. Hält ihn fest, raubt ihm den Atem, bricht seine Knochen. Ein stummer Kampf entbrennt. Lass ihn nicht gewinnen! Er darf ihn nicht kriegen! Wimmernd erbricht sich sein Schrei.

Er sitzt im Bett. Vor dem Fenster steht eine Amsel, schaut herein, sieht ihn nicht und fliegt in den Morgen. Er ist schweißgebadet. Der Himmel ist blau.

4.

Es regnet. Feiner Staub aus Wassertropfen. Zwischen den hohen Bürogebäuden brandet zarte Morgenröte gegen das flackernde Licht der Laternen. Die grau-schwarze Wolkendecke liegt noch schützend über der Stadt. Der neue Tag wird sie bald vertreiben. Doch noch ist es kühl. Der Kaffee vom Bäcker wärmt die Hände und den Bauch. Gemütlich wiegen die Massen zur Arbeit. Er hat es nicht weit. Die Ampel schaltet, die Massen warten. Träge ziehen die Autos vorbei. Der Kaffee ist süß, gibt ihm Kraft. Am anderen Ufer der Straße bilden die Menschen eine Wand aus Kleidern. Bunt wie sie sind scheinen sie farblos. Doch ein Schirm sticht hervor. Mattes Weinrot gipfelt über einem Saum rosa Blüten.

Die Ampel schaltet, Startschuss. Die Menschenmassen schlagen zusammen, er an der Spitze. Unter dem Schirm wellen blonde Haare, ein schönes Gesicht von einem blauen Schal gesäumt. Ein liebliches Lächeln. Die Sonne durchbricht die Wolken.