Drachenauge - Kapitel 8.1: Drachenhort

Story by Turmalon on SoFurry

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Kapitel 8 von 24

Hier ist zu beachten, dass Kapitel 8.1 (Jugendfrei) und 8.2 (18+) nahezu den selben Inhalt haben mit eben entsprechenden änderungen für die +18 Version

Ansonsten wünsche ich viel spaß beim lesen und freue mich über jede Art von Komentaren und Kritik

Gruß

Turmalon


Erschrocken zuckte Rianna zusammen, als ein lautes Donnergrollen über sie hinwegfegte. „Na toll, jetzt fängt es auch noch an zu gewittern!“, erklärte sie schmollend, dass ohnehin offensichtliche.

Bereits als sich die ersten Anzeichen eines Unwetter gezeigt hatten, landete Turmalon, Rianna zu liebe, um einen Unterschlupf zu finden. Diesen fanden sie in einem kleinen Wald, der zur restlichen, weitausgebreiteten Graslandschaft eher fehl am Platz wirkte.

Rianna lag zusammengekauert, an Turmalons Brust gelehnt. Einer seiner Flügel war über ihr ausgebreitet und hielt so, im Gegensatz zu dem dichten Blätterdach über ihnen, den Regen und den kühlen Wind von ihr fern.

Sie hatte mittlerweile Gefallen daran gefunden, auch die Nächte auf diese Weise zu verbringen. Er gab ihr ein Gefühl der Geborgenheit, dass sie, seit sie alles hinter sich gelassen hatte, umso mehr brauchte. Aber auch sonst tat Turmalon vieles, damit sich Rianna wohl fühlte.

Es war mittlerweile fast eine Woche vergangen, seit sie die verjüngte Tabea getroffen hatten. Turmalon wäre vermutlich schneller vorangekommen, wenn er alleine unterwegs gewesen wäre. Doch da Rianna nie aus dem Tal, in dem Horin lag, herausgekommen war, gab es für sie viele neue und interessante Orte zu entdecken. Und sei es nur ein Wasserfall, der sich vielleicht fünfzig Schritt in die Tiefe stürzte. So konnte sie sich dennoch den halben Nachmittag damit beschäftigen, diese Spektakel zu betrachten.

Turmalon hielt sich dabei meist in ihrer Nähe auf und döste entweder faul in der Sonne, oder beobachtete Rianna dabei, wie sie alles Neue mit fast kindlicher Begeisterung in sich aufnahm.

Obwohl sie all die Orte, gerne noch viel länger erkundet hätte, wusste sie aber auch, dass ihr Begleiter irgendwo hinwollte. Er beteuerte ihr zwar, dass ihm die Verzögerungen nichts ausmachten. Dennoch wollte sie seine Geduld nicht zu sehr strapazieren.

„Jetzt sag nicht, du hast Angst vor dem Gewitter!“, sagte Turmalon und riss Rianna damit aus ihren Gedanken.

„Nein! Mich hat nur der laute Donner erschrocken“, erwiderte sie murrend. Sie drückte mit ihrer Hand gegen die Unterseite des Flügels. Zwar vermochte sie ihn auf diese Weise nicht anheben zu können, so war es aber ein Zeichen für den Drachen, dies zu tun.

Es gab zwar vor ihr eine Lücke, durch die sie hinaus sehen konnte, doch sah sie dort nur den langen, kräftigen Hals von Turmalon. Überall sonst lag ihre ‚Zeltplane‘ fast bündig auf dem Boden.

Augenblicklich lüftete er seine Schwinge ein Stück. Gleichzeitig zeigte sich sein, durch den Regen, glänzend nasser Kopf und er fragte besorgt: „Ist alles in Ordnung?“

„Ja mach dir keine Sorgen!“, erwiderte Rianna lächelnd. „Ich wollte nur einen Blick nach draußen werfen.“

Daraufhin hob sich der Flügel noch weiter und Rianna hatte nun freie Sicht auf den sie umgebenden Wald. Sie setzte sich auf und sagte dann: „Ich hoffe es hört bald wieder auf.“

Ein weiterer Blitz schlug in der Nähe ein und der Donner ließ sie abermals zusammenzucken.

„Ich habe zwar keine Angst vor Gewittern, aber ich mag sie dennoch nicht!“, rechtfertigte sich Rianna und schaute sich um. Sie hoffte etwas Interessantes zu entdecken, das ihr die Zeit vertreiben würde, während sie darauf warteten, dass der Sturm sich legte.

Jedoch unterschied sich der Wald nicht von dem aus ihrer Heimat. Seufzend ließ sie sich wieder ins Laub nieder und Turmalon senkte wieder seinen Flügel über sie.

„Ich glaube der Regen hat nachgelassen!“, verkündete Turmalon. Davon wollte sich Rianna selbst überzeugen und kam unter ihm hervorgekrochen. Sofort sprangen ihr die ersten Sonnenstrahlen entgegen, die sich durch die langsam aufbrechende Wolkendecke zwängten, zuckte jedoch zusammen, als ein kalter Überrest des Sturmes ihr von den Blättern in den Nacken tropfte. So friedlich der Ort auch war, wollte sie dennoch nicht länger hier bleiben und ging zum Waldrand. Die riesige Graslandschaft, die sich dahinter erstreckte, fand sie sogar wieder sehr beeindruckend. Nur vereinzelt stand hier oder da ein Baum. Ab und zu unterbrach eine Straße oder ein ruhig dahin fließender Bach die ansonsten durchgehende Wiese.

Turmalon tauchte hinter Rianna auf. Seine Schuppen waren noch immer nass vom Regen und glänzten jetzt umso mehr in der Sonne.

„Macht dir das auch wirklich nichts aus?“, fragte Rianna besorgt. „Nicht das du nachher noch krank wirst!“

„Ich hab schon schlimmere Stürme durchgemacht! Da wird mich so ein kleiner Regenschauer nicht gleich umbringen“, beruhigte der Drache sie und streckte seinen Kopf der Sonne entgegen. Dann legte er sich nieder, damit Rianna wieder aufsteigen konnte.

Sie hatte bereits ihre Hände am Sattel und wollte aufspringen, als sie ein Geräusch hinter sich aus dem Wald vernahmen. Augenblicklich sprang Turmalon auf und drehte sich danach um. Rianna hüpfte überrascht zur Seite und versuchte zu ergründen was los sei. Doch bevor sie ihn fragen konnte erschienen zwischen den Bäumen einige Gestalten.

Knurrend stellte sich Turmalon ihnen langsam entgegen. Augenblicklich warfen sich die meisten auf den Boden und blieben im Geäst, mit den Händen schützend über ihren Köpfen, liegen. Nur einer hatte offenbar den Mut dem Drachen entgegenzutreten und schritt aus dem Wald. Es war einer der Soldaten, die für den Angriff auf die Karawane verantwortlich waren, beziehungsweise trug er die gleiche Rüstung.

„Rak'Zunaih, bitte, ruft euren Drachen zurück!“, flehte er plötzlich in Riannas Richtung und ging dann in die Knie, obwohl Turmalon nur noch ein paar Schritt von ihm entfernt war. Dieser blieb allerdings auch wie angewurzelt stehen als der Soldat den Namen ausgesprochen hatte.

«Nein, das kann nicht sein! Wie konnte er mich dieses Mal finden?», dachte sich Turmalon und teilte diese Gedanken mit Rianna.

„Komm!“, befahl sie daraufhin. Das riss den Drachen aus seiner Starre und er sah sie überrascht an.

„Habt dank Rak!“, erwiderte der Soldat. Woraufhin Turmalon vollends verwirrt war. Dennoch kam er Riannas Kommando nach und ging unsicher zu ihr.

„Offensichtlich halten sie mich für diesen Rak'Zunaih! Aber wieso, was haben sie mit ihm zu tun?“, flüsterte sie ihm leise zu als er neben ihr stand.

«Ich weiß nicht was sie mit ihm zu tun haben! Aber ihnen scheint bekannt zu sein, dass er sein Aussehen ändern kann. Am See in deiner Heimat hatte er auch nicht so ausgesehen, wie ich ihn kannte. Erst da ist mir wieder eingefallen, dass er diese Fähigkeit besaß. Ich hatte dies zuvor nur ein einziges Mal gesehen, war mir aber nie sicher ob mir meine Sinne nicht einen Streich spielten. Aber das sollten wir vielleicht später klären!», meinte Turmalon.

Rianna stimmte ihm nickend zu und begann zu überlegen was sie zu dem Soldaten sagen sollte. „Was wollt ihr?“, fragte sie schließlich und nahm an, dass sie damit am wenigsten einen Verdacht erregen würde.

Der Soldat blickte erschrocken auf und sah verunsichert auf die hinter ihm liegenden Männer. Rianna befürchtete schon, doch das Falsche gefragt zu haben, bis er stotternd antwortete: „W … wir h … haben …“ Dann sah er Rianna wieder direkt an und riss sich zusammen. Dennoch schwang noch immer die Angst in seiner Stimme. „Wir haben euch eben ankommen sehen und nahmen an, dass ihr auf der Suche nach uns seid. Um uns Bescheid zu geben, das wir uns sammeln sollen, weil es bald losgehen würde. Aber vergebt uns, dass wir mit dieser Annahme falsch lagen. Wir werden sofort wieder unserer eigentlichen Aufgabe fortsetzen!“

Ohne eine Antwort abzuwarten, stand er auf und wandte sich ab.

„Warte!“, stoppte Rianna den Soldaten, der sichtlich zusammenzuckte. Langsam drehte er sich wieder zu ihr um und senkte unterwürfig sein Haupt.

„Was war euer nächstes Ziel, bevor ihr hierher kamt?“, wollte Rianna wissen.

„Es gibt in der Nähe einige einzeln stehende Höfe der Menschen. Diese haben wir zum Teil schon angegriffen und waren gerade auf dem Weg zum nächsten“, antwortete er schnell.

„Wieso der Menschen?“, fragte sich Rianna leise genug, dass höchstens Turmalon sie hätte hören können aber nicht der Soldat. Zusätzlich war sie erschüttert über das, was er offenbarte. Nur zu gerne würde sie von ihm wissen, wieso sie das taten. Jedoch befürchtete sie, dass dies zu offensichtlich war und somit sich und Turmalon möglicherweise in Gefahr bringen würde.

„In Ordnung! Aber damit ich es mir ersparen kann, euch nochmals suchen zu müssen, werdet ihr euch zum Sammelpunkt begeben. Bis ihr weitere Befehle erhaltet, werden auch keine weiteren Angriffe unternommen!“, wies Rianna an und hoffte, so weitere Zwischenfälle wie bei der Karawane zu vermeiden.

„Verstanden!“, kam zur Bestätigung von dem Soldaten, während er schon Anstalten machte, sich wieder umzudrehen. Doch dann fragte er noch: „Vergebt mir die Frage! Sollen wir den Befehl weitergeben, wenn wir auf andere Gruppen stoßen?“

„Ähh … Natürlich sollt ihr ihn weitergeben!“, erwiderte Rianna und dachte darüber nach, wie viele dieser Gruppen in Eboria unterwegs seien.

Der Soldat verharrte noch einen Moment. Als er sich aber sicher schien, dass von Rianna nichts mehr kommen würde, wandte er sich abermals ab und verschwand so plötzlich wie er auftauchte. Sobald er den Waldrand erreichte, schlossen sich ihm auch die dort zurückgebliebenen Gestalten an.

„Lass uns schnell weg von hier!“, schlug Rianna vor und ging rasch auf Turmalon zu.

Nach dem der Drache sich gerade in die Lüfte erhoben hatte, fragte sie: „Was sollte das gerade?“

«Ich weiß es nicht!», gestand dieser. Er überflog den Wald und Rianna versuchte die Soldaten ausfindig zu machen, ob sie irgendwo das Dickicht wieder verlassen würden.

„Hoffentlich habe ich das richtige getan!“, überlegte sie und richtete ihren Blick wieder nach vorn.

«Du hast ihnen weitere Angriffe untersagt. Und wenn ich mir das vor uns so ansehe, war dies die beste Entscheidung, die du treffen konntest», versuchte Turmalon sie zu beruhigen. Daraufhin sah sie an seinem Kopf vorbei, um zu erfahren worauf er hinaus wollte. Mit Entsetzen erkannte sie einen der Bauernhöfe, von denen der Soldat gesprochen hatte.

Das Haupthaus und die Scheune waren zum Teil abgebrannt. Einzig und allein der Sturm von vorhin hatte wohl dafür gesorgt, dass sie nicht gänzlich den Flammen zum Opfer gefallen waren. Davor lagen etliche Kühe, Pferde und anderes Getier tot auf Weide. Menschen entdeckte Rianna dort unten keine. Sie hoffte einfach, dass diese rechtzeitig fliehen konnten.

«Woher warst du dir eigentlich sicher, dass er dich meinte, als er dich mit Rak’Zunaih ansprach?», fragte Turmalon unvermittelt und brachte Rianna so auf andere Gedanken.

„Ich wusste es nicht!“, gab Rianna zu. Dabei fühlte sie seine Überraschung. „Der Soldat, der mit uns sprach, war in meine Richtung auf die Knie gegangen und sah mich flehend an. Daher hab ich dich einfach zurück gerufen, um meinen Verdacht zu bestätigen. Zumal glaube ich nicht, dass sie sich so unterwürfig verhalten hätten, wenn dieser Rak’Zunaih bei ihnen gewesen wäre.“

«Vermutlich hast du Recht! Entschuldige, dass ich so unbedacht auf ihn losgegangen bin.»

„Du musst dich dafür nicht entschuldigen! Wer weiß wenn du es nicht getan hättest, ob es mir dann überhaupt aufgefallen wäre“, beteuerte und strich ihm dabei über den Hals.

„Danke!“ brummte er schließlich leise.

„Trotzdem sollten wir beide uns mal über das von eben und Rak’Zunaih unterhalten!“, schlug Rianna vor. Um es aber nicht wie eine Forderung klingen zu lassen, fügte sie hinzu: „Natürlich nur wenn du dazu bereit bist!“

«Das werden wir!», versprach der Drache und flog eine sanfte Linkskurve. Nun hielt er auf einen einzelnen, sehr hoch wirkenden Berg zu. «Aber erst später. Wir sind nämlich gleich endlich da!»

Turmalon landete auf einem Großen Plateau oberhalb des Fußes des Berges. Schon lange bevor sie den Boden erreichten, war Riannas Aufmerksamkeit nur noch auf das Meer gereichtet. Der Berg, den sie erreicht hatten, lag direkt an Eborias Nordküste und so sah sie zum ersten Mal den Ozean. Rianna war augenblicklich abgesprungen, als Turmalon sicher den Boden erreichte. Sie trat bis an den Rand des Plateaus und betrachtete die riesige Menge an Wasser die vor ihr lag. Am Ufer direkt unter ihr lag sogar ein kleines Dorf und sie nahm sich vor, es heute oder morgen zu besuchen.

„Kommst du mit?“, brummte Turmalon laut und holte sie so wieder aus ihrer Begeisterung.

Sofort drehte sie um und lief zurück zu ihrem Begleiter. Gemeinsam gingen die beiden zu dem Eingang einer Höhle. Sehr viel interessanter als das Loch im Berg, war ein großer Teich unmittelbar daneben. Hier war eine kleine Oase in einer sonst kargen Gegend entstanden. Viele saftige grüne Pflanzen wuchsen rund um den Teich, der von einem kleinen Bach gespeist wurde. Die Quelle befand sich irgendwo über ihnen. Das Wasser floss über eine Felskannte, in einem breiten Rinnsal an der fast senkrechten Wand in das Teich. Wo es jedoch wieder austrat konnte Rianna nicht erkennen.

Da sie Turmalon aber nicht noch einmal warten lassen wollte, hielt sie sich nicht länger mit diesem Gedanken auf und ging weiter.

„Du lässt dich viel zu schnell ablenken!“, bemerkte Turmalon lächelnd. Rianna errötete und sah verlegen zu Boden. Als sie vor dem Eingang der Höhle standen, wurde Rianna erst bewusst wie riesig er war. Turmalon hätte auch dann noch bequem hindurch gepasst wenn er noch einmal so groß gewesen wäre. Hinter einem kurzen Gang befand sich dann ein Raum, an dessen gegenüberliegenden Wand ein weiterer Durchgang war und vermutlich tiefer in den Berg führte. Jedoch wurde es dort zu dunkel um etwas zu erkennen. Hier drin war es im Vergleich zu draußen angenehm kühl, weshalb Rianna anfangs eine Gänsehaut bekam.

„Wo sind wir hier eigentlich?“, fragte sie neugierig und beobachtete wie Turmalon langsam in der Höhle umher streifte. Sorgfältig untersuchte er selbst den kleinsten Winkel und drehte dabei nahezu jeden Stein einzeln um. Alles musste beschnuppert werden und selbst ein paar versteckte Nischen, die sich über ihm befanden, blieben nicht unentdeckt.

Rianna versuchte zu ergründen, wonach der Drache suchte. Allerdings konnte sie selbst nichts Besonderes entdecken. Für sie war dies eine ganz normal Höhle. Erst auf den zweiten Blick überdachte Rianna diese Vorstellung noch einmal. Nun war sie sich nicht mehr so sicher ob ein nahezu ebener Boden und eine kuppelförmige Wölbung der Decke, tatsächlich so natürlich sind. Dennoch sah es nicht so aus als wäre es per Hand bearbeitet worden.

Schließlich beendete Turmalon seine Erkundung vor dem Durchgang, der tiefer in die Höhle führte. Er streckte jedoch nur seinen Kopf in den Durchgang, zog ihn dann aber einige Momente später wieder schnaubend heraus. Er hielt inne, als der Laut wiederhallte und wandte sich dann wieder an Rianna.

„Mein elterlicher Hort“, antwortete Turmalon endlich und kam Rianna somit zuvor, die gerade ihre Frage wiederholen wollte.

„Wie lange warst du schon nicht mehr hier?“, wollte sie nun stattdessen wissen.

„Seit ich aus meinem Ei geschlüpft bin? noch nie!“, erwiderte er und Rianna spürte, dass eine gewisse Trauer darin mit schwang. „Seit etlichen Jahrzenten bin ich aber der erste Drache, der diesen Hort wieder betritt. Ich kann mir nicht erklären, was mich hierher gezogen hat und wieso ich so viele Erinnerungen an diesen Ort, und an die, die hier lebten habe. Erinnerungen an zwei Geschöpfe, die ich noch nie getroffen habe und trotzdem glaube sie zu kennen.“ Vor Riannas geistigem Auge erschienen plötzlich die Bilder zweier Drachen. Einer rot wie der Himmel zur Abenddämmerung, der andere schwarz wie die Nacht. Offensichtlich teilte Turmalon seine Gedanken mit ihr. Da es aber nicht ihre eigenen waren und die Bilder schnell wieder verschwanden, konnte sie sich nicht viele Details einprägen.

„Erinnerungen, die so frisch sind, dass ich es nicht glauben wollte, als Rak‘Zunaih behauptete sie seien bereits vor vielen Jahren getötet worden. Ich dachte es war wieder nur eins seiner Spielchen, um den Hass in mir weiter zu schüren. Doch nun befürchte ich, dass diese verdammte Echse Recht hatte.“ Das Bild, was er ihr jetzt zeigte, verstörte sie zusehends. Sie sah einen Mann, oder zumindest glaubte sie dass es einer war. Er hatte zwar die Statur eines Menschen aber seine Haut war überall von dunkelgrünen Schuppen bedeckt. Was aber am deutlichsten herausstach, war sein Gesicht. Seine Form ähnelte der von Turmalons, wobei die Schnauze nicht ganz so ausgeprägt war. Er besaß keinerlei Haare auf dem Kopf. Stattdessen zog sich eine Reihe kleiner Hörner, über den Augen beginnend, an der Seite des Schädels entlang und wurden nach hinten etwas länger und dicker. Der Rest des Körpers wurde von, zwar ungewöhnlicher aber dennoch nicht unpassender Kleidung verdeckt.

„Wer oder was war das?“, fragte Rianna, nachdem sie sich wieder gefasst hatte.

„Das war Rak’Zunaih oder zumindest so, wie er sich mir meistens gezeigt hat!“, antwortete Turmalon. „Ein Lyzarie oder Echsenmensch, wenn man es so will. Sie leben in den Sümpfen jenseits des großen Gebirges und deiner Heimat.“

„So jemanden habe ich noch niemals gesehen!“, stellte Rianna fest und überlegte, ob sie je irgendwelche Geschichten über eine solche Rasse gehört hatte. „Wenn nicht nur er die Fähigkeit hat, sein Aussehen zu ändern, sondern alle seiner Art. Könnte es dann sein, dass der Soldat von vorhin auch ein Lyzarie war? Oder jene, welche die Karawane angegriffen haben?“

Turmalon dachte einige Zeit über diese Frage nach, erwiderte dann: „Möglicherweise! Es würde zumindest einiges erklären.“

„Allerdings!“, stimmte sie ihm zu. „Stellt sich nur noch die Frage: Wieso machen sie das? Allerdings nehme ich nicht an, dass du darauf eine Antwort hast.“ Der Drache schüttelte den Kopf und bestätigte so ihre Vermutung.

Rianna sah sich nochmals in der Höhle um, bis ihr Blick an dem Durchgang hängen blieb, der tiefer in sie hinein führte. „Was ist dort unten?“, wollte sie darauf hin wissen.

„Das würde ich auch gerne wissen! Leider konnte ich nichts mehr erkennen. Ich kann zwar bei Nacht genauso gut sehen wie am Tag, aber in völliger Finsternis sind auch mir Grenzen gesetzt!“

„Dann benutzen wir doch einfach eine Fackel! Am Teich draußen standen einige Bäume. Holz sollte also kein Problem sein. Dummerweise habe ich keinen Zunder und Feuerstein … noch eine Sache von vielen die ich vergessen habe, mit zu nehmen …“ Ein wenig wehmütig dachte Rianna an ihr Zuhause und wie gut sie es, trotz der Umstände die ihr Vater ihr bereitete, eigentlich hatte. „… oder zurückgelassen habe.“ Sie schwieg eine Weile bis sie sich daran erinnerte, was sie in den letzten Tagen alles erlebt hatte. Es gab zwar ein paar Momente auf die sie auch gerne hätte verzichten können. Jedoch glich der Rest dies mehr als genügend aus. Dann sah sie wieder zu Turmalon hinüber, welcher ihr gegenüber saß. Er wartete offenbar noch immer darauf, dass sie ihre Idee zu Ende spann.

„Können Drachen nicht auch Feuer speien? So was habe ich zumindest immer in einigen Geschichten gehört“, fiel ihr daraufhin ein.

Turmalon schnaubte darauf hin und erklärte dann: „Können wir mit Sicherheit! Nur gab es niemand der es mir hätte beibringen können!“

„Es tut mir leid“, entschuldigte sich Rianna, da sie ihre Aussage bereute. „Ich habe unten am Ufer ein Dorf gesehen. Was hältst du davon, wenn ich morgen hinuntergehe und mir dort, dass was mir fehlt, besorge. Vielleicht erfahre ich ja auch etwas über den Hort! In solchen Dörfern gibt es bestimmt immer irgendwelche Geschichten die man sich darüber erzählt. Mit ein wenig Glück ist ja auch etwas dabei, was uns weiterhilft.“

„Eine guter Einfall“, erwiderte Turmalon, „soll ich dich herunterbringen oder willst du selbst runterklettern?“

„Ich denke, ich werde die sichere Methode bevorzugen!“, antwortete Rianna. „Jetzt aber werde ich mir ein Bad draußen im Teich gönnen. Das ist nämlich unbedingt mal wieder nötig! Nicht nur bei mir.“ Zwinkerte lächelte sie dem Drachen zu und verließ die Höhle. Dieser verstand zwar nicht worauf sie hinaus wollte, da er seiner Meinung nach sauber war, folgte ihr aber dennoch.

„Rianna, wach auf!“, sagte Turmalon und stupste ihre Schulter immer wieder mit der Schnauze. Verschlafen rieb sie sich die Augen und wollte wissen was los sei.

„Sieh es dir einfach selbst an!“, erwiderte er lediglich.

Rianna blinzelte einige Male und glaubte, dass es bereits wieder Tag wäre. Schon bald erkannte sie allerdings, dass das Licht nicht von draußen hinein schien, sondern aus dem inneren der Höhle kam. Überall an der Decke und den Wänden gaben kleine Kristalle ein schwaches leuchten von sich. Es war nicht mit Tageslicht zu vergleichen, reichte aber vollkommen aus um alles erkennen zu können. Auch der Weg tiefer in die Höhle war nun ausgeleuchtet.

„Wieso haben diese Steine nicht heute Nachmittag geleuchtet?“, fragte Rianna und bewunderte das Spiel der verschiedenfarbigen Kristalle.

„Vielleicht tun sie das ja nur wenn es dunkel ist“, mutmaßte Turmalon.

„Du meinst wie Glühwürmchen? Die leuchten ja auch immer nur wenn es dunkel wird“, erklärte Rianna, woraufhin der Drache sie fragend ansah. Aber anstatt herauszufinden was sie meinte, stand er auf und ging zu dem nun beleuchteten Durchgang. Kurz schüttelte er seinen Kopf, so als ob er seinen letzten Gedanken loswerden wollte. Turmalon schaute nochmals zurück zu Rianna, die noch immer auf ihrem Nachtlager lag. Schnell verstand sie, dass er tiefer hineingehen wollte und nur darauf wartete, dass sie ihm folgte. Sofort schlüpfte sie in ihre Schuhe und lief ihm hinterher. Gemeinsam gingen sie nun den leicht abschüssigen Gang entlang.

Nach einer Weile teilte sich dieser, weshalb Turmalon stehen blieb. Kurz sah er sich beide Wege an. Einen Moment später hatte er eine Entscheidung getroffen und führte seinen Weg fort. Für Rianna unterschieden sich die beiden Gänge nur unwesentlich und sie nahm an, dass der eine so gut war wie der andere.

Einige hundert Schritt später kamen sie an eine weitere Weggabelung. Abermals wählte Turmalon eine Richtung aus und ging unbekümmert weiter.

Als sich der Weg jedoch zum dritten Mal teilte, wuchs in Rianna die Befürchtung, dass sich verlaufen würden, wenn dies so weiter ginge. Daher fragte sie: „Weißt du wo wir lang müssen oder rätst du einfach nur? Das hier kommt mir wie ein Labyrinth vor! Nicht dass wir am Ende nicht mehr herausfinden!“

„Keine Angst! Ich habe einen guten Orientierungssinn. Aber selbst wenn der versagen sollte, könnte ich immer noch unseren Geruch zurückverfolgen“, versuchte der Drache sie zu beruhigen und begann dann zu lächeln. „Außerdem sagt mir etwas, dass wir den roten Steinen folgen sollten!“ Anschließend ging er weiter und ließ Rianna, sich irritiert umsehend, zurück. Erst jetzt viel ihr der Unterschied, den er meinte, auf. Denn nur auf dem Weg dem sie folgten, war zwischen den vielen, verschieden Farbigen Kristallen, ab und zu auch ein roter versteckt.

Die Gänge teilten sich noch einige Male und je tiefer sie hinabstiegen, desto wärmer wurde es. Schließlich endete der Weg in einer riesigen Höhle.

Diese war mehr oder weniger kreisrund. Die Decke lag so hoch, dass man sie kaum erkannte. Turmalon könnte ohne Probleme in ihr herumfliegen. Was höchstwahrscheinlich auch nötig war. Denn in den Wänden rings um, gab es überall Nischen und Durchgänge zu weiteren Höhlen in den verschiedensten Größen. Aber alle groß genug, dass ein oder mehrere Drachen Platz darin fanden.

An der rechten Seite wurde der Kreis von einem großen unterirdischen See unterbrochen. Rianna kam zu dem Schluss, dass der See irgendwie mit dem Teich vor dem Hort verbunden sein musste. War sich dessen aber nicht vollkommen sicher.

Aber als wäre dies alles nicht schon beeindruckend genug, befand sich auch noch ein imposanter Felsen in der Mitte des Raumes. Das besondere an ihm war, dass er ein gelb-oranges Licht von sich gab und zusätzlich Wärme abstrahlte. Außerdem befanden sich in den meisten der Nischen, kleinere Abbilder dieses Steines. Alles zusammen tauchten sie die gesamte Höhle ich ein sanftes Licht und waren wohl auch für die hohe Temperatur darin verantwortlich.

Gemeinsam mit Turmalon, erkundete Rianna einige der Nischen und Höhlen auf Bodenhöhe. Darin gab es jedoch nichts Besonderes zu entdecken. Ein paar Steine, Äste und selbst über einige bleiche Knochen wunderte sie sich nicht. Als sie dann ein zerbrochenes Ei fand, welches mal die Größe ihres Kopfes gehabt haben muss, fragte sie: „Das hier ist zwar der Erste den ich betrete aber ich glaube nicht, dass es der übliche Hort eines Drachens ist, oder? Hier lebten doch weit mehr als nur ein oder zwei von ihnen!“

„Es ist auch für mich der Erste“, erwiderte Turmalon, was Rianna erstaunen ließ. „Aber ja ich gebe dir recht! Hier ist Platz für mehr als hundert von uns! Aber ich habe das Gefühl, dass diesen Ort schon sehr viel länger kein Drache mehr betreten hat. Im Gegensatz zu der Höhle am Eingang.“

„Was lässt dich das glauben?“, wollte Rianna wissen.

„Nun das ist ganz einfach erklärt. Der Eingang des Hortes wurde von dem Drachen, der ihn zuletzt für sich beanspruchte, markiert“, erklärte Turmalon. „Diese Markierung war zwar nicht mehr sehr stark aber immer noch gut wahrnehmbar. Auch hier unten ist noch die ein oder andere dieser Markierungen vorhanden. Jedoch sind sie fast nicht mehr spürbar.“ „Markiert? Wie ein Hund der sein Revier markiert in dem er überall hinpinkelt?“, fragte Rianna und verzog angeekelt ihr Gesicht.

Turmalon schien dieses Vorstellung ebenfalls zu missfallen, fing dann aber an zu lachen und antwortete: „Nein, es ist eine einfache magische Markierung. Die hält auch etwas länger und überlebt auch den nächsten Regenschauer!“

„In Ordnung, das hört sich auch besser an“, stellte sie erleichtert fest und wandte sich von ihm ab. „Ich werde mir mal den See etwas genauer ansehen.“

Turmalon gab ihr keine Antwort sondern begann die höhergelegenen Zugänge zu untersuchen.

Als Rianna am Rand des Sees stand, fiel ihr sofort auf, dass auch darin überall die leuchtenden Steine lagen. Sie kniete sich davor und Tauchte ihre Hand in das Wasser. Es überraschte sie nicht einmal mehr das auch dieses angenehm warm war und rief: „Hätte ich gewusst, dass hier unten ein warmes Bad auf mich wartet, wäre ich eben nicht in den kalten Teich gegangen!“

„Was hält dich davon ab, noch eines zu nehmen?“, rief ihr Turmalon entgegen, der sie offensichtlich gehört hatte „Ich werde sowieso noch einige Zeit brauchen bis ich mich hier umgesehen habe und wir haben doch alle Zeit der Welt!“

„Du hast Recht!“, sagte sie mehr zu sich selbst. Dann ließ sie sich vorsichtig ins Wasser gleiten um zu sehen wie tief es war. An der Stelle wo sie hinein ging, wurde es vom Rand aus direkt sehr tief. Aber an einigen der leuchtenden Steine, die nah an der Wasseroberfläche lagen, erkannte sie dass es auch flachere Stellen geben musste. Also schwamm sie am Rand entlang und fand nur wenige Augenblicke später einen Platz an dem sie bequem im Wasser liegen konnte.

Turmalon flog eine der oberen Kammern an. Er war sich nicht sicher, was er überhaupt erwartete hier zu finden. Einen ersten Hoffnungsschimmer, dass er seine Eltern tatsächlich fände, hatte er bei der Markierung vor dem Hort. Diese stammte eindeutig von seinem Vater. Dann aber die völlig leere Höhle vorzufinden, verpasste seiner anfänglichen Freude einen deutlichen Dämpfer. Rianna versuchte er dies nicht spüren zu lassen. Zwar konnte er ihre Entscheidung, dass sie ihre Eltern verließ, nicht ganz nachvollziehen. Denn schließlich war er im Gegensatz auf der Suche nach seinen, die er noch nie getroffen hatte. Aber er akzeptierte ihren Entschluss, da er nicht den Eindruck hatte, dass es sie bedrückte oder unglücklich machte.

Was ihn aber am meisten an ihr faszinierte, war ihre Neugierde und die Hartnäckigkeit dahinter, diese zu sättigen. Wann immer er ihr die Beantwortung einer Frage zu seiner Vergangenheit verwehrt hatte, gab sie ihm das Gefühl, dass sie es nicht dabei belassen wollte. Allerdings gab es mittlerweile ohnehin nicht mehr viel, was sie nicht von ihm wusste.

Turmalon musste innerlich auflachen wegen dieses Umstandes. So hatte es Rianna tatsächlich geschafft, ihm mehr zu entlocken, als er zu Beginn bereit war preis zu geben. Allerdings bereute er dies auch nicht. Schließlich vertraute er ihr, wie noch keinem anderen in seinem bisherigen Leben. Dies war jedoch eines der Rätsel, welches ihn seit einiger Zeit, immer mal wieder beschäftigte: Wie konnte sie es so schnell bewerkstelligen, sein Vertrauen zu gewinnen.

Ein schriller Schrei von Rianna, der aber schnell wieder verstummte, riss Turmalon aus seinen Gedanken.

„Alles in Ordnung bei dir?“, rief er in die Tiefe der Höhle hinunter. Das Echo seiner Stimme war allerdings die einzige Antwort, die er bekam. Besorgt darüber, was geschehen sein mochte, ließ er sich vom Rand der Nische herab gleiten.

Die Höhle bat zwar ausreichend Platz, dass er problemlos darin herumfliegen konnte. Jedoch befürchtete er, wenn er sich herabfallen lassen würde und erst kurz vor dem Boden seinen Sturz abfinge, dass er gegen eine der Wände stoßen würde. So blieb ihm nichts anderes übrig, als langsam, immer im Kreis fliegend, hinab zu sinken.

Kurz bevor er den Boden erreichte, bemerkte er eine Spur aus Wasserlachen, die zum Ausgang der Höhle führte.

„Wo willst du hin?“ rief er in den Gang und landete davor, da er zu eng war, um hinein zu fliegen. Der Weg teilte sich bereits nach wenigen Schritten das erste Mal. Die immer weniger werdenden Pfützen auf dem Boden zeigten aber, dass Rianna in die falsche Richtung lief.

„Das ist nicht der richtige Weg! Wenn du …“, Turmalon konnte gerade noch erkennen, wie etwas um die Ecke des Gangs huschte. Er wusste nicht um was es sich handelte, konnte aber mit Sicherheit sagen, dass es nicht Rianna war.

Nach dem er vor Schreck kurz stehen geblieben war, spurtete er so schnell wie möglich, dem, was auch immer es war, hinterher. Zu Augen bekam er es nicht mehr. Dafür bewegte es sich offensichtlich zu schnell. Auch die Wasserspuren hatten sich längst aufgelöst, sodass er sich bei der nächsten Weggabelung auf ihre Witterung verlassen musste. Mit ihrem Geruch war er ja zum Glück bestens vertraut und konnte ihn schnell aufspüren.

Das, was ihm dabei ebenfalls in die Nase stieg, gefiel ihm jedoch gar nicht. Es war ein muffiger und nach Aas stinkender Geruch. Er konnte es zwar keinem, ihm bekannten Wesen zuordnen, aber er war sich sicher, dass Rianna seine nächste Mahlzeit sein sollte. Turmalon musste sich also beeilen, wenn er dies noch verhindern wollte und hoffte, dass es dazu noch nicht zu spät war.

Immer tiefer drang er in das, wie es Rianna treffend beschrieben hatte, Labyrinth ein. Und je weiter er ging, desto weniger Licht spendenden Kristalle gab es. Auch die Tunnel selbst sahen immer weniger so aus als wären sie angelegt worden. Längst hatte Turmalon seine, noch vorhin hoch angepriesene Orientierung verloren. Er folgte nur noch Riannas Witterung und verließ sich darauf, dass er auf dieselbe Weise wieder herausfände.

Immerhin reichte ihm das Licht, der wenigen, verbleibenden Kristalle, vollkommen aus um alles erkennen zu können. Ein Mensch hätte längst nur noch das schwache leuchten selbst wahrgenommen und wären ansonsten Blind umhergeirrt.

Turmalon blieb abrupt stehen, als er vor sich ein schabendes Geräusch hörte.

Vorsichtig und so leise er konnte, schlich er weiter und kam in einen weiteren Raum. Kaum größer als der Tunnel selbst. Alles war von einem feinen Gespinst eingehüllt und die Ursache dafür war auch schnell gefunden.

Eine, im Vergleich zu Turmalon, halb so große Spinne, die gerade dabei war, etwas in ihre Spinnenseide einzuwickeln. Er musste nicht lange überlegen, was dies sein könnte.

Knurrend ging Turmalon langsam auf die Spinne zu. Jederzeit dazu bereit sie anzugreifen, wenn sie eine falsche Bewegung machte.

Was er jedoch nicht wusste, war das sie ihn schon vorher bemerkt hatte, sich aber nicht an seiner Anwesenheit hatte stören lassen. Jetzt jedoch sprang sie zischend vor dem Drachen zurück und spreizte ihm das vorderste Beinpaar entgegen.

Mit jedem Schritt den Turmalon auf sie zu machte, wich sie einen zurück. Das ging so lange, bis er die, vollkommen in Spinnenweben eingehüllte Rianna erreichte.

Sofort befreite er ihren Kopf von dem Gespinst und entdeckte eine Bisswunde in ihrem Nacken.

So als wolle sie ihre Beute verteidigen, sprang die Spinne einige Schritt nach vorne, ohne den Drachen jedoch direkt anzugreifen. Sie schien zu ahnen, dass sie dem Drachen nicht nur körperlich unterlegen war und versuchte den Störenfried durch bloße Drohgebärden zu vertreiben.

Turmalon ließ sich davon aber nur wenig beeindrucken. Eher im Gegenteil. Seinerseits sprang er der Spinne entgegen. Mit seinem Maul schnappte er nach einem ihrer Beine und hätte dieses auch erwischt, wäre die Spinne nicht augenblicklich zurückgewichen.

Im Gegenzug spuckte sie ihm irgendetwas ins Gesicht. Der Drache reagierte allerdings nicht schnell genug und bekam die Flüssigkeit in Nase und eines der Augen, wo es einen brennenden Schmerz verursachte. Schnaubend schreckte Turmalon zurück und versuchte durch Kopfschütteln das Brennen wieder loszuwerden. Auf einem Auge geblendet nahm er keine Rücksicht mehr auf die Spinne und griff sie an.

Mit voller Kraft rammte er sie und stieß sie gegen eine der Wände. Einzig und allein ihr harter Panzer schützte sie vor größerem Schaden. Wieder versuchte sie in mit ihrem Gift anzuspucken doch verfehlte dieses mal. Erneut griff Turmalon an und schlug mit seinen Pranken zu. Gegen seinen kräftigen Hiebe konnte sie sich nicht wehren. Allerdings konnte sie sich auf ihre natürliche Rüstung verlassen, die sie ausreichend vor schwereren Verletzungen schützte. Zudem gelang es ihr immer mal wieder eine der Pranken zu packen. Dabei versuchte sie ihn zu beißen und ihr Gift zu injizieren. Dies gelang ihr aber nicht jedes Mal. Dadurch erinnerte sich Turmalon an die Bissspuren in Riannas Nacken und war sich sicher, dass die Spinne auch sie vergiftet hatte. Er musste jetzt also rasch handeln, wenn er ihr noch helfen wollte.

Mit einer schnellen Drehung peitschte Turmalon seinen Schwanz gegen die Seite der Spinne, die dadurch einige Schritt zur Seite geschleudert wurde. Langsam rappelte sie sich wieder auf, sah aber offensichtlich ein, dass sie keine Chance gegen den Drachen hatte. Sobald sie wieder auf ihren, stark in Mitleidenschaft gezogenen Beinen stand, zog sie sich tiefer in ihren Bau zurück.

Direkt nachdem sie verschwunden war, galt Turmalons Aufmerksamkeit Rianna. Er befreite sie von dem restlichen Gespinst und konnte dann beobachten, wie sie zwar flach aber regelmäßig atmete. Erleichtert schnaufte Turmalon durch und wusste dennoch nicht wie er ihr jetzt helfen sollte. Darüber konnte er sich aber immer noch unterwegs Gedanken machen. Nun galt es erst einmal Rianna aus dieser Höhle rauszubekommen.

Er legte sie sich schließlich auf den Rücken und fixierte sie mit dem Flügeln, so dass sie nicht runterfallen konnte. Die beiden Schwingen lagen nun zum Teil übereinander, was für Turmalon eine eher unangenehme, fast Schmerzhafte Haltung war. Aber für Riannas Wohlergehen nahm er dies hin. Eilig lief er wieder zurück in die verzweigten Gänge der Höhle.

Bei dem Versuch abermals die Witterung aufzuspüren, um den Weg zurück zu finden, musste er erschrocken feststellen, dass er überhaupt nichts mehr roch. Hinzu kam, dass er auf dem Auge, welches vom Gift der Spinne getroffen wurde, nun gar nichts mehr sah und auch seine beiden Vorderpranken begangen taub zu werden.

Verzweifelt nahm er die Gänge, von denen er glaubte, dass er durch sie zuvor gekommen war. Fand sich aber dann, schnell in einer Sackgasse wieder. Sofort machte er kehrt und rannte blindlings die Wege entlang. Immer wieder endete es darin, dass er irgendwo nicht weiter kam. Bis er letztlich sogar wieder im Bau der Spinne, möglicherweise aber auch in dem einer anderen, landete.

Nun bestand keine Zweifel mehr für Turmalon, dass er sich hoffnungslos verlaufen hatte.

Frustriert ließ er sich auf den Boden sinken und überlegte krampfhaft, wie er hier wieder raus kommen sollte.