Der letzte Engel 3: Schuppige Gefährten

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Nachdem ihr erstes Zusammentreffen mit einer der Kreaturen des Schlosses wenig erfolgreich verlaufen war, muss sich Alyssa wieder aufraffen und weitergehen. Das Schloss hält noch so einiges für sie bereit und ein weiteres Mal soll ihr Vertrauen getestet werden. Mit gemischten Resultaten.


Alyssa brauchte eine ganze Weile, bevor sie sich dazu aufraffen konnte, aufzustehen. Ihr Unterleib schmerzte leicht, doch sie hatte schon Schlimmeres überstanden. Ihre zerfetzten Kleider ließ sie am Boden zurück. Einzig den Mantel ihrer Ordenstracht konnte sie noch verwenden. Die zerrissenen Lumpen dienten zumindest noch als Tuch um sich die Hinterlassenschaft des Wolfes wegzuwischen. Auf etwas unsicheren Beinen ging sie zurück zu der Kerze die sie vorhin abgestellt hatte bevor sie sich entschloss hatte dem Werwolf zu retten. Der Werwolf würde vermutlich wirklich größere Chancen haben wenn er ohne sie fliehen würde. Illias Lehren sprachen von Vergebung und sie vergab dem Wolf. Er hatte vermutlich lange Zeit hier unten verbracht und war voller Angst und Zweifel. Ein bisschen Mitleid machte sich in ihr breit wenn sie daran dachte, dass ein Kind Illias hier so verdorben wurde. Sie müsste hier schnell heraus bevor es ihr genauso erging. Der Wolf mochte allein fliehen, aber sie konnte ihm zumindest folgen. Vielleicht kannte er sich im Schloss ja wirklich ein wenig aus. Treffen wollte sie ihn nicht noch einmal darum ging sie nur langsam den Weg entlang, den auch der Wolf gegangen war. Schon nach wenigen Minuten jedoch, gabelte sich der Weg und Alyssa musste erneut selbst entscheiden wo sie lang gehen wollte. Mit einer Hand hielt sie die Kerze während ihre andere vor der Brust den Mantel zusammen hielt um sich nicht bei jedem Schritt selbst zu entblößen. Die Vorstellung das ihr nackter Körper nur durch den vorne offenen Mantel vor fremden Blicken geschützt war war nicht gerade sehr erbaulich für Alyssa.

Alyssas Weg führte sie lange gerade aus, schlussendlich jedoch zu einer weiteren Wendeltreppe. Wie schon zuvor bei der Treppe im Thronsaal, stand sie vor der Qual der Wahl, auch diese führte sowohl nach oben als auch nach unten. Ein Schild war in die Wand eingelassen, auf dem man früher scheinbar ablesen konnte, wo diese Treppen hinführten. Jetzt jedoch waren die Buchstaben verfault und kein Satz ließ sich mehr daraus bilden. Alyssa entschied sich nach oben zu gehen. Sie wollte wieder zurück an die Oberfläche, die modrige Luft im Keller war alles andere als eine verführerische Vorstellung. Vorsichtig setzte sie den ersten Fuß auf die Steinstufen und begann den Anstieg. Sie versuchte so leise wie möglich zu sein, schließlich wollte sie nicht versehentlich jemanden auf sich aufmerksam machen. Das kleine Intermezzo mit dem Werwolf hatte ihr bereits gereicht. Schier endlos wand sich die Treppe in die Luft und kein Fenster verriet ihr, wie hoch sie schon war. Sie nahm an, dass sie noch immer unter der Erde war. Es würde zumindest die fehlenden Fenster erklären. Als die Treppe dann endlich ihr Ende erreichte, strahlte auch das erste Mondlicht in ihr Gesicht. Keuchend nahm sie die letzten paar Stufen und verweilte für einen Moment um ihren Atem wieder zu finden. Am Boden war sie jedoch nicht. Im Gegenteil. Sie war auf einem Turm. Einem sehr sehr hohen Turm. Eine einzige steinerne Brücke verband ihn mit dem Rest der Burg und sie war der einzige Weg, den sie gehen konnte, wenn sie nicht zurück gehen wollte. Die Brücke hatte kein Geländer, war aber zum Glück breit genug für sie. Auf keinen Fall wollte Alyssa zurück gehen also überquerte sie die Brücke zügig und ging in den deutlich größeren Turm, in den sie führte. Sie vermied es vehement nach unten zu blicken und so schaffte sie es schnell auf die andere Seite.

Wo sie nun gelandet war, konnte sie nicht genau sagen. Dunkelrote Seidentücher hingen von der Decke und verdeckten die Sicht auf den schummrig beleuchteten Raum. Alyssa kämpfte sich durch die Tücher hindurch, die sich wie das Dickicht eines Urwalds in dem Raum ausbreiteten, bis sie die Mitte des großen kreisrunden Raumes erreichte. Der ganze Boden war bedeckt mit Teppichen und Decken. Zahllose Kissen bildeten einen imposanten Berg in der Mitte. Vorsichtig machte sich Alyssa auf den Weg durch das überraschend große und gemütliche Zimmer. Egal wo sie hin trat, ihre Füße berührten nie nackten Stein, sondern landeten immer auf einem Kissen oder Teppich. Wer auch immer hier eingerichtet hatte, er schien ein gewaltiges Problem mit Stein zu haben. Am meisten Beeindruckte sie jedoch der riesige Kissenberg in der Mitte. Er reichte ihr bis auf Augenhöhe. Auch der Geruch war ganz anders als sie diesen erwartet hätte. Es roch nach Vanille, diverse Schalen mit Sand und leise vor sich hin glimmenden Räucherstäbchen schienen der Grund dafür zu sein. Vorsichtig tastete sich Alyssa weiter, immer wieder sah sie sich um doch durch die vielen Tücher und Kissen konnte sie kaum etwas erkennen. Sie wurde trotz der Stille des Raumes das Gefühl nicht los das sie nicht allein war, als würde sich ständig etwas bewegen. Es half den Nerven der weißen Maus nicht wirklich. Sie strich sich gerade eine ihrer blonden Haarsträhnen aus dem Gesicht als sie gegen etwas stieß.

"Wah!", rief Alyssa als sie plötzlich über ein längliches Kissen stolperte, welches überraschend wenig nachgiebig war. Als die Maus jedoch zurück sah, war das Kissen verschwunden.

"Ich sollte hier lieber schnell raus", flüsterte Alyssa leise bevor sie sich wieder auf die Füße richtete Noch bevor sie einen weiteren Schritt machen konnte, bewegte sich etwas hinter ihr. Alyssas Blick landete auf dem Kissenberg in der Mitte des Raumes. Ein einzelnes Kissen war hinab gerutscht. Irgendetwas oder jemand schien darunter vergraben zu sein und dieser Jemand schien nun langsam aufzuwachen. Zwischen zwei Kissen blitzte für einen kurzen Moment ein Auge auf. Leuchtend Gelb und mit geschlitzten Pupillen wie bei einer Katze bohrte es sich in Alyssas Blick. Die junge Maus erstarrte vor Schreck. Sie kannte diese Augen. Jede Maus kannte diese Augen.

Kaum einen Moment später bestätigten sich ihre schlimmsten Ängste. Die Kissen rutschten beiseite und sie sah in das Gesicht einer Schlange. Einer gewaltig großen Schlange. Die grün geschuppte Haut spannte sich bis zum Brustbein wo sie in ein sattes Gelb wechselte, was ihre üppigen Brüste, und den Bauch bedeckte. Ihre Arme waren ebenso bedeckt von den grünlichen Schuppen die nur die Handflächen zu verschonen schienen. Erst von der Hüfte abwärts ging ihr Körper völlig in den einer Schlange über. Wie lang sie in Summe war konnte Alyssa nicht abschätzen. Was sie vorhin für runde Polster gehalten hatte erschien nun in einem ganz anderen Licht. Einem Licht das Alyssa ganz und gar nicht gefiel. Diese Schlange war länger als alles was sich Alyssa jemals vorstellen wollte. Das Reptil sah Alyssa direkt in die Augen und ein Lächeln spannte sich auf ihr züngelndes Gesicht. Ein breiter Fächer aus Schuppen zog sich seitlich an ihrem Kopf hinab wie bei einer Kobra. Auch wenn Alyssa keine Expertin war oder je sein wollte, so schätzte sie die Schlange als deutlich reifer ein. Ihr Gesicht war zwar faltenfrei jedoch klar definiert, ihre Schultern gerade und die Haltung klar Respekt einfordernd. Alyssas Herz hatte in der Sekunde aufgehört zu schlagen, als sie die Schlange gesehen hatte. Es war zwar schon Jahrhunderte her, dass Schlangen generell Mäuse verschlangen, doch gegen ihre Instinkte konnte sie einfach nicht ankämpfen. Der bloße Anblick hatte schon gereicht sie zu paralysieren. So gerne sie auch weggelaufen wäre, sie konnte keinen Muskel in ihrem Körper mehr rühren.

"Sieh mal einer an, ein Mäuschen hat sich zu mir verirrt, wie drollig", zischte die Schlange mit balancierter Stimme und schlängelte sich zu ihr. Jede Faser in ihrem Körper war zu Stein erstarrt und ihr Verstand schrie verzweifelt ihre Muskeln an, sie solle weglaufen und flüchten. Die einzige Bewegung die sie jedoch schaffte war ein Zittern am ganzen Körpern als sich die Schlange langsam aber sicher um sie wand. Ihr Körper schien endlos lang zu sein. Noch drückte sie nicht zusammen, berührte sie ja nicht einmal, doch es wäre nur ein Wimpernschlag, der das ändern konnte. Direkt vor ihren Augen hielt das Gesicht der Schlange an und musterte ihre entsetzte Mimik.

"Na na na, wer wird den so schüchtern sein?", fragte die Schlange mit rauchiger Stimme. Zwischen ihren Lippen züngelte das gespaltene Organ immer wieder hervor und ließ dabei nur wenige Zentimeter Platz zu ihrem Gesicht. Eine ihrer Hände fasste Alyssa überraschend zärtlich am Kinn an und zwang sie ihr in die Augen zu blicken.

"Du gehörst zu der Vampirjägerin, nicht wahr?", fragte sie weiter und begann sich wieder um sie zu schlängeln.

"Ihr Geruch klebt förmlich an dir, du willst sie befreien während meine Herrin nicht im Schloss ist, nicht wahr?", fragte sie weiter und schien darüber regelrecht amüsiert zu sein.

"Welch mutiges Mäuschen du doch bist", lobte sie sie und kam mit ihrem Kopf direkt neben ihr Ohr.

"Oder willst du einfach nur davonlaufen um deine eigene Haut zu retten, huh?", sprach die Schlange und Alyssa erwischte sich, wie sie wirklich für einen Moment daran dachte. Ein kehliges Lachen drang aus ihrem Mund hervor als sie Alyssa genauer betrachtete. Ihren schuldig gesenkten Blick betrachtete sie mit besonders großer Neugierde.

"Du weißt nicht wer ich bin, nicht wahr?", fragte sie und nahm das Schweigen der Maus als Antwort.

"Du weißt nicht einmal wo du hier eigentlich bist, nicht wahr? Nicht einmal wer meine Herrin wirklich ist?“, fragte sie weiter und mit jeder schweigenden Antwort von Alyssa wurde ihr Lächeln breiter.

"Ein unschuldiges Mäuschen ganz alleine in einem riesigen Schloss. Hinter jeder Ecke Gefahren und Monster und niemand der dir helfen könnte", brachte sie Alyssas Situation überraschend genau auf den Punkt. Alyssa wünschte sich nur noch das diese Folter endlich aufhören würde und die Schlange ihr ein schnelles Ende gönnen würde. Sie würde dieses Spiel nicht mehr lange überstehen und bereits jetzt hatte sie Angst, dass ihr Herz bereits für zu lange still stand. Spüren konnte sie ihren eigenen Herzschlag zumindest schon sein einer ganzen Weile nicht mehr.

"Deine Freundin ist im Südtrakt des Schlosses, im persönlichen Verließ von Madame Liavannia. Hinter dir ist eine Tür, sie führt zu einem Treppenhaus. Wenn du das Schloss verlassen willst, dann führt der schnellste Weg durch den ersten Stock. Am Ende des Korridors rechts und danach in die vierte Türe Links. Willst du zu deiner Freundin, so musst du ans andere Ende des Schlosses. Der schnellste Weg führt durch den zweiten Stock. Halte dich immer rechts wenn du das Ende eines Ganges erreichst und du solltest schnell die Küche erreichen. Hinter ihr liegt der Speisesaal und von dort aus kommst du zum Innenhof. Auf der anderen Seite des Platzes musst du wieder ins Schloss und dort dann dem purpurnem Teppich folgen. Er bringt dich direkt zu Madame Liavannias privaten Gemächern. Es gibt noch andere Wege um dort hin zu kommen, doch dies sind die kürzesten", erklärte die Schlange und ließ von Alyssa ab. Die Maus verstand die Welt nicht mehr.

Auf ihrem Kissenberg machte sich die Schlange es sich wieder bequem und sehr zu Alyssas Verwirrung begann sie sich eine Wasserpfeife vorzubereiten. Noch immer zog sich der Rest ihres Körpers nach und schlängelte sich um den Kissenberg. Alyssa schauderte bei der Länge der Schlange. Sie wäre nur ein Snack für sie. Umso mehr verwunderte sie das plötzliche Desinteresse des Raubtieres. Es schien ihr vollkommen egal zu sein, dass sie immer noch zitternd an Ort und Stelle verharrte.

"Viel Glück, Alyssa!", sprach sie und begann ihre Wasserpfeife mit Kohlen zu bestücken. Es wirkte so beiläufig, dass Alyssa es gar nicht glauben konnte, dass diese riesige Schlange sie nicht sofort verspeist hatte. Vor allem wenn sie daran dachte, wo sie hier gerade war, hatte sie eigentlich bereits mit ihrem Leben abgeschlossen, doch die Schlange schien sich kein Bisschen mehr für sie zu interessieren.

"Wieso ... wieso hilfst du mir?", stotterte Alyssa. Es hatte sie alles an Überwindung gekostet ihren Mund auf zu machen, doch das Verhalten der Schlange war viel zu merkwürdig um es unkommentiert zu lassen.

"Es ist schrecklich langweilig in letzter Zeit. Ich habe deine Vorstellung im Kerker übrigens sehr genossen", merkte sie an und schien Alyssas geschockten Blick sichtlich zu genießen. Sofort wandte Alyssa den Blick gen Boden und machte sich noch kleiner als sie ohnehin schon war.

"Ich freue mich schon darauf, mehr von dir zu sehen. Ich bin mir sicher, du wirst mich nicht enttäuschen", zwinkerte die Schlange ihr zu.

"Aber ... wie ... ?"

"Wie ich dich beobachten kann? Die Wände hier im Schloss haben nicht nur Ohren, sie haben auch wirklich ausgezeichnete Augen, meine Kleine. Oh und wenn du auf deinem Weg nicht mehr weiter weißt, dann kannst du jederzeit zu mir zurückkommen. Es wäre mir eine Freude dich als Gast bei mir zu haben. Ich kann dir alles bieten was du brauchst, sei es ein Platz um dich auszuruhen, ein Bad oder etwas zu Essen oder Trinken. Zögere nicht von meiner Gastfreundschaft gebrauch zu machen. Es könnte die einzige sein die du hier bekommst.“

So freundlich ihre Worte auch waren, so falsch klangen sie aus dem schuppigen Mund der Schlange. Es klang nicht wie ein Angebot, sondern wie eine Drohung und Alyssa war sich zu einhundert Prozent sicher, dass sie von der Schlange nichts geschenkt bekommen würde. Welchen Preis sie allerdings zahlen müsste wusste sie nicht.

"Wenn du willst, kann ich dir sogar eine Karte des Schlosses geben", bot die Schlange weiter an.

"Es gibt hier hunderte Gänge, Räume und Wege, man kann hier Jahre verbringen ohne alles zu sehen was diese Gemäuer bieten, sie würde dir gute Dienste leisten", lobte die Schlange die Karte. Alyssa musste zugeben, dass ihr wirklich ein deutlich besseres Gefühl geben würde, wenn sie eine Karte hätte. Andererseits könnte es genau so gut eine Lüge oder eine Falle sein. Allerdings hätte die Schlange dies nicht nötig gehabt. Wenn sie ihr etwas antun hätte wollen, dann hätte sie es schon lange tun können.

"Was ... was würde mich diese Karte kosten?", fragte Alyssa vorsichtig. Ein lautes Lachen entkam dem Mund der Schlange als sie die Frage hörte.

"Was für ein kluges Mäuschen du doch bist!", scherzte sie und wurde dann plötzlich ernst, "doch du hast recht. Alles hier hat seinen Preis. Um dir aber zu zeigen, dass ich wirklich nur dein Bestes will, soll die Karte dich nicht mehr kosten als … einen Kuss", erklärte die Schlange mit ständig breiter werdendem Grinsen. Alyssa schluckte. Eine Schlange küssen? In ihrem Verstand schrillten die Alarmglocken auf voller Lautstärke. Es war ein Trick, eine Falle, sie war sich absolut sicher.

"Woher weiß ich, dass das kein Trick ist?", fragte Alyssa nervös nach.

"Aber aber, als würde ich es nötig haben dich zu belügen. Nein, nein, du bist das Spannendste was hier seit langem passiert und diesen Spaß will ich mir auf keinen Fall entgehen lassen", erklärte sie in aller Seelenruhe während sie eine Wolke dichten Rauches aus ihren Nasenlöchern blies.

"Es steht dir natürlich jederzeit frei mein Angebot abzulehnen", forderte sie die Schlange grinsend heraus und auch wenn sie wusste, dass es vermutlich dumm war, so tat Alyssa genau das. Sie lehnte ab.

"Ich denke ich versuche es alleine", sagte Alyssa und begann langsam rückwärts auf die Tür zuzugehen. Keinen Augenblick lang ließ sie die grinsende Schlange aus den Augen die mit jedem ihrer Schritte breiter zu grinsen schien. Etwas tollpatschig öffnete Alyssa die Tür hinter ihrem Rücken und huschte geschwind wie der Blitz hindurch und schloss sie wieder. Auf der anderen Seite entließ sie den Atem den sie schon viel zu lange angehalten hatte und lehnte sich erschöpft mit dem Rücken an die Tür. Sie hatte mit vielem gerechnet, doch nicht mit einer Schlange, schon gar keiner so großen oder so merkwürdigen. Ob sie ihr wirklich helfen wollte oder nicht konnte Alyssa selbst jetzt nicht sagen. Irgendetwas sagte ihr, dass die Schlange nicht gelogen hatte, doch ehrlich schien sie eben so wenig gewesen zu sein. Zumindest stimmten die Wegangaben. Sie fand tatsächlich das Stiegenhaus und im zweiten Stock sah sie wirklich ein Schild das den Weg zur Küche beschrieb. Auch wenn sie Todesangst hatte, so war Alyssa fest davon überzeugt, dass sie Rebecca nicht einfach zurücklassen konnte und so beschloss sie auf die Wegangaben der Schlange zu vertrauen und die Vampirjägerin zu suchen. Das sie das Schloss so einfach verlassen konnte glaubte sie ohnehin nicht.

Fürs erste jedoch musste sie leider zugeben, dass die Angaben der Schlange soweit stimmten. Es wäre ihr lieber gewesen, wenn sie gelogen hätte, so wusste sie wirklich nicht, was sie von ihr halten sollte. Unbeirrt davon ging Alyssa weiter. Immer wieder lugte sie vorsichtig um die Ecken um zu kontrollieren, dass keiner sie sehen würde. Auf lautlosen Sohlen schlich sie weiter. Es kam ihr beinahe schon seltsam vor, dass sie nie auf jemanden traf, da hörte sie auch schon zwei Stimmen. Sofort versteckte sich Alyssa, doch sie fand nur eine spärliche Deckung. Zu ihrem Pech war sie gerade in der Mitte des Ganges als sie die Stimmen hörte und so konnte sie sich nur notdürftig hinter einer großen Ritterrüstung verstecken. Mit sichtlich mulmigen Gefühl im Magen verharrte sie hinter ihrer behelfsmäßigen Deckung und starrte auf die Ecke hinter der sie die Geräusche gehört hatte. Tatsächlich kamen zwei Kreaturen in den Gang. Alyssa schluckte als sie sie sah. Sie hatte schon viel von ihnen gehört, doch gesehen hatte sie einen Drakoniden bisher noch nie. Fast drei Meter groß waren die schwarz schuppigen Wesen, mit leuchtend gelben Augen und muskelbepackten Körpern. Gekleidet waren sie in schwere Rüstungen die vermutlich alleine schon mehr auf die Waage brachten als Alyssa selbst. In ihrer fremdartigen Sprache schienen sich die beiden Wachen zu unterhalten während sie den Gang entlang gingen. Jede von ihnen trug eine große Hellebarde in den den Klauen. So klein es ging machte sich Alyssa hinter der Rüstung und versuchte sich unsichtbar zu machen. Immer näher kamen die beiden Wesen an ihre Stelle und noch schienen sie sie nicht bemerkt zu haben.

Als sie auf gleicher Höhe mit ihr waren, hatte Alyssa schon gehofft, sie wäre sicher, als plötzlich einer der beiden Drakoniden mit seiner Hellebarde ausholte und der Ritterrüstung hinter der sie sich versteckte eiskalt den Kopf abschlug. Ein lauter, erschrockener Schrei entkam Alyssa als sie sich gerade noch rechtzeitig duckte um dem köpfenden Hieb zu entkommen. Als sie wieder aufsah sah sie in das grinsende Gesicht der beiden Monster.

"Was haben wir den da?", fragte einer von ihnen mit dumpfer, kehliger Stimme.

"Dachte wohl sie könnte sich vor uns verstecken", entgegnete der andere.

"Ha! Als hätten wir sie nicht sofort gerochen!", lachte der andere.

"Die bessere Frage ist, was wir nun mit diesem Eindringling machen?", fragte die Bestie während sie die messerscharfen Zähne fletschte.

"Madame Liavannia hat uns ausdrücklich befohlen jeden Eindringling zu töten", antwortete der andere und umschloss den Griff seiner Waffe deutlich fester.

"Was für eine Schande", sprach der andere und griff mit seiner Hand nach ihr. Alyssa versuchte die Hand wegzuschlagen, doch es war als hätte sie auf einen Steingolem eingehauen. Der Drakonid brach in schallendes Gelächter aus als er sie am Hals packte und so mühelos hochhob, als wäre sie nur eine Puppe. Seine Klaue war wie purer Stahl und gab trotz all ihrer Versuche sich zu befreien keinen Millimeter nach.

"Sie hat uns nicht befohlen sie sofort zu töten", warf der andere Drakonid mit einem Lächeln ein.

"Da hast du recht, sterben wird sie schon noch früh genug. Lass sie uns mitnehmen und vorher noch etwas Spass haben, ich hatte schon lange nicht mehr die Gelegenheit mich so richtig zu amüsieren!"

"So lange du sie nicht zerbrichst, bis wir im Wachzimmer sind, auf eine Leiche habe ich keine Lust", sprach der andere beiläufig.

"So schlimm war die letzte auch wieder nicht", verteidigte sich sein Kamerad.

"Du hättest ihr zumindest nicht gleich den Kopf abreißen müssen, so konnten wir sie doch gar nicht schreien hören."

"Ich werde aufpassen ihn bei dieser so lange wie möglich dran zu lassen, okay?"

"Einverstanden!"

Während sich die beiden Wachen noch unterhielten versuchte Alyssa panisch sich zu befreien. Sie versuchte alles, schlagen, kratzen, treten, beißen, schreien, nichts half. Es zeigte nicht einmal die geringste Wirkung auf die monströse Bestie. Es war als würde sie einen Berg mit Kieselsteinen bewerfen. Achtlos zog der Drakonid sie hoch und warf sie über seine Schulter wo er sie wieder mit seiner Klaue festhielt. Alyssas Herz raste während die beiden wieder anfingen in ihrer fremden Sprache zu reden. Ohne Zweifel besprachen sie gerade was sie alles mit ihr anstellen wollten, so oft wie sie dabei laut lachten hatte Alyssa ein grauenhaftes Gefühl was dies anbelangte. Allzu lange hatte sie nicht Zeit ihre Panik zu schüren, denn viel zu schnell verschwanden ihre beiden Peiniger mit ihr hinter einer Tür und sie wurde grob auf den Boden geworfen. Zahllose Knochen lagen auf dem Boden und in den Ecken verstreut und schienen von den letzten Opfern der Drakoniden übrig geblieben zu sein. Alyssa verkroch sich sofort unter einem massiven Tisch der in der Mitte des Raumes stand und umschloss entsetzt ihre Beine. Lachend stellten sich die beiden Monster um den Tisch.

"Das wird noch richtig Spaß machen!"

"Maus Maus komm heraus!", sang einer der beiden und sofort verfielen sie wieder in lautes Lachen.

"Bitte tut mir nichts!", rief Alyssa verzweifelt unter dem Tisch hervor.

"Aber aber, wir wollen dir doch nichts tun", verspottete sie einer der beiden.

"Wir wollen nur mit dir ... reden", lachte der andere lauthals auf. Eine Klaue packte sie am Fußgelenk und zog sie in einem Rutsch brutal unter dem Tisch hervor. Ehe sie sich versah wurde sie auf eben diesen geschmissen und lag nun wie auf dem Präsentierteller zwischen den beiden.

"Ich hole mal das Besteck!", sagte der eine und verließ den Raum.

"Hmm, ich sollte vielleicht noch den anderen Bescheid sagen", sinnierte er kurz.

"Du meine Hübsche bleibst schön hier!", sprach er und griff nach hinten in ein Regal wo er eine schwere Kette hervor holte.

"Damit du auf keine dummen Gedanken kommst", lachte er und kettete Alyssas Bein an den Tisch.

"Keine Angst, ich bin gleich wieder da und dann bringe ich noch ein paar Spielkameraden mit", zwinkerte er der panischen Maus zu, bevor auch er den Raum verließ. Ein lautes Klacken eines Schlosses war zu hören. Sofort versuchte Alyssa hektisch an der Kette zu zerren, doch der Stahl rührte sich keinen Millimeter.

'Sie werden mich umbringen! Was soll ich nur tun?', hastig sah sie sich um, konnte ihr Herz kaum in der Brust halten so schnell schlug es, doch es gab keinen Ausweg. Tränen liefen ihre Wangen hinab als sie daran dachte, was diese Drachenwesen mit ihr anstellen würden. Derartig brutale Wesen hatte sie in ihrem ganzen Leben noch nie getroffen.

"Oh Illias, himmlische Mutter, ich flehe dich an, sei gnädig mit meiner armen Seele", begann Alyssa verzweifelt zu beten. Etwas anderes blieb ihr nicht mehr übrig. Die Kette würde sie unmöglich zerreißen können, selbst wenn, die Tür würde sie dennoch nicht öffnen können. Würden die Drakoniden erst zurückkommen, gäbe es erst recht kein entkommen mehr. Die Aussichtslosigkeit ihrer Situation wurde ihr erst jetzt so richtig bewusst.

"Ich wäre vorsichtig zu wem du betest. Illias hat eine sehr eigenwillige Vorstellung von Gnade“, hörte sie eine bekannte Stimme plötzlich bei ihr im Raum. Blitzartig drehte Alyssa ihren Kopf um und sah tatsächlich die Schlange von vorhin im Raum stehen.

'Wie ist sie hier rein gekommen?', fragte sich Alyssa kurz bevor sie sich vor sie kniete.

"Bitte hilf mir!", flehte sie die Schlange an. Es war ihr egal wer da vor ihr stand. Sie wollte einfach nicht sterben und wer auch immer sie vor diesem Schicksal bewahren konnte war ihr nur recht.

"Sie werden mich sicher umbringen wenn sie mit mir fertig sind! Bitte, ich flehe dich an du musst mir helfen!", flehte sie die Schlange weinend an, doch diese grinste nur.

"Es wird kein danach geben, du wirst schon während sie dich vergewaltigen sterben", stellte die Schlange trocken klar und schürte damit noch mehr die Panik der jungen Maus.

"Bitte, Bitte hilf mir!", weinte Alyssa nun verzweifelt und sackte zu Boden.

"Ich will nicht sterben."

"Hach, woran liegt es nur, dass ich einer weinenden Maus einfach nicht widerstehen kann", seufzte die Schlange mit einem hungrigem Grinsen.

"Ich helfe dir, aber, du musst auch etwas für mich tun!", stellte die Schlange ihre einzige Bedingung.

"Alles! Alles was du willst, aber bitte hilf mir hier raus!", beschwor Alyssa die Schlange eindringlich und diese nickte nur lächelnd. Mit einem kurzen Schnippen ihrer Finger sprang die Kette um Alyssas Bein auf und die Schlange drehte sich zur Wand um. Durch eine kurze Berührung verschwand ein Teil der Wand und legte den dahinter liegenden Korridor frei. Ein Blick zurück über die Schulter war alles was Alyssa als Zeichen brauchte um sofort der Schlange zu folgen. Als sie den Durchgang passiert hatte, schloss sich die Mauer wieder hinter ihnen und Alyssa konnte zum ersten Mal wieder richtig durchatmen. Hinter der Schlange, immer darauf bedacht dieser nicht auf den exorbitant langen Körper zu treten, ging sie einen langen, kaum beleuchteten Gang entlang. Dass die Schlange eine so begabte Magierin war, hätte sie gar nicht gedacht. Dafür waren Schlangen im Allgemeinen nicht gerade bekannt.

Was die Schlange wohl von ihr verlangen würde? Alyssa schluckte beim Gedanken daran, was sie wohl verlangen könnte. Obwohl es ihr nicht gefiel, sie war der Schlange ihr Leben schuldig und was auch immer sie verlangen sollte, sie würde es tun. Der Gang kam abrupt zum Ende als sie durch einen roten Vorhang gingen. Alyssa erkannte den Raum, es war das Zimmer wo sie die Schlange zum ersten Mal getroffen hatte.

"Willkommen zurück in meinem trauten Heim", verkündete die Schlange mit ausgebreiteten Armen bevor sie sich um den Kissenberg in der Mitte des Raumes schlängelte und dort Platz nahm.

"Ich hätte ja nicht gedacht, dass du dich so schnell fangen lassen würdest. Du musst besser aufpassen wenn du deine Freundin retten willst. Ich werde dir nicht noch einmal helfen", tadelte die Schlange als würde sie mit einem Schulkind schimpfen. Wie genau so eines fühlte sich Alyssa allerdings auch gerade. Mit leicht gesenkten Kopf wartete sie gehorsam ab, was die Schlange noch zu sagen hatte. Es fühlte sich an wie ihre ersten Tage im Kloster wo der neu Abt gekommen war und auch ständig mit ihr geschimpft hatte.

"Du hättest mein Angebot mit der Karte annehmen sollen, einfach die Hauptkorridore entlang zu spazieren und darauf zu hoffen nicht entdeckt zu werden ist töricht. Dieses Schloss ist ein Irrgarten der aus weit mehr besteht als nur dem Stein aus dem er gebaut ist. Nicht einmal ich kenne alle geheimen Wege und Gänge hier", erklärte die Schlange.

"Aber genug der Erklärungen, du schuldest mir etwas und wir sollten keine Zeit verlieren. Siehst du den roten Vorhang mit dem Dreieck darauf? Dahinter ist ein Gang, er führt hinab in die Zisterne, dort unten liegt ein Buch mit violettem Einband auf dem ein goldener Flügel zu sehen ist, ich will, dass du es mir bringst", befahl die Schlange und Alyssa nickte.

"Wenn du es mir unbeschadet bringen kannst, dann überlege ich es mir, ob ich dir nicht vielleicht doch helfe deine Freundin zu befreien", stellte die Schlange ihr in Aussicht und hellte damit Alyssas Züge deutlich auf. Sofort lief die junge Maus zu dem Vorhang und verschwand dahinter.

"Naiv ist sie auf jeden Fall schon einmal", lachte die Schlange und ließ einen Spiegel zu sich schweben, um Alyssa zu beobachten.

Hinter dem Vorhang wartete ein kurzer Gang der schnell endete. Am Ende jedoch war weder eine Tür noch eine Treppe. In einer steilen Bahn war eine Wasserrinne dort vorbeigeführt. Wenn sie weiter wollte, dann müsste sie ins Wasser. Die Strömung schien ziemlich stark zu sein, das Gefälle ebenso. Ein Ende konnte sie nicht erkennen, doch wenn die Schlange sie töten wollte, dann hätte sie sich sicher etwas Besseres überlegt. Alyssa vertraute der Schlange einfach und versuchte ihr Glück. Mit einem Bein testete sie das Wasser an und sofort ergriff es die Strömung. Das Wasser war zwar kalt, doch es war erträglich. Ein letztes Mal atmete Alyssa tief durch, bevor sie in den Strom sprang. Binnen weniger Sekunden war sie davon gespült und wurde von den Wassermassen talwärts getrieben. Der steinerne Boden des kleinen Kanals war so dick mit schleimigem Moos und Algen belegt, dass sie problemlos in die Tiefe rutschen konnte, ohne sich zu verletzten. Nur manchmal hörte sie ein Reißen, wenn sich ein weiterer Teil ihres Umhangs irgendwo verhangen hatte und gerissen war. In absoluter Dunkelheit ging die Reise eine kurze Weile steil bergab bevor wieder ein schwaches Licht am Ende zu sehen war. Als Alyssa sich schon darauf freute aus dem kalten Wasser zu kommen, verschwand der Boden unter ihr plötzlich und sie segelte einige Meter durch die Luft, bevor sie erneut auf die Wasseroberfläche aufschlug.

Mit einem tiefen Schnaufen brach Alyssas Kopf wieder an die Oberfläche und sie sah sich um. Hinter ihr toste noch der Wasserfall des Rohres dass sie hier ausgespuckt hatte. Eine große unterirdische Höhle mit einem großen Wasserbecken. Dies musste die Zisterne sein, von der die Schlange geredet hatte. Schnell schwamm Alyssa an das gemauerte Ufer des Sees und an einer kleinen Leiter kletterte sie ins Trockene. Gespenstisch blau leuchtende Fackeln die eindeutig verzaubert waren, hingen an den Wänden und erhellten den Raum gerade genug, um ihn zu erkennen. Zahllose Säulen ragten aus dem Wasserbecken und verliefen in Deckenbögen zu den anderen Säulen. Es war beeindruckend, was man hier gebaut hatte, doch Alyssa war nicht wegen der Architektur hier. Hier unten sollte ein Buch sein und dieses sollte sie mitbringen. Als Alyssa begann sich umzusehen, wurde sie wieder ihres nassen, nun deutlich zerfetzten Umhangs gewahr. Der nasse Stoff klebte eisig kalt an ihrem Fell und so strich sie ihn kurzerhand ab. So wie die Göttin sie geschaffen hatte, stand Alyssa in der kühlen Zisterne. Ihre zerfledderte Robe hing sie zu einer der Fackeln an der Wand und hofft, dass diese schnell trocknen würde, während sie selbst weiter ging. Es war ungewohnt nackt umher zu gehen, doch hier fühlte es sich nicht wirklich riskant an. Sie bezweifelte, dass hier jemand freiwillig herunter kam. Auch wenn sie zugeben musste, dass der Ort eine gewisse Ruhe ausstrahlte. Die Stille hier würde einen jeden Neuankömmling ohnehin schon lange voraus ankündigen. Einzig das leise Rauschen des Wasserfalls der sie hier her gebracht hatte war leise zu hören. Nachdem sie sich etwas umgesehen hatte, entschied sich Alyssa wahllos für einen der Wege entlang des Beckens. Mehr Räume schien die Zisterne nicht zu haben. Wieso man einen so aufwendigen Raum tief unter der Erde baute, nur um ihn dann wieder zuzumauern wusste Alyssa beim besten Willen nicht. Einen Ausgang fand sie jedoch nicht. Die Wände hielten zwar viele Nischen versteckt, doch keinen Ausgang. Zwei mal war sie nun schon den Beckenrand abgelaufen, doch es gab rein Garnichts hier. Wie ein großes Hufeisen umschloss der gemauerte Rand einen Teil des Beckens doch mehr schien er nicht zu tun. Es sah fast so aus als wäre dies einmal ein Hafendock gewesen, die hohen Säulen mitten im Wasser hätten es jedem Schiff jedoch unmöglich gemacht hier zu ankern. Frustriert sah Alyssa sich weiter um. Es musste irgendeinen Weg hier hinaus geben. Da der Raum nicht mit Wasser gefüllt war, musste es irgendwo ablaufen. Am anderen Ende der großen Zisterne entdeckte Alyssa dann tatsächlich einen kleinen Kanal, der weiter führte. Das Dumme war nur, dass sie dort nur hinschwimmen konnte. Mit einem Seufzen ergab sie sich ihrem Schicksal und sprang erneut in das kühle Wasser. Es ging etwas leichter ohne die hinderliche Robe und nackt zu schwimmen fühlte sich auch bedeutend erfrischender an, als mit einem Nassen Lappen um den Körper.

Anstatt direkt weiter zu schwimmen, verharrte Alyssa etwas an der Stelle an der sie gerade schwamm. Mit ihrer Hand begann sie das Wasser etwas dazu zu nutzen, sich ein bisschen zu waschen. Die Reste des Werwolfes waren noch immer an manchen Teilen ihres Fells und endlich hatte sie die Möglichkeit diese los zu werden. Nach ihrem kurzen improvisiertem Bad, schwamm Alyssa weiter auf den Kanal zu. Er war selbst für ihren schmalen Körper ziemlich eng, doch sie schaffte es sich hindurch zu drücken. Auf der anderen Seite fand sie eine nahezu identische Kopie des vorherigen Zisternenraumes vor. Sie hoffte nur, dass dieser hier einen Ausgang besaß. Zum Glück hatte auch diese Seite eine Leiter die aus dem Becken führte. Was Alyssa sofort aufgefallen war, war dass das Wasser auf dieser Seite deutlich wärmer, geradezu angenehm warm war. Auch die Luft schien deutlich heißer und schwüler zu sein. Es machte das Schwimmen geradezu wohltuend und Alyssa ließ sich ihre liebe Zeit um zu der Leiter zu schwimmen.

Als die überraschend warme Luft sich auf ihr nasses Fell legte durchlief ein Schauer die junge Maus. Die Luft war nicht nur warm, sie war stickig und drückend. Neugierig sah sie sich auf dem gemauerten Kai um der auch in dieser Höhle war. Mit schweren geschmiedeten Gittern verschlossene Torbögen führten aus ihm hinaus doch eine Tür suchte sie vergebens. Einzig eines der Gitter schien mit einem Scharnier an der Wand befestigt zu sein. Eine armdicke Eisenkette verschloss es jedoch. Entmutigt ging sie näher an die Wand. Von weitem sahen die Torbögen noch so aus als wären sie für eine Person ihrer Größe gemacht. Je näher sie ihnen jedoch kam, desto größer schienen sie zu werden. Der erste Torbogen ragte vor ihr auf und selbst wenn sie sich auf ihre eigenen Schultern gestellt hätte, sie hätte die Spitze nicht berühren können so hoch war er. Es war jedoch mehr als Bewunderung für die schiere Größe des Torbogens. Es war Erleichterung. Das Gitter war nämlich ebenso groß und ließ genug Platz das sie spielend leicht hindurch schlüpfen konnte. Endlich schien etwas in ihrem Sinne zu verlaufen. Freudig zwängte sich Alyssa durch eines der Gitterquadrate auf die andere Seite. Der Gang der folgte war breit genug das zwei Pferdekarren nebeneinander darin fahren hätten konnten und kurz fragte sich Alyssa was es mit der schieren Größe auf sich hatte. Das Rätseln brachte sie jedoch nicht weiter und so ging sie vorsichtig los. Es war hell am anderen Ende des Ganges auch wenn die Größe des Lichtes darauf schließen ließ, dass sie ein gutes Stück gehen müsste, bis sie es erreichen würde. Sehr zu ihrem Unmut war der Gang makellos glatt. Keine Deckung, keine Ecken oder Kisten, rein gar nichts hinter dem sie sich verbergen konnte. Die Vorstellung gänzlich unbekleidet durch eine so offene Fläche zu gehen war alles andere als schön. Mit mehreren tiefen Atemzügen versuchte sich Alyssa zu beruhigen.

Die Schlange hatte sie vor einem mehr als grausamen Schicksal gerettet und so ungern sie es auch zugeben wollte, sie schuldete ihr ihr Leben. Wenn es nur ein Buch war das sie im Gegenzug bringen müsste, dann wäre es ein geringer Preis. Mit einem Schlucken verdrängte sie ihre Angst und die Scham im Hinterkopf und begann den Gang entlang zu schreiten. Minutenlang hörte sie nur das leise Geräusch ihrer nackten Füße auf dem warmen Steinboden. Das helle Licht am Ende des Tunnels war ihr einziger Anhaltspunkt. Die blau verzauberten Fackeln die noch von der Zisterne her den Anfang ihres Weges beleuchtet hatten waren schnell verschwunden und nur noch vom anderen Ende drang Licht zu ihr. In fahlem Orange erhellte es den Weg mehr schlecht als recht doch ausreichend um nicht zu stolpern. Die Hitze nahm stetig zu und bald schon fragte sich Alyssa wo eine solche Wärme nur herkommen konnte. Je näher sie dem Ende kam, desto vorsichtiger setzte sie ihre Schritte. Ein weiteres Gitter, ebenso massiv wie das erste versperrte auch diesen Ausgang. Auch wenn es nur ein schwacher Trost war, so half ihr die Gewissheit, dass eine Kreatur wie ein Drakonid dort zumindest nicht hindurch passen würde. Für ihre zierliche Gestalt war es kein Problem und so bot sich zumindest etwas Schutz vor dem Unbekanntem. Zumindest vor Kreaturen die deutlich größer als sie selbst waren. Am Gitter angekommen schreckte Alyssa kurz zurück als sie die Hand auf das Metall legte und spürte wie heiß es war. Vorsichtig steckte sie den Kopf hindurch und spähte um die Ecke.

Sengende Hitze schlug ihr entgegen und sofort zog sie ihren Kopf wieder zurück. Mit ihren Händen strich sie sich kurz übers Gesicht bevor sie einen zweiten Versuch wagte. Vorsichtiger schob sie erneut ihren Kopf durch das Gitter und wieder brandete unmenschliche Hitze auf ihr Gesicht. Sie versuchte standhaft zu bleiben und sich kurz umzusehen bevor sie den Kopf wieder zurück zog. Kaum war sie wieder im Schutze des Ganges entließ sie den Atemzug den sie gehalten hatte. Der Raum war gigantisch. Drei riesenhafte Öfen dominierten ihn und meterdicke Kupferrohre gingen von ihnen fort. Überall im Raum standen massive Kessel, Ventile und Armaturen auf denen Zeiger sich unablässig zitternd bewegten. Es sah aus wie der Heizkeller des Klosters, doch war die Dimension eine völlig andere. Alyssa schätze dass das gesamte Schloss von hier beheizt werden würde und die schiere Größe der Anlage sprach Bände über die Größe des Schlosses. Ihrem Ziel war sie jedoch kein bisschen Näher gekommen. Die Schlange hatte gesagt das Buch sei in der Zisterne und nicht in einem Heizkeller. Sie war hier falsch.

Kaum wollte Alyssa kehrt machen, hörte sie ein dumpfes Dröhnen durch den Gang hallen. Es kam eindeutig aus dem Heizraum doch sie konnte sich schwer vorstellen dass irgendein Wesen diese infernalischen Temperaturen freiwillig ertrug. Wie ein Orkan fauchte das Geräusch von Wind aus dem Raum an ihre Ohren. Schlagartig stieg die Temperatur selbst im Gang um viele Grade an und Alyssa hatte das Gefühl als würde heißer Wüstenwind ihr ins Gesicht blasen. So schnell es gekommen war, verschwand das Geräusch und der heiße Windstoß auch wieder. Drückende Stille legte sich wieder über das Gewölbe. Nur für einen Moment jedoch bevor unmöglich schwere Schritte in ihre Richtung kamen. Ein lautes Rasseln von Eisen klirrte den Schritten mit. Ein leichtes Zittern ging durch den Boden mit jedem mal wo die unbekannte Kreatur einen Schritt auf sie zu machte. Alyssa kauerte sich am Boden zusammen und presste sich so dicht an die Wand wie sie nur konnte. Welche Höllenkreatur auch immer gerade auf sie zu kam, sie musste viel zu groß sein um durch das Gitter zu passen. In diesem Wissen alleine fand Alyssa den Trost nicht um ihr Leben fürchten zu müssen. Ein Wissen welches sich als fataler Irrtum herausstellen sollte. Als die Schritte aufhörten und Alyssa langsam wieder den Kopf hob. Alyssa sah auf und blickte direkt in das gewaltige Auge eines Drachen.

Alyssa war stocksteif. Mit offenem Mund sah sie in das Auge des Drachen der sie fixierte. Sein massiger Kopf füllte beinahe ihr ganzes Sichtfeld aus und ließ sie erkennen für wen der große Gang gebaut war in dem sie gerade saß. Auch wen dieses Gitter aufhalten sollte wusste sie nun. Sie zweifelte jedoch daran dass das Gitter sie auch vor den Flammen des berüchtigten Drachenatems schützen würde, sollte dieser sich entscheiden sie braten zu wollen. Seine feuerroten Schuppen schienen im orangen Licht des Raumes förmlich zu tanzen. Seine Nüstern alleine waren groß genug dass sie mühelos ihren Kopf hineinstecken hätte können. Minutenlang sahen sie sich an ohne sich zu bewegen. Der Drache mit einem seltsam neugierigen Blick und Alyssa starr vor Schreck. Mit einem Schnauben wandte sich der Drache letztendlich ab und zog den Kopf vom Torbogen weg. Eine schwere Eisenkette zog sich hinter dem Kopf des Drachen her und klimperte laut auf dem steinigem Boden. Als er sich abwandte sah Alyssa, dass sie um den Hals des Drachen führte. Mitleid regte sich in ihr. Ein so gewaltiges Geschöpf und doch nur ein Sklave. Sie konnte es sich kaum vorstellen dass irgendjemand oder etwas in der Lage wäre einen echten Drachen zu bändigen. In den Geschichten wurden sie als grauenhafte Monster beschrieben. Groß wie ganze Häuser und der Inbegriff von Feuer, Tod und Zerstörung. Ein einzelner Drache konnte ganze Heere auslöschen und Dörfer dem Erdboden gleich machen. Neugierig folgte sie mit ihrem Blick dem Drachen.

Die geschuppte Echse ging auf allen Vieren zurück zu einem der Öfen. Mit seiner gewaltigen Pranke öffnete er ein Schott des Ofens und kurz sah Alyssa in das lodernde Inferno im Inneren des Kupferkessels. Sie musste die Augen jedoch schnell wieder abwenden als der Drache unter lautem Fauchen eine blau leuchtende Feuerwelle in den Ofen atmete. Fast eine Minute hielt der Feuerschwall an, bevor der Drache sein Maul wieder zuklappte und den Ofen wieder schloss. Nun ergab es für Alyssa endlich einen Sinn. Es war Drachenfeuer dass dieses Schloss beheizte. Der Drache war der Heizmeister.

„Wenn Liavannia ein Problem damit hat wie ich die Öfen befeuere dann soll sie selbst kommen und nicht eine verschreckte Botin schicken!“, grollte der Drache ohne zu Alyssa zu blicken. Für einen Moment hatte die Stimme sie so sehr überrascht, dass sie kaum auf die Worte gehört hatte. Sie hatte noch nie davon gelesen, dass Drachen sprechen konnten.

„Gibt sie ihren Dienern nicht einmal mehr etwas zum Anziehen?“, schnaubte der Drache verächtlich und schüttelte unter lautem Rasseln der Kette den Kopf.

„Mir eine nackte Maus als Botin zu schicken! Ich sollte dich auf der Stelle einäschern närrisches Weibchen!“, spie der Drache verärgert und kam blitzschnell zum Gitter zurückgeschossen. Für einen Moment dachte Alyssa ihr Leben wäre vorbei. Es ging so schnell, sie hatte kaum Zeit darüber nachzudenken doch es geschah nicht. Der Drache blieb vor dem Gitter stehen und sah sie lediglich aus zornigen Augen an.

„Bitte! Bitte tötet mich nicht!“, stotterte Alyssa leise und hoffte den Drachen damit irgendwie besänftigen zu können.

„Wieso? Wieso sollte ich mir eine solche Beleidigung gefallen lassen? Sprich, Weibchen!“, forderte sie der Drache auf. Seine Stimme so laut wie Donnergrollen und um ein vielfaches beängstigender.

„Ich bin keine Dienerin! Bitte Ihr müsst mir glauben. Ich arbeite nicht für die Fledermaus“, erklärte Alyssa und setzte alles auf eine Karte. Sie hoffte nur, dass der Drache wirklich ein Gefangener war und nicht ein Diener von Liavannia. Würde er seiner Herrin berichten das sie hier war, dann wären ihre Chancen unentdeckt zu bleiben gleich null.

„Es gibt nur zwei Wesen hier in diesen Mauern. Liavannias Untergebene und ihre Gefangenen! Wie eine Gefangene siehst du nicht aus. Wagst du es mich zu belügen, Weibchen?“, fragte der Drache wütend und schlug mit einer Pranke gegen das Gitter. Ein lauter Schrei entkam Alyssas Kehle als sie instinktiv zurück sprang um sich in Sicherheit zu bringen. Trotz der massigen Klaue und der offensichtlichen Kraft schaffte der Drache es jedoch nicht das Gitter zu verbiegen.

„Nein! Ich schwöre es! Ich sage die Wahrheit. Bitte lasst es mich erklären. Ich verspreche Euch, ich lüge nicht, bitte glaubt mir“, flehte Alyssa und für einen Moment hielt der Drache den zornigen Blick auf sie. Ohne Ankündigung entspannte sich sein Blick plötzlich etwas.

„Nun gut, erzähl deine Geschichte, Weibchen, doch sei gewarnt, höre ich eine Lüge oder wenn du mich langweilst, dann hast du dein Leben verwirkt!“, warnte sie der Drache und Alyssa hatte nicht den geringsten Zweifel dass er es ernst meinte. Hastig nickte sie und begann stotternd ihre Geschichte zu erzählen. Ihrer Ankunft im Schloss, von Rebecca und der Fledermaus. Von der Schlange, den Drakoniden und von dem Buch welches sie finden sollte um ihre Schuld zu bezahlen.

„Und du schwörst die Wahrheit zu sagen?“, vergewisserte sich der Drache erneut. Eifrig nickte Alyssa und schwor auf die himmlische Mutter dass sie nicht gelogen hatte. So eigenartig es auch war, der Drache schien ihr zu glauben. Seine Züge entspannten sich und ein eigenartiges Geräusch machte sich breit. Wie aufeinander schlagende Steine hallte es durch den Gang und nach ein paar Momenten erkannte Alyssa schließlich was es war. Der Drache lachte. Verwirrt sah sie das riesige Reptil an.

„Ich besitze ein Buch. Ich fand es in der Zisterne als sie mir noch zugänglich war“, sprach der Drache und klopfte anschließend mit sichtlichem Unmut auf das Gitter.

„Wenn du mir hilfst diese Kette abzulegen, dann werde ich es dir geben“, bot er ihr an. Sofort akzeptierte Alyssa ohne überhaupt zu wissen wie sie es anstellen sollte die Kette von dem Drachen zu lösen. Jedes Glied war dicker als ihr Oberschenkel und aus massiven Eisen. Selbst mit einer Metallsäge würde sie Tage brauchen um auch nur eines davon zu zerschneiden. Tage die sie in der Hitze des Kesselraumes verbringen müsste. Der Drache schien ihre Zweifel zu spüren.

„Ich kann die Kette spielend leicht zerbrechen, allerdings ist sie verzaubert und der Wärter würde es sofort bemerken wenn ich den Zauber aufheben würde. Ich will, dass du ihn für mich ablenkst!“, verlangte der Drache von Alyssa. Die junge Maus nickte kurz. Die Vorstellung sich einem Diener von Madame Liavannia zu zeigen war alles andere als erstrebenswert aber wenn sie damit die Schuld bei der Schlange bezahlen konnte, dann blieb ihr wohl keine andere Wahl. Ihre Zweifel jedoch wogen schwer.

„Wenn ich mich dem Wärter zeige, dann wird er mich doch sofort einsperren“, protestierte Alyssa nachdem sie einen Moment darüber nachdachte.

„Nicht wenn du bereits eingesperrt bist“, antwortete der Drache und verwirrte Alyssa damit nur noch mehr. Ihr fragender Gesichtsausdruck schien leicht zu lesen sein denn der Drache begann seinen Plan zu erläutern.

„Ich sagte doch bereits hier drin gibt es nur Liavannias Sklaven und ihre Gefangenen. Er wird dich nur fangen wollen, wenn er denkt du wärst ein Eindringling. Wenn du aber als Sklavin von der Hexe zu ihm kommst, dann hätte er keinen Grund dich einzusperren. Es würde ihn auf jeden Fall lange genug ablenken, damit ich den Zauber brechen kann. Nur die Hexe ist mächtig genug den Zauber erneut zu sprechen er selbst wäre machtlos, wenn ich ihn erst gebrochen habe. Du musst nur dafür sorgen dass er mich nicht unterbricht, während ich den Zauber auflöse. Danach kannst du das Buch haben und verschwinden“, erklärte der Drache selbstbewusst.

„Ich … ich soll als Sklavin zu ihm kommen?“, hinterfragte Alyssa zögernd. Der Gedanke gefiel ihr ganz und gar nicht.

„Aber wie soll ich dann entkommen wenn Ihr frei seid?“

„Ich werde dich natürlich befreien, kleines Weibchen“, lachte der Drache wenig vertrauensvoll. Alyssa zog eine misstrauische Schnute. Sie konnte sich noch allzu lebhaft daran erinnern was ihr beim letzten Mal passiert war, als sie jemanden in diesen Mauern vertraut hatte. Ein bitterer Geschmack bildete sich beim Gedanken an den Werwolf in ihrem Mund.

„Woher weiß ich, dass ich dir trauen kann?“, fragte Alyssa misstrauisch.

„Zweifelst du am Wort eines Drachen?“, forderte sie der Drache provokant heraus.

„Ich könnte dich jeden Moment in einen Haufen Asche verwandeln wenn mir der Sinn danach stünde“, fuhr der Drache sie wütend an.

„Das ist nicht gerade beruhigend“, entgegnete Alyssa eingeschüchtert. Der Blick des Drachen entspannte sich etwas und ein Lächeln machte sich auf seinem gewaltigen Gesicht breit.

„Touché, junges Weibchen, doch so wie ich die Sache sehe, hast du nur zwei Möglichkeiten. Entweder du vertraust mir oder du kehrst mit leeren Händen zurück. Ein Rückweg der nur durch diesen Kesselraum möglich ist. Es sei denn du vermagst es die Wasserrinnen des Schlosses wieder hinaufzuklettern.“

Alyssa schluckte als er den letzten Teil sagte. Daran hatte sie bisher noch gar nicht gedacht. Den gleichen Weg den sie gekommen war konnte sie nicht mehr gehen und wie sie von hier aus zu der Schlange zurückfinden sollte wusste sie nicht. Ein völlig neues Problem stellte sich ihr gerade als sie dem Problem mit dem Buch einen Schritt näher gekommen war. Sie könnte versuchen es dem Drachen zu stehlen, doch wohin dann?

„Kennst du einen Weg zurück zu dem Turm der Schlange?“, fragte Alyssa vorsichtig und sofort antwortete der Drache mit einem lauten Lachen.

„Du hast noch nicht einmal daran gedacht wie du zurück kommen würdest? Wie hast du es nur geschafft so alt zu werden?“, spottete er, besann sich jedoch nach wenigen Momenten des Lachens.

„Wenn du mir hilfst die Kette los zu werden, dann kann ich dir auch einen Weg zeigen, der dich zurück zu deiner geliebten Schlange führen wird“, bot der Drache grinsend an. Wieder war der Wärter der Knackpunkt. Sie müsste sich darauf verlassen, dass der Drache sein Wort halten würde und sie befreien würde. Die Alternative wollte sie sich gar nicht erst vorstellen. Eine Wahl blieb ihr dennoch kaum. So wie der Drache es betont hatte, zweifelte sie daran, dass er sie ungehindert passieren lassen würde, sollte sie ablehnen.

„Und du versprichst mir, dass du mich holst wenn du den Zauber gebrochen hast?“, fragte Alyssa nervös nach. Ihre Entscheidung war bereits gefallen auch wenn sie ihr ganz und gar nicht gefiel. Dennoch wollte sie nicht gänzlich kampflos aufgeben.

„Du hast das Wort eines Drachen!“, versicherte ihr der Drache mit einem breiten Grinsen. Mit einem tiefen Seufzen akzeptierte Alyssa.

„Komm!“, forderte sie der Drache auf und behutsam zwängte sich Alyssa durch das Metallgitter, stets darauf bedacht das heiße Eisen nicht zu berühren. Die Hitze war beinahe unerträglich im Kesselraum doch sie folgte dem Drachen zum anderen Ende des Raumes. Der Drache führte sie zu einer Wand wo einige Metallschränke standen und deutete mit der spitzen Kralle auf einen von ihnen. Wortlos öffnete Alyssa den Spind und sah sich den Inhalt an. Eine unscheinbare Holzkiste, gezimmert aus dünnen Brettern stand darin und Alyssa sah sich deren Inhalt an. Sie schluckte als sie erkannte was der Drache von ihr wollte. Er hatte ihr gesagt sie solle sich als Sklavin tarnen aber sie hatte nicht damit gerechnet was das wirklich bedeutet würde. Der Drache schwieg doch die Aufforderung bedurfte keiner Worte. Ein breites Lederhalsband mit einem dicken Metallring an der Vorderseite war das Erste, was sie aus der Kiste nahm. Es fiel ihr noch verhältnismäßig leicht es anzulegen. Das Leder war überraschend weich und an der Innenseite sogar gefüttert. Sie griff erneut in die Kiste und holte zwei mit einer dünnen Kette verbundene Manschetten hervor und besah sie eindringlich. Sie waren aus dem gleichen Material und ebenso innen gefüttert doch sie hatten einen anderen Verschluss. Auf einer Seite waren sie mit einem Scharnier und auf der anderen Seite mit einem kleinen Schloss versehen. Sie müsste sie nur zuklappen um sie zu schließen doch Alyssa zögerte. Sich selbst die Hände zu fesseln war ein Schritt der viel Überwindung kostete. Sie war zwar bereits nackt und kaum in der Lage sich gegen wen auch immer zu verteidigen aber sich selbst wirklich vollkommen schutzlos dem Versprechen des Drachen auszuliefern war etwas ganz anderes. Geduldig wartete der Drache während Alyssa mit sich haderte. Mit Mit zitternden Händen legte sie die erste Manschette an. Ihr Herz klopfte wie ein brodelnder Teekessel in ihrer Brust als sie die zweite Hand hinter ihrem Rücken durch die Manschette legte. Die Hälften lagen noch unverschlossen übereinander als Alyssa ein letztes Mal tief einatmete. Mit geschlossenen Augen hielt sie den Atem an und ein kurzes Klicken später, war es geschehen. Sie war gefesselt.

Mit den Händen hinter dem Rücken gefesselt fühlte sie sich um ein Vielfaches nackter als noch zuvor. Angst machte sich in ihr breit und sofort bereute sie es. In einem kurzen Anflug von Panik versuchte sie an den Manschetten zu ziehen und sich zu befreien doch es war hoffnungslos. Mit ängstlichen Augen drehte sie sich zu dem Drachen um der nur grinste. Es war zu spät. Nun gab es wirklich kein Zurück mehr. Ein ohrenbetäubendes Brüllen entfuhr der Kehle des Drachen und Alyssa wich instinktiv zurück. Ohne ihre Hände jedoch verlor sie schnell das Gleichgewicht und landete auf dem heißen Steinboden. Wieder brüllte der Drache aus voller Kehle. Alyssa schloss bereits mit ihrem Leben ab als das laute Knallen einer Tür sie aufschrecken ließ.

„Was soll der Lärm du verdammte Missgeburt?“, schrie eine tiefe Stimme und verächtlich wandte der Drache seinen Kopf zu der Tür um. Alyssa folgte seinem Blick und sah den Wärter in der Tür stehen. Deutlich über zwei Meter groß und mit leuchtend roter, ledriger Haut stand ein wahres Monstrum in dem für ihn fast zu kleinen Türrahmen. Auf breiten Hufen ruhten dicke, muskelbepackte Beine. Ein simpler Lendenschurz war alles was der Minotaurus trug. Sein Körper schien ab der Hüfte seine breite fast zu verdoppeln. Muskeln so fest und dick dass sie sogar den Drakoniden ebenbürtig waren spannten sich unter seiner Haut. Ein dicker goldener Ring ragte aus seiner Nase die das wütende Gesicht dominierte. Zwei spitze Hörner ragten aus seinem Stierkopf mehr als einen halben Meter in die Höhe. Mit ihnen zusammen war er fast doppelt so groß wie sie. Für einen Moment sah er den Drachen nur strafend an, dann jedoch entdeckte er Alyssa am Boden liegen. Seine Mine verzerrte sich noch mehr als sie es ohnehin schon war.

„Weg von ihr du Scheißvieh!“, befahl er und berührte kurz den Ring den er an seiner Hand trug. Mit einem lauten Schrei wich der Drache gequält zurück. Alyssa verstand die Welt nicht mehr. War das Magie? Hatte er dem Drachen weh getan? Wutentbrannt kam der Minotaurus auf sie sie zu gestampft.

„Was hat das zu bedeuten? Was will eine Sklavin hier?“, fragte er die am Boden kauernde Maus doch Alyssa schaffte kein Wort.

„Sprich!“, schrie er sie an. Verängstigt zuckte Alyssa nur noch mehr zusammen und versuchte sich so klein wie nur irgendwie möglich zu machen.

„Na los, erschreck sie zu Tode! Ich bin mir sicher die Hexe schickt dir noch eine Sklavin wenn du ihr Geschenk sofort umbringst du Narr“, lachte der Drache spöttisch und schnaubte einen kleinen Flammenschwall aus seinen Nüstern.

„Niemand interessiert sich für deine Meinung. Zurück an die Arbeit du Bastard!“, schrie der Minotaur den Drachen an und berührte erneut den Ring an seinem Finger. Lauter als zuvor schrie der Drache und wich gepeinigt zurück. Nun war sich Alyssa sicher dass der Ring einen Zauber verbarg der es dem Wärter möglich machte dem Drachen Schmerzen zuzufügen. Für einen kurzen Moment hatte sie Mitleid mit ihm, der Moment war jedoch schnell vorbei als sie das Lachen des Minotaurus hörte.

„Ein Geschenk also. Dachtest wohl du könntest mich um meinen gerechten Lohn bringen du Missgeburt! Ha! Bleib beim Feuer spucken, für etwas anderes ist deine nutzlose Rasse nicht zu gebrauchen!“, rief er dem Drachen zu bevor er Alyssa packte und zu sich hoch zog. Nur wenige Zentimeter vor seinem Gesicht hielt er die Maus und musterte sie eindringlich. Alyssa stand der Schrecken ins Gesicht geschrieben und scheinbar schien gerade dies dem Monster am besten an ihr zu gefallen. Nach ein paar unendlich langen Momenten klemmte er sie sich wie einen Sack Mehl unter den Arm und verließ den Raum. Alyssa zitterte am ganzen Leib und doch war sie froh als der Stiermensch die Tür hinter sich zum Kesselraum schloss und die Temperatur schlagartig um viele Grad sank. Noch viel länger hätte sie es nicht in der Hitze des Kesselraumes ausgehalten. Schon jetzt war sie schweißnass. Der Weg führte sie nicht weit. Nur wenige Meter weiter trat der Stier mit einem Huf eine Holztüre auf die mit lautem Krachen an die Wand schwang. Ein spärlich eingerichtetes Zimmer begrüßte Alyssa. Ein halb verrostetes Eisenbett, ein Tisch mit einigen Zetteln und Geräten die sie nicht kannte. Ein großer Holzschrank. Mehr gab es nicht in dem spartanischem Steinzimmer. Der Minotaurus setzte Alyssa neben dem Bett ab. Mit einer seiner muskelbepackten Hände hob er das Bett an einer Ecke hoch und schob ihre Hände unter den Fuß des Bettes. Mit einem lauten Krach ließ er es zu Boden sausen. Ein lautes Schreien verließ Alyssas Mund als sie kurz dachte, er wollte ihre Hände darunter zerquetschen. Als sie jedoch keinen Schmerz spürte begann sie ihre Hände zu bewegen und stellte schnell fest, was er wirklich vor gehabt hatte. Da er die Kette die ihre Hände hinter dem Rücken verband nicht öffnen konnte oder wollte, hatte er einfach das Bett angehoben und den Fuß des Bettes dazwischen geschoben. Sie musste es nicht einmal versuchen um zu wissen, dass sie das Bett nicht einmal einen Zentimeter anheben könnte selbst wenn sie sich mit voller Kraft dagegen stemmen würde. Sie saß hier fest.

„Es wurde auch Zeit das Madame Liavannia meine Arbeit hier würdigt!“, sprach er lachend und sah Alyssa eindringlich an. Seine hungrigen Augen wanderten über jeden Zentimeter ihres Körpers. Die Schamröte stieg ihr ins Gesicht als sein Blick auf ihren entblößten Brüsten landete und viel zu lange dort verharrte. Mit ihren Beinen konnte sie zumindest einen Teil verdecken doch ihr ganzer Oberkörper war frei sichtbar. Sie hatte zwar keine wirklich große Oberweite, eher im Gegenteil, aber sie wollte trotzdem nicht, dass jemand sie so anstarrte. Mit jeder verstrichenen Sekunde gefiel ihr der Plan weniger. Sie hatte einfach viel zu viel aufs Spiel gesetzt. Alles um genau zu sein. Wenn der Drache sie betrügen würde, dann gäbe es dieses Mal keine Chance mehr zu entkommen. Die Schlange hatte bereits gesagt sie würde ihr nicht noch einmal helfen und alleine hatte sie absolut keine Chance gegen den Stiermenschen. Selbst die Fesseln los zu werden war ohne Hilfe unmöglich. Sie hatte sich ihrem Schicksal schutzlos ausgeliefert und nun bereute sie bitter was sie getan hatte. Die Augen des Minotaurus wanderten unbeirrt über ihren nackten Körper und ein lüsternes Grinsen lag in seinem Blick. Sie hatte keinen Zweifel daran was er mit ihr vor hatte und doch hoffte sie immer noch, dass ihr dieses Schicksal irgendwie erspart bleiben würde. Eine vergebliche Hoffnung wie sie spätestens dann erkannte, als der Minotaurus seinen Lendenschurz abstreifte und ebenso nackt vor ihr stand wie sie selbst war.

Alyssas Augen drohten den Rahmen ihres Gesichts zu sprengen so groß wurden sie. Eine ganz neue Form der Angst durchzog ihren Körper wie eine Welle. Das er sich an ihr vergehen würde hatte sie bereits erwartet aber wenn er das wirklich tun würde, dann würde er sie dabei vermutlich umbringen. Es gab keinerlei Möglichkeit wie sie ein so enormes Teil in sich aufnehmen konnte ohne dabei bleibenden Schaden davon zu tragen. So lange wie ihr ganzer Unterarm und mindestens so dick hing der noch schlaffe Schwanz des Minotaurus direkt vor ihren Augen. Gebannt vor Schock starrte Alyssa ihn an. Sie hatte nicht einmal mehr die Klarheit im Kopf um ein Gebet an Illias zu schicken. Es schien ihr vergeblich jetzt noch auf ein Wunder zu hoffen.

„Hatte auf etwas anderes gehofft aber fürs erste muss das reichen!“, sprach der Minotaurus knapp und packte mit einer Hand ihren Kopf. Er schien ihren vehementen Widerstand nicht einmal zu spüren. Problemlos schob die muskulöse Hand ihren Kopf direkt gegen seine Lenden. „Na los! Oder hat mir Herrin Liavannia etwa eine Sklavin geschickt die noch nicht abgerichtet ist?“, fragte er mit drohendem Unterton. Alyssa stockte kurz der Atem. Es schien fast so als würde er hoffen sie würde mit ja antworten. Was dieses grobschlächtige Monster unter abrichten verstand wollte sie gar nicht herausfinden. Sie hatte eine viel zu niedrige Hemmschwelle was Schmerzen anging dafür. Sie musste ja schon weinen wenn sie sich nur den Zeh an einem Möbel anstieß. Widerwillig wandte sie sich dem noch immer schlaffen Schwanz des Minotaurus zu. Mit zusammengekniffenen Augen öffnete sie den Mund. Der Stier zögerte nicht eine Sekunde und packte sein bestes Stück mit der freien Hand und stieß die Spitze in Alyssas Mund. Die Spitze allein reichte bereits aus um ihren Mund gänzlich auszufüllen. So gut es ging versuchte sie den bitteren Geschmack zu ignorieren und an etwas anderes zu denken. Eigeninitiative schien nicht von Nöten zu sein den der Minotaurus übernahm sofort für sie. Mit seiner Hand schob er ihren Kopf vor und zurück und drückte seinen Schwanz damit schmerzhaft tief in ihren Mund. Mit der freien Hand kümmerte er sich um den Rest der nicht in ihren Mund passte. Alyssa versuchte sich vorzustellen dass sie woanders sei. Irgendwo im Kloster, zusammen mit den anderen Schwestern, weit weg von diesem Ort doch es fiel ihr nicht gerade leicht. Das laute Grunzen des Stiers und seine grobe Behandlung rissen sie immer wieder aus ihrer Traumwelt heraus. Die Augen hielt sie weiterhin fest geschlossen, sie wollte gar nicht sehen was da gerade mit ihr angestellt wurde. Wie eine Bestie stöhnte der Minotaurus über ihr und nahm keinerlei Notiz von ihrem Unbehagen. Seine grobe Behandlung wurde mit jeder verstrichenen Sekunde schlimmer. Ihr lautes flehendes Stöhnen kümmerte ihn nicht und immer fester drückte er ihren Kopf auf seinen Schwanz. Alyssa glaubte zeitweise er versuchte tatsächlich sie damit aufzuspießen. Mehrmals hatte sie Angst sie müsse sich jeden Moment übergeben als er besonders tief in ihren Mund stieß. Wie lange es schon geschah wusste Alyssa nicht. Es kam ihr auf jeden Fall viel zu lange vor. Nach einer gefühlten Ewigkeit in der sie nur hoffte, dass ihrem Kiefer kein bleibender Schaden entstehen würde, drückte der Minotaurus sie ein letztes Mal auf seinen Schwanz. Mit einem lauten Brüllen spritze er in ihr ab. Alyssas Mund war heillos überfordert und sofort blähten sich ihre Backen auf. Ein kleiner Teil des bitteren Samens glitt ihren Hals hinab aber der Löwenanteil davon spritzte aus ihrem Mund heraus. Mehrmals spritzte er in ihr ab und mehr und mehr von seinem Sperma lief ihr aus dem Mund und verschandelte ihr Fell. Alyssa grauste von der Vorstellung dass sie eine nicht gerade kleine Menge davon tatsächlich geschluckt hatte. Als er endlich seine Hand von ihrem Kopf nahm zog sie sofort ihren Kopf hustend zurück. Ihr ganzes Gesicht war verschmiert und selbst auf ihrer Brust klebte eine Unmenge von der Hinterlassenschaft des Stieres. Ein paar Mal erlaubte er ihr zu husten bevor er sie an den kurzen Haaren packte und wieder zu sich zog.

„Los, sauber machen!“, befahl er und Alyssa verzog das Gesicht. Ein schmerzhafter Ruck an ihren Haaren erinnerte sie jedoch schnell daran, dass es keine Bitte war die er ausgesprochen hatte. Widerwillig begann sie mit der Zunge die Spitze abzulecken und hoffte er würde bald zufrieden sein. Er ließ sie beinahe eine volle Minute lecken bevor er sich wortlos umdrehte und seinen Lendenschurz wieder anzog. Ohne sie weiter zu beachten verließ er den Raum. Irritiert blieb Alyssa am Boden hocken. Nichts hätte sie lieber getan als sich mit der Hand den Mund und das Gesicht abzuwischen doch ihre Hände waren immer noch hinter ihrem Rücken um den Bettpfosten gefesselt. Hilflos musste sie das klebrige Gefühl in ihrem Fell ertragen. Mehrmals spuckte sie auf den Boden um zumindest den Geschmack los zu werden doch es half mehr schlecht als recht. Alyssa hoffte nur, dass der Drache die Zeit genutzt hatte um den Zauber zu brechen. Die Stille in dem Raum war das Schlimmste für Alyssa. Jedes noch so kleine Geräusch ließ sie aufschrecken und befürchten der Wärter wäre zurückgekommen und doch bewegte sich die Holztüre kein einziges Mal. Es machte sie beinahe verrückt so hilflos warten zu müssen.

Ohne eine Uhr im Zimmer konnte sie nicht abschätzen wie viel Zeit vergangen war. Sie war kurz eingenickt als dieses Mal tatsächlich die Tür geöffnet wurde. Lange konnte sie nicht geschlafen haben, das klebrige Gefühl in ihrem Fell hatte sich noch kaum verändert. Vielleicht eine Stunde aber nicht länger schätzte sie. Für den Minotaurus war es jedoch scheinbar lange genug. Als er erneut den Lendenschurz ablegte wusste Alyssa bereits was passieren würde. Noch zwei weitere Male wiederholte es sich bis sich der Minotaurus endlich ins Bett legte. Alyssa ließ er am Ende des Bettes am Boden hocken. Es schien ihn kein bisschen zu kümmern. Die junge Maus selbst war nur froh, dass es endlich für ein paar Stunden vorbei war. Ihr Kiefer tat ihr weh, der Hals schmerzte, ihre Beine taten ihr weh vom harten Steinboden und ihre Arme die schon so lange hinter ihrem Körper gefesselt waren schmerzten. Nach dem dritten Mal an dem er ihren Mund benutzt hatte, war Alyssas Hoffnung gestorben dass der Drache noch zu seinem Wort stehen würde. Er hatte sie ebenso betrogen wie der Werwolf und dieses Mal gab es keine Chance mehr für sie zu entkommen. Die Schlange war ebenso nicht gekommen, genauso wie sie es gesagt hatte. Leise Tränen liefen ihr die Wangen hinab als sie daran dachte, dass dies von nun an jeden Tag so weitergehen würde. Er würde sich aber auf Dauer sicher nicht nur mit ihrem Mund zufrieden geben und gerade das machte Alyssa die meiste Angst. Zu schlafen fiel ihr endlos schwer. Ihr ganzes Fell war mittlerweile verklebt und das Sperma des Minotaurus war über ihre ganze Brust verteilt. Selbst zwischen ihre Beine war es gelaufen wo es sich besonders unangenehm anfühlte. Sie fühlte sich elendig und wünschte nur, sie könnte ihre schmerzenden Muskeln strecken und sich allen Schmutz vom Körper waschen. Ihr Hunger war ihr vergangen gewesen als sie zum ersten Mal seinen Saft geschmeckt hatte doch langsam kam er wieder. Seit sie das Schloss betreten hatte, hatte sie noch nichts gegessen und auch getrunken hatte sie bisher noch nichts was nicht von dem Minotaurus kam. Ihr knurrender Magen machte ihr das Schlafen noch schwerer als es ihre verkrampfte Position ohnehin schon tat.

Ein lautes Knarzen weckte Alyssa und beinahe hätte der massige Huf des Minotaurus ihr Bein zerquetscht als dieser aus dem Bett stieg. Er nahm keine Notiz von ihr und ging stattdessen einfach direkt aus dem Raum. Mit rasendem Herz richtete sich Alyssa so gut es ging auf und begann erneut an ihren Fesseln zu ziehen. Sie hatte es gestern Stundenlang versucht, ohne auch nur der geringsten Erfolg doch es war das einzige was sie tun konnte. Nach kurzer Zeit schon kam der Wärter zurück und es begann erneut. Er schien sich dieses Mal einen Spaß daraus zu machen nicht direkt in ihren Mund zu spritzen sondern ihr direkt auf den Kopf. Alyssa schüttelte angewidert den Kopf doch es half nichts ihre verklebten Haare zu säubern. Der Minotaurus lachte nur und beim nächsten Mal als er kam, wiederholte er die Prozedur. Ein drittes Mal kam er nicht mehr. Stundenlang wartete Alyssa während ihr knurrender Magen ihr mehr und mehr zu schaffen machte. Auch ihre Kehle war mittlerweile trocken und kratzig. Den einzigen Vorteil den sie daran fand schon so lange nichts mehr gegessen oder getrunken zu haben war, dass sie auch nicht auf die Toilette musste. Noch nicht. Wie so oft schon versuchte Alyssa sich zu entspannen so weit es ihr möglich war. Zu vergessen wo sie war und sich vorzustellen dass alles nur ein böser Traum war aus dem sie jeden Moment aufwachen würde.

Ein leises Rasseln ließ Alyssa träge aufwachen. Mit einer Hand rieb sie sich den Sand aus den Augen und spürte dabei deutlich die schmerzenden Muskeln in ihrer Schulter. Es dauerte noch einen weiteren Moment bis ihre Augen aufsprangen und sie auf ihre Hand sah. Die Manschetten fehlten. Sofort Sprang sie auf, fiel aber direkt wieder auf ihre Knie. Ihre Muskeln fühlten sich an wie Wackelpudding und die Gelenke protestierten vehement gegen die Bewegung. Nur mit einiger Mühe konnte sich Alyssa aufrichten. Endlich wieder die Beine auszustrecken tat höllisch weh doch es war ein guter Schmerz. Auf wackeligen Beinen ging sie ein paar Schritte und sah dann zurück zu den Platz auf dem sie so lange gefesselt war. Die Manschetten lagen aufgeklappt auf dem Boden und ein verräterischer Fleck war auf dem Steinboden zu sehen wo die Hinterlassenschaften des Minotaurus gelandet waren. Angewidert wandte sich Alyssa ab und verschwand so leise sie konnte aus dem Raum. Was es genau damit auf sich hatte, dass sich die Manschetten gelöst hatten wusste sie zwar nicht, aber sie wollte nicht warten bis der Wärter zurück kam und es ihr erklärte. Vorsichtig lugte sie aus der Tür aber erblickte niemanden auf dem Gang. So schnell ihre steifen Füße sie trugen rannte sie zurück zum Kesselraum und kümmerte sich nicht um die Hitze. Ihre einzige Chance war das Gitter durch das sie gekommen war. Der Wärter würde niemals hindurch passen und auch wenn sie dort in einer Sackgasse fest saß, so war sie zumindest sicher dort. Eilig huschte sie durch den Raum und zwängte sich durch das Gitter bevor sie sich umdrehte.

Ein erleichtertes Ausatmen erlaubte sie sich erst als sie sich sicher war, dass der Wärter nicht kam. Den einzigen den sie in dem Raum sah war der Drache der gerade dabei war etwas zu fressen. Er hatte ihr den Rücken zugekehrt und so schien er sie noch gar nicht bemerkt zu haben.

„Drache!“, rief Alyssa und hoffte er würde sie trotz ihrer heiseren Stimme hören. Tatsächlich wandte sich die gigantische Echse zu ihr um und Alyssa riss vor Schreck eine Hand vor den Mund. Aus dem Maul des Drachen hing noch ein Bein des Wärters welches dieser mit einer schwungvollen Bewegung in seinen Rachen beförderte und hinunterschluckte. Alyssa musste sich abrupt umdrehen um sich nicht sofort zu übergeben. Erst als sie mehrmals geschluckt und tief durchgeatmet hatte, drehte sie sich wieder zu ihm um. Der Drache sah sie grinsend an.

„Ah, wie ich sehe hast du deine Zeit genossen“, lachte der Drache als er ihren Zustand sah. Mit einer Klaue zeigte er auf eine Kiste die unweit von Alyssa stand.

„Da drin liegt das Buch welches du suchst. Wenn du zu der Schlange zurück willst, dann musst du diese Tür dort nehmen“, wieder deutete er auf eine Wand und auch wenn sie nur schwer zu erkennen war zwischen den ganzen Rohren, so sah Alyssa eine Tür hervorblicken.

„Sie führt zum Kerker, von dort aus kommst du zu dem Turm in dem sie lebt. Du kannst aber auch gerne hier bleiben. Wie es aussieht hattest du ja eine Menge Spaß mit dem Wärter. Ich dachte mir schon das es dir gefallen würde von ihm benutzt zu werden darum hab ich dir auch erst deinen Spaß gelassen bevor ich ihn getötet habe. Keine Ursache“, lachte der Drache erneut und wandte sich von ihr ab um einen der Öfen zu begutachten. Alyssa traute ihren Ohren nicht. Ohne das Gehörte wirklich verarbeitet zu haben zwängte sie sich durch das Gitter und öffnete die Kiste. Neben einigen andern Dingen fand sie darin wirklich ein dickes, in Leder eingebundenes Buch. Er hatte sie nicht angelogen.

„Du … du hast absichtlich gewartet?“, fragte Alyssa den Drachen ungläubig. Sie konnte sich einfach nicht vorstellen das es wahr war.

„Natürlich. Ich habe doch gesehen wie bereitwillig du die Fesseln angelegt hast. Du hattest es wohl bitter nötig mal ordentlich durchgenommen zu werden und da ich dich beim Versuch vermutlich entzwei gerissen hätte, hab ich mir gedacht ich lasse dem Wärter noch ein letztes Mal Spaß haben bevor ich ihn entzwei reiße“, lachte er erneut.

„Ich .. ich …“, Alyssa fehlten die Worte. Ihr wollte einfach nichts einfallen was sie darauf antworten konnte. Zig Mal hatte der Wärter sie gequält und missbraucht und alles nur weil der Drache dies für lustig hielt. Es war zu viel. Tränen brachen aus ihren Augen hervor und noch während der Drache sie neugierig ansah wandte sie sich um und rannte zu der Tür die er ihr gezeigt hatte. Hinter der Tür wollte sie alles lassen was sich hier zugetragen hatte. Wollte den Wärter vergessen, wollte die Schmerzen vergessen, den Drachen, einfach alles. Mit trüben Augen rannte sie den schmalen Gang entlang der sie zu einem vertrauten Raum führte. Hier war sie angekommen als sie die Treppe hinter dem Thronsaal hinabgestiegen war. Ohne langsamer zu werden rannte sie den Gang entlang den sie bereits einmal gegangen war. Als sie am Kerker war sah sie nicht ein einziges Mal zur Seite sondern rannte schnurgerade weiter auf die Treppe zu die sie zu der Schlange führen würde. Die Treppe kostete sie den Rest ihrer Ausdauer. Ohne etwas zu Essen und Trinken für so lange Zeit war sie schwächer geworden als sie gedacht hatte. Vollkommen entkräftete erreichte sie den Raum der Schlange und ließ sich dort auf die Knie fallen. Der weiche, überlappende Teppichboden war eine willkommene Abwechslung für ihre Knie die so lange auf Steinboden gelegen hatten.

Alyssa konnte hören das die Schlange da war, doch sie sah nicht zu ihr auf. Sie hielt den Kopf gesenkt und begnügte sich damit einfach nur zu weinen. Zu grausam war der Drache zu ihr gewesen. Sie konnte und wollte einfach nicht verstehen warum er so etwas getan hatte und wie er auch noch darüber lachen konnte.

„Ich bin beeindruckt“, hörte sie die Stimme der Schlange, reagierte jedoch nicht darauf. Sie nahm ihr das Buch aus den Händen aber sonst tat sie nichts.

„Ich muss zugeben, ich bin überrascht das du so viel riskiert hast nur um deine Schuld bei mir zu begleichen. Es ist viel zu selten geworden jemanden zu treffen der noch so viel Ehre im Leib besitzt. Komm, ich habe dich bereits erwartet!“, sprach die Schlange und eine schuppige Hand ergriff die Ihre. Alyssa war es egal was nun kam. Sie hatte nicht mehr die Kraft um gegen irgendjemanden oder etwas anzukämpfen. Wie ein abgerichtetes Tier ließ sie sich von der Schlange in einen Nebenraum führen und auf einen Stuhl setzen.

„Iss, wenn du fertig bist, dann erwarte ich dich in dem Raum hinter dem violettem Schleier“, sprach sie und ließ Alyssa anschließend alleine. Neugierig wischte sich Alyssa die Tränen aus den Augen. Vor ihr stand eine Schüssel mit dampfender Suppe und einem halben Leib Brot. Eine Karaffe mit dunklem Rotwein und eine zweite mit klarem Wasser. Trotz ihres Hungers nahm sich Alyssa die Zeit ihrer Göttin für das Essen zu danken bevor sie Anfing es förmlich zu verschlingen. Es tröstete sie zu wissen, dass wenigstens ein einziges Wesen in diesen Mauern wusste was Barmherzigkeit war. Es erinnerte sie daran was ihre Schwester Oberin immer gesagt hatte, dass selbst in der tiefsten Dunkelheit irgendwo immer ein Funke Licht existierte. Alyssa war froh über dieses Licht, auch wenn es ausgerechnet eine Schlange sein musste, die für sie in der tiefsten Nacht leuchtete.