Der letzte Engel 15: Madame Liavannia Adore

Story by Highlight on SoFurry

, , , , ,

Verraten! Rebecca hatte sie verraten. Alyssa konnte es einfach nicht glauben. Alles was sie in diesem Schloss erlebt hatte, jede Prüfung die sie bestanden hatte, jedes Hindernis welches sie überwunden hatte egal wie schlecht ihre Chancen auch standen, sie hatte es für Rebecca getan. Für ein einziges Leben das sie retten wollte. Alles zerbrochen in nur einem kurzen Augenblick. Ihr eigenes Schicksal war besiegelt. Die Vampirfürstin war zurück und eben dieser musste sie sich nun stellen, alleine. Eine Begegnung die sie buchstäblich in durch die Hölle führen würde.


„Ich muss gestehen, dass fand sogar ich ziemlich hart.“

Alyssa war schon eine Weile wieder bei Bewusstsein doch sie hatte gehört das sie nicht länger alleine war und war deswegen einfach auf dem Boden liegen geblieben. Das Skelett welches sie vorhin über den Haufen gerannt hatte stand nun vor der Tür die nach draußen führte. Alyssa war es egal. Sie wollte einfach nur ungestört weinen. Sie konnte einfach nicht glauben das Rebecca sie verraten hatte. Nach allem was sie für sie getan hatte. Sie konnte es nicht fassen das sie für jemanden wie sie ihr Leben zahlreiche Male aufs Spiel gesetzt hatte. Sie kam sich so schrecklich dumm vor.

„Steh auf Alyssa. Wir beide müssen uns unterhalten“, hörte sie wieder die Stimme doch sie wollte nicht. Sie wollte einfach hier liegen bleiben und sich selbst für ihre Dummheit hassen.

„Ich verstehe. Wenn sie so weit ist, bringt sie in mein Quartier!“, befahl sie den Wachen die sich zweifelsohne um sie versammelt hatten. Es dauerte noch lange bis sich Alyssa sicher war, dass sie keine einzige Träne mehr in ihrem Körper besaß bevor sie sich langsam aufraffte. Ihr Bauch tat ihr schrecklich weh und auch die Schulter meldete sich heftig pochend zu Wort. Sofort wurde sie von zwei Skeletten flankiert die sie zurück in die Eingangshalle eskortierten. Dort übernahmen zwei Drakoniden ihre Bewachung und führten sie zurück zum Thronsaal. Wortlos schritten sie durch den opulenten Saal und die Treppen hinauf zu Liavannias privaten Gemächern. Alyssa versuchte nicht einmal zu fliehen. Sie hatte auf eine seltsame Art und Weise auch gar keine Angst. Sie hatte aufgegeben. Die Wachen führten sie durch wunderschön dekorierte Gänge doch sie würdigte sie keines Blickes. Es fühlte sich alles so unwirklich an. Als wäre es nur ein Traum in dem sie sich selbst zusehen würde wie sie diese Gänge entlang schritt. Sie spüre jedoch nichts. Das war es was sie am meisten wunderte. Keine Angst, keine Verzweiflung, keine Panik, sie spürte nichts mehr. Sie sah kein einziges Mal vom Boden auf. Einzig den Teppich sah sie an. Die Wachen hielten vor einer breiten Flügeltür an und zogen diese auf. Ohne Aufforderung trat Alyssa ein und sie schlossen sich hinter ihr.

„Geht es dir wieder besser?“, fragte ihre Gastgeberin doch Alyssa schüttelte nur den Kopf.

„Verständlich“, akzeptierte Liavannia. Alyssa musste sich anstrengen den Kopf anzuheben doch sie hatte nicht vor jetzt hängenden Kopfes unter zu gehen. Sie wollte wenigstens erhobenen Hauptes ihrem Ende entgegen sehen. Liavannia saß über einen Stuhl gelehnt so wie sie sie schon am ersten Tag im Schloss gesehen hatte. Anstelle ihrer roten Korsage trug sie dieses Mal eine schwarze. Die schwarzen Lederstiefel die ihr bis übers Knie reichten waren jedoch die gleichen. Auch die Netzstrumpfhosen die sich über ihrer samtig weich anmutenden, dunkelgrauen Haut spannten schien die gleiche zu sein. Ihre leuchtend blonden Locken fielen wie ein Wasserfall über ihre Schulter und bis hin zu ihren üppigen Brüsten die das Korsett gut füllten. Die ledrigen Feldermausflügel hatte sie gefaltet an ihrem Rücken anliegen.

„Etwas Wein?“, fragte sie und bot Alyssa einen Becher an. So recht wusste Alyssa nicht warum sie es tat, doch sie setzte sich zu ihr an den Tisch und nickte. Liavannia goss ihr einen Becher ein und reichte ihn ihr. Wortlos trank Alyssa einen Schluck des zweifelsohne sündhaft teuren Weines.

„Sie ist übrigens tot“, erwähnte Liavannia beiläufig bevor sie ein Stück eines Apfels von der Fruchtplatte nahm, die auf dem Tisch platziert war.

„Rebecca?“, fragte Alyssa erschrocken und die Fledermaus nickte ohne sie anzusehen.

„Ich habe sie umbringen lassen. Ich fand das hatte sie verdient. Immerhin war sie ja auch hier um mich umzubringen und dich dann auch noch so grausam zu verraten tsk tsk tsk“, abfällig schnalzte sie mehrmals mit der Zunge. Auch wenn Alyssa wusste, dass sie sich hätte besser fühlen müssen, das Rebecca es mehr als verdient hatte zu sterben, so konnte sie sich dennoch nicht darüber freuen. Sie hatte nur eine einzige Aufgabe gehabt hier im Schloss. Sie wollte sie retten und trotz allen Prüfungen, all den Schwierigkeiten und Überwindungen hatte sie am Ende doch versagt.

„Du betrauerst ihren Tod?“, fragte Liavannia plötzlich ehrlich neugierig.

„Wieso?“

„Ich wollte sie doch retten. Das war alles was ich wollte. Das Einzige was ich hier schaffen wollte und ich habe versagt“, erklärte Alyssa niedergeschlagen.

„Du hast hier in meinem Schloss mehr geschafft als dir überhaupt klar ist“, lachte Liavannia bevor sie ihr süffisantes Lächeln wieder aufsetzte.

„Würde es dich trösten wenn ich dir sagen würde, dass du nie eine Chance hattest?“, fragte Liavannia doch Alyssa schüttelte nur den Kopf.

„Ich meine es ernst, du hattest nie eine Chance, Alyssa. Ich denke du verdienst es die Wahrheit zu erfahren. Ich war nie weg“, beichtete ihr Liavannia und Alyssa sah geschockt zu ihr auf. Die Fledermaus lächelte sie nur an.

„Ich habe mein Schloss nie verlassen. Was hätte ich auch im Vatikan tun sollen außer ihn vielleicht niederzubrennen?“, fragte sie lachend über ihren eignen Witz. Alyssa sah sie nur entgeistert an.

„Ich wusste schon von Anfang an das diese Vampirjägerin nur eine Aufschneiderin war. Sie wurde nicht grundlos als Opfer ausgewählt vom Kardinal. Sie war eine Angeberin die ihre eigenen Kollegen verriet und sich mit fremden Lorbeeren schmückte. Du allerdings, du warst spannender. Du hast mich von Anfang an interessiert. Du hast im Schatten meines Schlosses heller geleuchtet als ein Stern. Ich muss zugeben, ich war wie eine Motte und du, meine liebe Alyssa, warst das Licht. Darum habe ich dich hier alleine herumlaufen lassen, weil ich neugierig war was du tun würdest. Was dir alles passieren würde und bei den Höllen was ist dir nicht alles passiert“, rief sie laut aus schien sich jedoch diebisch darüber zu freuen.

„Ich muss zugeben, als du in Shakazaras Turm gekommen bist habe ich vor Aufregung die Luft angehalten. Ich hätte niemals. Niemals in tausend Leben gedacht das sie dich gehen lässt. Dazu siehst du Flora viel zu ähnlich. Ich dachte sie würde dich entweder an Ort und Stelle umbringen oder dich versklaven um an dir alle ihre Rachegelüste an Flora auszulassen. Wer hätte ahnen können das diese beiden Furien noch immer heiß aufeinander sind? Ich hätte mein ganzes Gold verloren bei dieser Wette“, lachte Liavannia.

„Das sie dir geholfen hat war eine echte Überraschung für mich. Ich habe dich weiter beobachtet. Als du im Heizkeller warst. Ich denke es war dort wo du mich zum ersten Mal wirklich beeindruckt hattest. Nur um deine Schuld zu begleichen hattest du dein Leben riskiert. So viel Edelmut ist selten. Sehr selten. Was mich jedoch am meisten beeindruckte war etwas anders. Etwas das man mit normalen Auge nicht sehen kann. Obwohl dich davor schon ein Werwolf vergewaltigt hatte und im Keller dann der Minotaurus zig Male missbraucht hatte, war dein Licht nicht erloschen. Es strahlte einfach weiter. Als wäre ihm der ganze Schmerz und das Leid egal. Ha! einfach so! Das war unglaublich. Du warst schlichtweg unmöglich zu korrumpieren und das hätte nicht sein dürfen. Von da an warst du auf meiner Prioritätenliste deutlich nach oben gewandert. Ich wollte das testen. Es brauchte nicht viel. Ein paar kleinere Zauber waren alles und schon trieb dich deine Neugier zur Kappelle. Dachtest du es wäre Zufall dass du in einen unverschlossenen Raum gestolpert bis in dem bereits eine Kerze brannte und eine Zermonienrobe hing? Keineswegs. Ich wollte wissen wie du auf Lilith reagierst. Sie ist das exakte Gegenteil von dir und daher war ich richtig aufgeregt. Ihr Blick als du die Büchse der Pandora nicht aufgemacht hast. Unbezahlbar. Damit werde ich sie noch Jahrhunderte lang aufziehen.“

Laut lachend schien sich Liavannia köstlich zu amüsieren.

„War ich wirklich nur eine Puppe der man beim tanzen zugesehen hat?“, fragte Alyssa traurig und vermied es zu Liavannia zu blicken.

„Aber aber!“, tröstete diese sie sofort und stand auf. In schnellen Schritten kam sie um den Tisch und von hinten zu Alyssa. Die Maus verkrampfte sich als sie die Hände von Liavannia spürte die sich sanft auf ihre Schultern legten.

„Ich bin über fünftausend Jahre alt, Alyssa. Ich bin eine Höllenfürstin und es gibt nur drei andere die den gleichen Rang wie ich bekleiden. Nur einen einzigen, der einen höheren hat. Ich habe in meinem Leben schon so unendlich Vieles gesehen dass einhundert deiner Leben nicht ausreichen würden um dir alles zu erzählen. Wenn ich dir also sage, dass du mich verblüfft hast, dann ist das nicht einfach so dahingesagt!“

Liavannias Hände strichen langsam über ihre Schultern und begannen diese sanft zu massieren während ihr Kopf weiter neben Alyssas Ohr blieb.

„Ich habe keine Verwendung für Spielzeug. Wenn du also nur das für mich gewesen wärst, dann hättest du niemals auch nur einen Fuß in meine Burg gesetzt! Ich erzähle dir das nicht um mich über dich lustig zu machen Alyssa. Natürlich haben mich deine Erlebnisse hier amüsiert. Ich bin ein Dämon, solche Dinge machen uns Spaß. Doch deswegen erzähle ich dir das nicht. Ich will das du verstehst was deine Zeit hier wirklich war“, erklärte ihr Liavannia ernst. Alyssa verkrampfte sich etwas mehr als die Finger von Liavannia sich fester in ihre Schultermuskeln drückten. Ihre Berührung hinterließ eine angenehme Wärme und der Schmerz ihrer geprellten Schulter war gänzlich verschwunden.

„Deine Gabe hast du übrigens von mir erhalten. Ich habe dir diese Kraft geliehen, um etwas zu testen. Lilith hat dich auf meine Anweisung hin unterrichtet auch wenn sie zu diesem Zeitpunkt nicht wusste dass ich dir diese Gabe geschenkt hatte. Als Flora dir gesagt hatte, dass du dieses Talent nicht haben dürftest, da hatte sie vollkommen recht. Das war auch der Grund warum Lilith so verwirrt war. Sie konnte es nicht verstehen und sie hatte recht damit. So etwas hätte nicht existieren dürfen doch ich musste das tun um etwas zu überprüfen. Entspann dich Alyssa, wenn ich dir etwas antun wollte, dann hätte ich es schon lange getan, du hast also im Moment nichts vor mir zu befürchten“, bat sie Liavannia als sie begann Alyssas Nacken zu massieren und diese sofort den Kopf einzog. Es war nicht leicht, doch Liavannia hatte recht. Sie könnte sowieso mit ihr machen was immer sie wollte. Widerstand war an diesem Punkt wirklich zwecklos.

„Viel besser“, lobte Liavannia sie und ließ ihre Finger wieder über ihre verspannten Muskeln gleiten.

„Als Flora dich um den Gefallen bat, war die Zeit gekommen dich zu prüfen. Ich habe dir einen ziemlich groben Schubs gegeben und deine Kraft deutlich verstärkt, andernfalls wäre es dir unmöglich gewesen deine Gefühle zu projizieren. Das war aber unwichtig. Wichtig war für mich nur eines, nämlich ob du danach noch immer die selbe wärst. Du warst es. Du hast Seelen entzogen, eine Todsünde! Dennoch hast du es irgendwie geschafft es so vor deinem Gewissen zu rechtfertigen, dass deine Seele unbeschmutzt blieb. Als du Liliths Kapelle danach betreten hattest, stand dein Schicksal auf Messers Schneide. Ein Staubkorn wäre schon das Zünglein an der Waage gewesen. Lilith hat das einzige getan was ihr übrig blieb um dich zu retten. Danach war mir klar das du genau das bist, was ich schon so unglaublich lange suche. Du bist das fehlende Puzzlestück!“, erzählte ihr Liavannia geduldig während sie Alyssa weiter massierte. Etwas traurig erkannte Alyssa, dass ihre Hände nun stoppten und Liavannia um sie herum kam um sich auf die Tischkante vor ihr zu setzten. Sie vermisste die Wärme die ihre Finger in ihrem Nacken hinterlassen hatten.

„Ich war zwar neugierig ob du es auch alleine an Nerzalt vorbei schaffen würdest doch das Risiko war mir zu groß das du scheitern könntest. Ich brauche dich lebend. Deshalb hat Lilith dir den Dolch auf meinen Befehl hin gegeben. Ich musste dein Abenteuer beenden. Ich hatte Rebeccas Verrat zwar nicht geplant, doch er war nur eine Kleinigkeit die am Endergebnis, diesem Gespräch hier, nichts geändert hat. Auch wenn es mir ehrlich leid tut für dich so betrogen worden zu sein. Aber es zeigt mir ebenso, dass du, und es ist einfach unglaublich das zu sehen, immer noch nicht in der Lage bist sie deswegen zu hassen.“

„Was willst du von mir?“, fragte Alyssa schlussendlich. Auch wenn sie nun viel mehr wusste als zuvor, diese eine Frage hatte sie ihr noch nicht beantwortet. Sie hatte noch andere Fragen auch, viele sogar, doch nur diese eine war wirklich von Relevanz für ihre Situation.

„Ich will dich haben, Alyssa. Ich will das du mir dienst!“, sprach Liavannia und sah ihr direkt in die Augen.

„Niemals!“, antwortete sie wie aus der Pistole geschossen. Die Antwort schien Liavannia nicht besonders zu überraschen.

„Wie viele Freunde hast du Alyssa?“, fragte Liavannia plötzlich und Alyssa sah wieder auf den Tisch. Sie wartete und hoffte das es nur eine rhetorische Frage war und sie die Antwort gleich selbst liefern würde. Sie schien die Frage jedoch ernst zu meinen. Antworten wollte sie aber trotzdem nicht.

„Astra hat sich freiwillig gemeldet um Rebecca zu töten. Sie hat keinerlei Diskussion zugelassen und sich sofort auf sie gestürzt ohne überhaupt nachzudenken. Sie scheint eure Rauferei außerordentlich genossen zu haben und die Inbrunst mit der sie sie sich auf Rebecca gestürzt hatte war überwältigend. Lilith hat meinen direkten Zorn riskiert als sie dich gebissen hatte nur um dir das Leben zu retten. Shakazara hat dich vor einem sehr eiligen Tod bewahrt und war dir eine gütige Gastgeberin ohne das ich ihr das befohlen hatte. Flora vertraute dir ihr Leben an. Das sind alles hochrangige Dämonen die sich mit zahllosen Sünden befleckt haben im laufe ihrer Leben. Es sind die geschworenen Feinde deiner geliebten Kirche und doch deine einzigen Freunde. Nenn mir mehr als diese vier Freunde die du außerhalb meiner Mauern hast. Nenn sie mir und ich lasse dich auf der Stelle als freie Maus durch meine Tore nach draußen spazieren!“, forderte sie Liavannia heraus. Alyssa schwieg und nach einer Weile änderte Liavannia ihre Meinung mit deutlich sanfterem Tonfall. Beinahe schon mitleidig änderte sie ihre Frage.

„Nenn mir nur einen Einzigen!“

„…“

„Das habe ich mir gedacht“, schloss Liavannia ihre Beweisführung ab auch wenn ihre Heiterkeit plötzlich fehlte. Alyssa war ihr dankbar dass sie sich nicht darüber lustig gemacht hatte. Es war ein schwacher Trost doch es war besser als die Alternative.

„Du hast dein ganzes Leben in einem Kloster verbracht in dem man dich nur wie Dreck unter den Schuhen behandelt hat, Alyssa. Fast neunzehn Jahre lang hast du im Kloster gedient und was warst du? Eine Novizin? Eine Messdienerin? Eine Ordensschwester? Letzteres warst du nur um deinen Preis hochzutreiben als sie dich wie die Sklavin verkauft haben die der warst! Man hat dich niemals mit Respekt behandelt, niemals mit Achtung. Wie ist es dir hier ergangen? Wie hat Shakazara dich behandelt? Lilith? Flora? Sie mögen nicht unbedingt nett zu dir gewesen sein und haben Dinge von dir verlangt die du nur ungern getan hast aber haben sie dich jemals mit Verachtung angesehen? Dich wie Dreck behandelt? Auf dich herab geblickt? Nein, das haben sie nicht. Ich fühle eine starke Ironie das zu sagen, doch du wurdest in meiner Hölle besser behandelt als in deinem Himmel“, fasste Liavannia ihre Erlebnisse zusammen.

„Hör zu Alyssa. Ich will nicht das du eine Dämonin wirst. Ich will dich auch nicht dazu zwingen zu sündigen. Im Gegenteil, das wäre sogar kontraproduktiv für meine Zwecke. Ich brauche dich genau so wie du jetzt bist, mit einer reinen Seele. Ich will das du hier bleibst. In meinem Schloss lebst und mir dienst wie es auch Shakazara, Lilith, Astra und Flora tun. Ich bin mir sicher vor allem Flora würde sich freuen wenn du hier bleiben würdest“, zwinkerte sie ihr kurz zu bevor sie wieder ernst wurde.

„Du sollst für mich als Botschafterin arbeiten!“

„Als Botschafterin?“, fragte Alyssa ungläubig.

„Ja, als Botschafterin. Im Moment stehe ich auf der zweiten Stufe der Hierarchie der Hölle. Nur der aktuelle Lucifer steht über mir und ich habe vor das zu ändern. Entgegen eurem Glauben gibt es nicht den einen Lucifer. Es ist keine Person sondern ein Titel den immer der stärkste Dämon trägt. Der Lucifer führt sein Heer gegen die Tore des Himmels, wird vernichtend geschlagen, tötete eine Vielzahl an Engel und Himmelsdiener und kehrt zurück wo ein anderer Dämon seine Schwäche ausnutzt, ihn vom Thron stößt und das Spiel beginnt von neuem. So läuft es seit tausenden Jahren aber ich habe nicht vor dieses Spiel mitzuspielen. Wie die Lemminge laufen die Dämonen schon seit Jahrtausenden immer wieder gegen die Tore des Himmels an und doch wurden sie nie überwunden. Das Problem, welches ich habe ist, dass wenn ich den Thron besteige, ich meine ganzen Kräfte brauchen werde um die rebellierenden Höllenfürsten niederzuschlagen. Das würde den Himmel natürlich die Möglichkeit geben mich anzugreifen und zu vernichten. Das will ich mit dir verhindern. Du bist der Schlüssel Alyssa!“

„Ich? Das ist das Gefilde von Göttern! Nicht von mir. Ich kann doch nichts dabei tun wenn ich nicht einmal ein einziges Leben retten kann!“, beklagte sich Alyssa doch Liavannia winkte sie ab.

„Du kannst deutlich mehr machen als jeder andere. Du bist in der einmaligen Lage nicht in deinem Denken festgefahren zu sein und eine reine Seele zu besitzen. Alle anderen die eine Seele wie die deine besitzen haben normalerweise Flügel und einen Ring über dem Kopf. Aber du nicht! Du könntest die Himmel betreten und mit ihnen einen Waffenstillstand aushandeln! Könntest mir die Zeit verschaffen die Hölle in den Griff zu bekommen und meine Postion zu festigen so dass ich auf Dauer auf dem Thron bleiben kann!“, schwärmte ihr Liavannia vor und lehnte sich dabei weit zu ihr vor.

„Ich … ich soll in den Himmel gehen? Als Botschafterin einer Dämonin? Sie würden mich doch sofort töten!“, protestierte Alyssa.

„Nein das würden sie nicht. Du hast eine reine Seele Alyssa, in ihren Augen hast du den selben Stellenwert wie ein Engel! Sie würden dir kein Haar krümmen. Du könntest es schaffen den ewigen Kreis umzudrehen! Ich habe keine Lust nur eine Fußnote in den Chroniken zu sein weil ich vielleicht einen Turm mehr oder weniger im Himmel eingerissen habe als mein Vorgänger! Ich will den Himmel nicht angreifen weil es Schwachsinn ist! Es kann nicht funktionieren, niemals. Der Krieg zwischen Himmel und Hölle geht schon so unendlich lange, dass niemand ihn mehr in Frage stellt doch ich tue das. Ich stelle ihn in Frage und ich habe beschlossen damit aufzuhören. Selbst wenn ich es schaffen würde den Himmel zu erobern, was dann? Es würde mir nichts bringen. Ich will damit aufhören, will die Hölle beherrschen und wenn die Himmel damit ein Problem haben, dann sollen Sie zu Mir kommen und nicht umgekehrt! Alyssa verstehst du was das bedeutet? Du könntest der Schlüssel sein diesen Krieg zu beenden! Du hast es nicht geschafft ein Leben zu retten, was wenn ich dir anbiete Zehntausende zu retten? Hunderttausende?“

Liavannia hatte sich so sehr in Rage geredet, dass sie ein kleines bisschen außer Atem war als sie fertig war. Alyssa war das ganze zu viel. Das waren Dinge die weit weit weit über ihre Toleranzgrenze hinaus gingen. Sie sollte in die Himmel gehen? Würde als Engel gesehen werden? sollte den Krieg zwischen Himmel und Hölle beenden? Das war einfach unmöglich, völlig ausgeschlossen.

„Du zweifelst an dir, nicht wahr? Du glaubst nicht, dass du das alles schaffen kannst. Du wärst doch nur eine unbedeutende Maus die ein bescheidenes Leben geführt hatte und sich nun an den Tisch der Götter setzen sollte. Du glaubst das alles einfach nicht, nicht wahr?“

Liavannia war gut, dass musste sie ihr lassen. Vermutlich konnte sie genauso wie Flora auch Gedanken lesen. Alyssa nickte.

„Ich denke ich kann dir bei deinen Zweifeln ein kleines bisschen zur Hand gehen“, zwinkerte sie Alyssa aufmunternd zu und griff nach ihrer Hand.

„Denkst du du schaffst es mir zu vertrauen?“, fragte Liavannia. Wahrheitsgemäß schüttelte Alyssa den Kopf. Die Fledermaus lachte nur kurz. Sie zog sie hoch und führte sie an der Hand in einen Nebenraum. Ein opulentes Bett dominierte den Raum doch die Fledermaus führte sie zu einem großen Spiegel der bis zum Boden reichte.

„Leider kann ich das was ich mit dir vor habe nicht hier machen, es würde Aufmerksamkeit erregen die ich im Moment noch nicht gebrauchen kann von daher befürchte ich, dass es dieses Mal keine Bitte ist, wenn ich dir sage, dass du mir folgen wirst“, beichtete ihr Liavannia und Alyssa versteifte sich sofort. Der Spiegel war nun direkt vor ihnen doch sie konnte ihr Ebenbild darauf nicht erkennen. Auch die Fledermaus war darauf nicht zu finden. Mit einem forschen Schritt ging die Fledermaus darauf zu und durchschritt ihn als wäre er nur eine offene Tür. Sie hielt noch immer ihre Hand und so stolperte Alyssa noch immer verblüfft hinter ihr her. Auf der anderen Seite angekommen war sie in einem nahezu identischem Raum. Die Fledermaus führte sie weiter zu einer Fensterfront die mit dicken Vorhängen verschlossen war. Sie schlüpfte durch die Vorhänge hindurch auf eine Terrasse und zog Alyssa hinter sich her. Die Maus sank sofort auf die Knie.

„Willkommen in der Hölle, Alyssa!“, begrüßte sie Liavannia und breitete freudig die Arme aus. Vor einem bewölktem roten Himmel zuckten Blitze und Donner grollte. Die Luft war heiß und Alyssa konnte meilenweit sehen. Die Terrasse war ein Balkon auf dem höchsten Turm eines gewaltigen nachtschwarzen Schlosses welches wie ein Berg aus dem Boden ragte. Eine gewaltige Stadt erstreckte sich in alle Himmelsrichtungen, schmucklose Bauten aus grauem Stein und einem regem Gewusel in den Straßen. Nur Ameisen von ihrer Höhe aus betrachtet. Wo die Stadt endete, begann eine karge Felswüste in der monströs große tierartige Wesen schleichend umher zogen. Sie mussten gewaltig sein wenn sie aus dieser Entfernung noch immer so groß waren. Alyssa konnte kaum glauben was sie sah. Die Hölle. Sie war in der Hölle. Panik wuchs in ihr als alle ihre Alpträume plötzlich wahr wurden. Alyssa ließ die Arme an ihrer Seite fallen und senkte den Blick. Das war ein Anblick den sie niemals in ihrem ganzen Leben sehen wollte.

„Ich fühle mich von deiner Reaktion geschmeichelt, wirklich, es erfüllt mich mit Stolz das mein Reich solche Verzweiflung auslösen kann, doch ich habe dich nicht her gebracht um dich hier zu lassen und zu foltern. Ich habe dich hier her gebracht, weil die Himmel hier keine Augen haben“, erklärte ihr Liavannia und zog sie an einer Hand wieder auf um sie zurück in das Schlafzimmer zu bringen.

„Bei dem was ich gleich mit dir mache, dürfen die Himmel leider nicht zusehen, auch wenn ich gerne ihre Blicke gesehen hätte“, lachte Liavannia doch Alyssa zitterte am ganzen Leib. Etwas was so grausam war, dass sie es nur in der Hölle selbst mit ihr anstellen konnte? Alyssa wünschte sich Lilith hätte sie wirklich getötet. Ihre Gedanken überschlugen sich mit Möglichkeiten, eine grausamer als die andere und doch verblassten sie alle vor der schieren Angst die sie gerade vor Liavannia hatte.

Die Fledermaus schnippte nur mit dem Finger und Alyssa flog in hohem Bogen auf das Bett. Alyssa stöhnte kurz auf als sie aufschlug als erwartete sie eine harte Landung doch sie sank auf dem Bett ein wie sie es noch nie erlebt hatte. So musste es sich anfühlen auf einer Wolke zu liegen. Hastig kroch sie ans Kopfende des Bettes und schlang ihre Arme und die eingezogenen Knie. Weglaufen konnte sie nicht, sie wollte zumindest so weit weg von Liavannia sein wie nur möglich. Die Fledermaus sah sie nur hungrig an. Mit einem Fingerschnippen fiel ihre Korsage zu Boden und der Rest ihrer Kleidung löste sich auf. Nackt kam sie mit schwingenden Hüften auf das Bett zu. Ein Raubtier welches nur darauf wartete auf seine Beute loszuspringen. Alyssa schluckte als sie daran dachte, dass sie diese Beute war.

„Nun komm schon Alyssa, muss es denn wirklich so sein?“, fragte Liavannia grinsend. Alyssa nickte nur verschreckt ohne zu ihr aufzublicken. „Wie du willst“, zuckte Liavannia mit den Schultern. Mit einem Satz sprang sie hoch auf und spreizte ihre Flügel bevor sie einen Moment in der Luft verharrte. Alyssa hasste sich dass sie genau in diesem Moment aufgeblickt hatte. Die Fledermaus sah aus wie ein Engel des Todes der sich nun auf sie herabstürzte. Mit anmutiger Eleganz landete sie auf dem Bett und faltete ihre Flügel wieder ein. Mit einer Hand packte sie Alyssa am Knöchel und riss sie zu sich. Der Länge nach auf dem Rücken liegend stürzte sich Liavannia sofort auf sie. Sie packte Alyssa an den Handgelenken und streckte diesen von ihrem Körper weg und drückte sie auf das weiche Bett. Hilflos schloss Alyssa die Augen. Sie wusste nicht was die Fledermaus vor hatte aber sie wusste auf jeden Fall dass es etwas Schlimmes sein musste, wenn sie sie dafür extra in die Hölle bringen musste. Liavannias Gesicht war dicht an ihrem und genüsslich sog die Fledermaus Luft ein.

„Wundervoll“, grinste sie als sie damit fertig war an ihr zu riechen.

„Wir müssen das nicht auf diese Art machen, Alyssa. Wenn du dich mir freiwillig hingibst dann wird es für dich viel einfacher sein“, bot ihr Liavannia noch ein letztes Mal an. Alyssa jedoch wandte nur den Kopf ab und schwieg. Liavannia schüttelte lächelnd den Kopf. Es war einfach goldig wie sie sich immer noch wehrte. Selbst in der Hölle schaffte sie es nicht sich einfach einem Dämon hinzugeben. Ihr abgewandter Kopf jedoch bot ihr einen fabelhaften Ansatzpunkt an ihrem vollkommen freiliegenden Hals. Mit der Zunge berührte sie Alyssas Fell nur zaghaft und schon schrie diese auf.

„Also wirklich, Alyssa“, lachte Liavannia kopfschüttelnd.

„Ich habe dich doch noch nicht einmal richtig berührt“, tadelte sie sie doch Alyssa war das egal. Sie war so angespannt wie eine Bogensehne und so voller Angst dass sie es kaum noch aushielt. So konnte es allerdings nicht weitergehen. Sie brauchte Alyssa entspannt. Sie entschied sich die Taktik zu wechseln. Mit einem Ruck richtete sie sich auf und zog Alyssa an ihren Handgelenken mit. In Alyssas Schoß sitzend und mit den Beinen um sie geschlungen ließ Liavannia ihre Handgelenke aus. Ihre Hände schlangen sich um Alyssas Nacken und zogen die zitternde Maus näher zu ihr.

„Entspann dich“, befahl ihr die Fledermaus bevor ihre feuerroten Lippen sich samtig weich auf die zitternden Lippen der Maus legten. Mit einer Hand hielt sie Alyssa am Nacken, mit der anderen kraulte sie ihr sanft den Hinterkopf. Alyssa ließ ihren Mund geschlossen doch es war der Fledermaus egal. Sie drückte ihr diesen ersten Kuss sanft auf die Lippen ohne sie zu drängen. Als sie ihre Lippen wieder trennte, sah sie in Alyssas schreckensgeweitete Augen.

„War das nun wirklich so schlimm?“, fragte Liavannia sie zärtlich und strich ihr mit der Hand über die Wange. Ohne Vorwarnung drückte Alyssa ihren Kopf gegen Liavannias Brust und krallte sich mit den armen fest an sie. Überrascht verharrte die Dämonin und traute ihren Ohren kaum als sie lautes Schluchzen von Alyssa hörte. Das hatte sie nicht erwartet. Ihre Opfer hatten schon oft um Gnade gefleht, geweint, geschluchzt und gebettelt doch das hier war anders. Alyssa war kein Opfer. Sie war vermutlich das kostbarste was in diesem Moment Zwischen Himmel und Hölle existierte. Kostbar genug um dafür Kriege zu führen.

„Hey“, tröstete sie die schluchzende Maus und strich ihr sanft über den Hinterkopf. Das war eindeutig nicht ihre Stärke. Wenn sie wenigstens wüsste was genau es war dass sie so bedrückte. Ihre Gedanken und Gefühlswelt war im Moment jedoch ein solches Chaos, dass sie trotz ihrer Telepathie keinen Deut klüger wurde. Sie müsste es auf die klassische Art machen. Mit sanfter Strenge hob sie Alyssas Kopf ein Stück als diese sich ein kleines bisschen beruhigt hatte. Mit dem Daumen strich sie ihr eine Träne von der Wange und streichelte ihr anschließend über den Kopf.

„Warum weinst du, Alyssa?“, fragte Liavannia direkt. Die Maus schniefte noch mehrmals doch sie schien nicht antworten zu wollen.

„Alyssa, ich will dir nichts Böses. Ich verspreche dir das sogar. Ich habe dich noch nie angelogen und ich werde es auch jetzt nicht tun. Du musst mir in dieser Sache einfach vertrauen, okay?“, bat sie Liavannia.

„Wieso ich?“, fragte Alyssa nur. Das war es also. Liavannia strich ihr noch eine Träne aus dem Gesicht.

„Weil niemand sonst stark genug dafür ist. Weil niemand sonst dazu bereit wäre“, erklärte ihr Liavannia bevor sie Alyssa dazu zwang ihr in die Augen zu blicken.

„Weil du der letzte Engel bist der noch keine Flügel hat!“, sprach sie bevor sie sie erneut küsste. Sanft drückte Liavannia Alyssas Kopf an sich, presste ihre Lippen ein kleines bisschen fester aneinander, gerade genug um Alyssa zu verstehen zu geben, dass sie auf sie wartete. Dass sie ihr den letzten Schritt überlassen würde. Sie wollte sie tatsächlich nicht zwingen und Alyssa gab auf. Sie ließ es geschehen. Zaghaft teilten sich ihre Lippen und sie öffnete sich dem Kuss. Die Fledermaus hielt sich zurück. Wie den Tanz mit einem scheuen Reh behandelte sie den Kuss, hielt Alyssa so zärtlich wie eine filigrane Glasfigur. Alyssa würde ihr nur diese eine Chance geben und sie durfte sie nicht vergeuden. Liavannia tastete sich vorsichtig weiter, ging einen winzigen Schritt und wartete ob es zu viel war, wenn nicht ging sie noch einen. Es war Millimeterarbeit und doch war es so aufregend wie nichts zuvor. Es stand einfach so viel auf dem Spiel und dieser Kuss würde entscheiden ob ihr Plan aufging. Ein Kuss der über das Schicksal von Himmel und Hölle entscheiden würde. Alyssa spürte wie zaghaft Liavannia war. Wie vorsichtig und behutsam sie vorging. Sie war dankbar dass sie sie nicht einfach überrumpelte. Sie hatte keinen Zweifel daran, dass sie es könnte wenn sie nur wollte. Dennoch tat sie es nicht. Das rechnete sie Liavannia hoch an und vermutlich war das auch der Grund warum sie letzten Endes in den Kuss einwilligte. Alyssa zog ihren Kopf zurück und brach den Kuss. Sie senkte den Blick um sich kurz zu sammeln, ein tiefer Atemzug folgte nach dem sie sich rückwärts auf das Bett fallen ließ. Ein letzter Blick ging an Liavannia bevor sie die Augen schloss.

Liavannia spürte die Erleichterung als Alyssa scheinbar endgültig aufgegeben hatte. Es war noch immer heikel, doch nun war sie ihrem Zeil schon bedeutend Näher. Sie hätte nicht gedacht das nach so vielen Jahrtausenden noch etwas ihr Herz so zum Rasen bringen konnte. Vorsichtig sank sie zu Alyssa hinab und umschloss ihren Kopf mit ihren Händen. erneut küsste sie sie und dieses Mal kam kein Widerstand mehr von der Maus. Ohne zu zögern öffnete sie ihren Mund und gab sich ihr hin. Als Liavannia endlich ihre Zunge kosten konnte war sie aufgeregt wie schon seit Ewigkeiten nicht mehr. Eine einfache Maus und doch schaffte sie es in Liavannia wieder eine Begeisterung zu entfachen die sie schon beinahe vergessen hatte. Sie umspielte Alyssas Zunge zärtlich und nahm sich Zeit. Sie würde es genießen, dies war ein denkwürdiger Moment und sie hatte alle Zeit der Welt. Alyssa wollte es langsam und sie sollte ihren Willen bekommen. Es war Liavannia nur recht, sie hatte vor jede Sekunde davon zu genießen. Mit ihrer Hand fuhr sie unter Alyssas Kopf und hob ihn leicht an, ein Kissen wurde beschworen und legte sich darunter bevor sie sie sanft darauf bettete. Alyssa hatte Gedacht dass Liavannia eine ähnliche Magie benutzen würde wie Lilith. Die aufsteigende Hitze jedoch blieb aus. Sie spürte keinerlei Magie, egal welcher Art. Keiner ihrer Sinne wurde plötzlich geschärft, keine Funken sprühten, keine Hitze und kein brennendes Verlangen. Es war einfach nur ein zärtlicher Kuss. So hatte sie ihn sich sich immer vorgestellt. Den Kuss ihrer wahren Liebe. Liavannia war das nicht. Sie war vermutlich das genaue Gegenteil davon und wenn sie mit ihrem Plan weitermachte war sie bald schon Lucifer persönlich. Man hatte sie immer davor gewarnt das der Teufel mit süßer Zunge sprach. Dass er dazu aber keine Worte benutzte, darauf hatte sie niemand vorbereitet. Je länger sie die vollen Lippen von Liavannia spürte desto mehr entspannte sie sich. Es war erschreckend wie zärtlich sie mit ihr umging. Sie konnte das Gefühl nicht so recht zuordnen das sie empfand. Es war völlig neu für sie doch nach einer Weile erkannte sie, dass es Respekt war. Liavannia respektierte ihren Wunsch es langsam angehen zu lassen, dass sie es sanft wollte. Sie hatte vieles von der Höllenfürstin erwartet, doch Respekt war nicht dabei gewesen. Selbst im Kloster hatte sie davon nur träumen können. Liavannia liebte sie nicht. Alyssa machte sich keinerlei Illusion deswegen, doch sie respektierte sie und das war ihr beinahe genauso viel wert. Zaghaft begann sie Liavannias Zunge zu erwidern. Sie fühlte sich an wie die Ihre. Nicht gespalten wie die von Lilith oder Shakazara. Sie begann sich einzubringen, versuchte das Unausweichliche zumindest nicht ganz so schlimm zu machen. Wenn dies ihre letzten Momente waren, dann wollte sie ein paar schöne Erinnerungen davon mitnehmen. Je mehr sie auftaute desto einfacher fiel es ihr ihre Umgebung zu vergessen. Die Hölle um sie herum verdrängte sie so gut es ging. Sie wollte ihre eigene kleine Welt erschaffen, eine Welt in der nur sie selbst, das himmlisch weiche Bett und Liavannia existierten. Als Liavannia den Kuss endlich aufbrach, folgte ihr Alyssa mit dem Kopf noch ein Stück bevor sie sich auf das Kissen zurückfallen ließ. Zufrieden lächelte sie Liavannia an. Mit dem Handrücken strich sie ihr sanft, über Alyssas Gesicht. Die Maus schloss die Augen und genoss still die Liebkosung der Fledermaus. Es war das erste Mal das sich jemand so viel Zeit für sie nahm, sich so auf sie einstellte und sich wirklich um sie kümmerte. Keine brennende Leidenschaft, wildes Verlangen oder Gier. Einfach nur ehrliche Zärtlichkeit. In diesem kurzen Moment liebte sie Liavannia. Alyssa erschrak als sie den Gedanken dachte. Liavannia schien es nicht anders zu gehen. Sie Fledermaus sah sie überrascht an, für einen Moment nur, dann jedoch schenkte sie ihr das schönste Lächeln welches sie jemals gesehen hatte. Alyssa wollte sie nur noch küssen und sie tat es. Mit ihrer Hand griff sie nach Liavannias Hinterkopf, krallte sich sanft in ihre weichen Locken und zog sie zu sich herab. ihre Lippen trafen sich und ihre Zungen besiegelten Alyssas Schicksal und das Schicksal der zukünftigen Welt. Der Kuss war lebhafter als der erste doch war nicht wilder. Noch immer war er sanft auch wenn deutlich mehr Gefühl in ihm lag. Liavannias Hand glitt sanft über die Seite ihres Körpers und strich ihr Fell entlang. Alyssa wand sich ein kleines Bisschen unter ihr und spreizte die Beine ganz leicht um ihr Zutritt zu gewähren. Als sie Liavannias Finger spürte die sich zwischen ihre Beine schoben wollte sie sie genau dort haben. Nur mit den Fingerkuppen strich sie über Alyssas Scham. Sie streichelte sie sanft und ohne gier. Der Kuss wurde fester als sich Alyssa unter ihr aufbäumte doch Liavannia hielt ihre Finger an Ort und Stelle. Alyssa wollte es nicht anders haben. Die Fledermaus füllte ihr ganzes Blickfeld aus als sie kurz die Augen öffnete. Sie war wunderschön befand Alyssa. Ihre eisblauen Augen sahen in die ihren und versprachen ihr, dass alles gut werden würde und Alyssa glaubte ihr. Ein kurzes Schnappen nach Luft ertönte als die Fledermaus ihren Finger zwischen die Lippen der Maus legte. Langsam begann sie ihn zu bewegen, erregte sie ohne in sie einzudringen. Sie spürte bereits wie feucht sie war und schämte sich nicht dafür. Es fühlte sich richtig an. Sie wurde ein kleines bisschen schneller während Alyssa genüsslich durch ihre geschlossenen Lippen stöhnte.

Liavannia hörte Alyssa stöhnen und hätte schwören können noch nie in ihrem Leben einen schöneren Laut gehört zu haben. Alyssa hatte es das unmögliche geschafft. Auch wenn es nur für einen kurzen Moment war, sie hatte es geschafft sie zu lieben. Ein winziger Moment der die Maus sichtlich erschrocken hatte doch es war genug gewesen. Dieser Moment würde alles verändern. Sie kreiste mit ihren Fingern um die feuchten Lippen der Maus und spielte ein wenig mit ihr. Sie neckte sie spielerisch und entlockte ihr mehr von ihrem süßen Stöhnen. Sie war in ihrer Hand und das voll und ganz. Ihr Körper gehörte ihr und sie konnte damit machen was sie wollte doch nicht nur ihr Körper. Alyssa gehörte ihr als Ganzes. Herz, Seele, Verstand, sie alle lagen offen vor ihr und warteten ab, was sie mit ihnen tun würde. Liavannia war sich der Verantwortung bewusst. Sie wusste, dass sie es allein in der Hand hatte wie die Zukunft aussehen würde und sie hatte eine genaue Vorstellung davon. Jetzt musste sie s nur noch in die Tat umsetzen. Ihr Finger glitt ein Stück in Alyssa und Liavannia erschauderte als sie die Energie in ihr spürte. Alyssas volles Potenzial lag bereit und sie musste es nur noch freisetzen. Sie ließ behutsam einen zweiten Finger in die Maus gleiten und begann langsam damit sie abwechselnd zu bewegen. Ein einziger Höhepunkt war alles was noch fehlte. Liavannia spürte ihre eigene Erregung mit jeder Sekunde steigen. Niemand berührte sie, weder Alyssa noch sie selbst und doch spürte sie die Erregung genauso intensiv wie Alyssa sie selbst spürte. Es war ein völlig neues Gefühl und für eine fünftausend Jahre alte Dämonin mochte dies einiges heißen. Der kurze Gedanke von Alyssa hatte sie verbunden und ihre Schicksale miteinander verknüpft. Es wäre so unendlich leicht gewesen sich einfach zu nehmen was sie brauchte doch sie durfte es nicht. Sie müsste es von Alyssa freiwillig bekommen und so zügelte sie sich als sie bemerkte, dass sie sich etwas mitreißen hatte lassen. Ihre Finger glitten aus Alyssa und strichen stattdessen über deren Kitzler. Alyssa stöhnte lauter auf und ihre Atmung wurde schneller. Nun war der Moment gekommen. Der Augenblick auf den sie schon so lange gewartet hatte der alle ihre Träume wahr werden lassen würde. Alyssas Höhepunkt war kaum noch aufzuhalten und dann geschah er.

Ein gellend lauter Schrei erklang als die Maus kam. Liavannia wusste nicht ob es Alyssa war oder sie selbst die geschrien hatte, vermutlich beide. Blendendes Licht brach aus Alyssas Brust hervor und tauchte den gesamten Raum in unerträglich helles Weiß. Liavannia presste die Augen zusammen und hielt sich einen Arm vors Gesicht. Die andere Hand behielt sie auf Alyssa, wollte und durfte sie in diesem kritischen Moment nicht alleine lassen. Das Licht brannte, es brannte schlimmer als die tiefsten Feuer der Hölle und wieder Schrie Liavannia, dieses Mal jedoch waren es Schmerzen die sie dazu zwangen. Ihr Verstand dunkelte sich ab und während sie das Gefühl hatte dass man ihr die Knochen durch glühendes Eisen ersetzt hatte, ließ sie Alyssa los und wurde vom Bett geschleudert. Schmerzhaft krachte sie gegen einen Schrank den sie glatt in einen Trümmerhaufen verwandelte. Das Leuchtfeuer welches auf ihrem Bett brannte hielt noch ein paar wenige Sekunden bevor es endlich verglimmte. Ächzend erhob sich Liavannia und schüttelte sich. Das war intensiver als sie gedacht hatte. Sie kämpfte sich aus den Trümmern ihrer Schlafzimmereinrichtung frei und sah auf das Bett. Umgeben von einem leichten Glühen lag sie da. Alyssa. Liavannia konnte nicht anders als zu grinsen. Sie hatte es geschafft.