Goldherz - 1.2 Wachsame Augen

Story by Larc on SoFurry

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Es ist der Vorabend des Ausmarsches der Truppe des Ordens. Junge Drachenkrieger genießen den Freigang und wecken mit ihrer ausgelassenen Feier den Unmut ihres Generals.

Starring: Fengar

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Dieses Mal habe ich drei Gäste dabei!

Dyr, http://img5.fotos-hochladen.net/uploads/dyrrefxo59bqn7wr.jpg

Fiete Langohr: http://www.furaffinity.net/view/18291994/

Shador, der schwarzrote Drache http://www.furaffinity.net/view/17584486/ (als Anthro)


Goldherz

(c) Larc

Teil 1

1.2 Wachsame Augen

Spätabendliche Stille hatte sich über das idyllische Dorf gelegt, als der Bibliothekar sein Haus verließ. Fiete der graue Esel hielt kurz inne und füllte seine Lungen mit einem tiefen Atemzug der frischen Nachtluft. Gekleidet im einfachen Stoffhemd und Hose, spürte er den sanften, kühlen Wind und zog sich sein rotes Halstuch zurecht. Seine aufgestellten Ohren lauschten den Geräuschen der Natur, die vom Zirpen der Grillen untermalt, ein leises und harmonisches Orchester erzeugten. Nach einem langen, wenig ereignisreichen Tag in den Archiven des Ortes und den kaum enden wollenden Abschriften von Sach- und Märchenbüchern, schien ein kleiner Spaziergang das Richtige zu sein, um den Kopf frei zu bekommen. Er liebte diese Zeit, in der die Ruhe einkehrte und ließ den Blick über die benachbarten Steinhäuser mit ihren Strohdächern schweifen. Manche Nachbarn schienen noch ein paar geruhsame Stunden vor dem Kamin zu verbringen, doch die meisten Lichter waren bereits erloschen. Mal wieder hatte er die Zeit vergessen. Sein Hungergefühl und die Hoffnung noch eine Kelle von Mays Eintopf in der Schenke zu ergattern, lenkten seine Schritte in deren Richtung, als er die Türschwelle verließ.

Eine leise Stimme drang bereits an sein Ohr, als er von der östlich gelegenen Gasse Richtung Süden abbog und dem Pfad zum Ortsrand folgte, an dem die Schenke lag. Die Worte des Geschnatters waren noch nicht zu verstehen, als er es bereits dem Klang nach der Dame zuordnen konnte, die dafür bekannt war. Aus südlicher Richtung kam ihm auf dem spärlich beleuchteten Weg ein Pärchen entgegen. Zwei etwas untersetzte Gestalten, die eine etwas größer und weniger kernig gebaut als der andere und bekanntlich meist die Lautere von Beiden.

„Betrunken, laut und vulgär! Außerdem sind sie übergroß und haben ein Maul voller scharfer Zähne! Der alte Harold erlitt fast einen Herzinfarkt, als einer von denen auf einmal anfing, aus voller Kehle zu brüllen, um seine volltrunkene Demonstration verschiedener Kampfposen einzuleiten, die ihn wankend fast über den Tresen befördert hätte.“, hörte Fiete die Dame sagen und erkannte den Eber und seine Frau, die sich ihm näherten. Gekleidet in trachtenähnlichen Gewändern, wirkten die Beiden traditionell fein rausgeputzt und so, als würden sie von einem Fest heimkehren. Ein breites Grinsen lag auf dem Gesicht des Ehemannes, dessen Gattin ohne Unterlass auf ihn einredete.

„Einer von denen hat sogar versucht, Mays Tochter schöne Augen zu machen. Die kleine Maus ist ja kaum mehr als halb so groß wie dieser Rüpel und allein die Vorstellung, dass...“

Der Eber räusperte sich, um seine Gattin auf den entgegenkommenden Bibliothekar hinzuweisen und sie schwieg, als sie ihn bemerkte.

„Guten Abend Herr Bürgermeister!“, sagte dieser, als sich die Drei passierten.

„Herr Langohr...“, erwiderte der Eber im knappen Gruß und sie nickte ihm nur zu. Der Esel erkannte noch immer das angedeutete Grinsen. Sie hingegen wirkte entnervt und grummelig.

Es schien, als wäre eine Festlichkeit im Gange und von Weitem konnte er eine Gruppe an Leuten sehen, die offenbar vor der Schenke warteten, um Platz zu finden. Manche von ihnen schienen den Weg nach Hause einzuschlagen. Andere verblieben und behielten die Türe im Blick.

„Hast du sein Gesicht gesehen? Was immer die junge Dame gesagt hat... Sie ist so selbstbewusst und schlagkräftig wie ihre Mutter. Drachen mögen temperamentvoll sein, aber sie brachten junges Blut und Leben in unser Tal. Und nebenbei Geld in die Kassen. Sie versuchen sich zu integrieren. Einer hat sogar versucht, mein Schatz das güldene Gerstenkorn zu singen.“, hörte Fiete den Bürgermeister das Gespräch mit seiner Frau fortsetzten, während sie sich hinter ihm entfernten.

„In einer Stimmlage, die einem nachts im Traum verfolgen wird. Ist aber typisch, dass du oller Suffkopf solch Gegröhle auch noch amüsant findest.“ Hörte er sie noch antworten, bevor ihre Worte auf Grund der zunehmenden Entfernung unverständlich wurden. Mit einem Blick über die Schulter sah er die Beiden von der Hauptstraße abbiegen und konnte sich ein verschmitztes Grinsen nicht verkneifen.

An der Schenke angekommen, sah der Bibliothekar zwei schattenhafte Gestalten am Hauseck nahe eines der Fenster stehen, aus dem heimeliges Licht auf die Straße schien. Drachen von imposanter Gestalt. Dunkle Mäntel legten sich über ihre breiten Schultern. Der geflügelte Schwarze lehnte mit verschränkten Armen an der Hauswand neben den Fenster. Der andere schien eine rote Färbung zu besitzen, hatte allerdings die Kapuze tief über die Augen gezogen und wirkte auf Grund seiner Gestik unruhig und etwas aufgebracht. Beide schienen in einer Konversation verloren und schenken ihm keinerlei Beachtung, als er auf den hölzernen, überdachten Eingangsbereich trat und dabei klappernde Geräusche mit den Hufen erzeugte. Rechts neben der Eingangstüre saß ein schwarzer Hirsch auf einem verschlossenen Holzfass. Den Oberkörper aufgerichtet, die Beine im Schneidersitz überschlagen und die Augen geschlossen, wirkte er in meditativer Pose in seiner eigenen Welt verloren. Einzig das linke Ohr zuckte kurz, als er das Schrittgeräusch wahrnahm und der Esel versuchte so gut es ging, an ihm vorbei zu schleichen, ohne zu stören. Langsam öffnete er die Tür.

Die ohnehin schon deutlich wahrnehmbare Geräuschkulisse schlug ihm ungefiltert entgegen. Der Schankraum war erfüllt von lebhaftem Treiben. Mit einem flüchtigen Blick erkannte er ein paar Einheimische nahe des Eingangsbereich, deren Aufmerksamkeit dem großen Tisch am anderen Ende des Raumes galt, der für ihre Drachengäste reserviert war. Manche der Sicheltaler starrten kritisch hinüber. Andere schienen sich verdeckt und heimlich zuzuflüstern. Lautes Scheppern und Klirren, ließ Fiete ebenso hinübersehen. Ein junger Soldat hatte sich an seinen breitschulterigen Nachbarn gelehnt und ihm offenbar einen Spruch serviert, den dieser nicht komisch fand. Mit einem Stoß hatte der grauhäutige, hühnenhafte Drache ihn von seinem Stuhl befördert und im Versuch das Gleichgewicht zu halten, gingen mehrere Gläser und Flaschen herunterfallend zu Bruch. Gelächter schallte durch den Raum und die kleine Wirtin, deren Aufmerksamkeit gerade anderen Gästen galt, die sie bediente, wirbelte herum. Auf ihrem Weg zur entstandenen Sauerei, wanderte ihr Blick zur geöffneten Tür. Entnervte Resignation zeichnete ihr Gesicht, als sie mit einem Kopfschütteln und einer entschuldigenden Geste, auf den mangelnden Platz im Schankraum hindeutete. Der Esel sah ihr zögerliches Annähern, beobachtete die Szene für ein paar Momente, schloss dann die Tür und lehnte sich mit dem Rücken dagegen. Es schien als würden die Rekruten einen ausgelassenen Abend im Dorf verbringen. Tao erwähnte, dass die jungen Soldaten der Drachen sich stets über das verwässerte Bier ausließen, das ihr Quartiermeister einkaufte, streckte und in ihren Quartieren ausschenkte. Diese Gruppe schien reichlich getrunken zu haben und die Stimmung war dadurch offenbar im Laufe des Abends gestiegen.

Er bemerkte die rasche Bewegung des schwarzen Hirsches, der offenbar auch einen neugierigen Blick hinein riskiert hatte, bevor er schnell wieder seine statuenhafte, meditative Pose einnahm. Halb skeptisch und amüsiert betrachtete der Bibliothekar den Schamanen des Dorfes, der seine Hände mit den weißen Fingern, geöffnet über den angewinkelten Beinen hielt, während die weißen Geweihenden das gedimmte Licht reflektierten. Sicher hatte auch ihn die Neugier hergetrieben.

„Da hast du dir ja den besten Ort ausgesucht, um dem Flüstern der Natur zu lauschen, Dyr.“, sagte Fiete mit einem Lächeln und in der Vermutung, dass sein Gegenüber nicht so tief in spiritueller Trance versunken war, wie es schien. Dyr antwortete nicht und verharrte in seiner Position.

„Dem wachsamen Blick des Schamanen entgeht kaum ein Ereignis im Tal. Hab gehört, hier soll es recht lustig zugehen. Feiern ihre Rekruten irgendetwas?“, fragte er und sein Grinsen wurde etwas breiter bei der unterschwelligen Andeutung, dass manche in ihrer Gemeinde die Angewohnheit des leidenschaftlichen Beobachtens ihres Schamanen kannten.

Dyr schüttelte kaum merklich den Kopf und öffnete letztendlich ein Auge, um ihn von oben bis unten zu betrachten. Ohne sich zu bewegen, schloss er es wieder, seufzte und merkte knapp an.

„Sie ertränken ihre Aufregung. Seit ihr General ging, trinken sie noch ein wenig maßloser als zuvor.“

„Er war hier?“, fragte Fiete neugierig. Er selbst kannte das militärische Oberhaupt der Drachen nicht. Einzig Erzählungen von Tao ließen darauf schließen, dass der Gelehrte des Öfteren Differenzen mit dem stoischen und raubeinigen Veteranen hatte. Dyr nickte knapp und deutete mit der Schnauze in die Richtung der beiden imposanten Gestalten, die Fiete bei seiner Ankunft bemerkt hatte und flüsterte. „Er ist hier! Nur wissen sie das nicht.“

„Und warum sollte er vor der Tür stehen, während die Rekruten im Warmen sitzen?“, fragte Fiete leise mit einem beiläufigen Blick über die Schulter.

„Weil...“, begann der Hirsch und neigte sich sanft nach vorne, um seinem Zuhörer näher zu sein.

„...er einen Trupp der Garde für eine morgige Mission mobilisiert und seine Schwester hat eine Auswahl an Rekruten der Reserve für die Verstärkung getroffen. Er wirkt nicht gerade begeistert über die Ausgelassenheit von so manch einfachem Soldaten und hätte beim Aufmarsch gegen ein Basiliskennest im Gebiet der Mondsänger lieber Erprobte an seiner Seite. Was immer das heißt! Aufschlussreiche Dinge geschehen, wenn andere glauben man sieht nicht hin.“

Fiete reimte sich den Rest zusammen und vermutete so manch Erwählten unter den Trinkenden. Fengar schien also unbemerkt ein Auge auf seine Schützlinge werfen zu wollen.

„Ich dachte du meditierst! Belauscht du die Beiden da drüben etwa?“, flüsterte der Esel gespielt entsetzt und auf Dyrs entspanntes Gesicht legte sich für einen Moment ein düpierter Ausdruck, bevor er verschmitzt lächelte.

„Dachten sie auch aber psst!“, zischte er als er mit zuckendem Ohr aufmerksam bemerkte, dass sich die beiden imposanten Gestalten näherten.

* * *

Minuten zuvor herrschte Schweigen zwischen dem General und einem seiner hochrangigen Offiziere. Shador, der pechschwarze Drache mit der roten Front lehnte mit dem Rücken links neben einem der äußeren Fenster an der Außenwand des Gebäudes. Die Arme über der silbernen Brustplatte verschränkt, legte er die finsteren Schwingen wie einen Mantel um sich, so dass sich die beiden spitzen Stacheln an ihrer Oberseite überkreuzten. Seine leuchtenden, roten Augen wanderten mit einem Blick über die Schulter hinein in die Schenke und dann hinüber zu Fengar. Er kannte ihn gut genug, um zu erkennen, dass der stumm beobachtende Magmarikrieger aufgebracht war und wie ein ruhender Vulkan vor dem Ausbruch wirkte.

„Warum bin ich hier, Shad?“, fragte Fengar mit bedrohlichem Unterton in der Stimme. Die rechte Pranke stemmte sich rechts neben den Fensterrahmen in die Wand und er platzierte sich so, dass man ihn von innen nicht sehen konnte. Die Linke ballte er zu Faust. Sein Blick war gesenkt. Goldene Augen funkelten unter dem Schatten der schwarzen Kapuze und verrieten seinen Unmut. Mit seinen roten Schuppen wirkte er wie ein vermummter Dämon. Angespannt und scharf beobachtend.

„Du bist nicht gemacht für das Leben am Hof von Stahlhain und noch nicht alt genug, um nur kleine Marker, die Truppen symbolisieren, auf Landkarten herum zu schieben.“, merkte Shador nüchtern an, als würde er den Satz auswendig gelernt haben. Unausgesprochen dachte er dabei auch daran, dass der General seiner Schwester und ihm wohl nicht den Spaß alleine gegönnt hatte.

„Sag das nochmal und ich glaube mir selbst vielleicht!“, brummte Fengar und sah flüchtig hinüber.

„Noch nicht bereit, Platz zu machen für die neue Generation, aber das Arbeiten mit Amateuren bringt mich meinem Grab näher! Vielleicht bekommt ihr eure Chance früher als erwartet!“

Er klang erbost und Shador wusste, dass die abgesprochene Sperrstunde näher rückte. Lieber hätte er den freien Abend vor dem Abmarsch gemütlich verbracht, doch Fengar bestand darauf, zum Schein früher zu gehen und verdeckt einen Blick auf die Wenigen in der verbliebenen Gruppe zu werfen, die der Mission zugeteilt waren.

„Was hältst du von den Anwärtern?“, fragte er sarkastisch, wissend, dass ohnehin nicht viel fehlte, dass der Magmari seine Meinung zum Besten gab. Dieser knurrte und scharrte dabei mit den Krallen an der Wand.

„In meiner Gegenwart verhalten sie sich wie zahme Welpen. Dreht man ihnen den Rücken zu, benehmen sie sich wie auf einem Kindergeburtstag! Mit weniger als dreißig Gardisten und Ehemaligen gegen den schlimmsten Abschaum unserer Heimat? Der Rest der Truppe besteht aus Saufbolden und Grünschnäbeln, die gerade dem Nest ihrer Mutter entstiegen sind und du fragst...“, knurrte er und biss sich auf die Unterlippe, während er verächtlich schnaubte. Shad verkniff sich ein Grinsen, während sein Gegenüber um Beherrschung rang.

„Der Windwurm und seine Denker haben noch keinen Weg gefunden, den Riss Richtung Heimat zu durchschreiten. Ginge alles schneller, wenn sie nicht damit beschäftigt wären, an unbekannten Blümchen zu schnuppern! Wir können nicht um Hilfe schreien und müssen sehen wie wir mit denen auskommen, die wir haben. Ich glaube die Wirtin hat mehr Kampferfahrung als manche von denen zusammen!“, fügte er noch immer aufgebracht, aber leiser hinzu.

„Ja! Vielleicht sollten wir ihre Tochter rekrutieren. Ihr linker Haken ist nicht ohne!“, scherzte Shador bissig im Gedanken an das Gesicht des betrunkenen Rekruten, der im Regen stehen gelassen und schallend ausgelacht wurde.

„Wer ist der Steinkopf da drüben?“, fragte Fengar und zeigte in den Schankraum ohne darauf einzugehen. Shads Blick folgte dem Finger zu dem grauen Drachen.

„Grent! Nicht der hellste Stern am Firmament, aber einer von denen mit Potential“, sagte er knapp.

„Auf der Liste! So voll wie der ist, hat er Potential, die Formation beim Abmarsch durcheinanderzubringen. Der schmälere Dunkelrote neben ihm?“

Shador schüttelte unwissend den Kopf.

„Sicher einer von jenen Feuerdrachen, die in verweichlicht, liberalen Verhältnissen aufwuchsen. Ich hab ein Auge auf die Beiden! Seit ein paar Minuten provozieren sie sich und ihre Körpersprache verrät, dass es bald...“

Scheppern, Klirren und Gelächter unterbrachen ihn und er sah mit einem Blick hinüber zu seinem Kameraden, der unmissverständlich signalisierte, dass der freie Abend für den Trupp hiermit beendet war.

* * *

Dyr nahm schnell wieder seine meditative Pose ein und schloss die Augen, als die Beiden näher kamen. Er musste sich ein Blinzeln verkneifen als ihm Fengar im Vorübergehen wie einem Bettler eine Kupfermünze auf eine der ausgebreiteten Hände legte. Fiete huschte zur Seite.

„Guten Abend!“, grüßte er die beiden Offiziere höflich, doch die Tür war längst ins Schloss gefallen, bevor er das zweite Wort ausgesprochen hatte.

„Ich möchte nicht in der Haut der Streithähne stecken!, flüsterte er etwas eingeschüchtert und Dyr hüpfte von seinem Fass. Skeptisch betrachtete er die Münze in seiner Hand mit einem Kopfschütteln, schloss diese dann und ein Schmunzeln breitete sich auf sein Gesicht, als er sah wie sich bereits umstehende Schaulustige an die Fenster drängten, um das Geschehen zu beobachten.

„Wie kann man nur so neugierig sein?“, scherzte er und grinste.

Fengar betrat den Raum und blieb im Eingangsbereich stehen. Shador, der seine imposante Gestalt noch überragte, bremste ab, um nicht aufzulaufen. Das Gelächter hatte sich längst gelegt und der steingraue Hühne Grent hatte sich von seinem Platz erhoben.

„Du nennst mich dumm wie ein Stück Schieferstein?“, brüllte er und zertrümmerte sichtlich betrunken als Imponiergehabe eine Flasche über seinem harten Schädel. Fusel, dessen scharfer Geruch sich verbreitete, rann über seinen Kopf und tropfte zu Boden.

„Ich zeig dir wie es sich anfühlt, einen an die blöde Schnauze zu bekommen!“, brüllte er und fuchtelte mit dem Bruchstück, bevor er es auf dem Boden zerschmetterte und die Fäuste ballte. Zwei Rekruten versuchten ihn von seinem Gegenüber fernzuhalten, doch er rang sich Schritt für Schritt voran.

Fengar schnaubte mit gesenktem Kopf und näherte sich der Gruppe. Sein wilder Blick schweifte hin und her. Im Vorübergehen griff er den Hals einer Flasche, die zwischen anderen Gästen stand. Bevor diese sich beschweren konnten, landete eine weitere Münze aus seiner Innentasche auf ihrem Tisch. Knurrend schwenkte er den Rest des Inhaltes darin und goss ihn ohne lange inne zu halten, in einen leeren Krug auf einem anderen Tisch.

„Madame...“, zischte er so freundlich wie ihm möglich und brachte die zusammenschreckende Wirtin dazu, herumzuwirbeln und Platz zu machen. Manche der Soldaten hatten ihn nun endlich gesehen und erkannt. Der Schreck stand in ihren Gesichtern und jene, die noch saßen hatten sich erhoben und standen stramm. Nur Grent rang noch mit jenen die ihn hielten. Mit einem Stoß donnerte einer von ihnen gegen den Tisch und bevor er sich vom Zweiten losreißen konnte, eilte der Magmari herbei, hob den Arm mit der Flasche und ließ sie mit einem dumpfen Ton auf seinem Kopf aufschlagen, ohne das Glas bersten zu lassen.

„Anschleichen wie ein Arschloch und einen Schlag wie eine Pussy!“, brüllte der Rekrut, drehte sich dabei um und erstarrte. Totenstille füllte den Raum, während auch er Haltung einnahm und schwer schluckte. Fengars Blick war starr gerichtet auf die Gruppe, die um den Tisch stand.

„Sehe ich aus wie eure Mutter? Glaubt ihr, es ist meine Aufgabe euch beizubringen, wie man sich als Gast verhält? Wollt ihr, dass ich euch Manieren beibringe? Ich bin hundert mal schlimmer als sie!“, keifte er und seine grollende Stimme schwoll mit jeder Frage weiter an. Die Flasche abstellend, schnellte seine Faust nach oben und sein Daumen deutete unmissverständlich zur Tür. Als der Trupp aufbrach wendete er sich den Unruhestiftern zu.

„Wie hast du mich genannt?“, fragte er den Rekruten scharf, dessen Kontrahent neben ihm stand.

„Sir! Ich...“, stammelte dieser sichtlich eingeschüchtert.

„Wie hast du mich genannt, Soldat?“, brüllte der Feuerdrache.

„Arschloch... Sir!“, sagte dieser kleinlaut und verlegen nach langem Schweigen.

„Sicher eine Verwechslung!“ Fengar Stimme klang ruhig, aber bedrohlich, als er den Soldaten wie ein pirschendes Raubtier umging.

„Du hieltest mich für jemand anderen, richtig? Ich bin sensibel, Soldat und schnell gekränkt! Du wolltest mich nicht kränken, richtig?“

„Nein Sir!“, sagte der Soldat mit zittriger Stimme und hielt kaum dem stechenden Blick des Generals stand, der seine Schnauze wenige Zentimeter vor seiner platziert hatte. Er sah die goldenen, katzenartigen Augen für einen Moment zucken und an ihm vorüber sehen.

„Gut...“, hauchte er zischend und bemerkte, wie die Kameraden der Truppe ihre Schritte zur Tür verlangsamten, um die Zeit zum neugierigen lauschen, verlängern zu können.

„Da unsere Zuhörer so aufmerksam lauschen, habe ich was Interessantes zu sagen: Der Nächte, den ich beim Verschwenden von Vorräten erwische, fegt für den Rest unseres Aufenthaltes unter dem Donnerbalken! Mit bloßem Schwanz! Verstanden? Bewegung, Bewegung! Oder soll ich euch in die Quartiere jagen?“

Einen tiefen Atemzug nehmend, baute er sich vor den beiden Verbliebenen auf.

„Ihr beide fragt nun freundlich nach Besen und Mob und beseitigt diese Sauerei! Ich will, dass ihr diesen Platz so sauber wie nie zuvor hinterlasst und ich möchte keine Beschwerden hören“, knurrte er und tauschte Blicke mit der Wirtin aus, bevor er die Beiden stehen ließ, sich Shador näherte und neben ihm kurz innehielt.

„Bin ich ein Arschloch, Shad?“, flüsterte er gespielt betrübt.

„Phänomen klingt respektvoller! Der Fengar, den ich kenne, hätte die Flasche...“, gab er zurück und wurde unterbrochen.

„Dieser hier hat keine Lust auf Belehrungen über das Thema, wie man Rekruten behandelt von Taira und ihren Verfechtern des Rechts! Schau ihnen auf die Finger und informiere den Korporal, dass er morgen früh beim Training schärfer mit ihnen ins Gericht geht. Die Rest ist am Sammelpunkt vor Morgengrauen! Der Andere gehört dir! Ich muss mit So'Ra sprechen!“

Damit verließ er den Offizier, öffnete die Tür und trat ins Freie. Seinem Blick war die Frage, was es so zu glotzen gäbe sichtlich anzusehen, als er die Leute sah, die versuchten, sich unauffällig zu verhalten.

„Ein Tisch ist frei geworden!“, brummte er stattdessen und verschwand mit gesenktem Kopf in der Nacht.